…und jetzt alle!

14. Dezember 2012 von sf

Für denn Fall, dass einige mei­ner Lese­rIn­nen im Vor­weih­nachts­stress den Umstieg aufs Sprach­log ver­passt, ver­scho­ben oder ver­drängt (wie bitte?) und ihre RSS-Feeds noch nicht ange­passt haben, hier ein klei­nes Fazit der ers­ten Wochen.

Drü­ben geht echtma die Post ab. Das lässt sich ja gar nicht anders beschrei­ben, wenn man mit gro­ßen Zah­len han­tiert (die Sache mit Mil­li­ar­den und Bil­lio­nen) oder absurde Theo­rien zur Rolle von Wickie inner­halb der eng­li­schen Sprach­ge­schichte, nunja, demon­tiert. Und, wuss­tet ihr, dass Krea­tio­nis­ten auch die Sprache­vo­lu­tion mit der Bibel erklä­ren kön­nen? Tja.

Ach so, ja, unsere neuen alten Kate­go­rien Blog­spek­tro­gramm und Sprach­bro­cken kom­men als gewohnt bun­tes sprach­li­ches Aller­lei jetzt sogar jede Woche. Jede.

Zuletzt sei noch ange­merkt, dass die beste Wort­wahl der Welt für 2012 ihren Betrieb auf­ge­nom­men hat. Noch bis zum 7. Januar kön­nen Sie Ihren Favo­ri­ten nomi­nie­ren, und zwar genau hier (also da, also über den Link hier). Natür­lich nur, wenn Sie unse­ren Sinn für Humor tei­len und sehen, dass wir ›tolle‹ Angli­zis­men suchen und nicht ›blöde‹. In der Jury um Ana­tol Ste­fa­no­witsch sit­zen am Küchen­tisch der Sprachlog-WG die Mit­be­woh­ne­rin­nen Kris­tin Kopf & ich, sowie erst­mals Frank Schil­den (Spr­AA­CHEN­blog) und Kilian Evang (Inten­dant des text­thea­ters). Über 40 Nomi­nie­run­gen in einer Woche - da kommt tolle Arbeit auf uns zu. Nur, falls uns zu Weih­nach­ten nix mehr einfällt.


Es gibt kein Sprachlog

28. November 2012 von sf

Moment.

Wir haben Sie nicht ange­lo­gen. Es gibt ein neues Sprachlog.

Im neuen Sprach­log blog­gen Kris­tin Kopf, Ana­tol Ste­fa­no­witsch und ich in einer offe­nen Runde über Spra­che. Die Pla­nun­gen waren hart und inten­siv , die Reno­vie­run­gen aber größ­ten­teils abge­schlos­sen - was auch die rela­tive Schweig­sam­keit unse­rer Blogs über die Som­mer­mo­nate erklärt. Aber das alles ist jetzt Ver­gan­gen­heit, denn wir sind zusam­men­ge­zo­gen, drü­ben in der neuen Blog-WG. Was aus der alten Woh­nung hier wird habe ich noch nicht ent­schie­den. Mal schaun. Die Bei­träge blei­ben hier vor­erst online, sind aber mit auf den Dach­bo­den der WG umgezogen.

Das neue Sprach­log - ab sofort unter www.sprachlog.de.

Das Beste und mehr aus einer min­des­tens drei­di­men­sio­na­len Sprachblogwelt.


Lebendige bedrohte Wörter

9. September 2012 von Susanne Flach

Ges­tern war mal wie­der »Tag der deut­schen Spra­che«. So genau war mir nie rich­tig klar, was die Initia­to­ren damit wirk­lich bezwe­cken wol­len. Naja, nut­zen Sie halt mal die deut­sche Spra­che! Brül­len Sie schnell zehn Mal »deutsch« in Groß­buch­sta­ben! Stop­pen Sie den sint­flut­ar­ti­gen Sprach­wan­del mit blo­ßen Hän­den und pas­sen Sie auf, dass Ihnen kein Angli­zis­mus durch die Fin­ger glitscht! Und ver­mei­den Sie bloß sone neu­mo­di­schen Indefinitdemonstrativartikel!

Die Badi­sche Zei­tung, die zu die­sem Anlass bereits im letz­ten Jahr mit einem »Floskel-Alphabet« was Volon­tie­ren­des beschäf­tigt hat, macht die­ses Jahr mit einem ABC der »Bedroh­ten Wör­ter« auf. These Ergeb­nis: »Immer mehr Begriffe, die wir lie­ben, gera­ten in Ver­ges­sen­heit.« Die­ser Spruch setzt sich zwar sofort dem Ver­dacht eines Oxy­mo­rons aus, weil ein Wort ja per Defi­ni­tion nur dann aus­ster­ben kann, wenn es nicht mehr genutzt wird. Die­ser Ein­wand wäre jetzt aber nur unnö­tig ver­kür­zend: mir kann ja ein Wort gefal­len und ich kann es nut­zen - aber wenn es sonst kei­ner tut, werde ich mein Lieb­lings­wort mit ins Grab neh­men. Umge­kehrt gilt natür­lich, dass nicht jedes Wort, was ich als sel­ten ansehe oder emp­finde, auch sel­ten ist.

In der Hoff­nung, dass alle mit der fol­gen­den Defi­ni­tion leben kön­nen, ver­knüp­fen wir an ›bedroht‹ die Erfül­lung fol­gen­der Bedingungen*:

  1. Es ist in der Ver­gan­ge­heit über­haupt genutzt worden.
  2. Es ist in der Ver­gan­gen­heit (dau­er­haft) deut­lich häu­fi­ger genutzt wor­den, als heute.

Auto­rIn »bwa« von der Badi­schen Zei­tung setzt fol­gende Begriffe auf die Liste der bedroh­ten Wörter:

aber­mals, blü­me­rant, Chose, dort**, ete­pe­tete, froh­lo­cken, gars­tig, hane­bü­chen, Ingrimm, Jubel­per­ser, knorke, Lab­sal, Meschugge, Nuckel­pinne, Ohren­schmaus, pous­sie­ren, Quas­sel­strippe, Rat­zefum­mel, Som­mer­fri­sche, Schu­ri­geln, töricht, unhold, Vet­ter, Wen­de­hals, Xan­thippe, Yup­pie, Zierrat

Auf wel­cher sub­jek­ti­ven Grund­lage die Liste erstellt wurde, bleibt das Geheim­nis von »bwa«. Sie basiert aber sicher nicht auf wirk­li­chem Sprach­ge­brauch. Dabei wär das sogar recht ein­fach gewe­sen: Der fol­gen­den Ein­grup­pie­rung liegt eine kurze Suche über Goog­leN­grams zugrunde (kon­ser­va­tiv bewer­tet, Zeit­raum 1800-2000, smoothing=3):

Die abso­lu­ten Stars der Liste, da ihre Fre­quenz zumin­dest bis 2000 kon­ti­nu­ier­lich ansteigt - mal mehr, mal weni­ger -, sind blü­me­rant, Chose, ete­pe­tete, hane­bü­chen, Jubel­per­ser, knorke, Meschugge, Quas­sel­strippe und Yup­pie. Bei eini­gen die­ser Wör­ter ist gegen Ende even­tu­ell ein klei­ner Abfall rein­in­ter­pre­tier­bar - aber es dürfte a) frag­lich sein, ob dies ein ein­deu­ti­ger Trend ist und b) trotz der Tat­sa­che, dass Goog­le­Books bei 2000 auf­hört, eher unwahr­schein­lich sein, dass sie des­halb als ›bedroht‹ emp­fun­den wer­den müssen.

Damit kei­ner ohne bunte Bild­chen nach Hause gehen muss, eine kleine Aus­wahl aus der Kate­go­rie »hat Kar­riere vor sich«:

Größ­ten­teils unver­än­dert (lies: sta­bil) bzw. unter Umstän­den sehr stark schwan­kend, aber kei­nes­wegs im Unter­gang begrif­fen sind gars­tig, Ohren­schmaus, Som­mer­fri­sche, schu­ri­geln, Unhold, Vet­ter, Wen­de­hals (den stei­len Anstieg ab den 80ern igno­riere ich geflis­sent­lich) und Xan­thippe. Keine Aus­sa­gen erlaubt NGram zu Nuckel­pinne und Rat­zefum­mel. Und zumin­dest bei Nuckel­pinne ist in mei­ner sub­jek­ti­ven Ein­schät­zung weder (1) noch (2) erfüllt - es grenzt irgend­wie schon fast an einen Okkasionalismus.

Rat­zefum­mel klingt für mich nach Kin­der­spra­che. Eine nicht-repräsentative Umfrage unter mei­nem ein­zi­gen Facebook-Kontakt, der in der 10. Klasse der­zeit noch die Schul­bank drückt, hat das bestä­tigt: ›Nein, in der Grund­schule [viel­leicht,] aber jetzt nicht mehr‹ - immer­hin kannte er es. Um die Über­le­bens­chan­cen von Rat­zefum­mel muss man sich aber keine Sor­gen machen: die hand­voll Belege aus dem Wort­schatz­por­tal der Uni Leip­zig bezeich­nen mit Rat­zefum­mel sin­ni­ger­weise eine Art Papstgewand.

[ke hat meine Quelle kon­trol­liert und mich dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass mit Rat­zefum­mel in die­sen Bele­gen immer noch ein Radier­gummi gemeint ist, dies­mal mit dem Kon­ter­fei des Paps­tes. Jetzt weiß ich gar nicht, ob ich mich für ne Schlud­rig­keit ent­schul­di­gen muss oder mich für die Erfin­dung der Bedeu­tungs­er­wei­te­rung ›Papst­ge­wand‹ loben darf.]

Kri­te­rien (1) und (2) erfül­len ledig­lich aber­mals, froh­lo­cken, Ingrimm, Lab­sal, pous­sie­ren und töricht. Aber bevor wir bekla­gen, dass zum Bei­spiel aber­mals vom Aus­ster­ben bedroht ist: das Wort ist ein­fach noch viel zu häu­fig, um von nie­man­dem mehr ver­wen­det oder gar ver­stan­den zu werden.

Natür­lich sind die vor­ge­schla­ge­nen Wör­ter alle sehr unter­schied­lich fre­quent und damit schon poten­ti­ell unter­schied­lich ›bedroht‹. Und natür­lich bewe­gen wir uns bereits weit unterm Pro­mil­le­be­reich, wo nied­rig­fre­quente Lexeme auch mal schnell weg vom Fens­ter sind (womit aber die Wahr­schein­lich­keit steigt, dass wir sie gar nicht ver­mis­sen wer­den). Im Gro­ßen und Gan­zen: ganz so düs­ter ist es halt nicht mit die­sen Kan­di­da­ten - im Gegen­teil: der über­wie­gende Anteil die­ser Liste bedroh­ter Wör­ter erfreut sich inner­halb sei­nes Fre­quenz­be­reichs bes­ter Gesundheit.

Und falls doch nicht: Ohne Ingrimm lässt es sich leich­ter leben.

 

PS: Die BILD-Zeitung lis­tet »die zehn längs­ten deut­schen Wör­ter« (Link kön­nen Sie der­zeit ver­mut­lich noch googeln):

  1. Grund­stücks­ver­kehrs­ge­neh­mi­gungs­zu­stän­dig­keits­über­tra­gungs­ver­ord­nung
  2. Rind­flei­sche­ti­ket­tie­rungs­über­wa­chungs­auf­ga­ben­über­tra­gungs­ge­setz
  3. Ver­kehrs­in­fra­struk­tur­fi­nan­zie­rungs­ge­sell­schaft
  4. Gleich­ge­wichts­dich­te­gra­di­en­ten­zen­tri­fu­ga­tion
  5. Elek­tri­zi­täts­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­setz
  6. Ver­kehrs­we­ge­pla­nungs­be­schleu­ni­gungs­ge­setz
  7. Hoch­leis­tungs­flüs­sig­keitsch­ro­ma­to­gra­phie
  8. Restrik­ti­ons­frag­ment­län­gen­po­ly­mor­phis­mus
  9. Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chungs­ver­ord­nung
  10. Unter­neh­mens­steu­er­fort­ent­wick­lungs­ge­setz

Diese sol­len »in min­des­tens vier Tex­ten belegt« sein. Ja, die meis­ten ver­mut­lich hier, hier, hier und hier.

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*Danke an Dierk Haa­sis für die Lösung eines logi­schen Feh­lers in der Bedinungsbedingung.

**Was das hoch­fre­quente dort dort (oder hier?) zu suchen hat, ent­zieht sich mei­nem Inter­pre­ta­ti­ons­hori­zont. Begrün­det wird es der­weil mit einer Art Deixis-Problem:

»Vor­sicht auf der A5 zwi­schen Freiburg-Süd und Freiburg-Mitte. Hier kommt Ihnen einen Falsch­fah­rer ent­ge­gen«. »Hier?« Sätze wie die­sen sagt der Mann im Radio fast jeden Tag. Rich­tig sind sie den­noch nicht. Die Sache mit dem Falsch­fah­rer mag stim­men, die Sache mit dem »Hier« aber nicht. Dass auch durch­aus begna­dete Repor­ta­gen­schrei­ber das Wört­chen »hier« zuneh­mend falsch ein­set­zen, macht es nicht bes­ser. »Hier« ist stets da, wo sich Hörer oder Leser gerade auf­hal­ten. Am Früh­stücks­tisch, im Bett oder sonst wo. Aber nicht zwin­gend auf der A5 zwi­schen Freiburg-Mitte und Freiburg-Süd.

Ja, aber die Höre­rIn­nen, die vom Geis­ter­fah­rer poten­ti­ell betrof­fen sind, gehö­ren eben auch zu den Höre­rIn­nen. So ein­fach ist das. Und mög­li­cher­weise gibt es einen psy­cho­lo­gi­schen Vor­teil, so eine Art Signal­wir­kung, dass hier gegen­über einem dort bes­ser vor der Gefahr warnt, weil man mit hier seine unmit­tel­bare Umge­bung asso­zi­iert. Wer weiß.


Ambiguitätenolympiade

19. August 2012 von Susanne Flach

Der Bei­trag hätte natür­lich vor dem Olympia-Overkill vor drei Wochen erschei­nen sol­len oder zumin­dest in den 16 Tagen danach, aber man will son Fest ja gucken und nicht drü­ber schrei­ben. Also: Was bedeu­tet Olym­piade und was ist angeb­lich so falsch daran, es zu nut­zen, wenn man das Sport­fest selbst meint?

Foren sind ja voll davon. Und meist endet die Dis­kus­sion damit: »Das heißt Olym­pi­sche Spiele. Olym­piade ist nur die Zeit zwi­schen den Spielen.«

Heute haue ich nicht in die »wenn es aber von einer aus­rei­chend gro­ßen Zahl von Sprechern…«-Kerbe. Und Kor­pora habe ich für die­sen Bei­trag auch nicht gewälzt. Was bleibt ist die sub­jek­tive Ein­schät­zung, dass eine nicht geringe Menge an Repor­te­rIn­nen, Trai­ne­rIn­nen und Sport­le­rIn­nen selbst Olym­piade benutz­ten, um auf das aktu­elle Ereig­nis zu referenzieren.

Wei­ter­le­sen »


Blogspektrogramm 15 & 16

18. August 2012 von sf

BlogspektrogrammDa ges­tern die Juli-Ausgabe bei Kris­tin im Schplock erschie­nen ist, darf man auch noch auf die Juni-Ausgabe bei Michael im lexi­ko­gra­phieb­log hinweisen.

Wer im Som­mer­loch auf Lesen­wer­tes war­tet - voilà.

In der größ­ten und bes­ten Sprach­blo­gum­schau begrü­ßen wir übri­gens seit der Juni-Ausgabe auch ein neues Fach­mit­glied! Im Spr­AA­CHEN­blog blog­gen Leute von der RTWH Aachen. Die blog­gen dort in ner Gruppe, stellt euch das mal vor! Lin­gu­is­tIn­nen auf einem Hau­fen und in einem Blog! Wahn­sinn! PAUKAL!
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Bis­her erschie­nene Aus­ga­ben:
Blog­spek­tro­gramm #1 (im Sprach­log)
Blog­spek­tro­gramm #2 (im Sprach­log)
Blog­spek­tro­gramm #3 (bei */ˈdɪːkæf/)
Blog­spek­tro­gramm #4 (im text­thea­ter)
Blog­spek­tro­gramm #5 (im [ʃplɔk])
Blog­spek­tro­gramm #6 (im Sprach­log)
Blog­spek­tro­gramm #7 (im lexi­ko­gra­phieb­log)
Blog­spek­tro­gramm #8 (bei */ˈdɪːkæf/)
Blog­spek­tro­gramm #9 (im text­thea­ter)
Blog­spek­tro­gramm #10 (im [ʃplɔk])
Blog­spek­tro­gramm #11 (im lexi­ko­gra­phieb­log)
Blog­spek­tro­gramm #12 (im [ʃplɔk])
Blog­spek­tro­gramm #13 (im text­thea­ter)
Blog­spek­tro­gramm #14 (bei */ˈdɪːkæf/)
Blog­spek­tro­gramm #15 (im lexi­ko­gra­phieb­log)
Blog­spek­tro­gramm #16 (im [ʃplɔk])


Neues von den Humorterroristen

8. August 2012 von Susanne Flach

Erleich­te­rung könnte sich breit machen: Es gibt der­zeit nicht nur Olym­pia. Halt, moment…

Die Humor­ter­ro­ris­ten vom Ver­ein Deut­sche Spra­che (VDS) mel­den sich im Fokus zu Wort, weil sie wie­der nen Preis erfun­den und unters Jour­na­lis­ten­volk geju­belt haben („Dschammeeka-Preis“). Damit kri­ti­sie­ren sie einen ARD-Reporter auf­grund des­sen angeb­li­cher und angeb­lich fal­scher Aus­spra­che von Jamaika*:

Ich habe nichts dage­gen, wenn Repor­ter Län­der in ihrer jewei­li­gen Lan­des­spra­che aus­spre­chen. Dann hieße die Insel aber ‚Dschö­meika‘“, belehrte Krä­mer den Repor­ter. „Dscham­meeka“ wür­den den Namen vor allem Ame­ri­ka­ner aussprechen.

Seufz. Was Krä­mer hier mut­maß­lich ver­sucht, ist die Aus­spra­che des ers­ten Vokal als [ɐ] bzw. [ə] zu kri­ti­sie­ren, wo es doch eigent­lich [ø:] hei­ßen soll. Und beim zwei­ten Vokal hauen wir mit [e:] dane­ben, obwohl es natür­lich [aɪ] hei­ßen soll (ver­mut­lich meint er aber [eɪ]). (Um den Zwei­fels­fall beim Anlaut­kon­so­nan­ten [tʃ], [dʒ] oder [j] geht’s ihm offen­bar nicht.) Dem­nach ent­sprä­che [dʒɐme:kɐ] bzw. [dʒəme:kə] nur der ame­ri­ka­ni­schen Aus­spra­che, nicht der »jewei­li­gen Lan­des­spra­che«, die angeb­lich also [dʒø:meɪkə] hei­ßen soll.

Abge­se­hen davon, dass der gerun­dete Vokal [ø:] in jamai­ka­ni­schen Varie­tä­ten des Eng­li­schen gar nicht vor­kommt und [e] hier kei­nen Diphthong [eɪ] bil­det (Devo­nish & Harry 2004), fra­gen wir doch ein­fach jeman­den, der sich mit der Lan­des­spra­che in Jamaika auskennt:

Wenn ich mich nicht mehr­fach ver­hört habe, ist da weder [ø:] noch [eɪ].

*Der ARD-Reporter zeigt sich über­rascht - und will es nicht gewe­sen sein. Ob Sie’s waren oder nicht, ist aber egal, lie­ber Herr Hark, natür­lich haben Sie den Preis nicht ver­dient. Aber sagen Sie das nicht zu laut, man könnte Ihnen vor­wer­fen, Sie wür­den Humor­ter­ro­ris­ten ernst nehmen.

Lite­ra­tur

Devo­nish, Hubert & Ote­le­mate G. Harry. 2004. Jamai­can Creole and Jamai­can English: pho­no­logy. In: Bernd Kort­mann & Edgar W. Schnei­der [Hrsg]. A Hand­book of Varie­ties of English. Volume 1: Pho­no­logy. De Gruy­ter: 450-480.


Das weibliche Airbus

25. Juli 2012 von Susanne Flach

Am Diens­tag wäre Ame­lia Ear­hart 115 Jahre alt gewor­den. Zeit, sich mal damit zu beschäf­ti­gen, wel­ches Genus Flug­zeuge denn so haben. Denn ver­mut­lich ver­geht keine Ein­füh­rung in die Eng­li­sche Lin­gu­is­tik ohne den Zusatz, dass das auf bio­lo­gi­schem Geschlecht beru­hende Genus­sys­tem des Eng­li­schen Aus­nah­men zulässt: Schiffe, Autos und Flug­zeuge sind da angeb­lich gerne mal feminin.

Zum Eng­li­schen kom­men wir spä­ter - schauen wir mal kurz ins Deut­sche: Wei­ter­le­sen »


Blogspektrogramm #14

15. Juni 2012 von sf

BlogspektrogrammIm neuen Blog­spek­tro­gramm für den Monat Mai sind fast alle wie­der an Deck. Immer­hin befin­den wir uns mitt­ler­weile recht kom­for­ta­bel im zwei­ten Jahr des größ­ten und umfas­sends­ten Rund­um­blicks aus der deut­schen Sprach­blogs­sphäre. Wenn das kein Grund zum monat­li­chen Rund­um­blick wäre!

Den Rei­gen soll Michael Mann vom lexi­ko­gra­phieb­log eröff­nen, der in Von Stun­den­ki­lo­me­tern und New­ton­me­tern all den Neun­mal­klu­gen ant­wor­tet, die nicht müde wer­den zu sagen, dass Stun­den­ki­lo­me­ter ein fal­scher Aus­druck sei. Fach­sprach­lich mag man den Phy­si­kern zustim­men - aber eben nicht aus der sprach­ge­mein­schaft­li­chen Per­spek­tive. Fast schon ein Klas­si­ker der Sprachkritik.

Kris­tin Kopf vom Schplock küm­mert sich in Kei­ner mag Säch­sisch um die Frage, warum Säch­sisch in Umfra­gen zu Dia­le­k­wahr­neh­mung tat­säch­lich immer so schlecht weg­kommt. Die Ant­wort bleibt schwie­rig, der Post ist aber ein groß­ar­ti­ger Ein­blick in das Eigene und das Fremde. Ach­tung: Ent­hält Daten!

Musikalisch-kulinarische Inspi­ra­tion liegt dem Bei­trag von Ste­phan Bopp (Fra­gen Sie Dr. Bopp!) zugrunde, wenn er auf­grund eines Schla­gers kon­ster­niert kon­sta­tiert: Wenn Carne sich auf Sahne reimt.

Ana­tol Ste­fa­no­witsch ver­sorgt die inter­es­sier­ten Lese­rIn­nen seit eini­ger Zeit frei­täg­lich mit den Sprach­bro­cken - ein manch­mal loses, manch­mal the­ma­ti­sches Gru­sel­ka­bi­nett mit kurio­sen Mel­dun­gen zur Spra­che. In Aus­gabe 20.1/2012 geht’s unter ande­rem um den fast schon nied­li­chen Ver­such des Ver­ein Deut­sche Spra­che (VDS), Umfra­gen zu Angli­zis­men »anwalt­lich beglau­bi­gen« zu lassen.

In einem klei­nen Auf­re­ger küm­mert sich Dirk Mül­ler um die Mons­ter unter uns (also, äh, die Mons­ter in der Spra­che). Büro­kra­ti­sche Monster!

Um einen Rant geht es auch Kilian Evang vom Text­thea­ter. Er über­nimmt für Mai die Paten­schaft für einen ganz beson­ders fei­nen Lecker­bis­sen im Vor­ur­tei­le­auf­ar­bei­ten­und­zer­stö­ren: So ziem­lich alles, was so über Chi­ne­sisch und chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen geschrie­ben wird, ist falsch. Fin­det man in Chi­nese Cha­rac­ters: like, wow. von Pinyin News.

Bei mir gings bei Du, Sie, Mül­lers Vieh ums Sie­zen im Eng­li­schen. Oder was viele dafür halten.

Viel Spaß und bis zur Nr. 15!

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Bis­her erschie­nene Aus­ga­ben:
Blog­spek­tro­gramm #1 (im Sprach­log)
Blog­spek­tro­gramm #2 (im Sprach­log)
Blog­spek­tro­gramm #3 (bei */ˈdɪːkæf/)
Blog­spek­tro­gramm #4 (im text­thea­ter)
Blog­spek­tro­gramm #5 (im [ʃplɔk])
Blog­spek­tro­gramm #6 (im Sprach­log)
Blog­spek­tro­gramm #7 (im lexi­ko­gra­phieb­log)
Blog­spek­tro­gramm #8 (bei */ˈdɪːkæf/)
Blog­spek­tro­gramm #9 (im text­thea­ter)
Blog­spek­tro­gramm #10 (im [ʃplɔk])
Blog­spek­tro­gramm #11 (im lexi­ko­gra­phieb­log)
Blog­spek­tro­gramm #12 (im [ʃplɔk])
Blog­spek­tro­gramm #13 (im texttheater)


Wales in Worten

2. Juni 2012 von Susanne Flach

Ich war letz­tens kurz­ent­schlos­sen eine Woche in Wales. Ein paar lin­gu­is­ti­sche Ein­drü­cke sind erwäh­nens­wert - ein klei­ner Feldforschungsbericht.

Wei­ter­le­sen »


Humor

8. Mai 2012 von Susanne Flach

Damit hier auf Dauer nicht der Ein­druck ent­steht, Sprach­wis­sen­schaft­le­rIn­nen hät­ten kei­nen Humor und/oder möch­ten nur an Nörg­lern rum­nör­geln, gibt es ab sofort in unre­gel­mä­ßi­ger Abfolge einen Humor­bei­trag. Ges(t)ammeltes Meta.

Heute ging in mei­ner Facebook-Timeline fol­gen­der Witz herum, den Arnold Zwi­cky 1992 in sei­ner »Pre­si­den­tial Adress« der Lin­gu­is­tic Society of Ame­rica erzählte (zitiert in Gold­berg 2006: 19):

A mathe­ma­ti­cian, a phy­si­cist, an engi­neer, and a lin­gu­ist are try­ing to decide if all odd num­bers are prime. The mathe­ma­ti­cian says, »one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime, 9’s not prime, so no.« The phy­si­cist says, »one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime, 9’s not prime, but maybe that’s expe­ri­men­tal error.« The engi­neer says, »one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime, 9’s prime … «

The lin­gu­ist says, »one’s prime, 3’s prime, 5’s prime, 7’s prime. Aha! We have a uni­ver­sal gene­ra­liza­tion. Nine doesn’t seem to be prime, but it MUST be prime at some under­ly­ing level of representation!«

(Inge­nieu­rIn­nen unter Ihnen müs­sen mir aber die Inge­nieu­rin erklären.)

--
Gold­berg, Adele. 2006. Con­struc­tions at work. The nature of gene­ra­liza­tion in lan­guage. Oxford.