Archiv für Juni 2008

Ein schmaler Grat

Donnerstag, 19. Juni 2008

Zwischen wissenschaftlichem Mehrwert und trivialem Blabla liegen Welten. Irgendwie will man doch, dass niemand die Arbeit wirklich zu Ende lesen will, weil man so abgefahrene und originäre Gedankengänge fabriziert, aber man weiss auch, dass man sich mit abstrusesten Theorien auseinandersetzen muss, um genau dahin zu kommen. Und auf dem Weg dorthin verliert man sich in originären Gedankengängen anderer und denkt: “Shit, was ist das eigentlich für ein Scheiss?”

An guten Tagen weiss man, dass das was ganz Tolles wird und das Thema und die Struktur genau richtig ist und die Empirie die Theorie perfekt belegen wird. Andersrum weiss man, dass die Theorie genau die Richtige ist, um die empirischen Befunde vorherzusagen. Und am Ende des Tages fühlt man sich, als würde man genau die Arbeit abliefern, die niemand lesen will, weil sie so geil ist.

An schlechten Tagen will man am Liebsten aufgeben. Dann, wenn im Kopf gar nix mehr logisch zusammenpasst und alles Gute und Richtige plötzlich zu simpel und profan und unsinnig ist. Gefährlich ist das immer besonders dann, wenn man genau weiss, dass man sowieso nie über ”stating the obvious” und “um den heissen Brei rumreden” hinauskommen wird. Die Theorie ist zu trivial, passt noch nicht mal zum untersuchten Phänomen und am Ende wird gar nichts rauskommen, noch nicht mal kein Ergebnis.

Wie gesagt: zwischen Mehrwert und Blabla liegen Welten.

Und emotional liegen dazwischen oft nur Stunden.

 

Mein Thema

Mittwoch, 18. Juni 2008

Studiengang: Anglistik. Und weil das zu sehr nach Literatur und Shakespeare klingt, sag ich lieber, ich studiere Linguistik. Erhöht zwar meist den Erklärungsbedarf, ist aber weniger anfällig, als der Satz “Ich studiere Englisch”. Letzteres zieht meist ein “Ach, deshalb sprichst du so gut Englisch” nach sich. Äh, wenn das so wäre, würde das ja im Umkehrschluss bedeuten, dass alle meine Kommilitonen vernünftig Englisch… gut, lassen wir das.

Zur Mitte meines Studiums (derzeit: zehntes Fachsemester) war ich eher auf der Schiene der Sprachlehrforschung (Applied Linguistics) und Soziolinguistik. Darauf war auch mein Auslandsstudium an der University of Technology, Sydney (UTS) ausgerichtet. Zum damaligen Zeitpunkt schien eine Symbiose mit meinem zweiten Hauptfach Politikwissenschaft für die Magisterarbeit – “Englisch/Sprachen und Europäische Union” – unausweichlich. Und dann kam alles ganz anders.

Von Juli 2003 bis April 2008 arbeitete ich am Sonderforschungsbereich “Mehrsprachigkeit” als Studentische Hilfskraft im Projekt zur historischen Entwicklung des Englischen in Irland (Hiberno-Englisch) und zu Sprachwandelprozessen in Sprachkontaktsituationen. Und wen das jetzt wirklich im Detail interessiert, kann sich gerne hier informieren.

Dann schrieb ich im April 2007 eine Hausarbeit über ein Phänomen innerhalb des Irischen Englisch und setzte mich zum ersten Mal wirklich mit den Inhalten des Projekt auseinander. Damit war eine wesentliche Weiche umgestellt: vergiss die EU, mach was Irisches!

Und da bin ich nun. Ein Kontaktphänomen im Irischen Englisch. Arbeitstitel: Article Use in Irish English. 19th Century Contact-Induced Change.

Und nu mach mal.

Unpublished…

Dienstag, 17. Juni 2008

Ein Teil der Literatursuche gestaltet sich ja nach dem Schneeballeffekt. Man liest einen Artikel und entdeckt dabei Querverweise auf andere interessant scheinende Artikel und Monographien. Manchmal klingen diese entweder auf Grund ihrer Nennung im Artikel im Zusammenhang mit einem bestimmten Aspekt oder wegen ihres Titels im Literaturverzeichnis so spannend, dass sie den Eindruck erwecken, das Nonplusultra ihres Fachgebiets zu sein.

Mangelnde Ausstattung unserer Bibliotheken oder fehlende und/oder zugriffsbeschränkte Abonnements zu digitalen Fachzeitschriften sind die eine Möglichkeit, von der Wissensaquiese ausgeschlossen zu werden. Besonders fies sind allerdings Verweise auf Literatur der Marke “unpublished PhD/MA thesis, University of X”, “paper presented at the Conference on X, University of X”, “personal communication” oder “unpublished manuscript”.

Dann war’s halt doch nicht wichtig. Oder?

 

Worum geht's eigentlich?

Dienstag, 17. Juni 2008

Manchmal kommt’s mir so vor, als rede ich auch hier nur um den heissen Brei herum. Und manchmal glaube ich, dass ich zur Veranschaulichung Beispiele aus meiner momentanen wissenschaftlichen Umwelt anbringen sollte. Das ist ja nicht immer einfach.

Erstens will ich niemanden mit linguistischen Details langweilen. Zweitens hängen natürlich nach wie vor wissenschaftliche Forschungsdetails dran, die nicht ohne weiteres veröffentlicht werden dürfen, zumindest nicht von mir. Wieviel Dramatik in diesen Umstand jetzt reininterpretiert werden kann oder nicht, spielt keine Rolle. Ich hab da mal nen Wisch unterschrieben. Klingt zumindest schon mal irgendwie geheimnisvoll. Und Letztens, aber nicht weniger unwichtig, will ich mich hier ja nicht komplett entblöβen, soviel zum Thema “wie’s mir wirklich geht”. Aber das Wichtigste ist natürlich, dass mir hier keiner meine Ideen klaut! Aha, die wissenschaftliche Egomanenmentalität ist angenommen!

Andererseits wird’s hier sonst immer nur um “gerade trinke ich Kaffee” und “heute hab’ ich nix hingekriegt” drehen. Das wird auf die Dauer ja auch langweilig. Und deshalb…

…gibt’s ab morgen eine Einführung ins Thema. Mein Thema.

Aktivierung passiver Rezeption

Montag, 16. Juni 2008

Ein Teil des Problems bei der Erstellung meiner Präsentation mag sein, dass ich seit Wochen nur lese und Notizen mache. Das alles geschieht relativ passiv und frei von eigener Leistung. Natürlich macht man sich neben den Bemerkungen auch mentale Post-its auf einer virtuellen grossen Landkarte auf der alles zu einem passenden Bild zusammengeschustert werden sollte – aber es ist dann ein anderes, diese Verbindungen wiederzugeben.

Solange gelesen wird, scheint alles mehr oder weniger nachvollziehbar. Aber sobald die zeitliche und thematische Nähe zu einem Konzept verschwindet, verbleichen auch deren Verbindungsstränge auf der virtuellen Landkarte. Und ein entsprechender Versuch, drei Wochen Arbeit zusammenzufassen und strukturiert darzustellen, gestaltet sich so ungeahndet schwer.

Ist wie von Verteidigung auf Angriff schalten zu können.

Orientierungshilfe

Montag, 16. Juni 2008

Es ist ab und an sehr hilfreich, das Mindmapping zu Papier zu bringen. Denn eigentlich ist die komplette Arbeit ja schon im Kopf: der grobe Aufbau steht, die Argumentationsstruktur ist logisch. Jetzt müssen nur die Lücken zwischen den Überschriften gefüllt werden.

Wie schwierig kann es denn dann sein, diese Struktur zu verbildlichen? Am Besten mal mit einer Powerpointpräsentation beginnen, die Arbeit muss ja in zwei Wochen dem Examenskolloquium vorgestellt werden.* Ausserdem kann man dort mal zeigen, was man so alles drauf hat! Genau! Was einerseits natürlich der Versuch ist, sich erneut vor der dringend nötigen Beschäftigung mit der Theorie zu drücken, hat andererseits einen ungeahnten pädagogischen Effekt: denn das ist gar nicht so einfach!

Was zuerst? Klar, dass in der Arbeit erst der historische Hintergrund kommt, dann die Theorie, und dann der ganze Grammatikkram und die Empirie, zum Schluss die Diskussion. Aber wie in 20 Minuten dieses Projekt vorstellen? Kurz fassen, das Wichtige erkennen und einfach das widergeben, was man theoretisch in den letzten drei Wochen gemacht hat.

Andererseits zeigt das so toll auf, was man so alles nicht drauf hat.

*Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass hier der Autorin der Zufall bzw. die Krankheit des Professors zu Hilfe kam und sie somit erst in zwei Wochen und nicht schon morgen präsentieren muss.

Woche 3

Montag, 16. Juni 2008

Tag 1: Ventilator kaufen, EM gucken, ausruhen.

Tag 2: Verzweifelter Versuch, zur Arbeit zurückzukehren. Bloβ nicht nachlassen. Das ist tödlich, so lehrt die Erfahrung. Andererseits – ich hab nie länger als fünf Tage (im Normalfall nicht länger als drei) an einer Hausarbeit geschrieben. Und nun bin ich schon in Woche 3! Aber mal ehrlich, so dauerhaft wie in Hälfte Zwei von Woche 1 war ich seither so oder so nicht mehr.

Tag 3: Der Tag ist total im Eimer. Selbst zwei Mal in der Nacht den Bünabe herbeirufen hilft nichts – es ist die Perspektivlosigkeit, gegen dieses Problem nichts machen zu können [mittlerweile jede Nacht Radau]. Die Hausverwaltung wird eingeschaltet. Einzige Möglichkeit im Moment: so lange die Polizei rufen, bis die auch keinen Bock mehr haben.

Tag 4: Ahem. Es wäre irgendwie ganz hübsch, sich wieder ein wenig Motivation anzueignen. Die ist momentan ganz unten. Aber soviel fremdverschuldete Müdigkeit hatte ich auch schon lange nicht mehr. Es ist beinahe nur noch die Angst vor Insomnia, die mich mich lähmt und nicht schlaften lässt. Verrückt. Dabei wäre ich fast vor Mitternacht eingeschlafen: bei Österreich gegen Polen.

Tag 5: Ein Vortrag zum individuellen Sprachwandel in unterschiedlichen linguistischen Umgebungen zum Frühstück. Lustig. Endlich ein Vortrag, dem ich folgen kann, auch inhaltlich. Schade, dass er nicht ganz fertig wurde in der Zeit. Nachmittags noch mal ein paar Stunden arbeiten. Also für Geld, das ich schon bekommen habe.

Tag 6: Bockmist. Scheisstag. Irgendwas fehlt im Leben.

Tag 7: Endlich behutsame Rückkehr zum Wesentlichen. Aber so langsam gehen mir die “einfachen” Artikel aus. Historisch ist jetzt schon so abgekaut. Es täte der Arbeit mit Sicherheit ganz gut, sich endlich dem Kernproblem des Theorieteils zu nähern. Dann würde vielleicht auch dieses beschissene Gefühl verschwinden, irgendwie doch gewaltig auf dem Holzweg zu sein.

Elektronische Korpussuche

Donnerstag, 12. Juni 2008

Heute beginnen sie, die Spielereien mit dem Suchprogramm. Das wird lustig. Einfach mal was eingeben, und gucken, was dabei rauskommt.

Hoffentlich das Richtige.

Gebührenfalle

Dienstag, 10. Juni 2008

Schwupps, da isses passiert. Die erste Strafgebühr wird fällig. Warum? Weil die Staatsbibliothek im Gegensatz zu einigen Institutsbibliotheken keine Erinnerungsmails an ihre Kunden versendet. Das kann man einerseits mit “selbst schuld” kommentieren, andererseits wirft das die berechtigte Frage auf, warum es die kleinen Bibliotheken verstehen, drei Tage vor Fristablauf eine Mail zu versenden, während die groβe Hauptbibliothek auf die Versäumnismentalität ihrer Benutzer spekuliert.

Fragt euch mal, wer in diesem Verwaltungsgeflecht die Gebühren einkassiert.

Woche 2

Sonntag, 8. Juni 2008

Tag 1: Vergiss es. Kater ohne Anlass, Kopfschmerzen ohne Kopf [pah!] und an allem ist die Hitze schuld. Megakacke: für mein Projekt muss ein Korpus mit mehr als einer halben Million Wörter gelesen werden. Äh, und wann das alles? So ne Stimmung schickt man bestenfalls schlafen. Ein paar Folgen Lieblingssoap im Netz. Bettruhe um 21.30 Uhr.

Tag 2: Krass! Voll motiviert. Oben auf der Welle schwimmen. Hitze galant als Triebmotor nutzen. Zu Hause eingesperrt? Egal! Ein, zwei Artikel systematisch gelesen, verstanden und im Geiste bereits widerlegt. Notizen machen, Konzept kapiert! Ein 550.000-Wort-Korpus? Na und? Walk in the park. Klo kaputt, Hausmeister anrufen. Zwischendrin den Gewitterregen aus dem Wohnzimmer aufwischen. Dämmerschlaftraum: alle geknüpften Verbindungen zwischen Konzepten und Theorien, historischen Fakten, Studien und gefühlten eigenen empirischen Befunden werden mit jedem einzelnen der 550.000 Wörter bombardiert. Hilfe! Wo ist der Boden dieses Fasses bloβ hin???

Tag 3: Vormittag frei. Ach, und noch drei Bücher aus der Stabi geholt. Dieses Mal ein Irischsprachkurs mit CDs [sic!]. Okay, ich hab’s ja kapiert. Schlüsselstelle: Irisch hat keinen unbestimmten Artikel. Dazu irgendwann mal mehr. Nachmittags das längst überfällige Gespräch mit jemanden, der sich mit der Materie auskennt. Ein paar Anregungen abholen. Gewissheit: man muss für so n Projekt nicht das Rad neu erfinden. Und: “Kein Ergebnis wär auch ein Ergebnis.” Äh, ja. Abends aufgedreht wie auf Droge. So ne Stimmung sollte man konservieren können. Auch so ne Martklücke.

Tag 4: Ist Klempner eigentlich ein Beruf, den man sich freiwillig aussucht?

Tag 5: Irgendwie muss ich eine Strategie entwickeln, das immer noch vorhandene Auf und Ab im Schlafrhythmus etwas auzubügeln. Wenig Kreatives, wenig Effektives.

Tag 6: Aha, da ist die Welle. Elf Stunden geratzt und trotzdem todmüde. Verteilt auf die letzten Nächte wäre das nahezu eine perfekte Ausbeute gewesen. Aber vier Artikel sind schon mal drei mehr als gestern. Dazu prangt jetzt ein Wochenplaner über dem Schreibtisch: damit man Samstag schon sieht, was man bis Freitag gemacht haben sollte. Inklusiver kleiner Zettelchen “einkaufen”, “Wäsche waschen” und “Vokabeln lernen (jeden Tag eine Stunde!)”.

Tag 7: Sonntag ist Ruhetag. Oder, wie es paraphrasiert wurde: “Taking a field trip to assess Hibernisms in a natural environment”.