Archiv des MonatsJuli, 2009

Ask A Muttersprachler

In einer E-Mail, die ich diese Woche aus Süddeutschland bekam, stand dies:

Vielen Dank für Ihr Mail.*

Daran fallen zwei Dinge auf: Erstens hat der Verfasser relativ elegant die Klippe der Schreibweise für diese Art der elektronischen Post umschifft. Der Duden empfiehlt E-Mail, vermutlich da alternative Schreibweisen entweder zu Verwechslung führen (Email) oder sich nicht so recht in die Regeln der deutschen Groß- und Kleinschreibung in Wörtern einfügen wollen (eMail und EMail).

Zweitens, und das ist viel interessanter, liegt hier eine süddeutsche Genusverwendung vor: während im Hochdeutschen ‘E-Mail’ weiblich ist (die E-Mail), bevorzugen die Süddeutschen, aber auch Österreicher und Schweizer das E-Mail. (Der Duden, interessanterweise, führt zwar ‘die/das E-Mail’, aber nur ‘die Mail’ auf – in diesem Fall wäre die Umschiffung wohl doch nicht so elegant gewesen, wie ich dachte, aber der Duden stammt aus dem Jahr 2007.)

Nun ist auch ein in Süddeutschland lebender Mensch, der mit Deutsch aufgewachsen ist, ein Muttersprachler. (Dies mag ein Hamburger zwar gerne mal abstreiten, aber das ist jetzt nicht das Thema.) Und die Genusunterschiede hören ja nicht bei elektronischer Post auf. Es zählen auch etablierte(re) Wörter des Alltags dazu, man denke an der Mikro (abgeleitet von und den Mikrowellenherd bezeichnend), das Cola oder der Butter. Und was den Butter betrifft, da bin ich alemannischer Muttersprachler genug, um zu sagen, dass diese Verwendung zwar altmodisch klingt, aber nicht unüblich ist. Wer’s genau wissen will, der fährt zur Feldforschung mal ins Münstertal bei Offenburg.

Wenn ich nun also sage, ich möchte den Artikelgebrauch im irischen Englisch beschreiben und erkläre meinen (muttersprachlichen) englischen Freunden, worum es geht, dann höre ich oft “Yes, but I think you can use ‘the’ in English in this context”. Mit anderen Worten, es ist ein sehr schmaler Grat (wenn auch genau umgekehrt als in meinem Beispiel der süd/nord/hochdeutschen Genusverwendung). Denn auch der Gebrauch des Artikels wie im irischen Englisch, der angeblich so charakteristisch für diese Varietät ist,  ist nicht “falsch”, und in vielen Dialekten des britischen Englisch durchaus nicht fremd.

Der Mythos des Normmuttersprachlers ist ohnehin überholt. Denn, wo die meisten bei “I’m here since Monday” den Rotstift ansetzen würden, ist das in Irland ein korrekte Umschreibung dafür, dass jemand, naja, seit Montag hier ist. Und an der muttersprachlichen Kompetenz eines Iren zweifelt niemand (obgleich mir da von einigen Engländern vehement widersprochen wird).

Ums humoristisch zu sehen, sag ich’s mit Volker Pispers (…bis neulich!):

Viele sagen ja, die bei uns lebenden Ausländer müssen wenigstens vernünftig Deutsch sprechen. Was isn das? Vernünftiges Deutsch? Wo wird das denn gesprochen? Warense da schon mal? Können Sie sich an einem schwäbischen Stammtisch artikulieren?

Ja, ich könnte.

(Für die Phonologen unter uns: Vielen Dank für Ihr Mail aus dem Mund eines Alemannen klänge für einen Norddeutschen übrigens auch nach dem Erhalt einer Mehllieferung; das (Weizen)Mehl klingt auf Badisch wie ‘Mähl’… to be continued!)

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Orthographie

Etwas off-topic, aber immerhin passend zum Beitrag vom Donnerstag zur Sprache der Magisterarbeit, oder zur Hass-Liebe zu Microsoft-Produkten, oder auch im weitesten Sinne verwandt mit einer Arbeit, die sich mit Sprachwandel beschäftigt (Sprachwandel ist, wenn man so will, der wissenschaftliche Ausdruck für das polemische Geschwafel vom Sprachverfall) gefiel mir folgender Kommentar zur (Un)Wichtigkeit deutscher Rechtschreibung im großartigen Bremer Sprachlog ganz besonders:

Dass eine mangelhafte Beherrschung der Rechtschreibung nichts mit Sprachverfall zu tun hat, dürfte eigentlich klar sein: ein Aspekt der Sprache, den ein Textverarbeitungsprogramm (sogar eins von Microsoft) besser hinbekommt als die Mehrheit der Sprachgemeinschaft, kann so wichtig kaum sein. (Anatol Stefanowitsch*)

Gut, das Zitat ist etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Stefanowitsch bezieht in der Debatte um die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz zu einem (nörgelnden) Kommentar von Bastian Sick Stellung, in dem der Zwiebelfischer mehr Geld für Rechtschreibunterricht fordert, weil sich viele “zur Not” ja auf ein elektronisches Korrekturprogramm verlassen.

Dass ich mich Beiträgen aus Blogs beschäftige, die – wie der oben verlinkte – aus dem letzten Jahr stammen, zeigt auch, wie schön (und sinnvoll!) man sich doch ablenken lassen kann. Immerhin bin ich beim erst kürzlich entdeckten Bremer Sprachblog schon fast durchs komplette Archiv. Und schwupps bin ich schon wieder on-topic und habe einen feinen Bezug zur Prokrastinationsproblematik hergestellt!

* Professor Stefanowitsch hat übrigens (unter anderem) in Hamburg studiert und gelehrt (obgleich ich nie in den Genuss seiner Seminare kam). Ich habe also Hoffnung für meine Karriere als Akademiker, Blogger, Schriftsteller, Kabarettist, Kommentator, … !

 

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Strg+A+Entf

Einer aus der Reihe “überflüssige Shortcuts”. Hat übrigens einen ähnlichen Effekt wie format c:\.

Shit happens.

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Technikumzug

Es war eine ganze Kette von Gründen, umzuziehen. Der offensichtlichste war aber, dass ich gestern “aus versehen” meinen Blog mit dem Firefox öffenete und sah, dass ich mein Design unbewusst für den IE optimiert hatte – die Schrift war grauselig verzerrt. Da hätte einer von Euch Firefox-Nutzern ja echt mal meckern können! (Frage an FF-Nutzer: Schrift ist doch superklein, oder??)

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Sprache der Magisterarbeit

Weil ich gar nicht weiß, wie ich hiermit anfangen soll, zitiere ich einfach mal aus der Magisterprüfungsordnung des Fachbereichs Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Hamburg in ihrer derzeit gültigen Fassung (von 2003, nur damit keine angestaubten Missverständnisse aufkommen). Dort steht unter §29 folgendes:

(6) Die [Magisterarbeit] ist in deutscher Sprache abzufassen. In den fremdsprachli­chen Fächern kann die Hausarbeit mit schriftlicher Zustimmung der beiden bestellten Prü­fenden in der Zielsprache des be­treffenden Faches abgefasst werden. [...]

Ha! Auf Antrag! Einige meiner Kommilitonen hielten es ja auch für einen leidlich lustigen Kalauer unseres Professors, der uns damals zwang unsere Linguistikhausarbeiten auf Englisch zu schreiben: “Bei mir reichen Sie Ihre Hausarbeiten auf Englisch ein. Schließlich studieren Sie diese Sprache. Bei der Magisterabeit darf ich Ihnen Deutsch nicht verbieten.” Ich habe der Universität schon damals allerlei skurrilen Schabernack zugetraut, auch – und vor allem – dass ich meine Magisterarbeit im Fach Englisch nur auf Antrag auch in englischer Sprache verfassen darf.

Nun bezweifle ich stark, dass die Prüfer mir die Zustimmung zum Antrag verwehren werden. Im Teilbereich Linguistik wurden zu meinen Anfängerzeiten lediglich eine von zwei Einführungsveranstaltungen auf Deutsch gehalten, eine Hausarbeit in deutscher Sprache habe ich in diesem Teilbereich nie geschrieben. In der Literaturwissenschaft werden nach wie vor die Hälfte aller Vorlesungen und Seminare auf Deutsch gehalten, obgleich sich das zunehmend zugunsten der Unterrichtssprache Englisch verschiebt. Das mag auch an der Verjüngung des Lehrkörpers liegen.

Aber seltsamerweise stellte sich mir nie die Frage, ob Englisch oder Deutsch. Das war irgendwie logisch. Und sollte auch selbstredend so sein. Selbst in anderen Fächern, die in unserem Fachbereich SLM gelehrt werden.

Meine Zielsprache ist ja nicht Irisch.

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Prokrastinationsfallen

Eine der größten Ablenkungsmanöver ist das Fernsehen.

Deshalb habe ich bereits im Sommer 2006 meinen Fernseher auf den Dachboden verbannt. Im Zuge der EM im letzten Sommer wurde er kurzfristig reaktiviert, allerdings ist er unbrauchbar geworden, seit die Ersatzfernbedienung ausfiel, und die Knöpfe am Gerät seit einem Sturz vom provisorischen Schränkchen unbenutzbar sind. Eigentlich ein Wink des Schicksals, denn das Gerät zu ersetzen, dazu fehlen mir einerseits finanzielle, andererseits motivationsbedingte Mittel. Ich lebe gut ohne Fernseher. Erst durch die Lektüre von Fernsehjunkieblogs und die Diskussion um die Qualität des deutschen Fernsehens wird mir wirklich klar, wieviel kostbare Zeit man mit dem Fernseher tot schlagen kann.

Seither sehe ich ausgewählt. Ein Online-Aufnahmeprogramm erlaubt es mir, gezielt zu sehen. Und daran merke ich, wie gering die Motivation ist, Trashformate und Dokusoaps aus dem Reich der Auswanderer oder “So lebt Deutschland” aufzunehmen und herunterzuladen (Auswanderersoaps haben allerdings eine magische Anziehungskraft auf einen Menschen mit Ameisen im Arsch wie mich, weil sie das wohlige Gefühl suggerieren, dass man selbst ja nie so unvorbereitet alle Brücken abbrechen würde).

Ich bin neuerdingstens großer Tatort-Fan. Und mit der elektronischen Suche kann man damit auch beinahe täglich einen Krimi auf einem der vielen ARD-Spartensender finden. Vom Regen in die Traufe?

Demnächst: Blogschreiben als Prokrastinationsfalle.

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Der Schweinehund, der innere

Jeder kennt das: in Zeiten, in denen man sich auf Aufgaben konzentrieren will, die ein hohes Maß an Selbstdisziplin erfordern, ist die Wohnung blitzeblank, der Kühlschrank voll – und überhaupt findet man in solchen Phasen sehr leicht Gründe, etwas anderes zu tun. Das ist – aus eigener Erfahrung – häufig auch unabhängig davon, ob man im Grunde eigentlich gern an der Uniarbeit sitzt.

Ich schrieb in den vergangenen Tagen davon, dass ich auf meinen neuen Rechner warte, bevor ich so richtig mit der Arbeit beginnen kann, weil es sich so leicht einreden lässt, dass man den Rechner ungern inmitten einer wichtigen Arbeit wechselt. Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Immerhin arbeite ich seit dem erneuten Crash meiner Festplatte bei sensiblen Daten auch und vor allen Dingen mit einer externen Festplatte. Also rechnerunabhängig. Und dennoch habe ich das Gefühl, dass ich mit meinem neuen Laptop ungleich motivierter sein werde. Zumindest rede ich mir das ein.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich keinerlei Ausreden mehr habe, wenn KIP endlich ankommt. (Wenn ich’s mir recht überlege… ich war schon laaaange nicht mehr beim Zahnarzt. Und wenn ich ganz tief in mich gehe, glaube ich auch an einen motivationsstiftenden Schub einer noch nicht gefundenen neuen Wohnung.)

Auweija.

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Ausgesperrt

Im Laufe des letzten Jahres habe ich zwei Gebührenbescheide der Staats- und Universitätsbibliothek bekommen. Wofür? Ja, das frage ich mich heute noch.

In meinen Benutzerdaten stehen in den entsprechenden Reitern “keine Ausleihe” und ”keine ausstehenden Gebühren”. Auf meiner Erinnerungsfestplatte steht ferner, dass ich im letzten Sommer granatenmäßig für meine Quartalstaten “Bücher im Saustall verlegen” am EC-Terminal geblutet habe. Sowas vergisst man nicht.

Meine Benutzerkennung ist bis Novermber 2011 gültig (seltsamerweise wird mir die immer automatisch verlängert, wo andere halbjährlich vorstellig werden müssen). Keine ausstehenden Gebühren. Kein Passwort vergessen.

Und trotzdem darf ich keine Bücher bestellen, auf keine Onlinedatenbank zugreifen oder die Fernleihe benutzen. Ich soll mich stattdessen am Informationsschalter melden, um mein Konto frei zu schalten.

Das klingt verdächtig nach Unordnung im Softwaresystem.

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Zugriffsstatistiken

Daran hat sich nicht viel geändert. Nach wie vor spült Herr Google ver(w)irrte Studenten auf der Suche nach Hilfe bei ihren Abschlussarbeiten auf diese Seite. Dies sind die zehn häufigsten Suchbegriffe:

  1. magisterarbeit wochen
  2. trachtas
  3. magisterarbeit in einer woche
  4. länge magisterarbeit
  5. magisterarbeit probleme
  6. wieviel seiten mindestens sollte eine magisterarbeit haben
  7. “magisterarbeit in * wochen”
  8. mindmap tagebuch
  9. struktur magisterarbeit
  10. fragestellung magisterarbeit

Was mich angesichts dieser Aufstellung etwas verwirrt – was macht “trachtas” so mutterseelenallein (und vor allem so weit oben) in der Liste, die vornehmlich Schummler, Stukturlose und Prokrastinationsexperten entblößt? Sollte es womöglich so sein, dass mein eher stümperhafter Versuch, “thesis” ins Gälische zu übersetzen, gar nicht so stümperhaft war und der Begriff einem breitem Publikum bekannt ist?

Unter allen Begriffen ist übrigens kaum ein Hinweis zu finden, dass sich jemand für die inhaltlichen Aspekte der Arbeit zu interessieren vermag. Lediglich zwei Treffer zu “bestimmter artikel englisch” und einer zu “irisches englisch” legen den Schluss nahe, dass zufällig herüberblickende Besucher eher kurz verweilen. Denn zu “prüfungsamt schein fälschen” findet der faule Student hier keine Hilfestellung.

Generell beschleicht mich anhand vieler Suchbegriffe der schreckliche Verdacht, dass da draußen nicht nur verzweifelte Kommilitonen stecken, sondern auch ungleich zahlreichere Menschen, die sich Tipps zum Tricksen versprechen.

Mein Favourit ist übrigens “wie macht man eine magister arbeit”, das in dieser ulkigen Version immerhin zwei Mal auftaucht.

Jetzt hab ich’s verstanden. Ich mache mir (Magister)Arbeit.

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Warten auf KIP

Mein Rechner Bob, der mich einen Großteil meines Studiums begleitet hat, ist schwer erkrankt. Er macht’s einfach nicht mehr. Und bevor ich ihn schlicht als “Scheißteil” beschreibe und er fortan gar nichts mehr macht, lass ich es lieber sein.

Aber mit so einer Krücke ist eine Magisterarbeit natürlich nicht zu schreiben. Bob fährt runter, wann er will, aber nicht wenn er soll. Ab und zu ist er so langsam, dass ich das Gefühl habe, er hat eine Rechenleistung wie der erste Taschenrechner. Okay, das haben viele von uns, aber 25 Minuten “Hochfahren” ist höchst verdächtig. Am nächsten Tag ist er wieder in weniger als 60 Sekunden betriebsbereit. Der hat Launen, schlimm.

Und so werde ich ihn ersetzen, bzw. wurde er schon ersetzt. Nur angekommen ist der Neue noch nicht. Der hängt noch beim Lieferanten, oder beim Händler, der wird noch geprüft und aufgemotzt.

Aber ich bin schon total aufgeregt.

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