Archiv des MonatsAugust, 2009

Vom Dialekt einer Sprache

A language is a dialect with an army and a navy.
Max Weinreich

Das Zitat erklärt – obwohl für jeden halbwegs ehrgeizigen Sprachwissenschaftler längst (und weit) überholt – mehr oder minder kurz und prägnant den Unterschied zwischen Sprache und Dialekt, wenn, ja wenn man überhaupt eine Grenze ziehen kann und/oder möchte. Aber auch das würde uns vom eigentlichen Thema ablenken.

Nun wird vermutlich niemand bezweifeln, dass Niederländisch eine eigene Sprache ist. Die Schweizer hingegen sprechen Deutsch. Zumindest in der landläufigen Meinung. (Wobei Linguisten da eine andere Meinung haben, aber nun gut). Aber das Königreich der Niederlande hat eine Armee. Und eine Marine. Die Schweizer haben zwar eine nicht zu vernachlässigende Küstenlinie am Schwäbischen Meer und auch Schiffe in der Weißen Flotte, aber die MF Romanshorn ist ein ziviles Fährschiff nach Friedrichshafen. Arme(e) Schweizer.

Zwar emanzipieren sich die Schweizer neuerdingstens mit einer eigenen Wikipedia, mit Schwyzerdütsch als Unterrichtssprache in Schulen und Kindergärten und wer mal über den Flughafen Zürich geflogen ist, der weiß auch, dass der Dialekt, der dort Züritüütsch genannt wird, für jeden unbedarften Deutschen mindestens genauso fremd klingt, wie Niederländisch.

Aber es ist wohl noch ein weiter Weg – denn noch wird bei der Volkshochschule Niederländisch als Sprachkurs angeboten, während Plattdeutsch, Alemannisch und Jiddish etwas steifmütterlich unter “Literatur und Kultur” laufen.

Ich lerne ab morgen Niederländisch.

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Prokrastination Deluxe

Ich habe hier schon gefühlt zwei dutzend Mal davon berichtet, wie sehr man sich bei drängenden, Selbstdisziplin erfordernden Projekten vom Zustand der Wohnung ablenken lässt (Stichwort: Putzwahn und -fimmel).

Man kann’s auch auf die Spitze treiben: renovieren. Ebay, Baumarkt, IKEA. Die Steigerung wäre jetzt nur noch die neue Wohnung.

Das würd’ mir jetzt ja noch fehlen – die Traumwohnung finden.

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Virtuelle Post-Its

Kinners, es kann doch nicht angehen, dass es eine so simple wie effektive Applikation wie digitale Post-Its nicht als Freeware gibt. Es ist beinahe unbegreiflich, dass es bis Windows 7 (Ätsch! Hihi!) gedauert hat, dass sowas einfach “da” ist. Und die Post-It-Verschnitte, die es bisher frei und ohne größeren Aufwand aufm Markt gibt, erwecken den Eindruck, die Entwicklung von Softwaredesign ist bei Windows 3.1 stehen geblieben.

Das ist doch zum Kotzen.

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Gliederung

Jaha!

Nix mit Gliederung der Arbeit (dazu zu gegebener Zeit mehr), für alle, die jetzt Konkretes erwartet haben. Die steht eigentlich, da sind ja wissenschaftliche Schemata vorgegeben. Keine große Überraschung, oder?

Nein – versucht Ihr doch mal, in einer Verzeichnisstruktur aufm Rechner Ordnung reinzubekommen! Ordnet man nach Kapiteln? Oder nach bereits gelesenen und notizenversehenen Artikeln? Und wie ordnet und strukturiert man überhaupt Notizen, auch und besonders um das Risiko zu minimieren, dass sie vom Radar verschwinden? Und was, zum Teufel, mache ich mit den ganzen Überbleibseln, Notizen, wirren Gedanken und Dateien aus dem letzten Jahr? Fange ich neu an, muss ich etwa alles noch mal lesen? Okay, wenn ich’s mir hätte aussuchen können – das Jahr Pause war nicht das Beste, aber sei’s drum.

Und dann multipliziert das Ganze, ich hab ja zwei Rechner und ne externe Festplatte, und ohne fundiertere Computerkenntnisse weiß ich nicht mal, wie man das alles sinnvoll synchronisiert.

Ups.

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Virtuelle Arbeit

Hin- und hergerissen ist man manchmal.

Kennt ihr die Weizenwölkchen, die uns der angelsächsige Raum gern als Backwaren verkauft? Die Dinger, die zusammengedrückt auf atomare Größenverhältnisse zusammenschrumpfen? Oder die Brötchen, die schon mal als Einweg-Anti-Stressbälle durchgehen?

Hm, genau. So fühlt sich das ungefähr an, wenn man zwar die Idee hat, die Vorstellung eines richtig großen Projekts. Und irgendwie nix dahinter, pardon, drin steckt. Herrje, irgendwoher muss doch die Motivation kommen, sich reinzuhängen. Jetzt, da so viele Fragen geklärt sind, die mich monatelang gequält und gehindert haben.

Iss auch nich einfacher.

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Ausreichend…

…funktional ist wohl der Webbrowser der Bibliothekscomputer: Firefox in seiner frühsten Version.

Ist wohl das einzige, was auf dem Rechner auch ruckelfrei läuft.

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KIP ist da

Was lange währt, wird endlich gut!

Seit dieser Woche bin ich stolzer Besitzer eines ThinkPads. ThinkPads sind Religion! So gibt es bei Facebook mehrere Dutzend Gruppen fürs kleine Schwarze: Tech is better in black, Your Mac looks like a bad joke next to my ThinkPad, oder Index finger pain from using trackpoint of IBM ThinkPads. Die Fraktion der ThinkPad-Hasser I have a ThinkPad and it sucks bleibt trotz oder gerade aufgrund des Gruppenbilds eines in Flammen aufgehenden Laptops (ironischerweise handelt es sich dabei um ein iBook) erwartungsgemäß in der Minderheit.

Und schon rennt die Maschine auch wieder wie Sau, und aufgrund des geringen Gewichts (1,3 kg), kommt’s mir beim Gang in die Bibliothek auch nicht mehr so vor, als müsste ich einen Träger für meinen alten Hinkelstein anheuern. Davon abgesehen, hat meine alte Krücke einen Lüfter wie ein Airbus – in Bibliotheken ist das schon fast peinlich.

Vielen Dank an dieser Stelle an die Leuts im ThinkPad-Forum für ihre Beratung, Christian für seine großartige Softwarehilfe und der Knitterfee fürs rattenscharfe Curry.

Jetzt muss es ja losgehen.

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Historische (Sprach)wissenschaft

(Wenn ich will, krieg ich sowieso alles so gedreht, dass es zum Thema passt!)

Bei meinem kleinen Feldversuch hier nahm ich die Gelegenheit wahr, meiner alten Schule einen Besuch abzustatten. Es ist die Schule, die damals – angeblich – den besten Englisch-LK in Baden-Württemberg hatte, oder die Schule, die sich mal von ihrem leidlich inspirierenden Namen trennen wollte und den Namen einer FDP-Politikerin beantragte und die – selbstverständlich – das beste Jahrbuch der Republik hatte (äh, vergesst die Titanic!).

Davon abgesehen, dass die diesjährigen Abiturienten als Fünferle in dem Schuljahr am KG begannen, in dem ich Abitur machte, war’s eine Reise in die Vergangenheit.  Um’s kurz zu sagen: Allen der (noch) anwesenden Lehrern beim Schuljahresabschluss war meine Fresse nicht gänzlich unbekannt. Ich nehm’s mal als Kompliment!

Weniger aufregend ist die Feststellung, dass es mit und bei den meisten Lehrern nur bei der berüchtigten Smalltalk-Variante blieb. Haben die armen Menschen soviel mit Teenagern zu tun, dass sie mit einer gestandenen Endzwanzigerin nix zu bequatschen haben? Die warn doch auch mal anner Uni!

 Es ist ja auch nicht meine Schuld, dass sich eine Lehrerin noch daran erinnerte, auf einer Exkursionsfahrt nach Berlin (um und bei des Tages des Entscheids, dass Deutschland die WM 2006 ausrichten darf, also einer aus der Ecke “Ich weiß noch genau, wo ich war, als X passiert ist”) die Russen und die Franzosen verwechselt zu haben, noch habe ich entscheidenden Einfluss darauf, dass der berühmte Fenstersprung eines Mitschülers aus dem Biologie-Saal im Jahr 1997 heute noch nahezu unverändert unter der Schülerschaft kursiert. Oder es ist vielleicht so, dass die Lehrer in der ersten vagen Erinnerung meine Visage zwar erkannt haben, aber in der zweiten grauenhaften Bildern standhalten mussten, wer ich wirklich bin. Soll ja vorkommen.

An dieser Stelle fällt mir ein, dass ich meiner Deutschlehrerin und Satiretutorin gar nicht gesagt habe, wofür ich ihr wirklich dankbar bin. Damals, in der siebten Klasse – okay, es hat nicht direkt meine Versetzung gefährdet – stand’s auf der Kippe in Deutsch. Meiner miesen Vorstellung auf dem Gebiet der Grammatik wegen. Äh, Fünf-bis-Sechs, in Worten. Es darf Sie beruhigen, Frau Krämer-Kimmig, wir nennen uns seit einem Syntax-Seminar auch die Grammar Hammers! Und ich weiß jetzt auch, was es mit dem Hampelperfekt auf sich hat.

Und danke für die geile Jahrbuch-Zeit.

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Feldforschung

Schneller als mir lieb war trat ich in der letzten Woche selbst zum hier angeratenen Feldversuch an. Das Nest, von dem ich rede, ist ein kleines malerisches Dorf auf halbem Weg zwischen Freiburg und Offenburg, inmitten von Weinbergen, Spargelfeldern und Kartoffeläckern. Dort, wo die Welt noch in Ordnung ist. Und dort, wo dr normale Mänsch sinne Schwiirigkeide hebbe duet, d’Iihhiimische z’vrschdoh.

Dort, wo sich die Menschen bei der Lesung einer Messe auf Hochdeutsch ähnlich fühlen müssen, als sei sie nach wie vor auf Latein gehalten. Dort bekommt man Sunnewirbele zu den Herdäpfele mit Süürbrode. Und wer nach wie vor glaubt, Dialekte dieser Art seien minderwertig und ewiggestrig, dem sei gesagt, dass sich das Badische modernen Kommunikationswegen nicht verschließt: der Badner scannt nicht, er duut iiläse.

Dies ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass Denglisch nichts damit zu tun hat, dass der des Englischen nicht mächtige Personenkreis vom Verständnis ausgeschlossen wird, sondern derjenige, der mit dem Jargon oder den neuen technischen Entwicklungen nichts am Hut hat. Denn natürlich könnte man auf Hochdeutsch statt scannen auch einlesen sagen. Wer aber den Vorgang des Scannens nicht kennt, der wird auch mit “Ich habe das Dokument eingelesen” nichts anfangen können.

Demnächst wieder Rückkehr zum Thema.

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