Edelwei[ß]e Kinderkacke

(Im Fluglärmstreit am Flughafen Zürich-Kloten, der wenige Kilometer südlich der deutschen Grenze liegt, geht es darum, dass die Schweizer gerne eine Mehrzahl der Anflüge über den Südschwarzwald anstatt über Zürcher Stadtgebiet durchführen würden. Dies ist von deutscher Seite untersagt, bzw. nur unter strengen Auflagen eingeschränkt erlaubt. Das von schweizer Seite ins Feld geführte Hauptargument ist, dass bei Anflügen aus dem Norden nur ein paar Dutzend Menschen auf deutscher Seite betroffen seien. Äh ja, und ein paar Tausend Schweizer übrigens auch, aber das fällt immer mal gerne unter den Tisch.)

Liebe Schweizer,

möglicherweise sind meine Daten sehr überholt. Eventuell sind die Wogen längst geglättet, aber ich find’s nach wie vor sehr amüsant:

Lederberger [Stadtpräsident der Stadt Zürich, d.A.] drohte indirekt mit Aktionen für den Fall, dass die Einschränkungen weiterhin bestehen blieben. So höre er «wöchentlich Leute», die immer drängender forderten, im Gegenzug die Rheinbrücken aus Lärmschutzgründen zu sperren, aus dem Schwarzwald stammenden Flughafenbeschäftigten zu kündigen oder gar deutsche Passagiere von der Nutzung des Flughafens auszuschliessen [sic]. [20 Minuten Online, 3. Februar 2007]

Nur zu! Über die Sperrung der Rheinbrücken wird sich zumindest die arme Sau sehr freuen, die 50 Meter neben dem Grenzübergang Waldshut-Koblenz (CH) auf deutscher Seite eine Tankstelle betreibt. Macht die Grenzen zu, liebe Eidgenossen! Vielleicht würde sich dann das Tankstellen-zu-Einwohner-Verhältnis in euren Grenzkantonen wieder normalisieren. Jeder Bauer mit Zugang zu einer Landstraße ersetzt seine Milchkannen am Straßenrand durch Zapfsäulen. Und erzählt mir jetzt nicht, die hättet ihr für euch gebaut: die Benzinpreise dort werden kilometerweit sichtbar in Euro beworben. Die Niederländer bauen an ihren Grenzen zu Deutschland Coffeeshops, bei euch sprießen Tankstellen und Atomkraftwerke (auch in der Einflugschneise, die ihr so gerne nutzen wollt). Um sympathische Nachbarschaftspflege geht’s hier jetzt nicht, aber fragt mich mal, was ich für subtiler halte.

Und ihr wollt deutsche Passagiere von der Nutzung des Flughafen ausschließen? Der ist gut! Hihi. Viel Spaß! Fehlte noch, dass deutsche Airlines nicht mehr kommen dürfen! Damit würde sich möglicherweise die Fluglärmproblematik von selbst lösen: 65% der Flugbewegungen in Kloten werden von deutschen Fluggesellsschaften* durchgeführt, die 67% der Passagiere befördern. Die Lufthansa war sich immerhin auch nicht zu schade, euren Ferienflieger mit dem reichlich dämlichen Namen “Edelweiss Air” zu übernehmen.

Dafür – weil sonst sehr off-topic – spendiere ich euch ein ß. Oder ßßwei.

*Swiss International Air Lines ist eine 100%ige Tochter der Deutschen Lufthansa AG.


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Keine Kommentare zu „Edelwei[ß]e Kinderkacke“

  1. Max sagt:

    Hey Suz, auch wenn ich mich in die Schlange der Blöden stelle, ehrlich gesagt war ich ohnehin nur zu faul auf meinem Blog Deine E- Mail Adresse zu suchen, bitte ich Dich mir tràchtas.dialann. zu übersetzen, denn ich habe lange gegoogelt,war surfen und vermute fast, dass der Nachsatz die Übersetzung darstellt, was mich alllerdings verwundern würde, denn dann wäre selbst Gälisch eine Sprache, deren Vokabeln teils zuzuordnen sind, ohne dass ich darauf angewiesen bin, eine Sprache gelernt haben zu müssen, gewisse Prämissen allerdings wünschenswert scheinen, da ohne diese gewissen Kenntnisse nur in wenigen Sprachen uns die Möglichkeit verschrobener Schachtelsätze zusteht.

  2. suz sagt:

    Moin Max,

    also trachtas bedeutet soviel wie das Englische thesis, und dialann ist das Tagebuch. Insofern lässt sich das ganz gut nachvollziehen. Das war’s aber auch schon. Bei Sätzen wie “déantar líon na bhfostaithe atá ar fostú acu agus atá i dteideal amhlaidh a shuimiú le chéile” fällt eine Zuordnung ja schon schwerer, also mir zumindest, aber du darfst dich gerne dran versuchen. Im Zweifelsfall ist dir auch das googeln erlaubt, weil ich ja zwar ein paar Brocken Irisch sprechen kann, aber eben nicht schreiben – Irisch ist immerhin eine der Sprachen, dessen Schriftsprache – laut Bill Bryson – von einem anderen Komitee entwickelt wurde, als die gesprochene Sprache.

    Nun bin ich kein Morphologe, und schon gar nicht für Gälisch, aber dass einige Begriffe doch ab und an gut zu “erraten” sind, liegt oft auch daran, dass es Wörter und Konzepte neueren Ursprungs (auch 200 Jahre sind hier “neu”) sind, die ihren Eingang in die irische Sprache über lautmalerische Ähnlichkeit zu ihren englischen Äquivalenten gefunden haben. Immerhin hat ja nicht nur das Irisch Einfluss auf das Englisch in Irland genommen, sondern umgekehrt auch das Englische auf das Irische. Einige Autoren nennen diese Kontaktsprache Anglo-Irish, wobei dieser Begriff (anderweitig) historisch belastet ist. Anglo-Irish wurde auch etwa bis Mitte der 80er Jahre von einigen Wissenschaftlern fälschlicherweise für das Englisch in Irland benutzt (also genau andersrum). Ich spreche da lieber von Irish English, in Analogie zu British English oder American English. Ein weiterer wertfreier Begriff ist Hiberno-English (Hiberno leitet sich ab vom lateinischen Namen für Irland).

  3. Max sagt:

    Danke Dir! Hatte ich den richtigen Riecher…wünsche Dir ein klasse WE!

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