Flat White

Ich trinke Kaffee in allen Formen und Farben. Wirklich. Es gibt, auch wenn einige das für abwegig oder gar unmöglich halten, mitunter trinkbare Instantvarietäten, die, je nach Zubereitung, sogar als anständiger Begleiter für die Pause durchgehen.

Nur das mit dem Milchschaum habe ich nie richtig verstanden. Wenn ich gnädig bin, halte ich den Schaum für Verarschung, an den meisten Tagen ist Milchschaum aber nicht mehr als ein Fashionstatement. Aber für alle Tage gilt: meinen Milchkaffe bitte und grundsätzlich ohne Milchschaum.

Das erste Mal fiel mir diese Eigenart als extrem deutsch auf, als wir im Herbst 2004 einige australische Wissenschaftler in Hamburg zu Gast hatten. Daran, dass Angehörige des angelsächsischen Kulturraums in deutschen Kneipen den Bierschaum mit einem Löffel abtragen, hatte ich mich ja schon gewöhnt. Aber nun fingen sie an, das auch im Café zu tun: “Does coffee in your country ever come without that revolting froth on it?!?”

Als ich 2005 nach Australien ging, wusste ich, wovon sie sprachen. Von einem Flat White (davon). Nun ist uns die australische Kaffeekultur nicht nur in Geschmack und Preis haushoch überlegen, sie kommen auch gänzlich ohne Milchschaum aus! Cappuccino hat eine cremeartige Substanz als Häubchen, und kommt nicht mit einem derart großporigen Missverhältnis von Schalengröße und Inhalt daher. Milchkaffee ist eben Flat White, ein Espresso-”Shot”, aufgefüllt mit erhitzter (geschäumter, nicht aufgeschäumter) Milch aus dem unteren Drittel der Milchkanne*:

To achieve the “flat”, non-frothy texture the steamed milk is poured from the bottom of the jug, holding back the lighter froth on the top in order to access milk with smaller bubbles, making the drink smooth and velvety in texture.

Ich habe nach meiner Rückkehr nach Deutschland Jahre gebraucht, um über den Verlust australischer Kaffeekultur hinweg zu kommen. Koffeinjunkies finden dort ein wahres Paradies vor: an jeder Ecke vollbringt jeder noch so abgewratzte Einraumkiosk wahre Kaffeewunder für n Euro oder weniger. Dass Starbucks ob seiner groben Unterschätzung des australischen To-Go-Kaffeemarktes 75% seiner Filialen dort schließen musste, sagt eigentlich alles.

Ja, und ausgerechnet bei McCafé gibt es jetzt Flat White. Das ist wie vorgezogene Weihnachten!

Und nun dürft ihr raten, was die Kaffee-Sommelière im McCafé auf den Espresso und das Non-frothy-Drittel Milch abschließend mit ihrem großen Löffel ins obere Drittel meines Bechers geschaufelt hat…

…….!?!

*Der Trick ist übrigens auch, dass man die Kanne nach dem Schäumen ein bis zwei Minuten stehen lässt, damit sich die erhitzte und cremige Milch unten in der Kanne sammelt, bevor man sie auf den Espresso schüttet.

Keine Kommentare »

  1. Rari Said,

    8. September, 2009 @ 11:49

    Schriftlich bei McDonalds beschweren ;) und auch direkt motzen das nächste Mal.
    Das jedenfalls muss man Starbucks lassen: Wenn etwas nicht in Ordnung ist, oder so wie man es gewünscht hat, dann bekommt man einen neuen Kaffee. Selbst wenn man den vorherigen schon ausgetrunken hat.
    Das habe ich letztlich mitbekommen, als sich eine ältere Dame aus einer kleinen Kaffeeklatsch-Gruppe beschwerte, in ihrem Cappucino sei viel weniger Kaffee gewesen als im Cappucino ihrer Freundin. Der Starbucks-Mensch fragte sie freundlich, was sie denn nun haben möchte – und sie beschwerte sich weiterhin. Er folgte vermutlich einer Art Script bei seiner ersten Frage und kam nicht auf die Idee, dass sie das falsch verstehen könnte. Denn eigentlich wollte er ja nur wissen, was sie nun für einen kostenlosen Kaffee als Entschuldigung haben wollte, und sie wollte sich einfach nur beschweren – in Deutschland erwartet man ja nicht, dass man gleich einen ganzen Kaffee als Entschuldigung aufs Haus kriegt (und ich wette, wenn man keinen Kaffee mehr will, kriegt man auch nen Muffin oder so…)

    Ich übrigens mag meinen Kaffee gerne mit und ohne Schaum – aber WEHE es ist Kakaopulver drauf. pfuibahh!

  2. Max Said,

    9. September, 2009 @ 17:24

    Und das mir als alter Tresenschlampe. Milch zu den Babys, ich bestelle sogar mein Bier ohne Schaum! Sonst fange ich noch an zu blubbern wie ein Milchaufschäumer…!

  3. suz Said,

    10. September, 2009 @ 22:31

    Diese Art von Kundenservice traue ich Starbucks auch zu. Da kannste echt nicht meckern.

    Ich habe gestern bei McCafé gemeckert. Und die erzählt mir allen ernstes, der Flat White würde mit nem “Tupfen” Milchschaum gemacht. Hm. Mach deine Hausaufgaben, Mädel! (Wobei ich glaube, dass ich ihr das nicht mal ankreiden kann…)

    Don’t mess with Suz! Vor allem wenn’s um so Grundsätzliches geht wie Kaffee… oder politische Meinungsbildung.

  4. suz Said,

    11. September, 2009 @ 17:08

    @ Max: Wobei – das Bier darf ruhig nach guter alter deutscher Tradition ne ordentliche Krone haben.

    Engländer lassen in Deutschland häufig mal Bier zurück gehen, das zuviel Schaum hat (also das generell ne Krone hat, da sind schon drei Milimeter zu viel). Die glauben nämlich, dass man sie bescheißt und ihnen zu wenig Bier gibt. Wenn also das Bierglas nicht randvoll ist, geht’s zurück. Aber dort sind die Glasränder das, was bei uns die Eichstriche sind.

  5. Max Said,

    12. September, 2009 @ 11:44

    Bier und England ist so eine Sache für sich. Ich habe mich in London von Gin- Tonic ernährt.

  6. suz Said,

    12. September, 2009 @ 21:13

    Aber immerhin bekommt man dort in jeder zweiten Kneipe Boulmers :D

    Edit: Sogar vom Fass.

  7. Max Said,

    13. September, 2009 @ 14:54

    OK! Ich erzähl die Story hier statt bei mir: In London, geile Stadt übrigens, waren Theater und Kino immer so pünktlich aus, dass Mensch vor der Sperrstunde noch Zeit für eine Bestellung im nächsten Pub hatte. Max, nicht blöd, bestellte immer vier Gin mit zwei Tonic. Die Kolleginnen meiner Freundin schauten mich an als wäre ich Zaphod Beeblebrox! Als sie alllerdings um 23:01 erfolglos versuchten einen Drink zu ordern guckten sie spärlich bis neidisch auf einen genüsslich süffelnden Max. Ausserdem bekommt man auf der ganzen Insel nicht an diesen Gordon´s Export Müll. Sorry, bin der Erfinder der GTI= Gin Tonic Intravenoes!

  8. Max Said,

    13. September, 2009 @ 14:57

    Ich ´nu wieder zu hektisch. Cider vom Fass hat die Kneipe um die Ecke ABGESCHAFFT. Gehe da nicht mehr hin. Cider-Geniales Getränk!

  9. suz Said,

    13. September, 2009 @ 18:10

    Nicht irgendein Cider. Boulmers. Zur Hölle mit dem andern Dreck. Die machen nur n dicken Kopp (oft schon beim Trinken).

  10. suz Said,

    13. September, 2009 @ 18:14

    Jo, kenne ich. Da bestellt man fünf vor zwölf (mittlerweile!) noch eins mehr, als man tragen kann. Oder man hat sich’s mit der Belegschaft nicht allzu sehr verscherzt, dann dreht man ne Runde ummen Block und verirrt sich durch die Hintertür in den Biergarten.

    Ich: Don’t you have neighbours? (Beim Blick auf die den Biergarten umrahmenden Häuser ob unserer sehr lauten Runde…)
    Er: Yes, but they don’t bother me.

  11. Max Said,

    14. September, 2009 @ 18:46

    WOW! Aber diese Sperrstunde hat aus den Inselbewohnern Druckbetanker gemacht! Ich habe selten ein Volk gesehen, dass mir dem Tempo säuft. Die Happy- Hour war da nur noch das I- Tüpfelchen: danach waren die Insulaner meist total Hacke. Also um 19:00!

  12. suz Said,

    16. September, 2009 @ 09:53

    Naja, ob’s nur an der Sperrstunde liegt? Die haben eine ganz andere Trinkkultur. In Süddeutschland gibt’s ja auch Sperrstunden und hörst du von dort von Trinkgeladen à la England? Wobei, die Liste ließe sich unbegrenzt fortsetzen: Schottland, Irland, Australien… Viel unserer doch relativ gesitteten Trinkkultur geht auf das Konzept der Gemütlichkeit zurück…

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