Archiv des MonatsSeptember, 2009

Edelwei[ß]e Kinderkacke

(Im Fluglärmstreit am Flughafen Zürich-Kloten, der wenige Kilometer südlich der deutschen Grenze liegt, geht es darum, dass die Schweizer gerne eine Mehrzahl der Anflüge über den Südschwarzwald anstatt über Zürcher Stadtgebiet durchführen würden. Dies ist von deutscher Seite untersagt, bzw. nur unter strengen Auflagen eingeschränkt erlaubt. Das von schweizer Seite ins Feld geführte Hauptargument ist, dass bei Anflügen aus dem Norden nur ein paar Dutzend Menschen auf deutscher Seite betroffen seien. Äh ja, und ein paar Tausend Schweizer übrigens auch, aber das fällt immer mal gerne unter den Tisch.)

Liebe Schweizer,

möglicherweise sind meine Daten sehr überholt. Eventuell sind die Wogen längst geglättet, aber ich find’s nach wie vor sehr amüsant:

Lederberger [Stadtpräsident der Stadt Zürich, d.A.] drohte indirekt mit Aktionen für den Fall, dass die Einschränkungen weiterhin bestehen blieben. So höre er «wöchentlich Leute», die immer drängender forderten, im Gegenzug die Rheinbrücken aus Lärmschutzgründen zu sperren, aus dem Schwarzwald stammenden Flughafenbeschäftigten zu kündigen oder gar deutsche Passagiere von der Nutzung des Flughafens auszuschliessen [sic]. [20 Minuten Online, 3. Februar 2007]

Nur zu! Über die Sperrung der Rheinbrücken wird sich zumindest die arme Sau sehr freuen, die 50 Meter neben dem Grenzübergang Waldshut-Koblenz (CH) auf deutscher Seite eine Tankstelle betreibt. Macht die Grenzen zu, liebe Eidgenossen! Vielleicht würde sich dann das Tankstellen-zu-Einwohner-Verhältnis in euren Grenzkantonen wieder normalisieren. Jeder Bauer mit Zugang zu einer Landstraße ersetzt seine Milchkannen am Straßenrand durch Zapfsäulen. Und erzählt mir jetzt nicht, die hättet ihr für euch gebaut: die Benzinpreise dort werden kilometerweit sichtbar in Euro beworben. Die Niederländer bauen an ihren Grenzen zu Deutschland Coffeeshops, bei euch sprießen Tankstellen und Atomkraftwerke (auch in der Einflugschneise, die ihr so gerne nutzen wollt). Um sympathische Nachbarschaftspflege geht’s hier jetzt nicht, aber fragt mich mal, was ich für subtiler halte.

Und ihr wollt deutsche Passagiere von der Nutzung des Flughafen ausschließen? Der ist gut! Hihi. Viel Spaß! Fehlte noch, dass deutsche Airlines nicht mehr kommen dürfen! Damit würde sich möglicherweise die Fluglärmproblematik von selbst lösen: 65% der Flugbewegungen in Kloten werden von deutschen Fluggesellsschaften* durchgeführt, die 67% der Passagiere befördern. Die Lufthansa war sich immerhin auch nicht zu schade, euren Ferienflieger mit dem reichlich dämlichen Namen “Edelweiss Air” zu übernehmen.

Dafür – weil sonst sehr off-topic – spendiere ich euch ein ß. Oder ßßwei.

*Swiss International Air Lines ist eine 100%ige Tochter der Deutschen Lufthansa AG.

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Der Artikel im Niederländischen

Ihr seht, ich bin voll dabei!

Niederländisch ist für Deutsche relativ gesehen sehr einfach. Wir rennen ja nur so durch die Lektionen; Nichtmuttersprachler des Deutschen haben den Kurs nach zwei Tagen auch schon sehr gefrustet aufgegeben. Vokabeln sind oft einmal gesehen und abgespeichert, flektierte Formen dauern etwas länger und die Funktionswörter – naja gut, die schaut man eben einmal mehr nach. Allerdings ist es nicht ganz so ein Pippifax, wie man glauben könnte: Ohne Nachbearbeitung und zugegeben auch stumpfes Auswendiglernen geht’s auch hier nicht. Das hat gut die Hälfte des Kurses nicht richtig verstanden.

Nun ist das Niederländische sogar ein wenig hinterlistig. Das Genussystem unterscheidet zwischen Maskulinum/Femininum (das sogenannte Utrum) und dem Neutrum. So, als hätten wir im Deutschen einen gemeinsamen Artikel für der und die und eben das. Das sind de (Utrum) und het (Neutrum). So weit, zo goed. Jetzt haben aber die Wörter im Utrum auch noch ein männliches oder weibliches Geschlecht:

De trein is te laat. Nu rijdt hij het station binnen.
‘Der Zug ist zu spät. Nun fährt er in die Station ein.’

Das ist fies. Auf die Frage an unsere belgische Dozentin, wie man das als Lerner denn wissen kann, antwortet sie süffisant:

Gar nicht. Aber macht’s am Besten wie die Niederländer – bei denen ist einfach alles maskulin. Auch die Kuh.

Na dann, will ich mal den Freizeit genießen gehen.

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Wenn nicht…, dann…!

Natürlich habe ich eigentlich keine Zeit für einen Sprachkurs.

Andererseits ist das momentan ein sehr probates Mittel, mich an den Schreibtisch zu zwingen. Und mein etwas entwöhntes Lernerherz wieder an die Selbstdisziplin heranzuführen.

So gesehen…!

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Aufzugromantik

Für meinen Niederländischkurs bin ich derzeit wieder Gast im Philosophenturm an der Uni. Es sind Semesterferien, die Uni ist wie leer gefegt. Und nein, ich war noch nicht lange genug aus der Uni, als dass die Techniker es geschafft hätten, die Aufzüge so einzustellen, dass die eine Hälfte nur ungerade, die andere nur gerade Stockwerke anfährt (meine Uni in Australien hat genau das geschafft, übrigens). Wer einmal versucht hat, morgens pünktlich in sein Seminar im 14. Stock zu kommen, weiß, wovon ich rede, wenn der Aufzug quasi an jeder Seminartür hält (da hilft auch c.t. nicht mehr viel).

Jetzt, in den Semesterferien, kommt man in den Genuss, in den 12. Stock ohne Anhalten zu fahren.

Dass ich das noch erfahren darf!

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Pimp your XP folder system

Mit den virtuellen Post-Its zur Entzerrung des Notizenwirrwarrs ist’s zwar noch immer nix geworden, aber immerhin: Mit der farblichen Markierung von Ordnern unter XP hat man zumindest eine zusätzliche Dimension für die Strukturierung nach beispielsweise inhaltlichen und formalen Ordnern.

Das famose Programm heißt sinnigerweise iColorFolder. Es erlaubt die Kennzeichnung von Ordnern (leider nicht von einzelnen Dateien) in sieben Farben. Damit kann ich jetzt meine Notizen nach Kapiteln, fachlicher Zugehörigkeit oder für die “Ablage P” markieren, ohne sie in einem Dschungel von Ordnern und Unterunterunterordnern zu verlieren, oder zu früh zu löschen.

Mit dem Skins-Pack entkommt man sogar den XP-Ordnersymbolen.

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Verschachtelt eure Sätze!

Schon Mark Twain hat sich über die üblen Launen der deutschen Sprache mockiert. Darüber, dass wir soviele Artikel und Fälle haben (ich persönlich würde ich ihn gerne mal zu Finnisch befragen) und über die Eigenart des Deutschen, das Verb zu zerreißen und die eigentliche Aussage ans Ende des Satzes zu stellen. Kurzum, der Leser eines deutschen Textes muss sich durch kilometerlange, verschachtelte Sätze, die schwadronierende und sinnentleerte Absätze und nicht selten mehrere Seiten umfassend daherkommende komplexe Sachverhalte enthalten, die wiederum in wilden und komplett abartigen Konstruktionen versteckt sind, und denen auch jedwede denkbare grammatische Eigenart innewohnt und die womöglich jar keen Sinn machen, wühlen, ehe ihm die Intention des Autors klar wird. (Quod erat demonstrandum.)

Aber ich hab nach zwei Lektionen Niederländisch für Anfänger das beruhigende Gefühl, dass wir nicht die einzigen sind:

Vul de passende uitdrukkingen uit de dialogen in.
Setzen Sie die passenden Ausdrücke aus den Dialogen ein.’

Na, da freue ich mich erst auf Perfekt, Passiv und Relativsätze!

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Vom Minderwertigkeitskomplex des Linguisten

Wenn ich mir meine Linguistenkollegen, vor allen Dingen die, mit denen ich vier Jahre im Forschungsprojekt gearbeitet habe, so ansehe, dann überkommt mich regelmäßig das Gefühl, dass ich mit Deutsch und Englisch brauchbare Sprachkenntnisse nur in zwei Sprachen besitze. Natürlich bedeutet sich mit Sprachen zu beschäftigen nicht automatisch die Beherrschung möglichst vieler Sprachen, sondern sich mit ihren Eigenheiten bei Gelegenheit auseinandersetzen zu können. Und trotzdem bin ich sooo klein mit Hut, wenn ich vor mir selbst zugeben muss, dass die sträfliche Vernachlässigung meines Französisch aus der Schulzeit einer Verschwendung gleichkommt. Und fehlende Lateinkenntnisse sind mit “humanistischer Bildungslücke” sehr euphemistisch umschrieben.

Natürlich spreche ich Alemannisch. Es würde vielleicht nicht reichen, einen Beitrag auf der alemannischen Wikipedia zu verfassen, aber von mir aus könnte 3Sat darauf verzichten, die Beiträge des schweizer Fernsehen zu untertiteln. Flughafenangehörige in Zürich müssten mit mir auch nicht Englisch sprechen, wenn sie meinen deutschen Pass durch den Scanner ziehen (obgleich sie das aus politischen Gründen tun, vgl. Fluglärmstreit am Flughafen Zürich – man achte zur besonderen Belustigung besonders auf Absatz 4).

Aber wie peinlich ist das bitte, auf dem Lebenslauf unter Sprachkenntnisse “Badisch” aufzuführen? Letztens sprach ich davon, dass man – sodenn man will – Sprachen aufgrund der Existenz von Armee und Marine von einem Dialekt unterscheiden kann. Auch wenn ich gerne behaupten würde, dass die Separatismusbewegung in Baden eine Armee aufstellt und eine Rhein- und Bodenseemarine aufbietet, gilt Badisch gemeinhein als Dialekt des Deutschen. Also lassen wir das mit dem Badischen halt.

Dafür lerne ich seit heute Niederländisch. Warum? Wollte ich schon seit… äh, 2003.

Ich erinnere mich an eine Zugfahrt von Amsterdam nach Münster, als ich eine herrenlose Zeitung fand. Zugegeben, ich war nach einem Kurztrip in die Stadt der Grachten noch reichlich bekifft. Es reichte aber immerhin (oder gerade deshalb) eine Zeitung in einer Sprache zu lesen, in der ich noch nie Unterricht genommen hatte. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es an meinem benebelten Geisteszustand lag, oder am für Deutsche demunitiv anmutenden Wortschatz der niederländischen Sprache – es war ob meiner hysterischen Lachkrämpfe eine lustige Möglichkeit, die Zeit im niederländischen Bahnverkehr tot zu schlagen (eventuell weniger unterhaltsam für meine Mitreisenden). Und ein Wort ist mir im Gedächtnis geblieben: luchthavenbelasting (‘Flughafensteuer’). Das macht es erstens schwer, auch in nüchternem Zustand die Contenance zu wahren und zweitens hat man damit die Lacher bei jeder flüchtigen Bekanntschaft mit Niederländern auf seiner Seite.

Und somit arbeite ich an meinem ganz persönlichen Beitrag zur von der EU ausgelobten Mehrsprachigkeit. Die Sprachpolitik der EU arbeitet nämlich darauf hin, dass jeder EU-Bürger mindestens zwei Fremdsprachen sprechen kann.

Tot ziens!

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