Archiv des MonatsOktober, 2009

Quelle versiegt

Jeder Sechste von Zehn Euro kommt über das Online hinein. (Thomas Voigt von der Otto-Gruppe in einem Tagesthemenbeitrag über die Quelle-Pleite.)

Wenn die bei Quelle ähnlich widersprüchliche Kenntnisse über ihre Wirtschaftsdaten hatten, wundert’s ja nich so sehr.

Ein Sechstel ist immerhin weit weniger als etwas mehr über der Hälfte.

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Semesterbeginn

Das Semester hat wieder angefangen. Weil auf die Woche der mit Vornamen bekreppten Brüste die Woche der aufgescheuchten Hühner folgt.

Früher nannte ich das Frischlinge beobachten.

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Wochenrückblick 3.0: Woche 2

Montag: Also dann halt doch. Den Korpus noch mal lesen. Eletronisch unterstützt durch die Suche, die mir the farblich markiert. Jeden Tag zwei Buchstabengruppen, dann wird’s auch absehbar.

Dienstag: Welch verrückte Krankheiten gibt es eigentlich? Pestilence. Da wär ich mit der Kontextsuche aus dem letzten Jahr nie drauf gekommen. Damals habe ich nach so unschuldigen Krankheiten wie fever, cancer oder cough gesucht.

Mittwoch: Langsam beginnt’s mir Spaß zu machen. Das ist auch fast wie eine Sucht, natürlich bleibt’s auch nicht nur bei zwei Buchstabengruppen. Ich bin überrascht, wieviele Beispiele ich finden kann, die ich letztes Jahr nicht gefunden habe. Da bin ich mal auf den Abgleich Alt-Neu gespannt.

Donnerstag: Ich bekomme Übung. Oft reicht ein Blick auf das rechts und links neben den farblichen Markierungen. Und die Tendenz, dass sich bestimmte Phänomene nach sozialem Hintergrund oder geografischer Herkunft verlagern. Sehr fein, ein Muster!

Freitag: Fast durch. Das macht auch irgendwie high, so eine Suche. Und ein weiser Mensch bemerkt: “Das muss wie Telefonbuchlesen sein.”

Samstag: An die Dramen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in der irischen Gesellschaft und in der Auswanderererfahrung abgespielt haben müssen, habe ich mich ja über die Jahre gewöhnt. Aber manchmal mischt so ein wenig das Bewußtsein des Voyeurismus ein. Zwischen “hätten die hier nicht ein abgefahrenes grammatisches Phänomen benützen können?” (Zynismus) und “wenn die gewusst hätten, dass wir hunderte Jahre später so in ihren intimsten Details schnüffeln..” (Scham) ist oft ein schmaler Grat.

Sonntag: Abgleich Alt-Neu. Erschreckend, die Hälfte der im vorigen Jahr gefundenen Beispiele kann ich eigentlich getrost vergessen. War’s Unschuld, Unwissen oder Faulheit? Fazit: es hat sich sehr gelohnt, den Korpus nochmals zu durchforsten. Telefonbuch hin oder her.

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Humor III

She is well licked by the Bishop & priests of that Town. [Catholic Encoder, Munster, 1861]

Ich glaube, ich sollte für heute Feierabend machen.

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Humor II

…und manchmal sind die Schreiber unfreiwillig komisch:

I hope you will Improve your Self at School and Study the English Gramar as your Letter is badly Spelt. [Ulster, 1818]

schreibt jemand, der unter anderem auch solche Stilblüten von sich gibt:

Neaver the Less I must Acknowledge Ireland is by no means to be Compaired to America {.} I must be Content to Lay my Boanes with my Ansesters as I hive No famly at presant [Ulster, 1820]

Da gibt’s orthografisch aber Schlimmeres.

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Humor

Die Daten für meine Untersuchung beziehe ich aus einem Korpus, der zum überwiegenden Teil aus Briefen von und nach Irland besteht. Die Briefe wurden zwischen 1675 und 1931 von meist minimalstgebildeten Auswanderern oder deren zurückgebliebenen Familienmitgliedern geschrieben. Darin tritt die ganze Bandbreite der Dramen zu Tage, die sich damals zugetragen haben: die Hungersnot von 1845-1849, irische Erfahrungen im Bürgerkrieg (im eigenen Land oder in Amerika), die teilweise niederschmetternden Erfahrung der Auswanderer – und nicht vergessen darf man die Familientrennungen, die damals in den allermeisten Fällen endgültig war.

Ja, aber manchmal findet man auch ein wenig Humor:

the sailors always say when a breeze gets up god help the poor souls ashore to night {.} probably they did not say that aboard the Titanic [Adelaide, Australien, May 13, 1912]

Da kommt noch mehr.

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Die Suche nach dem verlorenen Schein

Wer noch nie die Angst hatte, im Vorfeld einer Prüfungsmeldung einen Schein zu vermissen – gleich, ob man ihn lediglich verlegt hat oder ob man beim Durchstöbern der Studienordnung einfach ne Spalte übersehen und sich gar nicht erst daran versucht hat – der hat nie studiert.

Im Juni habe ich auf der Suche nach einem verschollenen Politikschein meine Wohnung und den Dachstuhl auf den Kopf gestellt. Zwei Tage lang. Weil ich alles beisammen hatte: Einführung, Grundkurs I, Grundkurs II, Theoriekurs, Lektürekurs, Übung – allein der Schein fürs Mittelseminar fehlte. Meine Schweißausbrüche legten nahe, vorsorglich den Hausmeister anzurufen, um ihm die Fehldiagnose Wasserrohrbruch zu ersparen.

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Wochenrückblick 3.0: Woche 1

Montag: Aller Anfang ist schwer. Und dieser noch viel schwerer. Nachdem der ernstgemeinte Wiedereinstieg am Wochenende am fehlenden Kaffee gescheitert ist und an der Erkältung, die sich nicht zwischen Verschwinden und richtiger Grippe entscheiden konnte (äh, kann! Anm. am Dienstag), hängt die Prüfungsanmeldung jetzt wie ein Damoklesschwert über dem Schreibtisch. Nehmt mir das Modem weg, sperrt alternativ alle Zugänge zu sozialen Netzwerken oder Newsfeeds. Die neue Regierung streitet schon, bevor sie überhaupt verhandelt. Prüfungsanmeldung T -18.

Dienstag: Es ist wieder da, scheiße. Das Gefühl, alles auf einmal zu wollen. T -17.

Mittwoch: Dem potentiellen Prüfer von seinem Glück erzählt. Und die wunderschöne Erfahrung, auch nach fast zwei Jahren Uniabstinenz noch einen Namen zu haben und keine Nummer zu sein. Im Fließbandbetrieb einer Sprechstunde. Blut lecken, längst begrabene Ambitionen wecken. Noch fehlen zwei Unterschriften fürs Prüfungsamt. T -16.

Donnerstag: Das erste Kapitel ist längst ans externe Quantitätsprüfzentrum gegangen. Aber Einleitungen schreibt man zum Schluss. Das ist nur provisorisch, sozusagen. T -15.

Freitag: Meine Stabikarte hat eine Gebührensperre. Das hindert die Institutsbibliothek aber nicht daran, mir dennoch Bücher übers Wochenende auszuleihen. Aber im Institut habe ich auch noch sieben Euro Schulden. Wo die wohl her sind? Überblicksverlorene Altlasten. Sehr fein: die Uni ist während der Semesterferien so schön ruhig und übersichtlich. Das wird sich übernächste Woche schlagartig ändern. Schade. T -14.

Samstag: Doof, ich hab den Feiertag total falsch eingeschätzt. Die noch vorhandenen Lebensmittel werden mich vor dem Verhungern retten, die Schokoladenattacken werden sie nicht abfangen können. T -13.

Sonntag: Es ist nicht viel, aber immerhin habe ich das in der mittwöchlichen Sprechstunde empfohlene Buch gelesen. Abgefahren – philosophische Sprachwandeltheorien. Aber wo genau mir dieses jetzt für die Arbeit hilft? Ich werd’s wohl erst mal sacken lassen. Die anderen übers Wochenende ausgeliehenen Bücher sind zumindest angelesen. Auch eine Leistung: Liegt mir, liegt mir nicht. T -12.

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