Wochenrückblick 3.0: Woche 2
Montag: Also dann halt doch. Den Korpus noch mal lesen. Eletronisch unterstützt durch die Suche, die mir the farblich markiert. Jeden Tag zwei Buchstabengruppen, dann wird’s auch absehbar.
Dienstag: Welch verrückte Krankheiten gibt es eigentlich? Pestilence. Da wär ich mit der Kontextsuche aus dem letzten Jahr nie drauf gekommen. Damals habe ich nach so unschuldigen Krankheiten wie fever, cancer oder cough gesucht.
Mittwoch: Langsam beginnt’s mir Spaß zu machen. Das ist auch fast wie eine Sucht, natürlich bleibt’s auch nicht nur bei zwei Buchstabengruppen. Ich bin überrascht, wieviele Beispiele ich finden kann, die ich letztes Jahr nicht gefunden habe. Da bin ich mal auf den Abgleich Alt-Neu gespannt.
Donnerstag: Ich bekomme Übung. Oft reicht ein Blick auf das rechts und links neben den farblichen Markierungen. Und die Tendenz, dass sich bestimmte Phänomene nach sozialem Hintergrund oder geografischer Herkunft verlagern. Sehr fein, ein Muster!
Freitag: Fast durch. Das macht auch irgendwie high, so eine Suche. Und ein weiser Mensch bemerkt: “Das muss wie Telefonbuchlesen sein.”
Samstag: An die Dramen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in der irischen Gesellschaft und in der Auswanderererfahrung abgespielt haben müssen, habe ich mich ja über die Jahre gewöhnt. Aber manchmal mischt so ein wenig das Bewußtsein des Voyeurismus ein. Zwischen “hätten die hier nicht ein abgefahrenes grammatisches Phänomen benützen können?” (Zynismus) und “wenn die gewusst hätten, dass wir hunderte Jahre später so in ihren intimsten Details schnüffeln..” (Scham) ist oft ein schmaler Grat.
Sonntag: Abgleich Alt-Neu. Erschreckend, die Hälfte der im vorigen Jahr gefundenen Beispiele kann ich eigentlich getrost vergessen. War’s Unschuld, Unwissen oder Faulheit? Fazit: es hat sich sehr gelohnt, den Korpus nochmals zu durchforsten. Telefonbuch hin oder her.
Kristin Said,
17. Oktober, 2009 @ 18:30
Heyho, klingt gut, Du scheinst voranzukommen! Ich werde momentan durch alle möglichen anderen Dinge aufgehalten …
Nur ein kleiner Tipp, ich hoffe Du fasst es nicht als Besserwisserei auf – “Korpus” im linguistischen Sinne ist ein Neutrum
Weiterhin viel Erfolg!
Kristin.
suz Said,
17. Oktober, 2009 @ 20:26
Danke für den Hinweis. Aber ja, weiß ich eigentlich
Das ist natürlich ein sehr seltsamer “Fehler” – vermutlich weil wir entweder immer nur “vom Korpus” oder “im Korpus” gesprochen haben, oder weil wir’s meist auf Englisch tun… *hüstel
Oder aber ich hab im Moment einfach viel zu viele Artikel im Kopf – da bringt man schon mal was durcheinander…
Kristin Said,
20. Oktober, 2009 @ 19:55
Ich habe neulich gelernt, dass in unserem Dialekt das Wort “Dialekt” ein Neutrum ist. Wusste ich nie. Warum nicht? Weil’s immer “im Dialekt” heißt, anders kommt das Wort quasi nie vor
suz Said,
20. Oktober, 2009 @ 23:47
Das wäre mal interessant: wieviele Geschlechter gibt’s wirklich im Alemannischen? Ich sage, der Trend geht zu zweien. d’ (Utrum) und s’ (Neutrum).
Max Said,
22. Oktober, 2009 @ 13:51
Korpus…die Endung – us definiert in Latein maskulin! Daher kommt es wohl auch. Stop! Es existiert auch die Korpus, laut Wikipedia, das ist lustig!
Kristin Said,
22. Oktober, 2009 @ 19:32
Hm, nein, ich kann keinen Genusabbau bemerken. Es gibt bei den Artikeln t/d ‘die’, s ‘das’ und de/dr ‘der’. Bei anderen flektierenden Wortarten ist der Unterschied entweder m/n vs. f (wie im Hochdeutschen) oder – wesentlich öfter – alle drei Genera werden klar getrennt (wie seller – m, selli – f, sell – n). t/d und de/dr ähneln sich zwar lautlich, werden aber von den SprecherInnen klar voneinander getrennt. (Werden auch oft an die Langformen für die Verwendung als Demonstrativpronomen angeschlossen: där (m), die (f, mit Diphthong i-e), des (n).)
suz Said,
27. November, 2009 @ 00:52
Das ist natürlich ein entscheidender Punkt, den ich “übersehen” habe. Mist, kommt davon. Danke für den Hinweis!
suz Said,
27. November, 2009 @ 01:00
Dass aber die Zuweisung des Genus bei Lehnwörtern nicht den Regeln der Ursprungssprache unterliegt, liegt deutlich auf der Hand: sonst müssten ja nahezu alle englischen Lehnwörter entweder maskulin, feminin oder neutral sein (von “the”). Daraus – aber nicht nur – entstehen ja die Zweifelsfälle: heißt es “das” oder “die Cola usw usf. Genuszuweisung geschieht ja eher am Sprachgefühl und an der Heranziehung von “Vergleichsfällen”. Da Korpus von lat. “Körper” abgeleitet wird, ergab sich vermutlich auch meine Intuition, dass es “der (linguistische) Korpus” heißen “muss”.
Deshalb die Frage: welches grammatische Geschlecht haben lateinische Lehnwörter, die auf -mus enden? Auch maskulin? Nach dieser Regel müsste ja (der Realismus, der Sexismus etc) auch das linguistische Korpus männlich sein.
Oh Gott, ich glaub ich verenne mich auch gerade wieder. Macht nix. Hab mich heute 16 Stunden mit Sprachkritik rumgeschlagen. Genug ist genug!