Archiv des MonatsNovember, 2009

Ich bin ein Klugscheißer

Die meisten Menschen haben nur ein passives Wissen über Sprachen. Sogar über ihre eigene. Soll heißen, sie wissen zwar, wie sie sich richtig und falsch in ihrer Sprache ausdrücken können, es ist ihnen oft aber nicht bewusst.

In meinem Sprachkurs Schwedisch ging’s heute um die Beugung von Adjektiven. Im Schwedischen werden die Adjektive nämlich immer nach dem Genus des Substantivs gebeugt. Auf meine Frage, ob das auch für prädikative Adjektive gilt, gab’s erst mal ne Runde Fragezeichen. Intuitiv hat jeder meiner Nachbarn die prädikativen Adjektive im Lückentext nach dem Genus gebeugt. Und auf meinen Einwand, dass das nicht selbstverständlich sei, gab’s noch mehr Fragezeichen (äh ja, und ein attributives Klugscheißerstigma).

Im Deutschen (im übrigen auch im Niederländischen), werden prädikative Adjektive im Gegensatz zu attributiven nicht gebeugt. Dabei war den Meisten also folgende Eigenschaft des Deutschen nicht bewusst:

  1. Der kleine Mann. (attributiv)
  2. Er ist klein. (prädikativ)

Prädikative Adjektive im Deutschen werden also nicht gebeugt, oder dekliniert, oder flektiert. Äh, an die Grammatiker und Syntaktiker unter uns: Wie bloß soll man prädikative und attributive Adjektive so umschreiben, dass es auch die Wie-Wort-Fraktion versteht?

Andererseits kann ich mit dem Attribut Klugscheißer eigentlich gut leben.

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Sprachverfall

Die typische Form, den Wandel der Sprache wahrzunehmen, scheint darin zu bestehen, ihn als Verfall zu erleben. Ist es nicht merkwürdig, daß unterscheidliche Verfallstheoretiker seit mehr als 2000 Jahren immer wieder den zunehmenden Verfall ihrer jeweiligen Muttersprache beklagen, ohne je ein Beispiel für eine tatsächliche verfalllene Sprache vorweisen können? Es scheint auch niemanden zu geben, der bereit wäre, den Verfall seiner e i g e n e n individuellen Sprache zu bedauern: “Ach, was schreibe ich für ein verkommenes Deutsch im Vergleich zu meinen Großeltern!” Sprachverfall ist immer Verfall der Sprache der anderen. Das sollte stutzig machen.

Rudi Keller. 2003. Sprachwandel. Tübingen: UTB. S. 23

Sprache dient menschlicher Kommunikation. Das scheint auf den ersten Blick trivial, ist aber ungleich wichtiger, wenn es um die Sprachverfallsdebatten geht. Jeder Sprachpfleger, der ja den Verfall unserer Sprache heraufbeschwören will, brächte sich in höchste Erklärungsnot, wenn er mit der Sprache Walther von der Vogelweides, um’s mal auf die Spitze zu treiben, in die nächste Kneipe zöge.

Gut, mögen jetzt einige sagen, was ist dann mit Irish, einer gestorbenen Sprache?

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Logik

Mal ne kleine Denksportaufgabe aus dem Bereich der Logik.

John rasiert alle bärtigen Männer, die sich nicht selbst rasieren. Und nur diese. Rasiert John auch sich selbst?

Gute Nacht.

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Kritik der Kritik

Ich empfehle – mal für Zwischendurch – das Forum des “Verein Deutsche Sprache e.V.” (Quizfrage: Was am Namen des Vereins widerspricht der normativen Grammatik, vor dessen Altar diese faktenresistenten Sprachnörgler rumrutschen?)

Oh weh; ich fürchte, ich mache hier für mich ein Fass auf, von dem ich gar nicht so viel fressen könnte, wie ich kotzen wollte. Widmen wir uns also einer Einstellung, die leider so ziemlich allem zu Grunde liegt, was die “vier alten Herren” (Zitat Bremer Sprachblog) des VDS so von sich geben.

Gewisse Sprachwissenschaftler hier und anderswo sollten sich über das Thema gutes und schlechtes, richtiges und falsches Deutsch besser enthalten, da es für sie erklärter Maßen diese Kategorien gar nicht gibt. (Nutzer “Wolfgang” im VDS-Forum zur Diskussion: “Bastian Sick Kompetenzen in Fragen der Sprache“)

[Haut mich, aber entweder wurde im Titel des Threads auf Flektierung verzichtet oder gängige Interpunktionskonventionen missachtet. Hm, und ob man sich "über ein Thema enthalten" kann?]

Okay, vermutlich muss ich ein wenig ausholen.

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Uninostalgie

Es gibt Momente, da ist man ganz klein, wenn man auf die Studienbescheinigung guckt und seit Jahren dort eine zweistellige Zahl studierter Semester  wahrnimmt.

Und dann gibt es Momente, in denen man auf diese Zahl stolz sein kann.

Wie, du musst dir deinen Stundenplan selbst zusammenstellen?!?

Auf eine solche – ernstgemeinte (!) – Frage einer schockierten (!!) Kommilitonin darf man dann auch mit der arroganten Gelassenheit des älteren Semesters reagieren (Tipp: einfach Mal laut auflachen). Es verleitet das ältere Semester aber bisweilen auch zur wehmütigen Feststellung, dass man diesen Greenhorns ihre Unwissenheit nicht ankreiden kann (im günstigen Fall) oder darf (äh, eher so ein Fall augenblicklicher Wehmütigkeit).

Kinners, wie die Zeiten sich ändern.

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