Präsenz in Präsenzbibliotheken
Ich werde mich nie dran gewöhnen.
Die Institutsbibliotheken an der Uni Hamburg sind Präsenzbibliotheken. Dabei hat das Wort Präsenz nichts mit der Anwesenheit von Studenten oder zweigehirnzelligen Bibliothekaren zu tun. Das Konzept hat für Leute wie mich, die ungern in der Bibliothek arbeiten und ihre Präsenz dort hauptsächlich so verstanden haben, dauerquatschende und telefonierende Kommilitonen anzuschnauzen, zwar einige Nachteile – der groooohooße Vorteil ist aber, dass die Bücher da sind. In der Theorie.
Nicht der erste und einzige Fall, aber seit zwei Monaten renne ich einem bestimmten, wichtigen Buch hinterher. Und langsam wird suz richtig wütend. Ich bin ja bereit, mich dafür ein paar Stunden präsent zu zeigen und in der Bibliothek lesen. Aber es ist nicht da. Ausgeliehen, nicht verschollen (!). Das ist sogar noch viel ärgerlicher, weil die Bibliothek sogar drei Exemplare jeneswelchen Standardwerks, äh, vorrätig hat, alle aber verliehen sind. Wenn sie eins davon verleihen, gut. Auch die Regelung der Examensausleihe, die es Examenskandidaten erlaubt, ein Buch für eine Woche mit nach Hause zu nehmen, ist grundsätzlich immer für den ärgerlich, der in die Röhre guckt.
Im Großen und Ganzen spottet diese Regelung doch jeder Beschreibung.
sika Said,
19. Januar, 2010 @ 14:41
heyho,
bin durch zufall auf deinen blog gestossen. und siehe da, auch eine examenskanditatin:-) ja, ich bin es auch. und ich habe das gefühl, niemals fertig zu werden…diese viele literatur…und zum schluss kein plan mehr, was man zu beginn gelesen hat.
bist du denn schon angemeldet?
würd mich auf deine antwort, zwecks austausch freuen.
übrigens, hab auch zuletzt in hamburg gewohnt. tolle stadt!
suz Said,
19. Januar, 2010 @ 17:36
Moin und herzlich Willkommen!
Ja, ich bin seit Dezember gemeldet, die offizielle Bestätigung wird wohl in der nächsten Woche hier eintreffen. Ich habe aber – wie man am Archiv des Blogs unschwer erkennen kann – schon mehrmals mit meiner Prüfungsmeldung gerechnet. Allerdings war ich zwischendrin völlig abgemeldet (krank), weshalb die “richtige” Arbeit erst im letzten Oktober begonnen hat. Wenn alles nach Plan läuft, habe ich die Arbeit zu Beginn der Olympischen Spiele fertig geschrieben
.
Wie weit bist du? Das mit der Masse an Literatur kenne ich. Vieles, was ich zu Anfang gelesen habe, war “unnötig” bzw. hat sich mit der Zeit als weniger relevant herausgestellt. Und die wirklich relevante Literatur hat sich mit dem Schneeballeffekt ergeben, dazu kamen natürlich noch sehr brandaktuelle Veröffentlichungen, die direkt aus der Druckerei auf meinen Schreibtisch geplumpst sind. Zwischendrin der Koller, das Fass nicht mehr zu zu kriegen. Dann MUSST du irgendwann den Deckel drauf machen. Wenn du jetzt noch mal deine Notizen durchgehst, wirst du auch merken, wie sich die Prioritäten verschoben haben
.
Aber viel interessanter: was studierst du und wo? Und worüber schreibst du? Thema schon eingegrenzt?
sika Said,
20. Januar, 2010 @ 10:54
Ich studier Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Psychologie, wobei ich meine Arbeit in Kowi schreibe.
Mein Thema ist Zeichengebrauch bei Tier und Mensch im Vergleich. Also eigentlich die Sprache und nonverbale Kommunikation beim Menschen und im Gegenzug Lautsignale, optische Signale etc. beim Tier. Das ganze wird zudem eine empirische Studie am Beispiel der Hauskatze, dafür aber nur beispielhaft. Vielleicht hast du schonmal was von Semiotik gehört…
Meine Gliederung steht soweit, verändert sich aber hier und da. Also mehr Unterpunkte oder andere Benennung der Punkte oder es fällt auch mal was ganz raus.
Ich bin auch bereits seit Dez angemeldet und warte auch auf das Einschreiben;-)
Das erste Kapitel ist bereits geschrieben. Bin aber noch am lesen, da mir für einige Punkte relevante Literatur fehlt. Aber ich weiss schon, wo was hingehört.
Eingegrenzt sicherlich. Da sind schon einige Sachen rausgefallen…die würden den Rahmen sprengen. Zudem gibt es eine ähnliche Arbeit, die einen anderen Schwerpunkt gewählt hat. Von daher will ich mich dort abgrenzen.
Aber da kommt einiges zusammen: Kowi, Linguistik, Philosophie (uiuiui, das macht mir zu schaffen. will gar nicht so alte schinken haben. aber modernisieren tu ichs;-)) und auch ein wenig Biologie.
Ich hab bereits meine Haupttheoretiker, an denen ich weiterfolgendes aufzeigen will. Die sind zwar auch von Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, aber wirklich relevant.
Hast du nen Tipp, wie man in einem ganzen Buch das wirklich relevante finden kann, ohne es komplett lesen zu müssen? Vor allem englische Bücher sind darin der Hammer! Es gibt schliesslich Leute, die haben ihre Arbeit in 5 Wochen geschrieben. Wie haben die so schnell lesen können?
Oha, dann bist du ja in wenigen Wochen fertig!?
Jep, meine Nachricht gleicht einem Roman:-)
suz Said,
20. Januar, 2010 @ 15:08
Erst mal: interessantes Thema! Wobei mich der Gedanke, Mensch und Tier zu vergleichen, ein wenig verwirrt, aber gut – ich bin ja kein Kommunikationswissenschaftler. Es soll ja auch schon Linguisten gegeben haben, die Affen das Sprechen beibringen wollten. Wobei ich ja die Unterschiede in der Zeichensprache und den Missverständnissen zwischen Katzen und Hunden sehr spannend fand, aber gut.
Und da gibt es wirklich nichts Moderneres? *wunder* Guck mal bei scholar.google.com nach, da werden viele Dinge indiziert, die man nicht unbedingt nur über den Katalog der örtlichen Bibliothek findet.
Naja, wer seine Arbeit in fünf Wochen geschrieben hat, hatte entweder schon richtig gut Ahnung von seinem Thema, die Zeiteinteilung verpeilt oder nicht wirklich umfassend gelesen, aber das ist wohl schon sehr individuell. “Schreiben” an sich wird bei mir auch nicht länger als zwei Wochen dauern, deshalb ist das wohl eine wenig vergleichbare Bezugsgröße.
Aber schnell Lesen kann jeder: eigentlich jeder Text ist so strukturiert, dass es zur Überblicksverschaffung meist genügt, Einleitung und Fazit zu lesen (Artikel) oder erstes und letztes Kapitel bzw. Einleitung und Schluss jeden Kapitels (Monographie). Wenn diese beiden Blöcke näheres und relevantes Material versprechen, und die Zeit immer noch knapp ist, bietet sich eine weitere Lesetechnik an: Jeweils den ersten und den letzten Satz eines Absatzes lesen. Erklärung: mit dem ersten Kapitel/Absatz/Satz wird in die Argumentationslogik/These eingeführt, das letzte Kapitel/Absatz/Satz werden die wichtigen Thesen/Ergebnisse zusammengefasst, also auch so, wie “wir” schreiben sollen. Allgemein ist aber eher davon abzuraten, bei wichtigen Texten Speedreading-Techniken anzuwenden; die sind lediglich für den Überblick gedacht.
Und du willst allen Ernstes einen Linguisten fragen, ob er schon mal was von Semiotik gehört hat?
sika Said,
20. Januar, 2010 @ 16:49
hehe, die Frage hab ich doch absichtlich gestellt;-)
Doch doch, es gibts durchaus Modernere Publikationen. Aber die alten Schinken werden trotz allem nicht “durchsichtig” erklärt. Liegt wohl an der Schwierigkeit subjektive Interpretationen objektiv zu erklären, was ja völlig unmöglich ist, auch wenn unsere sich unsere Sprache durch Intersubjektivität (damit meine ich nicht objektiv) und, meiner Meinung nach eingeschränkte, Konventionalität auszeichnet. Da sprechen die gelesenen Theoretiker aus mir;-) Lies dir mal andere Arbeiten von Studenten zu Theorien durch. Oh man, da wird mir schlecht. Du merkst häufig, wie wenig die verstanden haben. Aber ich bin durchaus sehr akribisch, was das exzerpieren von Texten betrifft. Da finden sich häufig einzelne Wörter, die Zusammenhänge zu anderen Theorien aufweisen…So viel auch zur Zeit und schnellem Lesen;-)
Aber Semiotik ist irgendwie schnöde und verschwindet langsam in ner Kiste auf dem Dachboden. Mein Prof ist leidenschaftlicher Semiotiker…daher auch die Themenwahl.
Doch doch, ein Vergleich ist super. Und Affen die “sprechen” gibts nicht. Liegt an meiner Definition zur Sprache und Kommunikation.
Liest du denn noch? Und wie lang kommt deine Literarturliste eigentlich?
suz Said,
20. Januar, 2010 @ 20:00
Ja, aber da hast du es doch. Die “alten Schinken”, wie du sie nennst, entspringen doch einer ganz anderen Denkweise – und gerade in der Biologie oder in der Soziologie hat sich da einiges getan. Wenn du schon Konventionalität ansprichst – die war doch zur letzten Jahrhundertwende eine ganz andere, als die jetzt. Und wenn du sagst, dass Studenten das teilweise nicht verstanden haben, oder wenig davon, wie verträgt sich das dann mit der Subjektivität? Die interpretiert schließlich jeder anders, das sagst du ja selbst, “subjektive Interpretation”.
Mach nicht zu viele Fässer auf. Vielleicht hast du es in der kürze der Zeit (oder Platz) verkürzt dargestellt oder ich hab (Inter)subjektivität nicht verstanden, aber wenn du mir sagst, dass du eine empirische Studie zum Zeichengebrauch im Vergleich Mensch-Tier machst, sollte die philosophische Abhandlung von Intersubjektivität oder ähnlichem ja nicht im Vordergrund stehen. Jaja, ich weiß, das lese ich jetzt nur aus deinen Zeilen raus und messe ihm vermutlich zu viel Bedeutung bei; im Grunde verstehe ich dich sehr gut, der Theorieteil hat mich monatelang verfolgt und mir Angst gemacht, weil ich nicht durchgestiegen bin, aber im Endeffekt ist es meist nur der berühmte Wald, den man vor lauter Bäumen nicht sieht.
Den Sprung “Thema: Zeichengebrauch” und “ich hab’ die Semiotik auf den Dachboden verbannt” musst du mir erklären! Vielleicht verstehe ich es besser, wenn du mir mal deine Arbeitshypothesen nennst
.
Äh ja, ich lese noch, punktuell aber nur noch. Nachschauen und zurück gehen auch noch. Wie lange die Literaturliste wird, kann ich nicht sagen, das ist aber auch ein schwieriger Gradmesser, teilweise mit sehr wenig Aussagekraft. Dokumente mit Notizen (eins je Text) hab ich ungefähr 80. Ob die alle letzlich Eingang finden, wer weiß.
Und ich habe nie behauptet, Affen können sprechen
. Nur dass Linguisten das mal versucht haben sollen. Und auch mehr oder weniger im übertragenen Sinn gemeint.
sika Said,
20. Januar, 2010 @ 20:43
Genau, es geht um die andere Denkweise. Beides kann einander gegenüber gestestellt werden. Und Subjektivität kann mittels Sprache (intersubjektiv und konventionell, wobei sich letzteres stetig ändert) mitgeteilt werden. heisst aber nicht, dass es auch so verstanden werden “muss”. aber das nur am rande und nein, Studies oder ähnliche Leute schreiben nur gefasel, was man daran merkt, dass sie abschreiben;-)
Dieser Absatz zählt nicht zu meiner Arbeit und war nur eine Beurteilung;-)
Nicht ich hab die Semiotik auf den Dachboden verbannt, sondern die meisten Unis…es gibt nur noch wenige Anhänger…
sorry für gross- und kleinschreibung…
suz Said,
21. Januar, 2010 @ 20:32
Naja, das ist Ansichtssache – die Semiotik ist immerhin die Grundlage der Linguistik. Auch wenn es schnell mal in die formalistische Ecke abdriftet, so ist Semiotik in seiner allgemeinsten Form von mir aus in der Tatsache gültig, dass Zeichen arbiträr sind. Ich habe dich ja nicht auf die Groß- und Kleinschreibung aufmerksam gemacht
Orthographie ist willkürlich!
Aber ich bin ja kein Semiotiker.
Ich sehe schon, du musst mir deine Position/Fragestellung/Theorie(n) genauer erläutern.