Archiv des MonatsFebruar, 2010

Dabei sein ist nicht alles, dabei bleiben schon

Du weißt, dass der Tag echt für die Katz war, wenn sich der word count nur vergrößert hat, weil du dein Literaturverzeichnis auf den neusten Stand gebracht hast.

Du weißt, dass du frustriert bist, weil die Fallhöhe nach Tagen absoluter Genialität unglaublich weh tut.

Du weißt, dass irgendwas schief läuft, weil der Grund, dass du dich unglaublich aufregst, ein unauffindbarer Kugelschreiber ist.

Du weißt, dass die Nerven blank liegen, weil du so unter Strom stehst, dass es zum Heulen nicht reicht.

Und Viren brauchst du wie n Pickel am Arsch.

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18 Stunden im Leben eines Magistranden

(Für die Linguisten unter euch: ab 6 Uhr 25 wird’s richtig spannend.)

16.45 Ich wache auf, es ist kalt. Hab vergessen, die Heizung wieder anzustellen.

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Phrasenbingo

Es gibt sie vermutlich in jeder Disziplin: die besonders fleißigen Hänschen und Lieschen, die publizieren, als ging’s um wer weiß was. Die vermutlich neue Arbeitsplätze geschaffen haben und Angestellte beschäftigen, die nur damit beschäftigt sind, die Publikationsliste ihrer Chefs immer auf dem neusten Stand zu halten.

Also entweder sind diese Akademiker so extrem versiert in ihrem Fach, dass sie auf Zuruf einfach aus dem Stand ein Paper hinrotzen können, picobello mit neuen Forschungsergebnissen und Referenzen und Verweisen und Zitaten (wenn sie denn welche brauchen) und dem ganzen Kladeradatsch. Oder aber sie spielen Phrasenbingo in der Version für Wissenschaftler und/oder beschäftigen wiederum extra Adjutanten, die die Textbausteine für sie neu zusammenwürfeln.

Faszinierend.


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Olympischer Geist

Man sagt ja, dass man seinen Körper am Besten kennenlernt, wenn und indem man zur Höchstform aufläuft und alles aus seinem Körper rausholen muss (Der Leser merkt, für suz ist Olympia!). Ich merke es gerade im, äh, mentalen Bereich. Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist, naja, schmal halt.

Tja, und dann gibt es so Tage, da weißt du schon vorm Aufstehen, dat wird nix. Dann ist es wie die Fernbedienung in den Kühlschrank legen oder die Unterhose über den Kopf ziehen. Oder, um im Duktus zu bleiben, Tage, an denen du nur Fahrkarten* schießt. Papierkorbtage eben.

Es ist ein unglaublich ekliges Gefühl, nicht das zu Papier bringen zu können, wovon man weiß, dass es wirklich genial wäre, wenn’s so aufm Bildschirm erscheinen würde, wie’s seit Wochen im Kopfkino abläuft. Anspruch und Wirklichkeit klaffen dann manchmal so frustrierend auseinander.

Fuß auf Vollgas, Fuß auf Bremse. Gleichzeitig.

*Fahrkarten bezeichnen im Biathlonjargon Fehlschüsse.

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Polemik auf der Überholspur

The rules and long lists of categories requiring one or the other article laid down in standard grammars manage to hide the amount of variation which actually exists in this domain of grammar even in Standard English (StE), let alone the numerous social or regional varieties of English, which do not give ‘two hoots’ for the grammarians’ best efforts to dictate ‘correct usage’. The situation is much the same as when travelling on roads: once you are outside the radar-control zones of the major roads, on ‘B’ roads, you can travel at whatever speek your driving skills and your vehicle may enable you to sustain without having to worry too much about speed control and traffic regulations. (Filppula 2001: 43)

Vermutlich jeder Erstsemester würde eine Hausarbeit mit derartiger Polemik um die Ohren gehauen bekommen. So würd’s jedenfall ich machen, wenn mir mal jemand sowas vorlegen würde.

Wenn’s lustig gemeint war: Gähn, Thema verfehlt.
Wenn’s ernst gemeint war: Keller, Rudi.

Aber ganz flott.

Filppula, Markku. 2001. The Highways and Byways of the English Definite Artilce. In: Hiltunen, R, K Battarbee, M Peikola & SK Tanskanen [eds]. English in Zigs and Zags. Turku. 43-51.
Keller, Rudi. 2003. Sprachwandel. Tübingen.

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Mein Tag hat 28 Stunden

Andere träumen davon – ich lebe es. Mein Tag hat 28 Stunden.

Ich bin aus gesundheitlichen Gründen seit fast zwei Jahren auf Medikamente angewiesen, die mein Schlafbedürfnis erheblich erhöhen. Das führt aber leider (oder glücklicherweise) nicht dazu, dass sich meine Wachphasen porportional verkürzen. Soll heißen: auf benötigte Schlafphasen von 10 Stunden folgen 18 Stunden, in denen ich teilweise quietschfidel bin. Die Wachphasen einfach auf 14 Stunden zu kürzen funktioniert nicht.

Die Schlaf-Wach-Rhythmus-Experimente der letzten Monate, also die Versuche, meinen Tagesablauf in einen 24-Stunden-Modus zu pressen, sind gescheitert. In den letzten drei Monaten habe ich mich jeden Morgen um halb acht per Telefonanruf wecken lassen müssen (“quatschen bis die Kaffeemaschine läuft”), um überhaupt wach zu werden. Wie gesagt, nicht weil ich faul bin – ich wache einfach nicht von selbst auf.

Angefangen hat es letzte Woche. Ich war vor 16 Uhr zu gar nichts zu gebrauchen, aber um 20 Uhr schon wieder so erschöpft, vor allem mental von wochenlangen unnatürlichen Wachphasen irgendwie zermürbt, dass die Frustration über das gar-nicht-Vorankommen überhand genommen hat. Also: was anderes ausprobieren! Derzeit gebe ich mich der Natürlichkeit meines Körpers hin. Schlafen wenn ich müde bin – und Aufstehen, wenn ich wach werde. Und zwar von selbst.

Und morgen werde ich vermutlich kein Tageslicht sehen.

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Schlau gedacht?

Einerseits habe ich derzeit eine mittlere Krise, weil ich nicht wirklich spürbar voran komme – in Relation gesetzt muss man wohl einbeziehen, dass ich seit Anfang Januar meine Arbeitshypothese so radikal geändert (ändern musste!) und vor zwei Wochen auch noch meinen Theorierahmen verworfen habe.

So gesehen ist alles gar nicht so schlimm. Momentan lese ich täglich Dinge, die mir aber so schon mal durch den Kopf gegeistert sind. Irgendwie so etwas in der Art “Hey, das müsste eigentlich doch ganz anders erklärbar sein, etwa so und so.” oder “Die sind doch alle total auf dem Holzweg, da muss man ganz anders rangehen”. Und Bamm – schon steht das irgendwo, zwar meist auf andere Dinge (=Phänomene) bezogen, aber nicht unübertragbar auf meinen Fall.

Aber irgendwie ist es ein Scheißgefühl, wenn man so gar nicht sichtbar weiter kommt. Ich weiß ja, dass die Arbeit wirklich ganz groß ist – weil einerseits die Ergebnisse meiner Daten etwas völlig anderes suggerieren, als bisher angenommen wurde und andererseits meine Herangehensweise von ganz anderen Grundannahmen ausgeht, die den Untersuchungsgegenstand in einem neuen Licht erscheinen lässt (und nach meiner Meinung die bisherigen Sichtweisen auch, äh, naja, mehr oder weniger disqualifizieren). Man könnte sagen: das ist thinking outside the box.

Natürlich helfen die Kommentare der Betreuer (“Ich freue mich auf Ihre Arbeit!” – “Das wird ne richtig tolle Arbeit, wenn du das so umsetzen kannst.”), die beide unabhängig voneinander ähnliche Vorschläge gemacht haben – und meinen Ehrgeiz wirklich angestachelt haben. Was im Oktober für mich noch undenkbar und viel zu kompliziert war, ist jetzt der Kern der Argumentation.

Wenn ich mir heute Ergebnisse und Argumentation von vor anderthalb Jahren angucke… ich hätte mich selbst durchfallen lassen.

Jetzt bin ich Teil von was Großem.

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Schneewirklichkeiten der Flachlandtiroler

Welche Sprache hat die meisten Wörter für Schnee?

Na?

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Es woar dә Mutius

Wenn, in seiner wirklich einfachsten und stark verkürzten Form, der bestimmte Artikel einen Referenten (z.B. ein Objekt oder eine Person) als bestimmt oder definit markiert, dann ist der Artikel in vielen im vorigen Beitrag angeführten Kontexten eigentlich überflüssig. Ein Frühling, in welchem ich nach England fahre, ist immer noch der gleiche Frühling, ob mit oder ohne bestimmten Artikel.

Noch “unlogischer” wird es bei Artikeln in Verbindung mit Namen.

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Jetzt wird's typoLOGISCH

Die Vermutung, dass Standardenglisch mit seiner Artikellosigkeit meist allein auf weiter Flur steht, hat mich veranlasst, eine kleine Umfrage unter Muttersprachlern europäischer Sprachen mit bestimmten Artikeln (oder deren Äquivalenten) durchzuführen. Dazu bat ich um Übersetzungen von acht Beispielsätzen, in denen das irische Englisch angeblich so signifikant vom Standardenglisch abweicht. Darunter habe ich derzeit Beispiele aus dem Französischen, Italienischen, Ungarischen, Schwedischen und Bulgarischen. Und aus meinem eigenen Dialekt, dem Hochrheinalemannischen.*

Zwar verwenden nur Französich und Italienisch in allen Kontexten der Beispielsätze Definitheitsmarker, aber die Akzeptanzrate – mehr noch, die Notwendigkeit – von bestimmten Artikeln in einigen Kontexten ist für alle Sprachen verblüffend.

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