Archiv für Mai 2010

Gleich geht’s weiter…

Mittwoch, 26. Mai 2010

Liebe tráchtas-Freunde,

es tut mir in der Seele weh, nach dem neuen Ansturm potentieller Leser hier erst mal eine kleine Pause einlegen zu müssen. Ich war zehn Tage im Urlaub, oder – wie meine Mutter meinte – auf “Lesereise” (die erste Konferenz). Es waren tolle Tage in Mainz, überschattet nur von meiner zwölfstündigen Stipvisite in der Notaufnahme der dortigen Uniklinik (alles [wieder] in Ordnung!).

Die Vorträge, bzw. welche ich davon noch mitbekam, waren großartig – darauf werde ich die Tage auch noch im Einzelnen eingehen: der (zeitliche) Spannungsbogen zwischen sexistischer Darstellung von Frauen in Wörterbüchern und der wenig politisch-korrekten, da ikonischen Wortbildung in Gebärdensprachen. Und was passiert, wenn man sich auf eine streitbare These über Menschenrechte und die europäischen Sprachencharta freut und eine “Leichtlernsprache” serviert bekommt. Außerdem sind in den letzten Tagen auffällig viele Freunde einer Facebook-Gruppe “Don’t bring me on the palm, with me is not good cherry eating” beigetreten. Das muss natürlich auch noch kommentiert werden.

Letzte Woche habe ich – ENDLICH – einen neuen Job bekommen (finanziell bin ich eh schon erledigt, gerade glotzt mich die zweite Mahnung meines Vermieters an). Die Planung dort und die zusätzliche Belastung wird meinen sehr ambitionierten Magisterpfrüfungszeitplan vermutlich wie einen Südseeurlaub aussehen lassen. Immerhin habe ich mir vorgenommen, die Prüfungen, für die ich theoretisch noch bis Januar 2011 Zeit habe, in den nächsten acht Wochen durchzuhauen, beginnend mit zwei Klausuren am 18. und 19. Juni. Ausreichend Zeit einplanen ist was für Anfänger.

Aber hier geht’s auch bald weiter. Für die kleine Auszeit vom Südseeurlaub.

(Un)mögliche Sätze

Montag, 3. Mai 2010

Ich mag ja den subtilen Humor der Linguistik. Im Prinzip geht es im folgenden Zitat um den Unterschied zwischen möglichen und wahrscheinlichen bzw. attestierten Konstruktionen.

Syntacticians discuss sentences which are possible but not necessarily occurrent. Only in rare cases do they limit themselves to actually attested sentences. Most syntacticians would find the following example to be a perfectly well-formed sentence, even though it has, I take it, never occurred in language use and is unlikely to. [...] The Minister of Education announced that a sum of forty million dollars per year was being set aside to boost research in Linguistics, particularly Morphology, over the next ten-year period. (meine Hervorhebung) (Bauer 2003: 77)

Übrigens rechne ich mich der hier quasi unterschlagenen Fraktion zu. Ich halte viel von Korpuslinguistik, also der Diskussion von Wörtern oder Sätzen, die auch tatsächlich dokumentiert sind. Der Beschreibung und Analyse der gesprochenen oder geschriebenen Sprache geht natürlich immer auch erst eine Betrachtung der Möglichkeit bzw. Grammatikalität voraus: so gesehen ist der hervorgehobene Satz vollkommen korrekt, er wird nur vermutlich nie gefallen sein (oder fallen).

Aber schön wär’s. Also das mit den 40 Millionen.

Bauer, Laurie. 2003. Introducing Linguistic Morphology. 2nd Edition. Edinburgh University Press.