Die Feindstaatenklausel

FIFA-Chef Blat­ter hat sich jeg­li­che Ein­mi­schung der Poli­tik in den Fuß­ball verbeten.

Fein! Nach­dem wir irgend­wie gerade alle vom Platz jagen, abschie­ßen, nie­der­wal­zen und durch geschickte Ver­tei­di­gung, über­fall­ar­tige Kon­ter oder stra­te­gi­sche Gegen­an­griffe ver­dre­schen, ver­mö­beln (»Wer hat Argen­ti­nien am meis­ten weh getan?«) und zur Kapi­tu­la­tion zwin­gen oder geg­ne­ri­schen Anfüh­rern zur Explo­sion brin­gen wol­len, wun­dern wir uns noch über die Kriegs­rhe­to­rik aus­län­di­scher Medien über den bickel­be­haub­ten häss­li­chen Deut­schen (El Mundo: »Bes­tie«) im anrol­len­den Pan­zer. Da sind auch fein­sin­nige Neo­lo­gis­men wie »Deutsch­land mül­lert Eng­land« oder »Woeful Eng­land mul­le­red by Ger­many« (Mir­ror) eher der Bick-Stick-Diplomatie zuzuordnen.

Dabei ist alles in Wahr­heit noch viel schlim­mer. Nach den immer noch gül­ti­gen - wenn auch obso­le­ten - Arti­keln 53 und 107 der UN-Charta ist es allen Unter­zeich­ner­staa­ten gestat­tet, Aggres­sio­nen eines Feind­staa­tes aus dem Zwei­ten Welt­krieg mit mili­tä­ri­schen Mit­teln ohne beson­dere Ermäch­ti­gung gegen­über­zu­tre­ten. Diese »Feind­staats­klau­sel« bezog sich natür­lich haupt­säch­lich auf Deutsch­land und Japan. Zu den Unter­zeich­nern der Charta 1945 gehör­ten unter ande­rem Aus­tra­lien, Jugo­sla­wien, das Ver­ei­nigte König­reich, Argen­ti­nien, Uru­guay und die Nie­der­lande; noch vor Deutsch­land (1990*) unter­zeich­ne­ten die Charta außer­dem Ghana (1957) und Spa­nien (1955). (Okay, irgend­wie alle halt. Aber vor uns zit­tern jetzt… ja auch irgend­wie alle!)

Aus Grün­den ver­patz­ter Poin­ten bin ich froh wenn die Prü­fun­gen durch sind.

*Streng genom­men hat Deutsch­land erst 1990/1 mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag volle Sou­ve­rä­ni­tät erhal­ten. Deutsch­land war aber bereits mit dem NATO-Beitritt der BRD 1955 und der Unter­zeich­nung der UN-Charta der BRD und der DDR 1973 vor der Feind­staa­ten­klau­sel, äh, geschützt. Der Medi­en­ar­beit vom »häss­li­chen Deut­schen« und der Kriegs­rhe­to­rik in aus­län­di­schen Fuß­ball­me­dien hat das bekann­ter­ma­ßen kei­nen Abbruch getan. So gese­hen ist Fuß­ball ja auch irgend­wie die Fort­set­zung des Krie­ges mit ande­ren Mitteln.

Rand­no­tiz aus einem Prüfungsvorbereitungshirn.


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