Es war Wahl – und nur die Reichen gingen hin

Das eigentlich Dramatische am Volksentscheid über Hamburgs Bildungspolitik ist nicht, dass die sechsjährige Primarschule nicht kommt. Das dennoch in Kraft tretende Restreformpaket geht schon mal einen modernen Weg weg vom dreigliedrigen Schulsystem. Ob und inwiefern längeres gemeinsames Lernen die Bildungsmisere beseitig kann/könnte, ist letztendlich reine Ansichts- oder Geschmackssache und/oder welcher Studie man mehr Glauben schenken mag.

Nein, das wirklich Tragische ist, dass dieser Atlas über die Wahlbeteiligung so ziemlich die treffendste soziodemographische Darstellung Hamburgs ist, die überhaupt gezeichnet werden kann, übrigens völlig unabhängig vom Abstimmungsverhalten in den jeweiligen Stadtteilen. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass man diese Karte ohne Verlust der Aussagekraft mit “Pro-Kopf-Einkommen in Hamburg” untertiteln könnte.

Im besten Fall lässt die Interpretation der Karte den Schluss zu, dass das Bildungsbürgertum der Hansestadt am Sonntag nicht weniger als seinen Status Quo und seine Herkunftselite verteidigt hat. Im schlimmsten Fall bleibt die erschreckende, wenn nicht sogar besorgniserregende Erkenntnis, dass politisches Mitspracherecht den bildungsfernen, sozial- und einkommensschwachen Bevölkerungsschichten vermutlich schlicht egal ist.

Davon unabhängig: wenn die GAL schlau ist, kündigt sie die Koaltion.


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2 Kommentare zu „Es war Wahl – und nur die Reichen gingen hin“

  1. liljan98 sagt:

    Ich glaube im letzten Absatz stimmen beide Vermutungen, so traurig und erschreckend das ist. Wer durfte beim Volksentscheid denn eigentlich alles abstimmen? Vermutlich die, die auch bei einer Landtagswahl (Bürgerschaftswahl) wählen dürfen, oder? Sprich nur deutsche Staatsangehörige? Oder ist da die Regelung wie bei den Kommunalwahlen, dass auch zumindest EU-Bürger wählen durften? Das dürfte das Ergebnis vielleicht auch noch mal etwas beeinflusst haben. Wobei ich leider auch da vermute, dass eine Reihe von türkischen Eltern ihr Mitspracherecht auch dann nicht wahrgenommen hätten.

  2. suz sagt:

    Abstimmungsberechtigt waren in der Tat nur diejenigen, die auch die Bürgerschaft wählen dürfen. Woran das liegt, weiß ich jetzt auch nicht.
    Ich denke nur, dass das kein Nationalitätenproblem ist, sondern ironischerweise eins der Bildung – natürlich neben all den anderen sozialen Faktoren, weshalb sich das untere Ende der Gesellschaft nicht ansprechen lassen will/kann. Ich habe aus den statistischen Daten ein paar Grafiken gebastelt, mal sehen, ob ich die morgen hochladen kann. Vorweg: die Schere zwischen Beteiligung in Abhängigkeit von Pro-Kopf-Einkommen, Anteil der Leistungsempfänger und Ausländeranteil in den jeweiligen Stadtteilen ist wirklich erschreckend! Reden wir hier noch von Demokratie?

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