Warum Deutsch nicht ins Grundgesetz gehört

Es ist schwer, aus dem Wirr­warr der Dis­kus­sio­nen und Streit­ge­sprä­che über die »(Kein) Deutsch ins Grundgesetz«-Petitionen eini­ger­ma­ßen dis­kus­si­on­fä­hige Argu­mente für oder wider her­aus­zu­le­sen. Mir war irgend­wie danach, mal meine High­lights an Argu­men­ten der Befür­wor­ter zusammenzutragen.

Der Ein­fach­heit hal­ber nenne ich die Befür­wor­ter der Auf­nahme von Deutsch ins Grund­ge­setz »Befür­wor­ter« und die Geg­ner »Geg­ner«. Das klingt auf den ers­ten Blick para­dox. Es ist aber über­sicht­li­cher, als - von einer der bei­den Peti­tio­nen aus betrach­tet - die Men­schen, die dafür sind, als »Geg­ner« (der Peti­tion von Ana­tol Ste­fa­no­witsch) zu nen­nen und die, die dage­gen sind als »Befür­wor­ter« zu bezeich­nen oder anders­rum. Wenn also alle Klar­hei­ten besei­tigt sind, kann es losgehen.

Argu­ment 1: »19 Län­der in Europa haben ihre Spra­che in ihrer Ver­fas­sung ver­an­kert - und haben damit kein Problem.«

Neh­men wir die Liste vom VDS: Bel­gien, Bul­ga­rien, Est­land, Finn­land, Frank­reich, Kroa­tien, Lett­land, Liech­ten­stein, Litauen, Malta, Öster­reich, Polen, Por­tu­gal, Schweiz, Slo­wa­kei, Slo­we­nien, Spa­nien, Zypern und Türkei.

Die Rele­vanz die­ser Liste für die deut­sche Situa­tion müsste mir noch mal jemand genauer erläu­tern. Die meis­ten die­ser Län­der sind in ihrer lin­gu­is­ti­schen Auf­tei­lung und Geschichte näm­lich über­haupt nicht mit Deutsch­land vergleichbar.

Da wären bei­spiels­weise die mehr­spra­chi­gen Natio­nen Schweiz oder Bel­gien, die meh­rere Amts­pra­chen in ihren Ver­fas­sun­gen haben, wenn nicht sogar haben müs­sen. In die­sen Län­dern gibt es keine bzw. soll es for­mal keine über­ge­ord­nete Spra­che geben. Spa­nien, das Spa­nisch als Amts­pra­che fest­ge­schrie­ben hat, gewährt im frag­li­chen Para­gra­phen den Min­der­hei­ten­spra­chen der jewei­li­gen Regio­nen den Sta­tus einer Amts­spra­che. Finn­land (zwei Amts­spra­chen, Fin­nisch und Schwe­disch) könnte man an die­ser Stelle auch anfüh­ren: Ich kenne die Hin­ter­gründe nicht, aber es scheint, dass der Fest­schrei­bung in der Ver­fas­sung nicht allein die Fest­le­gung auf Fin­nisch vor­aus­ging, son­dern auf­grund der Geschichte und der lin­gu­is­ti­schen Situa­tion auch die Gleich­stel­lung von Schwe­disch ein Fak­tor war, beide Spra­chen festzuschreiben.

Einer zwei­ten Gruppe sind die Nach­fol­ge­staa­ten der UdSSR und Jugo­sla­wien zuzu­rech­nen, deren Ver­fas­sun­gen noch sehr jung sind. In die­sen Staa­ten sind die Ver­fas­sun­gen vor allem vor dem Hin­ter­grund der schwie­ri­gen nahen Ver­gan­gen­heit zu sehen. Das erklärt auch, wes­halb bei­spiels­weise in Est­land, trotz des Vier­tels der Bevöl­ke­rung mit Mut­ter­spra­che Rus­sisch die­ser Spra­che kein Ver­fas­sungs­rang ein­ge­räumt wurde. Auch wenn die Spal­tung von Tsche­chien ver­gleichs­weise fried­lich ablief, gehört die Slo­wa­kei eben­falls in diese Gruppe. Dass die Ver­gan­gen­heit und die Stär­kung der natio­na­len Iden­ti­tät eine Rolle spielt, der Spra­che Ver­fas­sungs­rang ein­zu­räu­men, zeigt sich auch im Fall von Polen oder Malta (Kolo­ni­al­ver­gan­gen­heit). Zypern gehört eben­falls dazu: eine gespal­tene Insel, auch linguistisch.

Zu sagen, dass diese Län­der keine Pro­bleme hät­ten, ihre Spra­chen in die Ver­fas­sung auf­zu­neh­men, wir dage­gen schon, ist sehr kurz­sich­tig. Für viele die­ser Län­der war es schlicht eine Not­wen­dig­keit, es zu tun. Ent­we­der aus einer geschicht­li­chen und oft trau­ma­ti­schen Erfah­rung her­aus (»Jetzt dür­fen wir, also machen wir!«) oder von der Warte eines nati­ven eth­ni­schen und lin­gu­is­ti­schen Fli­cken­tep­pichs. Dann sind oft sogar meh­rere und nicht nur die domi­nante Spra­che in der Ver­fas­sung festgelegt.

Mir müsste an die­ser Stelle also noch mal jemand einen guten Grund nen­nen, wo genau er/sie sieht, wir in Deutsch­land stell­ten uns »so zickig« an. (Das scheint ja fast ein Syn­onym für demo­kra­ti­sche Streit­kul­tur gewor­den zu sein.) Gleich­zei­tig for­dere ich eine ver­nünf­tige Begrün­dung ein, was der Ver­gleich mit ande­ren euro­päi­schen Staa­ten hier recht­fer­tigt bzw. wel­chen Nut­zen er hat.

(Bei uns reichte ja noch nicht mal der reale PISA-Schock für einen ernst­haf­ten Ver­gleich mit ande­ren Län­dern und einem dar­aus abge­lei­te­ten Ver­such, es mal mit ande­ren Mit­teln als dem Grund­schul­cas­ting zu probieren.)

Argu­ment 2: »Die Spra­che soll als Zusatz zu Arti­kel 22 im Grund­ge­setz genannt wer­den. Dort fin­den sich Haupt­stadt und Flagge, die Spra­che gehört dazu.«

In Arti­kel 22 steht der­zeit »Die Haupt­stadt der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist Ber­lin« (Absatz 1) und »Die Bun­des­flagge ist schwarz-rot-gold« (Absatz 2).

Die Nen­nung von Ber­lin in Arti­kel 22 gibt es erst seit der Föde­ra­lis­mus­re­form 2006. Diese Haupt­stadt­klau­sel war wäh­rend der Ver­hand­lun­gen nicht unum­strit­ten. Seine Not­wen­dig­keit wurde unter ande­rem damit begrün­det, dass die gesetz­lich ver­an­kerte Ver­tei­lung der Bun­des­auf­ga­ben zwi­schen Bonn und Ber­lin auf­ge­ho­ben und der Umzug nach Ber­lin beschleu­nigt wer­den sollte. Außer­dem muss man die Ent­ste­hung die­ses Pas­sus unter dem Ein­druck der finan­zi­el­len Schief­lage im Ber­li­ner Haus­halt betrach­ten, inklu­sive mög­li­cher finan­zi­ell ableit­ba­rer Ansprü­che des Lan­des Berlin.

Da Abschnitt II (Arti­kel 20-37) Staats­form, Staats­ziele sowie die Bezie­hun­gen zwi­schen Bund und Län­dern regelt, fin­det sich die Haupt­stadt­klau­sel hier. Seit 2006 gilt: »die Reprä­sen­ta­tion des Gesamt­staa­tes in der Haupt­stadt ist Auf­gabe des Bun­des«. Der Absatz hat also weni­ger Sym­bol­cha­rak­ter, als viel­mehr eine kon­krete Not­wen­dig­keit im föde­ra­len Sys­tem. Das Bun­des­ge­setz, das bis 2006 die Auf­ga­ben zwi­schen Ber­lin und Bonn regelte (Berlin-Bonn-Gesetz) ist mit der Föde­ra­lis­mus­re­form in Arti­kel 22 aufgegangen.

Bis 2006 war in Arti­kel 22 also ledig­lich die Bun­des­flagge fest­ge­legt. Dass die Grün­der­vä­ter des Grund­ge­set­zes diese Far­ben fest­schrei­ben lie­ßen, ist wenig ver­wun­der­lich. Schwarz-rot-gold war nach dem Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht offen­sicht­lich, son­dern sollte die Beto­nung der Staats­ziele Deutsch­lands ver­kör­pern und eine Rück­be­sin­nung auf die Werte der Einigkeits- und Frei­heits­be­stre­bun­gen des 19. Jahr­hun­derts sym­bo­li­sie­ren. Betrach­tete man die Bedeu­tung der Spra­che Deutsch für die Ein­heits­be­stre­bun­gen und die Funk­tion als Staats­sym­bol, wäre hier wohl ein Platz dafür.

Aller­dings ist die Not­wen­dig­keit und der prak­ti­sche Nut­zen einer Nen­nung der Spra­che - im Gegen­satz zum geschicht­lich moti­vier­ten Bekennt­nis zur Flagge und der Fest­schrei­bung des Son­der­sta­tus der Haupt­stadt - höchst frag­lich. Denn zu Staats­sym­bo­len gehö­ren zum Bei­spiel auch Natio­nal­hymne, Sie­gel und Wap­pen wie der Bun­des­ad­ler, Fei­er­tage oder Ehren­zei­chen wie das Bun­des­ver­dienst­kreuz. Wo hören wir auf? Vor oder nach Karl-Theodor zu Gut­ten­berg? Wie gesagt, Not­wen­dig­keit und Verhältnismäßigkeit.

Argu­ment 3: »Die Geg­ner sagen, dass die Auf­nahme nur sym­bo­li­scher Natur wäre und keine Aus­wir­kun­gen hätte. Gleich­zei­tig sagt der Petent, dass aus dem Ver­fas­sungs­rang eine uner­wünschte und gefähr­li­che ›restrik­tive Sprach­po­li­tik‹ resul­tie­ren könnte. Das ist ein Widerspruch.«

Diese Argu­men­ta­tion wirkt zunächst tat­säch­lich wider­sprüch­lich. Wenn man die all­ge­meine Moti­va­tion der Befür­wor­ter betrach­tet, näm­lich die Spra­che schüt­zen zu wol­len und ihr die »not­wen­dige Aner­ken­nung« zukom­men zu las­sen, hätte der Akt schlicht nur sym­bo­li­schen Cha­rak­ter. Die Spra­che »schüt­zen« zu wol­len ist zwar auf den ers­ten Blick ein heh­res Ziel - aber auch ein recht abs­trak­tes, wenn nicht sogar beson­ders unsin­ni­ges Ansin­nen. Deutsch ist nicht bedroht. Deutsch ist leben­dig wie eh und jeh. Deutsch erfährt tag­täg­lich mil­lio­nen­fach Aner­ken­nung, indem die Spre­cher Deutsch nut­zen. Sie ist nicht durch Eng­lisch, nicht durch Tür­kisch und nicht durch Vege­ta­risch bedroht. Möchte jemand wirk­lich ernst­haft behaup­ten, Deutsch sei nicht die Spra­che des öffent­li­chen Raumes?

Deutsch ver­fällt auch nicht. Autor Mat­thias Schu­ma­cher fügte den vie­len Meta­phern für Sprach­wan­del eine wei­tere schöne hinzu und schrieb in einem Kom­men­tar bei Ste­fan Nig­ge­meier: »Spra­che ist wie Was­ser. Sie bahnt sich ihren Weg«. Anders gesagt, würde man Deutsch ernst­haft (vor Ver­än­de­rung) »schüt­zen« wol­len, müsste man in der Logik der Befür­wor­ter eigent­lich auf­hö­ren, sie zu sprechen.

Die zweite Moti­va­tion offen­ba­ren die Initia­to­ren der Für-Petition ganz kon­kret: Der neue Satz im Grund­ge­setz bilde »(1) einen bin­den­den Aus­le­gungs­maß­stab für die gesamte Rechts­spre­chung und (2) einen mög­li­chen Aus­gangs­punkt für künf­tige Gesetz­ge­bung«. Aller­dings ist die Amts­pra­che in Deutsch­land für die Rechts­ord­nung und -spre­chung längst wider­spruchs­frei gere­gelt (z.B. §23 BVwVfG und in den ent­spre­chen­den Ver­wal­tungs­rechts­ge­set­zen der Länder).

Punkt 2 ist der gefähr­li­chere Knack­punkt: Aus­gangs­punkt für künf­tige Gesetz­ge­bung - las­sen Sie es sich auf der Zunge zer­ge­hen - kann nur als Auf­for­de­rung für eine ›restrik­tive Sprach­po­li­tik‹ gemeint sein oder als Aus­gangs­punkt für unnö­tige, ver­fehlte oder über­zo­gene Ver­fas­sungs­kla­ge­wel­len die­nen. Der VDS ging schon mal mit gutem Bei­spiel voran und stellte Straf­an­zeige gegen die Auto­bahn­po­li­zei Nordrhein-Westfalen, weil sie Auto­bah­nen mit einem Ban­ner mit der Auf­schrift »check your dis­tance« ver­zierte. Begrün­dung: »Gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr.« Es wäre sogar eine ganz nette Satire. Aber die mei­nen das ernst.

Von Wider­spruch in der Gegen-Petition kann bei nähe­rem Hin­se­hen keine Rede sein.

Argu­ment 4: »Ich will kein Grund­ge­setz auf Türkisch.«

Das wird für einige jetzt sehr, sehr schmerz­haft: Das Grund­ge­setz auf Tür­kisch gibt es längst.

(Oh weh, und direkt beim Bun­des­tag gibt es unsere Ver­fas­sung sogar auf Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Spa­nisch, Pol­nisch und, wenn ich mich recht ent­sinne, auf Rus­sisch [der­zeit keine Bereit­stel­lung beim Bundestag].)

Viel ent­lar­ven­der ist aber der Hin­ter­grund die­ser Aus­sage: Sie offen­bart, worum es in der Dis­kus­sion eigent­lich geht. Und worum es beson­ders immer dann geht, wenn auf leere Argu­mente noch hoh­lere Phra­sen fol­gen. Dass Migran­ten ermu­tigt und mei­net­we­gen auch auf­ge­for­dert wer­den sol­len, zur Teil­habe am Gesell­schafts­le­ben die deut­sche Spra­che zu ler­nen, steht doch völ­lig außer Frage. Erschre­ckend ist aber, wie schnell die Argu­mente ganz nahe an einen ekli­gen - oder darf ich sagen »brau­nen«? - Sumpf gera­ten. Die sprach­li­chen Nach­teile für Migran­ten sind ein gesell­schaft­li­ches Pro­blem - aber kei­nes fürs Grund­ge­setz und erst recht kei­nes der deut­schen Spra­che, die des­halb beson­de­rer Auf­merk­sam­keit oder ver­fas­sungs­recht­li­cher Aner­ken­nung bedürfte.

Argu­ment 5: »Die Auf­nahme hätte eine Sym­bol­wir­kung für Integration.«

Jetzt weiß ich wirk­lich nicht, wo ich anfan­gen soll. Sym­bol. Inte­gra­tion.

Also lasse ich es blei­ben und frage anders: Wäre es nicht auch lang­sam mal ange­bracht zu fra­gen, was wir, also was die »rich­ti­gen oder schon-immer-richtigen Deut­schen« für die Inte­gra­tion tun? Wäre es nicht sinn­voll, Inte­gra­tion end­lich als wech­sel­sei­tige Auf­gabe zu begrei­fen? Wir rufen immer nach Inte­gra­tion, bekla­gen die man­gelnde Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit und glau­ben Multi-Kulti sei ein Wunsch­kon­zept, nicht aber Realität.

Wir sind gleich­zei­tig völ­lig unfä­hig, alles und jeden ohne teu­to­ni­schen Stamm­baum in unse­ren Wahr­neh­mungs­be­reich zu inte­grie­ren. Wahl­weise trifft das auch Men­schen mit Namen, die auf -itsch, -ic oder -türk enden oder deren Haut­farbe nicht einem bestimm­ten Hex­code entspricht.

Vor­wurf I: »Die Gegen-Petition ist unsinnig.«

Mir wurde von einem mitt­ler­weile als Troll ent­tarn­ten und von beson­ders schwe­rer Schi­zo­phre­nie geplag­ten Kom­men­ta­tor im Sprach­log unter­stellt, ich würde »jeder Aus­sage eines Höher­ge­stell­ten blind fol­gen«. (Der Vor­wurf ist eigent­lich zu lächer­lich, um ihm hier Platz ein­zu­räu­men, aber ich fand die For­mu­lie­rung so schön.) Ums blinde Fol­gen geht es aber auch nicht. Die Peti­tion ist eine Ant­wort auf eine Peti­tion des VDS und VDA, die ohne diese nicht ein­ge­reicht wor­den wäre. Ich halte sie des­halb für not­wen­dig und rich­tig. Und sie ist vor allem Aus­druck einer demo­kra­ti­schen Teil­habe. Das kann ich sogar ganz alleine entscheiden.

Von bei­den Sei­ten wurde dem Peten­ten übri­gens vor­ge­wor­fen, er wolle nur mediale Auf­merk­sam­keit oder VDS und/oder Bild mit deren Waf­fen schla­gen. Das ist eine eigen­ar­tige Auf­fas­sung von Demo­kra­tie. Eine Peti­tion ist eine Mög­lich­keit zur poli­ti­schen Ein­fluss­nahme - für jeden. Nicht nur für Bild oder Sprach­ver­eine oder Popu­lis­ten oder sons­tige Quer­den­ker, aber eben auch für diese.

Mir per­sön­lich fällt es schwer, die Befür­wor­ter per se als ›Feinde der viel­stim­mi­gen Gesell­schaft‹ zu beti­teln. (Umge­kehrt wehre ich mich dage­gen, als »Feind der deut­schen Spra­che« bezeich­net zu wer­den.) Aber, und das zei­gen Forums­bei­träge bei­der Peti­tio­nen, Blog­kom­men­tare, VDS-Forendiskussionen, viele Aus­sa­gen von Poli­ti­kern und sons­ti­gen Befür­wor­tern: Es geht eigent­lich gar nicht um Deutsch, ver­mut­lich nicht mal um Angli­zis­men oder Sprach­wan­del. Es geht schlicht um die Frage, wie­viel Rea­li­tät wir anzu­er­ken­nen im Stande sind. Und der erschre­ckende Ver­dacht ist lei­der: sehr, sehr wenig.

Soll hei­ßen: Die Dis­kus­sion dreht sich doch längst nicht mehr um die Spra­che im Grund­ge­setz. Zumin­dest nicht auf Sei­ten vie­ler, obgleich nicht aller Befür­wor­ter. Sie drif­ten sehr oft und sobald ihnen die Argu­mente aus­ge­hen in einen dump­fen Popu­lis­mus ab, der sich ohne Begriffe wie »laten­ter Ras­sis­mus« und »Deutsch­tüm­me­lei« lei­der gar nicht mehr adäquat beschrei­ben lässt.

Vor­wurf II: »Befür­wor­ter als ›Klein­gärt­ner‹ oder ›Sprach­nörg­ler‹ zu bezeich­nen ist arro­gant und herablassend.«

Mag sein. Und mög­li­cher­weise ist diese Wort­wahl sogar zu Recht zu kri­ti­sie­ren - aber auch ich benutze bewusst ›Nörg­ler‹ oder ›geis­tige Tief­flie­ger‹. (Hin­weis: Es sind Bil­der.) Denn ers­tens hat die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Sprach­kri­ti­kern und Sprach­wis­sen­schaft­lern eine recht lange Tra­di­tion und eine sach­li­che Dis­kus­sion steht sel­ten auf der Tages­ord­nung. (Nur fürs Pro­to­koll, nicht als Ent­schul­di­gung oder gar Recht­fer­ti­gung: im VDS-Forum ist wie­der­holt vom »Block­wart (aus Bre­men)« die Rede, gemeint ist Ana­tol Stefanowitsch.)

Das Voka­bu­lar wäre viel­leicht neu­tra­ler, wenn sich beide Lager mehr zu sagen hät­ten - ein Vor­wurf, dem sich die Sprach­wis­sen­schaft durch­aus bewusst ist. För­der­lich wäre sicher­lich auch, wenn sich die Riege der Nörg­ler in Sprach­fra­gen den Argu­men­ten der Sprachwissenschaft(ler) zumin­dest zugäng­lich zeig­ten. Und zwei­tens - hier bin ich natür­lich befan­gen - wird unsere Dis­zi­plin im bes­ten Fall belä­chelt, im schlimms­ten Fall wird ihr die Daseins­be­rech­ti­gung abge­spro­chen. Warum? Weil wir nach Mei­nung der selbst­er­nann­ten Sprach­pfle­ger von Steu­er­gel­dern finan­ziert die Spra­che beob­ach­ten und trotz­dem nichts tun, um die Spra­che zu schüt­zen, geschwei­ge­denn nütz­li­che Ergeb­nisse pro­du­zie­ren. Diese Hal­tung ist klein­geis­tig - igno­rant und her­ab­las­send ist sie noch dazu.

Argu­ment 6: »Wem würde Deutsch im Grund­ge­setz denn weh tun?«

Tja. Wenn das beste Argu­ment, die Spra­che ins Grund­ge­setz auf­zu­neh­men, die Tat­sa­che sein soll, dass es aus Sicht der Befür­wor­ter keins dage­gen gibt… (Herz­li­chen Dank an einen Kom­men­ta­tor im Peti­ti­ons­fo­rum für diese Beobachtung.)

Sie sehen die Hilflosigkeit?

Fazit

Wenn Ihnen in die­sem Bei­trag ein trif­ti­ges Argu­ment gegen die Auf­nahme fehlt, dann fehlt es Ihnen ver­mut­lich aus einem bestimm­ten Grund.

Ich meine mich zu ent­sin­nen, dass unsere Bun­des­kanz­le­rin ein­mal sagte, das Grund­ge­setz sei kein Wunsch­zet­tel. Deutsch bedarf kei­ner geson­der­ten Stel­lung (Kri­te­rium Not­wen­dig­keit), weder um sie zu schüt­zen, noch um die »Inte­gra­tion« zu för­dern - im Gegen­teil (Kri­te­rium der Gefahr für Inte­gra­tion). För­de­rung der sprach­li­chen Ver­stän­di­gung in die­sem Land geht nicht über sechs Wör­ter im Verfassungstext.

Ich sage es nicht oft, aber in die­ser Hin­sicht ist der Sta­tus Quo aus­rei­chend. Und wer die Spra­che als »Iden­ti­fi­ka­ti­ons­merk­mal« noch nicht für sich ent­deckt hat, muss ein bemit­lei­dens­wert stil­les Leben führen.


[Edit, 25. Januar, 10:45. Zur Erin­ne­rung: Die Peti­tion zur Mit­zeich­nung fin­det sich unter http://goo.gl/guB7e.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen fin­den sich mit Links nach wie vor bei Ana­tol Ste­fa­no­witsch (u.a. hier) und auch bei Face­book.]

[Edit, 25. Januar, 22:00. Ich musste den Bei­trag nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung sprach­lich kor­ri­gie­ren; jetzt ist eine inhalt­li­che Kor­rek­tur hin­zu­ge­kom­men. In der frü­he­ren Ver­sion sprach ich davon, dass der VDS die Poli­zei in NRW ver­klagte. Das ist falsch. Natür­lich stell­ten sie eine Straf­an­zeige (gegen die Auto­bahn­po­li­zei in NRW). Ich bitte die­sen Schnit­zer zu entschuldigen.]


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32 Kommentare zu „Warum Deutsch nicht ins Grundgesetz gehört“

  1. Kristin sagt:

    Ich finde lei­der grade keine adäquate Form, meine Begeis­te­rung über die­sen Post in Worte zu fas­sen. Aber: Sie ist enorm. Ganz enorm!

    [P.S.: Ser­vice mal wie­der tem­porary unavailable …]

  2. A.S. sagt:

    Danke für diese aus­führ­li­che Zusam­men­fas­sung und die kla­ren Argu­mente! Ich wollte mich gerade sel­ber daran machen, jetzt kann ich statt­des­sen ein paar BA-Arbeiten korrigieren…

    Und nur zur Erin­ne­rung: Die Peti­tion kann man hier unter­schrei­ben: http://goo.gl/guB7e

    Und auf Face­book fin­det man uns unter http://www.facebook.com/keindeutschinsgrundgesetz

  3. Kommentator sagt:

    Ich bedanke mich auch - »aus der Seele gespro­chen« trifft es.

    »Mein« wesent­li­ches Argu­ment gegen eine sta­ti­sche Fixie­rung von Spra­che (Duden, Ver­fas­sung, wo auch immer):
    Spra­che ist durch unun­ter­bro­chene Benut­zung durch lebende, inter­agie­rende und kom­mu­ni­zie­rende Men­schen einem dau­ern­den, zuge­ge­ben mit­un­ter her­ben Wan­del unter­wor­fen - und bil­det damit den Wan­del und die Ver­än­de­rung »unse­rer Welt« und unsere (jeweils!) aktu­elle soziale und damit eben kom­mu­ni­ka­tive Rea­li­tät nahezu mühe­los, wie neben­bei, ab.

    Hätte es (zum Bei­spiel) Anfang des 20. Jahr­hun­derts eine - wie jetzt aktu­ell (mal wie­der… das ist ja nicht neu) gefor­derte und quasi ein­klag­bare Fixie­rung (Ver­fas­sungs­recht!) der gespro­che­nen und/oder geschrie­be­nen Spra­che, zumal ihrer »offi­zi­el­len« Aus­prä­gung, gege­ben, hät­ten wir heute ver­mut­lich arge Pro­bleme, die täg­li­che Kom­mu­ni­ka­tion locker und zeit­ge­mäß zu gestal­ten - »hal­ten zu Gna­den«, wer will das noch? »Deutsch­lands meiste Kre­dit­karte« war (und ist) erst­mal falsch bzw. »Quatsch«, aber jeder hat’s ver­stan­den - der »Claim« passte zu »sei­ner« Zeit.

    Spra­che ist nicht starr. Das Leben sowieso nicht.

    Meine Hal­tung zum »Sprach­wan­del« ist nicht nur »sprach­lich«, son­dern - wie bei ande­ren Teil­neh­mern der Dis­kus­sion aber machen die sich so klar? -sozial und poli­tisch begrün­det (denn soziale und poli­ti­sche Rea­li­tät wird, wie aus­ge­führt, durch Spra­che abge­bil­det):
    Ich möchte in einem Land* leben, das erkennt und bejaht, dass es zum einen eben nicht »die eine Wahr­heit« gibt und dass es zum ande­ren kei­nen sta­ti­schen (sprach­li­chen oder sozia­len) Zustand gibt bzw. geben kann - wir leben, und damit lebt unsere Spra­che. Deutsch ist nicht tot oder bedroht - Deutsch lebt als Spra­che, und diese deut­sche Spra­che ist dabei äußerst viril und setzt sich mühe­los immer wie­der gewan­delt, aber erkenn­bar durch.
    Ich möchte in einem Land leben, das aus sei­ner eige­nen rea­len Gestal­tung des Mit­ein­an­ders und des Kom­mu­ni­zie­rens her­aus lebt und sich und seine Gegen­wart und Zukunft offen und selbst­be­wußt, aber ohne Ängste gestal­tet - und GsD trifft das auch zu, auch und gerade fest­zu­stel­len am sprach­li­chen Wan­del in eben unse­rer Sprache**.

    *Dis­clai­mer I: Die Aussage/Haltung mit dem »Land« spre­che ich aus­drück­lich auch jedem ande­ren »Land« und des­sen Spra­che zu, natür­lich - es geht mir nicht nur um die deut­sche Spra­che, son­dern auch um jede andere Spra­che.
    **Dis­clai­mer II: Ich weiß, dass der Ver­fas­sungs­rang einer Spra­che die Ver­än­de­run­gen der Spra­che nicht unbe­dingt ver­hin­dern muss - aber er kann es, und ich fürchte eben, dass er es auch würde.

  4. Steffen sagt:

    Auch wenn ich das eine oder andere Argu­ment nach­voll­zie­hen kann, so ver­stehe ich nicht, wieso sich Deutsch als Spra­che nicht auch nach Auf­nahme in die Ver­fas­sung wei­ter ent­wi­ckeln kann.
    Ande­rer­seits sehe ich es schon als Affront gegen die Bür­ger unse­res Lan­des an, wenn mit Staats­gel­dern finan­zierte For­scher­grup­pen ihre Web­sei­ten aus­schließ­lich auf Eng­lisch betrei­ben (um mal ein Bei­spiel zu neh­men). Oder neh­men Sie ein­mal die Tat­sa­che, das deut­sche Pro­fes­so­ren Lehr­bü­cher mitt­ler­weile aus­schließ­lich in eng­lisch ver­öf­fent­li­chen, sich dafür aber gut von deut­schen Steu­er­zah­ler bezah­len las­sen. Sicher gibt es Inter­na­tio­na­li­sie­rung etc. aber des­halb muß man ja seine Mut­ter­spra­che nicht ver­leug­nen oder als fünf­tes Rad am Wagen sehen.

  5. suz sagt:

    @Kommentator: In der Für-Petition geht es sogar gar nicht darum, Deutsch zu fixie­ren. (Obgleich die­ser uner­füll­bare Wunsch wohl aber im gro­ßen Gan­zen zugrunde liegt, wenn die VDS-Meinungen in Foren und Ver­eins­zeit­schrif­ten als Indi­ka­tor her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen.) Der Sprach­wan­del­pro­zess wird auch in den Bei­trä­gen in den Peti­ti­ons­fo­ren nicht per se in Frage gestellt. Des­halb bin ich auf die­sen Punkt nur sehr bei­läu­fig ein­ge­gan­gen; auch, weil mich die Dis­kus­sion dar­über mitt­ler­weile schon eher nervt, weil ich in die­ser Hin­sicht genauso gut mit mei­ner Yuk­ka­palme reden könnte.

    @Steffen: Die Spra­che wird sich wei­ter­ent­wi­ckeln, natür­lich, Grund­ge­setz hin oder her; darum geht es ja nicht. Dass deut­sche For­scher­grup­pen ihre Sei­ten nicht auch auf Deutsch ein­stel­len, ist natür­lich nicht nach­voll­zieh­bar, da es rela­tiv wenig Auf­wand bedeu­tet, auch auf Deutsch zu prä­sen­tie­ren. Aber: Sie erwe­cken mit die­sem Bei­spiel den Ein­druck, dass das alle For­scher­grup­pen betrifft. Das ist nicht der Fall. (Neh­men Sie »meine« ehe­ma­lige For­scher­gruppe als Bei­spiel; Sie fin­den den Link in mei­nem Lebens­lauf.) Dar­über hin­aus wer­den For­scher­grup­pen nicht nur für den (inter­es­sier­ten) deut­schen Steu­er­zah­ler im Netz prä­sen­tiert - aber natür­lich auch für diese! - son­dern vor allem für die Fach­kol­le­gen in aller Welt.

    Wenn Pro­fes­so­ren auf Eng­lisch publi­zie­ren, egal wel­cher Art (Arti­kel oder/und Lehr­bü­cher), dann geschieht das nicht aus der Moti­va­tion her­aus, die Mut­ter­spra­che zu ver­leug­nen. Ich halte Deutsch nicht für das fünfte Rad, weil ich meine Magis­ter­ar­beit auf Eng­lisch ein­ge­reicht habe (und ver­öf­fent­li­chen werde). Wer glaubt, dadurch seien Stu­den­ten oder Leser aus­ge­schlos­sen, der ver­kennt, dass die Beherr­schung der Wis­sen­schafts­spra­che Eng­lisch - übri­gens ein eige­nes und erlern­ba­res Regis­ter - eine not­wen­dige Qua­li­fi­ka­tion ist, ohne die es sich im aka­de­mi­schen Rah­men schlicht nicht über­le­ben lässt. Das ler­nen Stu­den­ten aller Fach­rich­tun­gen im ers­ten Semes­ter. Es geht also nicht nur darum, dass deut­sche Wis­sen­schaft­ler inter­na­tio­nal gele­sen wer­den, son­dern auch, dass Pro­fes­so­ren, For­scher und Stu­den­ten von inter­na­tio­na­ler For­schung profitieren.

  6. suz sagt:

    [@Kristin: Vie­len Dank. Ich habe jetzt mal den host­sei­ti­gen Spam­fil­ter deak­ti­viert. Tja, wenn das Kom­men­tarego grö­ßer ist, als die Spam­to­le­ranz… Aber sagen wir ein­fach mal, ich lasse mich im Dienste des offe­nen Dis­kur­ses zumüllen.]

  7. RD sagt:

    Wir sind gleich­zei­tig völ­lig unfä­hig, alles und jeden ohne teu­to­ni­schen Stamm­baum in unse­ren Wahr­neh­mungs­be­reich zu inte­grie­ren. Wahl­weise trifft das auch Men­schen mit Namen, die auf -itsch, -ic oder -türk enden oder deren Haut­farbe nicht einem bestimm­ten Hex­code entspricht.‹

    Ist das Ihr Ernst?
    Wen mei­nen Sei mit ›Wir‹?

    Ich bin auf­ge­wach­sen in einer Klein­stadt.
    Habe stu­diert in einer mit­tel­gros­sen Stadt.
    Arbeite seid Jah­ren in Frankfurt.

    In jedem die­ser Umfel­der gab und gibt es eher mehr als weni­ger gut inte­gi­rerte Migran­ten.
    Aber eine Spe­zies auf deut­scher Seite mit der ange­deu­te­ten Geis­tes­hal­tung ist mir so nicht begeg­net.
    Selbst wenn ich ange­strengt nach­denke fal­len mir nament­lich keine Bei­spiele dafür ein. OK, viel­leicht einer.
    Lebe ich in einem ande­ren Land wie Sie? Oder habe Sie aus irgend­ei­nem Grund viel mit rechts­ra­di­ka­len Grup­pie­run­gen zu schaffen?

    Jeden­falls kann ich Ihre Verve gegen eine mei­ner Mei­nung nach (naive) harm­lo­sen Peti­tion nicht nach­voll­zie­hen. Ich habe mit Freun­den aus dem Sene­gal, aus dem Iran, aus Kroa­tien und aus der Tür­kei dar­über gespro­chen. Die ver­ste­hen das Pro­blem auch nicht.

  8. suz sagt:

    @RD:

    Lebe ich in einem ande­ren Land wie Sie?

    Hier bin ich fast geneigt zu sagen: Ja, offen­sicht­lich. In Ihrem und mei­nem Mikro­kos­mos mag die Inte­gra­tion ober­fläch­lich viel­leicht funk­tio­nie­ren oder zumin­dest ist »gelebte« Inte­gra­tion für uns selbst­ver­ständ­lich. Aber von sich auf andere zu schlie­ßen, war noch nie beson­ders hilf­reich, um das große Ganze zu erfas­sen. Das Land bzw. die Gesell­schaft, von dem/der ich spre­che, hat eine sol­che Geis­tes­hal­tung. Wenn Sie daran noch Zwei­fel haben, würde ich Sie zur Strafe ver­haf­ten, sich jeden der fast 400 Bei­träge im Peti­ti­ons­fo­rum laut vor­zu­le­sen. Könnte sehr erleuch­tend sein, was den Zustand unse­rer »deut­schen Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit« betrifft.

    Es würde mich doch sehr wun­dern, wenn Ihre Freunde nichts zum Thema man­gelnde Inte­gra­ti­ons­fä­hig­keit der deut­schen Gesell­schaft sagen könnte. Oder Frage: Wel­ches Pro­blem ver­ste­hen diese nicht? (Ist jetzt ein genui­nes Ver­ständ­nis­pro­blem auf mei­ner Seite.)

    Ich bin auch auf dem Land auf­ge­wach­sen. Katho­lisch, süd­deutsch, kon­ser­va­tiv. Der ein­zige Migrant in mei­ner Stufe war ein Schwei­zer. Jetzt wohne ich seit fast zehn Jah­ren in der gro­ßen Stadt. Die Aus­prä­gun­gen von Aner­ken­nung und Ableh­nung sind sehr unter­schied­lich, das Resul­tat ist letzt­end­lich aber das­selbe. Ich behaupte noch nicht mal, dass die Deut­schen latent frem­den­feind­lich sind, im Gegen­teil. Und ich streite nicht ab, dass sich auch etwas tut, in sehr posi­ti­ver Hin­sicht. Aber wir sind als Gesell­schaft immer noch so eigen­wil­lig, Men­schen, die seit Gene­ra­tio­nen hier leben, alle drei Jahre für einen Stem­pel auf die Aus­län­der­be­hörde zu schi­cken. Mir sagte ein hier gebo­re­ner Türke, dass er die ihm ver­lie­hene deut­sche Staats­bür­ger­schaft manch­mal eigent­lich gerne zurück geben würde: »Frü­her war ich halt der Türke. Aber heute bin ich es immer noch.«

    Wir müs­sen als Gesell­schaft auch aner­ken­nen (locker blei­ben, sozu­sa­gen), nicht immer nur fordern.

    [Edit, 29. Januar, 22:31. Ich war ver­sucht, einen Teil mei­nes Bei­tra­ges durch den fol­gen­den Link zu erset­zen. Jetzt über­lasse ich Ihnen ein­fach den Hin­weis auf einen taz-Artikel: »Deutsch­tür­ken wan­dern aus« (taz, 25. Januar 2011). Soviel dazu.

  9. Klugscheisser sagt:

    brau­nen“? – Sumpf
    Nörg­ler
    geis­tige Tiefflieger

    Na dann,… wenn ich so sehe mit was da alles die »Befür­wor­ter der Peti­tion« titu­liert wer­den, lässt einen ja fast ver­mu­ten das aus ad homi­nem nichts gegen die Auf­nahme der deut­schen Spra­che spricht… fast schon wider­lich die­ser Dis­kus­si­ons­stil… hart am menschenverachtend

  10. suz sagt:

    @Klugscheisser: Ich habe die Wort­wahl sehr wohl kri­ti­siert (und gehe mit »dem brau­nen Sumpf« sehr vor­sich­tig um, das Fra­ge­zei­chen könnte ein Hin­weis gewe­sen sein); außer­dem habe ich erläu­tert, wes­halb diese Begriffe trotz­dem ver­wen­det wer­den und dass sie nicht auf alle Befür­wor­ter anzu­wen­den sind, ist auch klar gestellt. Tja, und wenn selbst das Wort ›Befür­wor­ter‹ nicht mehr posi­tiv (oder zumin­dest als wohl­wol­lend gemeint) inter­pre­tiert wird, dann kön­nen wir gleich beim Nörg­ler blei­ben - weil sowieso alles böse ist.

    Außer den ad hominem-Angriffen, wie Sie sie nen­nen, war mir von Anfang an klar, dass von der Gegen­seite kein noch so gut begrün­de­tes Argu­ment zäh­len wird (Sie hät­ten mich auch gerne vom Gegen­teil über­zeu­gen kön­nen). Wenn Sie sich ange­spro­chen füh­len, wird es also einen Grund geben. Dar­über hin­aus hät­ten Sie sich auch die Mühe machen kön­nen, mei­nen Bei­trag in sei­ner Gänze zu lesen und zu inter­pre­tie­ren - durch selek­ti­ves Quer­le­sen wird Ihre Argu­men­ta­tion näm­lich auch nicht bes­ser (oder ver­ständ­li­cher) und die Auf­nahme der Spra­che nicht unterstützenswerter.

  11. Ümit Maier sagt:

    taz-Artikel: „Deutsch­tür­ken wan­dern aus“

    die linke taz, so so, jetzt ver­stehe ich die Moti­va­tion hin­ter Ihrer Gegenpetition…

    hier ein Arti­kel über die linke Gewalt

    [Link gelöscht, SF]

    Und hier ein Arti­kel aus einer mal nicht­lin­ken Zeitung

    [Link gelöscht, SF]

    Was mei­nen Sie dazu? Ihren lin­ken Arti­kel habe ich ja gele­sen. Ich finde schade, dass man­chen es hier nicht gefällt und sie aus­wan­dern. Ich finde die Inlän­der­feind­lich­keit auch schade. Schreibt die taz was darüber?

    [Ich habe mich ent­schlos­sen, die hier ver­link­ten Arti­kel zu löschen. Die­sem Ent­schluss ging ein lan­ger inne­rer Kampf zwi­schen dem Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit und der Frage nach der Dul­dung rech­ter Gesin­nung vor­aus. Schluss­end­lich halte ich es aber für nicht ver­tret­bar, der Ver­brei­tung rech­ter Gesin­nung eine Platt­form in mei­nem Blog ein­zu­räu­men. SF, 05. Februar 2011.]

  12. suz sagt:

    @Ümit Maier: Span­nend, dass Sie von der Ver­lin­kung eines taz-Artikels auf mein Tole­ranz­le­vel bei lin­ker Gewalt schlie­ßen. Sie machen sich ja noch nicht mal mehr die Mühe, eine absurde »Beweis­kette« anzuführen.

    Ansons­ten: qed.

    (Wenn Ihnen das nicht deutschlich genug war: Blei­ben Sie bitte beim Thema des Posts.)

  13. Gernot sagt:

    Ist also schon end­lich mal das Thema hier ›Plu­ra­zen­tri­zi­taet‹ vs. ›Eth­no­zen­tri­zi­taet‹, d.h. eine viel­fal­tige gege­nu­e­ber einer ein­to­e­ni­gen Gesell­schaft als wuen­schens­werte Zukunft? Ich aber halte mich weder fuer Tuem­ler noch fuer Sprach­no­erg­ler noch sowas extrem Nega­ti­ves, wenn ich aller­dings behaupte, auch die Fran­zo­sen pfle­gen ›Sprach­schutz‹, pran­gert doch kein Fran­zose dage­gen an, die Sar­kosy Regie­rung sei faschis­tisch, noerg­le­risch und naga­tiv usw.. Sie seien ein­fach Lieb­ha­ber ihrer fran­zoe­si­schen Muttersprache.

    Mir scheint das, wie’s die Bri­ten so schoen sagen, eine Double-Standard, oder?

  14. Frischer Wind sagt:

    Eine unter­stüt­zens­werte Petition…

    »Ich will keine Zuwan­de­rer­fa­mi­lien, 
die sich bis in die dritte Gene­ra­tion wei­gern, 
die Spra- che des Lan­des kor­rekt zu ler­nen, 
in dem sie leben!« Mit die­sem recht unmiss­ver­ständ­li­chen Satz for­derte die BILD-Zeitung ihre Leser im Novem­ber dazu auf,…

  15. Gernot sagt:

    Es ist ja schon bedau­er­lich, sol­che Sprue­che wie die obige aus irgend­wel­cher Zei­tung zu lesen, auch der BILD-Zeitung. Nur ist das Pro­blem der­mas­sen zuge­spitzt, dass es in Wirk­lich­keit so aus­sieht, dass beson­ders Mus­li­men, sowohl in Deutsch­land als auch in ganz Europa, selbst in den USA, IHRE Spra­che, IHRE Kul­tur, IHREN Glau­ben auf die Mehr­heit auf­er­le­gen wol­len, anstatt sich an die Spra­che, die Kul­tur, doch eben­falls zum Teil, den Glau­ben, der Mehr­heit anzupassen!

    Mus­li­men ver­lan­gen es, dass Neu­ein­ge­buer­gerte, ins­be­son­dere Besu­cher, Aus­sied­ler usw.. in ihren Laen­dern, im Aegyp­ten, in Libyen, Saudi-Arabien… die stren­gen Gesetze deren isla­mi­schen Got­tes­staats befol­gen. Wie heuch­le­risch also, dass Ein­wan­de­rer aus die­sen Staa­ten nach juedaeisch-christlichem West­eu­ropa einen ande­ren Stan­dard des eige­nen Beneh­mens ver­lan­gen, als zu Hause, sehen ihre Prio­ri­tae­ten als Herr­scher, nicht als Mitbuerger.

  16. Ludwig Trepl sagt:

    »Deutsch ist nicht bedroht. Deutsch ist leben­dig wie eh und jeh. Deutsch erfährt tag­täg­lich mil­lio­nen­fach Aner­ken­nung, indem die Spre­cher Deutsch nut­zen. Sie ist nicht durch Eng­lisch, nicht durch Tür­kisch und nicht durch Vege­ta­risch bedroht. Möchte jemand wirk­lich ernst­haft behaup­ten, Deutsch sei nicht die Spra­che des öf-fentlichen Rau­mes?
    Deutsch ver­fällt auch nicht. …«

    Wenn von den heute 90 Mil­lio­nen Deutsch­spra­chi­gen noch, sagen wir mal, 9 Millio-nen übrig sind, kann und wird man immer noch argu­men­tie­ren: „Deutsch erfährt tag­täg­lich mil­lio­nen­fach Aner­ken­nung, indem die Spre­cher Deutsch nutzen.“

    Mit Ver­laub, es ist fast alles Unsinn, was da steht. Ver­mut­lich kommt er daher, daß die Auto­rin noch sehr jung ist und die Ver­än­de­run­gen nicht aus eige­nem Erle­ben kennt. Es ist wie bei den Dia­lek­ten: Sagt man einen Zwan­zig­jäh­ri­gen, sie seien am Ver­schwin­den, ist er erstaunt und bringt 1000 Bei­spiele, wie leben­dig sie doch noch sind. Ein Sech­zig­jäh­ri­ger aber wird sagen: Sie sind fast ganz ver­schwun­den; was an Res­ten noch da ist, hätte man in sei­ner Kind­heit für rei­nes Hoch­deutsch gehalten.

    Selbst­ver­ständ­lich ist Deutsch nicht durch Tür­kisch bedroht, des­sen Ein­flüsse kann man völ­lig ver­nach­läs­si­gen. Beim Eng­li­schen ist es ganz anders. Mir ist unverständ-lich, wie man der Tat­sa­che keine Bedeu­tung zumes­sen mag, daß an den Universitä-ten Deutsch zum Teil schon ver­schwun­den ist, zum Teil in Kürze ver­schwun­den sein wird, und zwar gezielt abge­schafft. Die Abschaf­fung ist näm­lich erklär­tes Ziel der Wissenschaftspolitik.

    Das ist von über­ra­gen­der Bedeu­tung, von weit grö­ße­rer als z. B., daß in wich­ti­gen Tei­len der Wirt­schaft heute eng­lisch gespro­chen wird und die Spra­che der Wer­bung eine Misch­spra­che und des Com­pu­ter­we­sens aus Deutsch und Eng­lisch ist. Denn nicht nur, daß fast die Hälfte der jün­ge­ren Bevöl­ke­rung eine prä­gende Zeit ihres Le-bens an den Uni­ver­si­tä­ten ver­bringt: Man wird bald immer mehr und vor allem im-mer mehr Wich­ti­ges auf deutsch nicht mehr aus­drü­cken kön­nen – in wei­ten Tei­len der Wis­sen­schaft ist das jetzt schon der Fall -, weil die Wör­ter feh­len. Ob die deut-sche Spra­che dadurch ganz ver­schwin­den wird oder als Küchen- und viel­leicht sogar Lite­ra­tur­spra­che wei­ter­le­ben, läßt sich nicht sagen; Bespiele gibt es in der Geschich-te für bei­des in Fülle. Sollte sie in Schrumpf­form wei­ter­le­ben, wird sie sich mit Si-cherheit in Kürze so ver­än­dert haben, daß sie ein Heu­ti­ger nicht mehr ver­ste­hen könnte. Hätte man jeman­dem vor 50 Jah­ren einen typi­schen heu­ti­gen deut­schen Text gezeigt, die Wahr­schein­lich­keit wäre – natür­lich abhän­gig vom Thema - hoch gewe­sen, daß er ihn nicht ver­stan­den hätte. Dazu muß man nicht Extrem­fälle z. B. aus der Com­pu­ter­welt neh­men.
    Ob man die Ver­än­de­rung ein­fach eine Ver­än­de­rung nen­nen kann oder einen Ver­fall nen­nen muß, ist eine andere Frage. Schon ein flüch­ti­ger Blick auf einen gedruck­ten Text, der einige Jahr­zehnte alt ist, und einen typi­schen heu­ti­gen spricht aber sehr für Ver­fall. Dabei spielt aber wohl nicht die Angli­fi­zie­rung die Hauptrolle.

    Wie­derum eine ganz andere Frage ist, ob die Auf­nahme ins Grund­ge­setz sinn­voll ist, und noch eine andere, ob man über­haupt etwas gegen die Abschaf­fung des Deut-schen tun sollte. Viel­leicht gibt es gute Gründe, den Wech­sel in eine andere Spra­che zu unter­stüt­zen. Ich aber bin aus ein­fa­chen und ganz ego­is­ti­schen Grün­den dage-gen: Ich bin daran inter­es­siert, mich auch mit jün­ge­ren Mit­men­schen unter­hal­ten zu kön­nen, und es paßt mir nicht, daß fast alles, was ich in mei­nem Leben geschrie­ben habe, Maku­la­tur ist, weil es kei­ner mehr lesen kann oder will.

  17. Gernot sagt:

    »Die Abschaf­fung des Deut­schen« (??) kaeme doch nie­man­dem in Frage, soweit ich weiss. »Mit (bal­di­gem) Aus­ster­ben bedroht« ist bei­nahe jede Spra­che mit schrump­fen­der Spre­cher­an­zahl, auch das Deut­sche, eben­falls das Eng­li­sche, d.h. in sei­ner gegen­waer­ti­gen Stan­dard­form. Hoechts­wahr­schein­lich wer­den Min­der­heits­spra­chen ledig­lich in eine mutierte Kauderwelsch-Sprache ent­wi­ckeln, ein Pot­pouri jeg­li­cher Wortmischungen-:)

  18. */ˈdɪːkæf/ – coffee & linguistics» Blogarchiv » Flädlesupp IV: Integration in Neukölln sagt:

    […] an einem Bei­trag, der auch eine Auf­ar­bei­tung der Kom­men­tar­dis­kus­sion zu mei­nem Bei­trag „Warum Deutsch nicht ins Grund­ge­setz gehört“ beinhal­ten soll. Das ist als Post irgendwo zwi­schen Rund­um­schlag und Kom­men­tar ange­dacht und […]

  19. D. Kuden sagt:

    »cof­fee & lin­gu­is­tics«? Und dann wird auf Deutsch, und nicht kon­se­quent auf Eng­lisch argu­men­tiert und kom­men­tiert, dass »Deutsch nicht ins Grund­ge­setz« gehört? …
    Wenn das mal nicht selbst das beste Argu­ment auf die­ser Seite GEGEN die Inten­tion die­ser Seite ist…

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