…und so hinten raus?

Heute wie­der ein Betrag aus der Reihe: Was macht lin­gu­is­ti­sches Wis­sen eigent­lich für Otto Nor­mal­ver­brau­che­rin ganz nützlich?

Ich tran­skri­biere momen­tan wie­der Sprach­auf­zeich­nun­gen mit Gesprächs­part­nern aus der Wirt­schaft. Lin­gu­is­tisch und auch fürs Blog inter­es­sant wäre das als Grund­lage für eine Ana­lyse von Angli­zis­men­an­tei­len in der Varie­tät der deut­schen Wirt­schafts­spra­che. Aber um da einen Blog­bei­trag draus zu machen, brau­che ich erst das Ein­ver­ständ­nis der Ver­ant­wort­li­chen. Vor­weg viel­leicht: Es bleibt bei den fürs Deut­sche han­dels­üb­lich dia­gnos­ti­zier­ten zwei bis vier Prozent.

Also kom­men wir zu etwas Unver­fäng­li­che­rem, was einem viel­leicht auch aus jeder Unter­hal­tung bekannt sein könnte. Mir ist letz­tens näm­lich auf­ge­fal­len, dass ein Teil­neh­mer das Par­ti­zip Per­fekt von out­sour­cen mit out­ge­sour­ced wie­der­ge­ge­ben hat. Nun mag der eine oder die andere auf­heu­len, wie man es wagen kann, ein deut­sches Affix in einen Angli­zis­mus zu schmug­geln. Man kann natür­lich auch geout­sour­ced sagen (was das Pro­blem für den Sprach­äs­the­ten nicht lösen würde). Der Spre­cher inter­pre­tierte out­sour­cen hier als trenn­ba­res Verb und ähnlich wie andere trenn­bare Ver­ben (anfan­gen > angefan­gen), fügt man das Par­ti­zip­prä­fix dann eben nach dem Halb-Präfix out ein. Ein ähnli­cher Fall ist die Varia­tion bei gedown­loa­det und down­ge­loa­det, je nach­dem, ob man down­loa­den als trenn­bar ansieht oder eben nicht. (Die Pro­ble­ma­tik der angeb­li­chen Unver­träg­lich­keit deut­scher Fle­xi­ons­mor­pheme in Angli­zis­men lässt sich übri­gens ganz ein­fach aus der Welt schaf­fen, indem man aner­kennt, dass out­sour­cen und down­loa­den deut­sche Wör­ter sind und dem­ent­spre­chend nach unse­ren Regeln kon­ju­giert werden.)

Mir geht es aber um etwas ganz anderes.

Ich habe oben out­ge­sour­ced bewusst mit <d> wie­der­ge­ge­ben. Wie ja nun jeder weiß, wird im Deut­schen das Par­ti­zi­paf­fix, in die­sem Fall das Zir­kum­fix ge-V-t für die Par­ti­zi­pien regel­mä­ßi­ger Ver­ben mit [t] gespro­chen und mit <t> geschrie­ben. Bei Angli­zis­men, vor allem bei sol­chen, die noch rela­tiv neu ein­ge­wan­dert sind, ist grö­ßere Ver­wir­rung vor allem in der Ortho­gra­fie des­halb nicht unge­wöhn­lich: Und zuge­ge­ben, out­ge­sourct und out­ge­sour­cet sehen auf den ers­ten Blick tat­säch­lich selt­sam aus - oft behilft man sich bei der schrift­li­chen Wie­der­gabe also (noch) zusätz­lich der Fle­xi­ons­re­geln der Geber­spra­che. Bei out­sour­cen hat <out­ge­sour­ced> ver­mut­lich auch des­halb noch dop­pelt so viele Google­tref­fer, wie <outgesourc(e)t>.*

*[UPDATE: ke hat mich in einem Kom­men­tar dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass ich in der Hek­tik völ­lig falsch gezählt habe: <out­ge­sour­ced> und <out­ge­sourct> haben grob etwa gleich viele Tref­fer bei Google. An der Annahme der Ver­wir­rung bei der Ortho­gra­fie ändert das (noch) nichts grund­le­gen­des. Danke für den Hin­weis, SF]

Neben einem selt­sa­men Aus­se­hen von out­ge­sour­cet könnte das ein Grund sein, ober eben mög­li­cher­weise ein gespro­che­nes [d], also immer dann beson­ders, wenn die Inte­gra­tion eines Angli­zis­mus in das deut­sche Laut­sys­tem noch nicht voll­stän­dig abge­schlos­sen ist.

Der Grund also, wes­halb ich geout­sour­ced hier mit <d> schreibe, liegt an der Art, wie es der Inter­viewte aus­sprach, näm­lich mit [d]. Die span­nende Frage also: Woran hört man, dass out­ge­sour­ced für die­sen Spre­cher noch nicht voll­stän­dig inte­griert ist, auch wenn er hier sogar für /r/ nicht die „eng­li­sche“, son­dern die „deut­sche“ Vari­ante gewählt hat? Nun, bei die­sem Spre­cher ist es mir schlicht im Kon­trast zu geset­telt (von set­teln, engl. to settle) auf­ge­fal­len, das er deut­lich hör­bar mit [t] realisierte.

Und nun?

Da kommt ein pho­no­lo­gi­scher Pro­zess zum Tra­gen, den das Deut­sche hat, nicht aber das Eng­li­sche: Steht im Deut­schen am Silben- oder Wort­ende ein stimm­haf­ter Kon­so­nant wie z.B. /b/, /d/ oder /g/, so wird die­ser Kon­so­nant stimm­los aus­ge­spro­chen, also als /p/, /t/ oder /k/. Genauer gesagt betrifft die­ser Pro­zess nur die soge­nann­ten Obstru­en­ten, also die Kon­so­nan­ten, bei denen der Luft­strom kurz­fris­tig kom­plett untebro­chen ist, und Fri­ka­tive wie /z/ oder /ʒ/; bei den sono­ran­ti­schen Kon­so­nan­ten wie /m/ oder /n/ ist das nicht der Fall, die sind immer stimmhaft.

Mit ande­ren Wor­ten und als Haus- und Hof­bei­spiel: Rad und Rat sind als [ra:t] in Iso­la­tion gespro­chen nicht zu unter­schei­den. Liegt der stimm­hafte Kon­so­nant dage­gen nicht am Sil­be­nende, bleibt’s beim stimm­haf­ten Laut. Des­halb haben wir [li:bə] für Liebe, aber [li:p] für lieb oder [tsu:k] ‚Zug‘ im Sin­gu­lar, aber [tsy:gə] ‚Züge‘ im Plural.

Das ganze nennt sich Aus­laut­ver­här­tung (oder all­ge­mei­ner Neu­tra­li­sa­tion) und ist neben dem Deut­schen oder dem Nie­der­län­di­schen auch in eini­gen sla­vi­schen Spra­chen oder dem Tür­ki­schen zu fin­den - aber eben zum Bei­spiel nicht im Englischen.

Es ist des­halb also span­nend zu sehen, dass geset­telt und out­ge­sour­ced in der Wie­der­gabe (jetzt die­ses Spre­chers) mal mehr, mal weni­ger ein­ge­bür­gert zu sein scheint. Was an sich für mich über­ra­schend war, da eigent­lich meist erst die pho­no­lo­gi­sche und dann die mor­pho­lo­gi­sche Ein­bür­ge­rung erfolgt - und beide Lexeme waren ja schon mit ein­hei­mi­schem mor­pho­lo­gi­schem Mate­rial bestückt, bei der Bil­dung des Par­ti­zips näm­lich. Und ich stelle die These auf, dass man out­ge­sour­cet auch in der gro­ßen Mehr­heit schreibt, wie man es, äh, spricht.

Aus­laut­ver­här­tung betrifft natür­lich auch alle Fremd­wör­ter im Deut­schen, die am Wort- oder Sil­be­nende einen stimm­haf­ten Obstru­en­ten haben. Des­halb ist Blog laut­lich von Block nicht zu unter­schei­den (und für den Genus­wan­del von das Blog zu der Blog höchst­wahr­schein­lich mit­ver­ant­wort­lich), bloggen unter­schei­det sich aber von blocken.

Die Aus­laut­ver­här­tung ist übri­gens ein Ele­ment eines typisch deut­schen Akzents (beim Eng­lisch spre­chen). Mut­ter­sprach­li­che Inter­fe­renz führt dazu, dass Deutsch­spra­chige die Aus­laut­ver­här­tung quasi mit ins Eng­li­sche impor­tie­ren (z.B. Kort­mann 2005: 182). Wer also in der Sprach­ver­mitt­lung arbei­tet oder ein­fach einen klei­nen, ein­fa­chen Tipp haben möchte, wie man am eige­nen Akzent im Eng­li­schen arbei­ten kann: Lehre und lerne, I want a suite und I want a Swede auch pho­no­lo­gisch zu unter­schei­den. Voilà.

Umge­kehrt liegt in der Aus­laut­ver­här­tung mög­li­cher­weise ein Grund (von meh­re­ren), wes­halb Spre­cher von Spra­chen ohne Aus­laut­ver­här­tung Deutsch unter Umstän­den als „hart“ wahr­neh­men: Bei der Pro­duk­tion von stimm­lo­sen Lau­ten wird mehr Luft nach außen gepresst, wes­halb diese Kon­so­nan­ten auch „lau­ter“ klin­gen. Genau genom­men ist die Sache etwas kom­pli­zier­ter: die Arti­ku­la­tion der Pho­neme /p, t, k/ ist eher eine Fall von For­tis ‚stark‘, die der Pho­neme /b, d, g/ von Lenis ‚schwach‘ (Kort­mann 2005:  64, Roach 2009: 28f). Aber nunja, für die Illus­tra­tion reicht’s. Wen das nicht über­zeugt: Füh­len wir von Quat­schern im Kino gestört, wer­den wir zur Unter­maue­rung etwai­ger Genervt­heit eher ein här­ter zischen­des, stimm­lo­ses [ʃ] anstim­men, als ein stimm­haf­tes und unaufgeregtes [ʒ].

Im Deut­schen bin ich des­halb ja auch meist [su:s], im Eng­li­schen hin­ge­gen [su:z]. Das noch dazu. Und wer hier einen Bezug zum Anfang die­ses Bei­trags erwar­tet: Natür­lich steht in der Tran­skrip­tion out­ge­sour­cet, weil es sich um ein inhalt­li­ches, also um ein an die deut­sche Ortho­gra­fie ange­pass­tes Tran­skript han­delt - und lei­der nicht um ein pho­ne­ti­sches zu lin­gu­is­ti­schen Forschungszecken.

Statt Post­script: Wer noch ein­wen­den möchte, dass man statt out­sour­cen auch aus­la­gern sagen könnte: in vie­len Fäl­len und je nach Kon­text ist das even­tu­ell mög­lich. Aber der Inter­viewte nutzte beide Lexeme. Und, wenig über­ra­schend, sie waren sehr deut­lich nicht syn­onym aus­tausch­bar: 1) out­sour­cen, ‚Unter­neh­mens­ab­läufe von einer Fremd­firma aus­füh­ren las­sen‘; 2) aus­la­gern, ‚mit Tei­len der Firma anderswo hin­ge­hen oder Unter­neh­mens­pro­zesse aus dem Stamm­la­ger aus­glie­dern‘. Also auch wenn man es wie­der mal der Yuk­ka­palme erzäh­len könnte: Klas­si­sche Bedeutungsdifferenzierung.

Lite­ra­tur:
Kort­mann, Bernd. 2005. Lin­gu­is­tics: Essen­ti­als. Ber­lin.
Roach, Peter. 2009. English Pho­ne­tics and Pho­no­logy. Cam­bridge.


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18 Kommentare zu „…und so hinten raus?“

  1. ke sagt:

    Bei out­sour­cen hat <out­ge­sour­ced> ver­mut­lich auch des­halb noch dop­pelt so viele Google­tref­fer, wie <outgesourc(e)t>.

    Da erweist sich der Google-Trefferzähler mal wie­der als pro­ble­ma­tisch, ich kriege gerade grob gleich viele Tref­fer (77500/84400, und 66400/76660 wenn ich nur „Sei­ten auf Deutsch“ suche). Das Par­ti­zip <out­ge­sour­ced> gibt’s übri­gens auch im Nie­der­län­di­schen, wo die Schrei­bung der Endung kei­nen Zwei­fels­fall dar­stellt. Wesent­lich häu­fi­ger scheint aller­dings <geout­sour­ced> zu sein.

  2. suz sagt:

    Danke für den Hin­weis! Das scheint aller­dings ein „Pro­blem“ zu sein, aber in die Rich­tung, dass die Tref­fer­zah­len wirk­lich deut­lich von­ein­an­der abwei­chen. Ich kriege jetzt:
    - out­ge­sourct: 24.000 (hier gibt es sogar über 50.000 für in Anfüh­rungs­zei­chen [??])
    - out­ge­sour­cet: 2.700
    - out­ge­sour­ced: 35.300

    Man kann aber fest­hal­ten, dass < out­ge­sour­cet > deut­lich in der Min­der­heit ist. Und wenn sich und um und bei die Waage hal­ten, dann spricht das ja auch für eine gewisse Ver­wir­rung bzw. Variation.

    Im Nie­der­län­di­schen ist deut­lich häu­fi­ger? Hast du eine Ver­mu­tung, woran das liegt?

    [P.S.: Ich habe deine bei­den älte­ren Kom­men­tare entfernt.]

  3. ke sagt:

    hier gibt es sogar über 50.000 für in Anführungszeichen [??]

    Ich ver­mute, das liegt daran, dass Google für Phrase-Querys und Nicht-Phrase-Querys auf voll­kom­men unter­schied­li­che Indi­zes zurück­greift und diese nicht immer (wenn über­haupt jemals) das­selbe gefil­terte Web abbilden.

    Im Nie­der­län­di­schen ist [<geout­sour­ced>] deut­lich häu­fi­ger? Hast du eine Ver­mu­tung, woran das liegt?

    Womög­lich daran, dass die Nie­der­län­disch Spre­chen­den ins­ge­samt mehr als wir daran gewöhnt sind, mehr­sil­bige Verbstämme mit <ge> zu prä­fi­gie­ren. Sie tun’s näm­lich auch bei <eren>-Verben, wäh­rend wir’s bei <ieren>-Verben weg­las­sen: <gefi­lo­so­fe­erd> vs. <philosophiert>.

    [P.S.: Ich habe deine bei­den älte­ren Kom­men­tare entfernt.]

    Danke, dar­auf habe ich still­schwei­gend gehofft. Word­Press’ HTML-Entfernungs-Versuche sind mei­nen Win­kel­klam­mern zunächst in die Quere gekom­men. Dei­nen übri­gens auch. Ich emp­fehle das Plu­gin Live Com­ment Preview.

  4. suz sagt:

    Ich emp­fehle das Plu­gin Live Com­ment Preview.

    Danke. (Das hatte ich immer noch auf einer To-Do-Wenn-To-Do-Liste-leer-ist-Liste, also hatte.)

  5. Michael Allers sagt:

    Wenn es nur die Aus­laut­ver­här­tung wäre - aber von Deut­schen wird ja so gut wie alles kruppstahl-verhärtet, was irgend­wie dazu geig­net ist, vgl. die Schmetterlink-Frage. Wenn Jack und Jim zu Tscheck und Tschimm mutie­ren, klappt’s einem regel­mä­ßig die Fuß­nä­gel hoch.
    Komi­scher­weise geben sich die meis­ten mit fran­zö­si­schen Lehn­wör­tern mehr Mühe: Crois­sant, Porte­mon­naie, Eau de Colo­gne spre­chen auch die­je­ni­gen halb­wegs rich­tig aus, die kein Fran­zö­sisch kön­nen. OK, anschei­nend gibt es bei Angli­zis­men bzgl. Aus­laut­ver­här­tung eine Art false fri­ends aus Phonem-Ebene.

    Ganz gru­se­lig aber ist die Duden-Orthografie ‚out­ge­sourct‘. Direkt vor einem t müsste doch das c wie k gespro­chen wer­den, vgl. direct.

    P.S.: Der Com­ment Prefiew ist klasse!

  6. Speravir sagt:

    Rich­tig ver­rückt ist und macht mich immer, wenn in deutsch­spra­chi­gen Tex­ten zu regu­lar expres­si­ons (Regu­lä­ren Aus­drü­cken) „matched“ ver­wen­det wird, wo im Eng­li­schen „matches“ (!) ste­hen würde, also: “The dot matches any cha­rac­ter.” wird zu „Der Punkt matched auf jeden Cha­rak­ter.“ (‚Cha­rak­ter‘ statt ‚Zei­chen‘ ist dann noch so ’ne Sache).

    (Gleich mal das Preview-Plugin genutzt habend)

  7. suz sagt:

    Na aber, Herr Allers, wir wol­len uns doch bei aller Anglo­phi­lie nicht nörg­le­risch betä­ti­gen! Wenn Jack und Jim mit [tʃ] rea­li­siert wer­den, dann liegt das daran, dass uns das Pho­nem /dʒ/ unbe­kannt bzw. kein nativ deut­sches Pho­nem ist. Es ist ja auch nicht unum­strit­ten, ob /dʒ/ zum Pho­n­emin­ven­tar des Deut­schen zählt.
    Ein Gedan­ken­spiel: ange­nom­men, /dʒ/ gibt es in unse­rer Spra­che nicht (jetzt ja schon, aber mal zur Illus­tra­tion). Wir impor­tie­ren ein Wort aus einer Spra­che, die es hat. Da es aber von ‚uns‘ nicht arti­ku­liert wer­den kann bzw. uns unsere Ver­wen­dung unge­wohnt oder unbe­kannt ist, ver­su­chen wir es mit einer Nähe­rung: /tʃ/. Die Kin­der ler­nen die Aus­spra­che die­ser Fremd­wör­ter dann nach deut­schen Mus­tern, weil sie /dʒ/ nicht ken­nen und nicht hören. Auch ich nutze meist die ein­ge­deut­sche Ver­sion (wenn ich Deutsch spre­che) - ein­fach, weil sie zur Kon­ven­tion gehört. Auch die fran­zö­si­schen Lehn­wör­ter sind im All­ge­mei­nen im Deut­schen nur eine Nähe­rung, weil wir nicht die aus­dif­fe­ren­zier­ten und weit ver­brei­te­ten Nasale im Deut­schen haben.

    @Michael Allers, @Speravir: Span­nend. Ganz all­ge­mein gespro­chen: Meine Ver­mu­tung ist, dass je wei­ter weg die Ortho­gra­fie des Stamms eines Verbs von der ‚deut­schen‘ Gra­phe­mik ist, desto ulki­ger sieht dann auch das Par­ti­zip Per­fekt aus - und desto höher die Wahr­schein­lich­keit, dass es mit <d> wie­der­ge­ge­ben wird. Wäre jetzt meine These.
    Bei <c> vor <t&gt - ver­wech­seln Sie unter ande­rem nicht Ortho­gra­fie mit Aus­spra­che (oder Mor­pho­lo­gie): das <c> bei out­ge­sourct steht vor einem Mor­phem ({-t}), bei direkt han­delt es sich um ein Mor­phem im Ganzen.

  8. Michael Allers sagt:

    Rich­tig, /dʒ/ zählt(e) nicht zum ‚ursprüng­li­chen‘ Pho­n­emin­ven­tar des Deut­schen. Und out­sour­cen nicht zum ‚ursprüng­li­chen‘ dt. Voka­bu­lar. Da sind wir ganz schnell bei dem, was echte Nörg­ler als „genuin deut­sche Wör­ter“ (oder eben Laute) bezeich­nen. Wenn man ganze Wör­ter aus ande­ren Spra­chen ler­nen und über­neh­men kann, warum dann nicht ein­zelne Phoneme?

    Auch wenn nie­mand franz. Lehn­wör­ter genauso aus­spricht wie ein Fran­zose, spricht man ‚Jalou­sie‘ m.E. durch­aus mit einem /ʒ/-Anlaut. Geht doch! Auch spricht man die Endung von Crois­sant immer­hin nasa­ler aus als das dt. ‚ang‘ wie in ‚Klang‘, oder?

    Der Unter­schied zwi­schen engl. und franz. Pho­ne­men: Letz­tere gibt es im Deut­schen seit Jahr­hun­der­ten. Fazit: Man gewöhnt sich an alles, aber man­che brau­chen dazu ‚etwas‘ länger.

    Ortho­gra­fie und Aus­spra­che ver­wechsle ich IMHO nicht. Unan­hän­gig von Mor­phe­men gibt aber doch die eng­li­sche Recht­schrei­bung die Aus­spra­che vor. C + Kon­so­nant oder a, o, u, wird wie k gespro­chen, c vor e, i, y jedoch als schar­fes s. Da es im Deut­schen für c als schar­fes s keine Regel gibt, wen­det man eben die eng­li­sche an.

  9. suz sagt:

    Natür­lich kön­nen wir ein­ge­wan­derte Pho­neme genauso ler­nen, wie Lehn­wör­ter. Dass dies im Erwach­se­nen­al­ter nicht jeder schafft, sieht man ja unter ande­rem beim th-Laut [θ, ð]. Wor­auf ich hin­aus­wollte in mei­nem Gedan­ken­ex­pe­ri­ment, ver­ein­facht: wenn ein Laut ein­wan­dert, von Erwach­se­nen nicht ‚kor­rekt‘, son­dern in einer Nähe­rung wie­der­ge­ge­ben wird, dann ler­nen die Kin­der das eben auch so (und somit würde sich die Nähe­rungs­ar­ti­ku­la­tion fort­pflan­zen). Dass das natür­lich keine exakte Beschrei­bung ist, dürfte klar sein.

    Naja, ich kenne mich bei der Wahr­neh­mung nicht aus, was fran­zö­si­sche Lehn­wör­ter betrifft. Davon ganz abge­se­hen gibt es aber sicher­lich genü­gend Belege aus der ein­ge­nen Erfah­rung, die bei Crois­sant ein [ŋ] rea­li­sie­ren. Im Fran­zö­si­schen ist da aber kei­ner. Viel­leicht gibt es auch Roma­nis­ten oder Fran­co­phile, die Ihnen dazu Aus­kunft geben kön­nen, wie weit Deut­sche weg sind von einer fran­zö­si­schen Aus­spra­che. (Das hat uns natür­lich prin­zi­pi­ell nicht zu inter­es­sie­ren, weil das auch deut­sche Wör­ter sind.)

    Ortho­gra­fie und Aus­spra­che ver­wechsle ich IMHO nicht. Unan­hän­gig von Mor­phe­men gibt aber doch die eng­li­sche Recht­schrei­bung die Aus­spra­che vor. C + Kon­so­nant oder a, o, u, wird wie k gespro­chen, c vor e, i, y jedoch als schar­fes s. Da es im Deut­schen für c als schar­fes s keine Regel gibt, wen­det man eben die eng­li­sche an.

    Doch, tun Sie. Es gibt kein Pho­nem /c/ (auch im Eng­li­schen nicht). Was <c> geschrie­ben wird, ist die gra­fi­sche Dar­stel­lung der Pho­neme /s/, /ts/ oder /z/ - oder im Falle von vor der Recht­schreib­re­form von 1901 auch manch­mal das des /k/. Und dass es sich also bei <out­sour­cen> um die Aus­spra­che [a͜utsɔːsn̩], also mit /s/ han­delt, ist es völ­lig wurscht, ob man <c> vor <t> inn­er­mor­phe­misch mit <k> schreibt. Ande­res Bei­spiel:
    rei­sen, gereist für das /z/
    rei­zen, gereizt für das /ts/

  10. Solminore sagt:

    Das /t/ in direct und direkt ist übri­gens auch ein Mor­phem. Aber wir wol­len nicht pin­ge­lig sein.

    Zur Übernahme/Variierung frem­der Pho­neme fällt mir der Fall einer deut­schen Spre­che­rin ein, die den grie­chi­schen Anlaut­clus­ter /ps/ wie in Psy­cho­lo­gie in /ts/ umwan­delte, also an die Stelle des grie­chi­schen Clus­ters den ein­zi­gen für den Anlaut ver­füg­ba­ren C-s-Cluster im Deut­schen einsetzte.

    Die Aus­laut­ver­här­tung führt auch für die Aus­spra­che deut­scher Mut­ter­sprach­ler im Fran­zö­si­schen zu graus­li­chen Resul­ta­ten, wenn näm­lich [garaʃ] statt [garaʒ] arti­ku­liert wird.

    Daß das Eng­li­sche wie das Fran­zö­si­sche von Deut­schen nur unzu­läng­lich aus­ge­spro­chen wird, dürfte am lin­gu­is­tisch völ­lig unbe­las­te­ten Schul­un­ter­richt liegen.

  11. suz sagt:

    Das /t/ in direct und direkt ist übri­gens auch ein Mor­phem. Aber wir wol­len nicht pin­ge­lig sein.

    Jetzt will ich nicht pin­ge­lig sein, aber {direkt} ist mono­mor­phe­misch - das -t trägt keine Bedeutung.

  12. Solminore sagt:

    syn­chron, ja. dia­chron, nein. ;-)

  13. Andreas sagt:

    Das ler­nen der Aus­spra­che von Fremd­spra­chen ist in Deutsch­land wie ich finde gar kein so gros­ses Pro­blem. Das ist in den USA im Deutsch­un­ter­richt schlim­mer. Hier gibt es ja zumin­dest im Ansatz Ver­su­che, den Kin­dern ein ordent­li­ches Tih-æitsch bei­zu­brin­gen. Ich wurde in den USA mal gefragt ob das „Ich“ nun „ish“ oder „ick“ aus­ge­spro­chen werde, da seien sich die Deutsch­leh­rer an der Schule näm­lich uneins.

  14. lukas sagt:

    out­sour­ced“ wird aber auch auf Eng­lisch mit /t/ am Ende aus­ge­spro­chen, da es sich an das vor­her­ge­hende /s/ assimiliert.

  15. suz sagt:

    @Lukas: Das ist ein guter Punkt, danke. Dann habe ich sozu­sa­gen das Aus­nah­me­bei­spiel für die „rich­tige“ Argumentation.

  16. suz sagt:

    @Solminore: Ich bin mir nicht sicher, ob das Kon­zept des Mor­phems nicht grund­sätz­lich immer aus der syn­chro­nen Per­spek­tive ver­stan­den wird (die ja eine syn­chrone Betrach­tung einer his­to­ri­schen Sprach­stufe nicht ausschließt).

  17. Mustergult sagt:

    [tsu:k], tsy:gə]

  18. suz sagt:

    @Mustergult: ist kor­ri­giert, danke.

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