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Radikal mal Nein sagen

Wer sich intellektuell vielleicht etwas unterfordert fühlt, dem sei als Ostergeschenk die Radical Construction Grammar von William Croft ans Herz gelegt.

Wie sagte ich zu einem meiner Betreuer: “Ich hab mir auch mal Croft angeguckt. Das ist ja n büschen schwer zu verdauen. Und ich dachte mir, da darf ich als Magistrand auch mal Nein sagen!”

Gelächter.

Croft, William. 2003. Radical Construction Grammar. Syntactic Theory in Typological Perspective. Oxford.

Kommentar

Jetzt wird’s typoLOGISCH

Die Vermutung, dass Standardenglisch mit seiner Artikellosigkeit meist allein auf weiter Flur steht, hat mich veranlasst, eine kleine Umfrage unter Muttersprachlern europäischer Sprachen mit bestimmten Artikeln (oder deren Äquivalenten) durchzuführen. Dazu bat ich um Übersetzungen von acht Beispielsätzen, in denen das irische Englisch angeblich so signifikant vom Standardenglisch abweicht. Darunter habe ich derzeit Beispiele aus dem Französischen, Italienischen, Ungarischen, Schwedischen und Bulgarischen. Und aus meinem eigenen Dialekt, dem Hochrheinalemannischen.*

Zwar verwenden nur Französich und Italienisch in allen Kontexten der Beispielsätze Definitheitsmarker, aber die Akzeptanzrate – mehr noch, die Notwendigkeit – von bestimmten Artikeln in einigen Kontexten ist für alle Sprachen verblüffend.

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Sag niemals nie

Ich habe sie gefunden, die Unterverwendung des unbestimmten Artikels:

  1. we did not have Ø very cold winter here [Leinster, 1894, Catholic]
  2. we did have Ø very hot summer here [Leinster, 1892, Catholic]

Aber – und ich liebe dieses wissenschaftliche aber – diese Konstellation tritt nur bei einer einzigen Schreiberin auf und nur in Verbindung mit Jahreszeiten und Temperaturangaben, fast so, als wollte sie sagen we did not have very cold winter weather.

Ich habe es eher durch Zufall als durch aufmerksame Suche gefunden; es ist eine Erwähnung wert. Aber eine systematische Unterverwendung ist nicht festzustellen. Und eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer.

Auch nicht einen besonders heißen.

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Wenn nicht…, dann…!

Natürlich habe ich eigentlich keine Zeit für einen Sprachkurs.

Andererseits ist das momentan ein sehr probates Mittel, mich an den Schreibtisch zu zwingen. Und mein etwas entwöhntes Lernerherz wieder an die Selbstdisziplin heranzuführen.

So gesehen…!

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Aufzugromantik

Für meinen Niederländischkurs bin ich derzeit wieder Gast im Philosophenturm an der Uni. Es sind Semesterferien, die Uni ist wie leer gefegt. Und nein, ich war noch nicht lange genug aus der Uni, als dass die Techniker es geschafft hätten, die Aufzüge so einzustellen, dass die eine Hälfte nur ungerade, die andere nur gerade Stockwerke anfährt (meine Uni in Australien hat genau das geschafft, übrigens). Wer einmal versucht hat, morgens pünktlich in sein Seminar im 14. Stock zu kommen, weiß, wovon ich rede, wenn der Aufzug quasi an jeder Seminartür hält (da hilft auch c.t. nicht mehr viel).

Jetzt, in den Semesterferien, kommt man in den Genuss, in den 12. Stock ohne Anhalten zu fahren.

Dass ich das noch erfahren darf!

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Virtuelle Arbeit

Hin- und hergerissen ist man manchmal.

Kennt ihr die Weizenwölkchen, die uns der angelsächsige Raum gern als Backwaren verkauft? Die Dinger, die zusammengedrückt auf atomare Größenverhältnisse zusammenschrumpfen? Oder die Brötchen, die schon mal als Einweg-Anti-Stressbälle durchgehen?

Hm, genau. So fühlt sich das ungefähr an, wenn man zwar die Idee hat, die Vorstellung eines richtig großen Projekts. Und irgendwie nix dahinter, pardon, drin steckt. Herrje, irgendwoher muss doch die Motivation kommen, sich reinzuhängen. Jetzt, da so viele Fragen geklärt sind, die mich monatelang gequält und gehindert haben.

Iss auch nich einfacher.

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Ausreichend…

…funktional ist wohl der Webbrowser der Bibliothekscomputer: Firefox in seiner frühsten Version.

Ist wohl das einzige, was auf dem Rechner auch ruckelfrei läuft.

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Historische (Sprach)wissenschaft

(Wenn ich will, krieg ich sowieso alles so gedreht, dass es zum Thema passt!)

Bei meinem kleinen Feldversuch hier nahm ich die Gelegenheit wahr, meiner alten Schule einen Besuch abzustatten. Es ist die Schule, die damals – angeblich – den besten Englisch-LK in Baden-Württemberg hatte, oder die Schule, die sich mal von ihrem leidlich inspirierenden Namen trennen wollte und den Namen einer FDP-Politikerin beantragte und die – selbstverständlich – das beste Jahrbuch der Republik hatte (äh, vergesst die Titanic!).

Davon abgesehen, dass die diesjährigen Abiturienten als Fünferle in dem Schuljahr am KG begannen, in dem ich Abitur machte, war’s eine Reise in die Vergangenheit.  Um’s kurz zu sagen: Allen der (noch) anwesenden Lehrern beim Schuljahresabschluss war meine Fresse nicht gänzlich unbekannt. Ich nehm’s mal als Kompliment!

Weniger aufregend ist die Feststellung, dass es mit und bei den meisten Lehrern nur bei der berüchtigten Smalltalk-Variante blieb. Haben die armen Menschen soviel mit Teenagern zu tun, dass sie mit einer gestandenen Endzwanzigerin nix zu bequatschen haben? Die warn doch auch mal anner Uni!

 Es ist ja auch nicht meine Schuld, dass sich eine Lehrerin noch daran erinnerte, auf einer Exkursionsfahrt nach Berlin (um und bei des Tages des Entscheids, dass Deutschland die WM 2006 ausrichten darf, also einer aus der Ecke “Ich weiß noch genau, wo ich war, als X passiert ist”) die Russen und die Franzosen verwechselt zu haben, noch habe ich entscheidenden Einfluss darauf, dass der berühmte Fenstersprung eines Mitschülers aus dem Biologie-Saal im Jahr 1997 heute noch nahezu unverändert unter der Schülerschaft kursiert. Oder es ist vielleicht so, dass die Lehrer in der ersten vagen Erinnerung meine Visage zwar erkannt haben, aber in der zweiten grauenhaften Bildern standhalten mussten, wer ich wirklich bin. Soll ja vorkommen.

An dieser Stelle fällt mir ein, dass ich meiner Deutschlehrerin und Satiretutorin gar nicht gesagt habe, wofür ich ihr wirklich dankbar bin. Damals, in der siebten Klasse – okay, es hat nicht direkt meine Versetzung gefährdet – stand’s auf der Kippe in Deutsch. Meiner miesen Vorstellung auf dem Gebiet der Grammatik wegen. Äh, Fünf-bis-Sechs, in Worten. Es darf Sie beruhigen, Frau Krämer-Kimmig, wir nennen uns seit einem Syntax-Seminar auch die Grammar Hammers! Und ich weiß jetzt auch, was es mit dem Hampelperfekt auf sich hat.

Und danke für die geile Jahrbuch-Zeit.

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Feldforschung

Schneller als mir lieb war trat ich in der letzten Woche selbst zum hier angeratenen Feldversuch an. Das Nest, von dem ich rede, ist ein kleines malerisches Dorf auf halbem Weg zwischen Freiburg und Offenburg, inmitten von Weinbergen, Spargelfeldern und Kartoffeläckern. Dort, wo die Welt noch in Ordnung ist. Und dort, wo dr normale Mänsch sinne Schwiirigkeide hebbe duet, d’Iihhiimische z’vrschdoh.

Dort, wo sich die Menschen bei der Lesung einer Messe auf Hochdeutsch ähnlich fühlen müssen, als sei sie nach wie vor auf Latein gehalten. Dort bekommt man Sunnewirbele zu den Herdäpfele mit Süürbrode. Und wer nach wie vor glaubt, Dialekte dieser Art seien minderwertig und ewiggestrig, dem sei gesagt, dass sich das Badische modernen Kommunikationswegen nicht verschließt: der Badner scannt nicht, er duut iiläse.

Dies ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass Denglisch nichts damit zu tun hat, dass der des Englischen nicht mächtige Personenkreis vom Verständnis ausgeschlossen wird, sondern derjenige, der mit dem Jargon oder den neuen technischen Entwicklungen nichts am Hut hat. Denn natürlich könnte man auf Hochdeutsch statt scannen auch einlesen sagen. Wer aber den Vorgang des Scannens nicht kennt, der wird auch mit “Ich habe das Dokument eingelesen” nichts anfangen können.

Demnächst wieder Rückkehr zum Thema.

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Strg+A+Entf

Einer aus der Reihe “überflüssige Shortcuts”. Hat übrigens einen ähnlichen Effekt wie format c:\.

Shit happens.

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