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Erschwerte Bedingungen

Ich hab’s ja schon mal erlebt, es ist also nichts Neues. Vor neun Uhr morgens schon 30 Grad (und nach neun Uhr abends immer noch 30 übrigens auch) hatte ich schon in so gemäßigten Breiten wie Ägypten, Australien oder Thailand.

Alter Schwede!

(Möglicherweise würde mich jeder Arzt derzeit aufgrund einer Kombination von hitzebedingter und davon unabhängiger Krankheitssymptome ne Woche krank schreiben, aber Dienstag gilt’s halt mal wieder. Und da der nächstmögliche Prüfungstermin Ende Oktober wäre, ist mir das jetzt auch wurscht. Mit Wadenwickeln und Büchern zurück ins Bett!)

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Die Feindstaatenklausel

FIFA-Chef Blatter hat sich jegliche Einmischung der Politik in den Fußball verbeten.

Fein! Nachdem wir irgendwie gerade alle vom Platz jagen, abschießen, niederwalzen und durch geschickte Verteidigung, überfallartige Konter oder strategische Gegenangriffe verdreschen, vermöbeln (“Wer hat Argentinien am meisten weh getan?”) und zur Kapitulation zwingen oder gegnerischen Anführern zur Explosion bringen wollen, wundern wir uns noch über die Kriegsrhetorik ausländischer Medien über den bickelbehaubten hässlichen Deutschen (El Mundo: “Bestie”) im anrollenden Panzer. Da sind auch feinsinnige Neologismen wie “Deutschland müllert England” oder “Woeful England mullered by Germany” (Mirror) eher der Bick-Stick-Diplomatie zuzuordnen.

Dabei ist alles in Wahrheit noch viel schlimmer. Nach den immer noch gültigen – wenn auch obsoleten – Artikeln 53 und 107 der UN-Charta ist es allen Unterzeichnerstaaten gestattet, Aggressionen eines Feindstaates aus dem Zweiten Weltkrieg mit militärischen Mitteln ohne besondere Ermächtigung gegenüberzutreten. Diese “Feindstaatsklausel” bezog sich natürlich hauptsächlich auf Deutschland und Japan. Zu den Unterzeichnern der Charta 1945 gehörten unter anderem Australien, Jugoslawien, das Vereinigte Königreich, Argentinien, Uruguay und die Niederlande; noch vor Deutschland (1990*) unterzeichneten die Charta außerdem Ghana (1957) und Spanien (1955). (Okay, irgendwie alle halt. Aber vor uns zittern jetzt… ja auch irgendwie alle!)

Aus Gründen verpatzter Pointen bin ich froh wenn die Prüfungen durch sind.

*Streng genommen hat Deutschland erst 1990/1 mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag volle Souveränität erhalten. Deutschland war aber bereits mit dem NATO-Beitritt der BRD 1955 und der Unterzeichnung der UN-Charta der BRD und der DDR 1973 vor der Feindstaatenklausel, äh, geschützt. Der Medienarbeit vom “hässlichen Deutschen” und der Kriegsrhetorik in ausländischen Fußballmedien hat das bekanntermaßen keinen Abbruch getan. So gesehen ist Fußball ja auch irgendwie die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

Randnotiz aus einem Prüfungsvorbereitungshirn.

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Nach der Prüfung ist vor der Prüfung

Warum weht in Hamburg an genau den zwei Tagen im Jahr kein Wind, wenn die Quecksilbersäule weit über 30°C gedrückt wird? Die Luft steht in meiner Dachgeschosswohnung, als würde sie Miete zahlen.

Diese Prüfungsphase ist ja nicht nur ehrgeizig – sie ist für einen Fußballfan auch noch unglücklich gewählt. Die Politikklausur fand fast zeitgleich zum Serbien-Spiel in einem Unigebäude mit der höchsten Public-Viewing-Dichte statt (wer mit der Geografie der UniHH vertraut ist: Pony Bar, Abaton-Bistro und der Pferdestallinnenhof, für den besonders eindrucksvollen Vuvuzela-Surroundsound!).

Ich bin ein wenig über mich selbst überrascht. Derzeit sitze ich wieder ab acht Uhr morgens über den Büchern, mache um 16 Uhr mal eben zwei Stündchen Pause. Und das eigentlich dramatische an dieser Situation ist, dass Béla Réthy immer noch Spiele der deutschen Mannschaft kommentieren darf (glücklicherweise bleibt uns der unsagbar schlechte Florian König von RTL bei Deutschlandspielen erspart).

Und Guido Westerwelle ist immer noch Außenminister.

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Verschwörungsverdacht T -1

Ich glaube, ich werde morgen und/oder übermorgen im Klausurraum einem Angehörigen, Bekannten oder Erpresser eines Mitarbeiters der Deutschen Flugsicherung und/oder des Towers am Flughafen Hamburg begegnen.

Seit drei Tagen wird ohne Not über die Stadt angeflogen (zur Not-Bewertung zählen Wetterbedingungen, wie man sie hier vorfand*). Ohne Not, denn der einzige Luftzug, der die letzten Tage in Hamburg für eine steife Brise sorgt, wird vom Ventilator in meiner Dachgeschosswohnung erzeugt. Derweil werfen die Nubsis, die an den Leitwerken nach hinten abstehen, alle fünf Minuten Schatten auf meine Notizzettel.

Schiebung! Ab 09.00 Uhr wird zurückgetreten!

*Genau genommen ist jener Anflug auf der für solche Wetterverhältnisse eher ungeeigneten Ost-West-Landebahn über Langenhorn erfolgt. Alles andere flog an diesem Tag sinnigerweise über Barmbek/Winterhude/Alsterdorf.

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Moin

Ich begrüße die Besucher des Bestatterweblogs, die aufgrund eines aus einem Scherz hervorgegangenen Links von Tom hier herüber gespült wurden.

Da ich gerade mit Dingen beschäftigt bin, damit ich “Magisterarbeit” im Titel dieses Blogs durch “Doktorarbeit” ersetzen kann, geht es hier heute abend weiter: und dann versuche ich auch, all jenen Bestatterwebloglesern einen kleinen Einblick in dieses Blog zu geben, die vermutlich durch kurzes Überfliegen eher abgeschreckt wurden.

Und ich füge auch die mehrfach geforderte Zugriffsstatistik bei.

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Radikal mal Nein sagen

Wer sich intellektuell vielleicht etwas unterfordert fühlt, dem sei als Ostergeschenk die Radical Construction Grammar von William Croft ans Herz gelegt.

Wie sagte ich zu einem meiner Betreuer: “Ich hab mir auch mal Croft angeguckt. Das ist ja n büschen schwer zu verdauen. Und ich dachte mir, da darf ich als Magistrand auch mal Nein sagen!”

Gelächter.

Croft, William. 2003. Radical Construction Grammar. Syntactic Theory in Typological Perspective. Oxford.

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Jetzt wird's typoLOGISCH

Die Vermutung, dass Standardenglisch mit seiner Artikellosigkeit meist allein auf weiter Flur steht, hat mich veranlasst, eine kleine Umfrage unter Muttersprachlern europäischer Sprachen mit bestimmten Artikeln (oder deren Äquivalenten) durchzuführen. Dazu bat ich um Übersetzungen von acht Beispielsätzen, in denen das irische Englisch angeblich so signifikant vom Standardenglisch abweicht. Darunter habe ich derzeit Beispiele aus dem Französischen, Italienischen, Ungarischen, Schwedischen und Bulgarischen. Und aus meinem eigenen Dialekt, dem Hochrheinalemannischen.*

Zwar verwenden nur Französich und Italienisch in allen Kontexten der Beispielsätze Definitheitsmarker, aber die Akzeptanzrate – mehr noch, die Notwendigkeit – von bestimmten Artikeln in einigen Kontexten ist für alle Sprachen verblüffend.

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Sag niemals nie

Ich habe sie gefunden, die Unterverwendung des unbestimmten Artikels:

  1. we did not have Ø very cold winter here [Leinster, 1894, Catholic]
  2. we did have Ø very hot summer here [Leinster, 1892, Catholic]

Aber – und ich liebe dieses wissenschaftliche aber – diese Konstellation tritt nur bei einer einzigen Schreiberin auf und nur in Verbindung mit Jahreszeiten und Temperaturangaben, fast so, als wollte sie sagen we did not have very cold winter weather.

Ich habe es eher durch Zufall als durch aufmerksame Suche gefunden; es ist eine Erwähnung wert. Aber eine systematische Unterverwendung ist nicht festzustellen. Und eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer.

Auch nicht einen besonders heißen.

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Wenn nicht…, dann…!

Natürlich habe ich eigentlich keine Zeit für einen Sprachkurs.

Andererseits ist das momentan ein sehr probates Mittel, mich an den Schreibtisch zu zwingen. Und mein etwas entwöhntes Lernerherz wieder an die Selbstdisziplin heranzuführen.

So gesehen…!

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Aufzugromantik

Für meinen Niederländischkurs bin ich derzeit wieder Gast im Philosophenturm an der Uni. Es sind Semesterferien, die Uni ist wie leer gefegt. Und nein, ich war noch nicht lange genug aus der Uni, als dass die Techniker es geschafft hätten, die Aufzüge so einzustellen, dass die eine Hälfte nur ungerade, die andere nur gerade Stockwerke anfährt (meine Uni in Australien hat genau das geschafft, übrigens). Wer einmal versucht hat, morgens pünktlich in sein Seminar im 14. Stock zu kommen, weiß, wovon ich rede, wenn der Aufzug quasi an jeder Seminartür hält (da hilft auch c.t. nicht mehr viel).

Jetzt, in den Semesterferien, kommt man in den Genuss, in den 12. Stock ohne Anhalten zu fahren.

Dass ich das noch erfahren darf!

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