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Präsenz in Präsenzbibliotheken

Ich werde mich nie dran gewöhnen.

Die Institutsbibliotheken an der Uni Hamburg sind Präsenzbibliotheken. Dabei hat das Wort Präsenz nichts mit der Anwesenheit von Studenten oder zweigehirnzelligen Bibliothekaren zu tun. Das Konzept hat für Leute wie mich, die ungern in der Bibliothek arbeiten und ihre Präsenz dort hauptsächlich so verstanden haben, dauerquatschende und telefonierende Kommilitonen anzuschnauzen, zwar einige Nachteile – der groooohooße Vorteil ist aber, dass die Bücher da sind. In der Theorie.

Nicht der erste und einzige Fall, aber seit zwei Monaten renne ich einem bestimmten, wichtigen Buch hinterher. Und langsam wird suz richtig wütend. Ich bin ja bereit, mich dafür ein paar Stunden präsent zu zeigen und in der Bibliothek lesen. Aber es ist nicht da. Ausgeliehen, nicht verschollen (!). Das ist sogar noch viel ärgerlicher, weil die Bibliothek sogar drei Exemplare jeneswelchen Standardwerks, äh, vorrätig hat, alle aber verliehen sind. Wenn sie eins davon verleihen, gut. Auch die Regelung der Examensausleihe, die es Examenskandidaten erlaubt, ein Buch für eine Woche mit nach Hause zu nehmen, ist grundsätzlich immer für den ärgerlich, der in die Röhre guckt.

Im Großen und Ganzen spottet diese Regelung doch jeder Beschreibung.

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Früher und Heute

Wie, so frage ich mich manchmal, haben die das eigentlich früher gemacht, so eine Abschlussarbeit zu schreiben? Ohne Computer, ohne Cut&Paste, ohne PDFs und automatischer Silbentrennung, ohne Rechtschreibprüfung und elektronischem Thesaurus. Ohne computergestützter Zitatesammlung – und ohne das Internet.

Im Internet finde ich heute als Sprach- oder Literaturwissenschaftler bei der Modern Language Association (MLA) eine komplette Bibliographie zu jedem beliebigen Thema, you name it (Naja, im Fall der Linguistik sind mir schon gewisse Lücken aufgefallen). In Kombination mit einem Bibliothekszugang und Zugriffsrechten auf elektronische Zeitschriften muss man zur Literaturrecherche, ceteris paribus, das Haus noch nicht mal verlassen. Für alle anderen Dinge gibt’s Google Scholar.

Hat man dann für einen Text keinen Zugriff über die örtliche Universitätsbibliothek, genügen im Normalfall zwei, drei Klicks zur Fernleihe. Siehe da, nahezu alles ist bestellbar und liegt spätestens zwei Wochen später zur Abholung im Regal. Sehr fein ist auch die Kopiebestellung: dann kümmern sich andere darum, einen Aufsatz zu kopieren. Man muss ihn dann nur noch abholen. Die Fernleihe eignet sich in Ausnahmefällen übrigens auch wunderbar, eigentlich nicht ausleihbare Bücher der eigenen Bibliothek vier Wochen nach Hause zu holen. Oder solche Werke, die zwar bereits im Katalog verzeichnet sind, sich aber noch irgendwo im Niemandsland zwischen Anschaffung und Ausleihbarkeit befinden.

Tja, wie haben die das früher gemacht? Das Internet hat so vieles so viel einfacher gemacht. Aber – damals hatte man auch noch keine Ablenkungsmanöver aus dem Netz zu fürchten. Diese Zeitverschwender der heutigen Zeit, die weder zum allgemeinen Erkenntnisgewinn beitragen, noch einen tieferen Sinn haben.

Äh, wie haben die sich früher denn ablenken lassen?

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Ausgesperrt

Im Laufe des letzten Jahres habe ich zwei Gebührenbescheide der Staats- und Universitätsbibliothek bekommen. Wofür? Ja, das frage ich mich heute noch.

In meinen Benutzerdaten stehen in den entsprechenden Reitern “keine Ausleihe” und ”keine ausstehenden Gebühren”. Auf meiner Erinnerungsfestplatte steht ferner, dass ich im letzten Sommer granatenmäßig für meine Quartalstaten “Bücher im Saustall verlegen” am EC-Terminal geblutet habe. Sowas vergisst man nicht.

Meine Benutzerkennung ist bis Novermber 2011 gültig (seltsamerweise wird mir die immer automatisch verlängert, wo andere halbjährlich vorstellig werden müssen). Keine ausstehenden Gebühren. Kein Passwort vergessen.

Und trotzdem darf ich keine Bücher bestellen, auf keine Onlinedatenbank zugreifen oder die Fernleihe benutzen. Ich soll mich stattdessen am Informationsschalter melden, um mein Konto frei zu schalten.

Das klingt verdächtig nach Unordnung im Softwaresystem.

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Google Scholar

Oft steht man ja vor der Frage: inwieweit darf ich das Internet als Quelle nutzen? Eigentlich ist das Internet eher Quelle für dilettantisch verfasste Hausarbeiten und demnach als Bibliotheksersatz ungeeignet. Wir kennen die Warnungen des Dozenten: Informationen aus dem Netz sind mit Vorsicht zu genießen!

Eine wirklich wunderbare Entwicklung, zumindest was eine Erstrecherche und “sich nen Überblick verschaffen” betrifft, ist Google Scholar. Nu bin ich Informatiklaie, aber mir kommts so vor, als würde diese Sondersuchmaschine all den Mist rausfiltern, der so oder so für wissenschaftliche Hausarbeiten ungeeignet ist. Man erhält relativ schnell einen Eindruck von den “must haves” zu seinem Thema und den wichtigsten Autoren.

Über die anfängliche Überblickssuche hinaus bietet Google Scholar je nach Wahl der Suchbegriffe teilweise direkten Zugriff auf Artikel in Fachzeitschriften oder einzelne Seiten und Inhaltsverzeichnisse in Bücher. Das hat schon so manchen Gang in die Bibliothek erspart. In Verbindung mit der Eletronischen Zeitschriftenbibliothek und einem oder zwei Bibliothekszugängen (hier: Uni Hamburg, HSU) kann man viel Zeit sparen. Mit etwas Geduld und Ausdauer kann man davon ausgehen, dass einem kein Standardwerk durch die Lappen rutscht.

Neben dem unglaublichen Datenmüll, den das Internet bietet, ist diese Art der Quellerschließung eine Wohltat. Das geht soweit, dass ich mich manchmal frage, wie die das früher ohne WWW geschafft haben. Vielleicht sind aber aufgrund dessen die Ansprüche gestiegen.

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Die Nostalgie der Kleinstbibliothek

Es gibt in Hamburg die groβe Staatsbibliothek Carl-von-Ossietzky [kurz: Stabi]. Daran angegliedert sind die Fachbibliotheken, die sich auf dem ganzen Campus verteilen. Im Philosophenturm befinden sich auch (fast) alle sprachwissenschaftlichen Institutsbibliotheken. Die Bibliothek der Anglistik erstreckt sich dabei über zwei Stockwerke, und ist direkt mit der Bibliothek der Skandinavistik verbunden und war mal mit der Bibliothek für Sprachlehrforschung verbunden, die wiederum… okay, reicht.

Dann gibt es noch die Bibliothek der Allgemeinen Sprachwissenschaft und Indogermanistik. Eine Einraumbibliothek! Okay, sie hat zwei Türen. Aber die zweite Tür ist nur dazu da, die Bibliothek verlassen zu können, wenn man eingesperrt wurde. Das passiert immer dann, wenn die Bibliothekarin Mittagspause macht oder auf Klo muss. Dann verlässt man die Stube über die zweite Tür, die nur von innen geöffnet werden kann und meldet sich bei ihrer Kollegin im Zimmer am Ende des Flures ab.

Ziemlich groβes Vertrauen dem gemeinen Studenten gegenüber. Und erst recht, wenn man bedenkt, welche Schätze in diesem Zimmer lagern. So ist man gut und gerne eine Stunde oder mehr völlig alleine zwischen alten Büchern aus dem 18. Jahrhundert. Zwei groβe Regale mit historischen Studien der Keltologie. Ruhig, einsam, gefangen in einer Zeitreise.

Das nostalgische Kleinod im Wuselturm mit seinen 14 Stockwerken.

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Wie Weihnachten

Ein Besuch in der Staatsbibliothek ist wie reich beschenkt werden. Am Abholregal liegt ein Stapel Bücher, und nie weiss man bei Abholung noch so genau, wieviel und was man bestellt hat. Im Bestellrausch des Wochenendes und im Generalzustand der mentalen Verwirrung verschwinden einige Buchanforderungen schon mal vom Radar.

So ein Stapel Bücher ist mehr als ein simpler Stapel Bücher. Er ist auch ein Abbild der Gedankensprünge der vergangenen Tage. Im schlimmsten Fall ein Abbild des chaotischen Geisteszustandes. Und eine ziemlich exakte Rekunstruktion der Entwicklung der thematischen Relevanzverschiebung. Was man am Freitag noch ungeheuer wichtig fand, ist jetzt schon Schnee vom Donnerstag.

Dazu gehört ein Teil meines Theorieansatzes. Um mich nicht heillos im demotivierenden Wirrwarr der Kontaktlinguistiktheorien zu verfangen, kommt deshalb jetzt erst mal was Neues für den Moment – ich widme mich mal dem Untersuchungsgegenstand, dem bestimmten Artikel the.

Dazu liegen im Regal jetzt viele (Definitions-)Wörterbücher.

 

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Sorry, no access

Manchmal taucht die Frage auf, mit welcher Motivation in welchen Zeitschriften publiziert wird. Würde man nicht erwarten, dass ein Wissenschaftler dort publizieren möchte, wo er auch gelesen und zitiert wird? Hm, vielleicht eine unerwartet naive und weltfremde Vorstellung. Denn dem ist mitnichten so.

Dazu kommt auch, dass – na, und das überrascht jetzt nicht besonders – viele Zeitschriften nicht im Katalog der Bibliothek erhältlich sind. Gut, sowas kostet die Uni Geld. Und vermutlich hat die Universität der Bundeswehr andere Gelder zur Verfügung, als die Universität Hamburg. Erstere leistet weit häufiger und weniger beschränkte Zugänge zur digitalen Datenbank. Aber es gibt so Kopfschüttelfälle, bei denen man nicht verstehen kann, weshalb eine Standardpublikation in unserer Bibliothek nicht geführt wird.

Moohoooment! Jetzt gibt’s ja Studiengebühren! Und eine vollmundige Versprechung, dass sich die Studienbedingungen verbessern sollen. Dazu gehört die bessere Ausstattung der Bibliotheken. Studenten dürfen Vorschläge zur Beschaffung von Publikationen machen. Aber man ahnt, was kommen muss.

(Digitale) Zeitschriften sind von dieser Regelung ausgenommen.

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Unpublished…

Ein Teil der Literatursuche gestaltet sich ja nach dem Schneeballeffekt. Man liest einen Artikel und entdeckt dabei Querverweise auf andere interessant scheinende Artikel und Monographien. Manchmal klingen diese entweder auf Grund ihrer Nennung im Artikel im Zusammenhang mit einem bestimmten Aspekt oder wegen ihres Titels im Literaturverzeichnis so spannend, dass sie den Eindruck erwecken, das Nonplusultra ihres Fachgebiets zu sein.

Mangelnde Ausstattung unserer Bibliotheken oder fehlende und/oder zugriffsbeschränkte Abonnements zu digitalen Fachzeitschriften sind die eine Möglichkeit, von der Wissensaquiese ausgeschlossen zu werden. Besonders fies sind allerdings Verweise auf Literatur der Marke “unpublished PhD/MA thesis, University of X”, “paper presented at the Conference on X, University of X”, “personal communication” oder “unpublished manuscript”.

Dann war’s halt doch nicht wichtig. Oder?

 

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Gebührenfalle

Schwupps, da isses passiert. Die erste Strafgebühr wird fällig. Warum? Weil die Staatsbibliothek im Gegensatz zu einigen Institutsbibliotheken keine Erinnerungsmails an ihre Kunden versendet. Das kann man einerseits mit “selbst schuld” kommentieren, andererseits wirft das die berechtigte Frage auf, warum es die kleinen Bibliotheken verstehen, drei Tage vor Fristablauf eine Mail zu versenden, während die groβe Hauptbibliothek auf die Versäumnismentalität ihrer Benutzer spekuliert.

Fragt euch mal, wer in diesem Verwaltungsgeflecht die Gebühren einkassiert.

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Die Welt ist gewaschen!

…so der heutige Guten-Morgen-Gruβ im Radio. Wirklich – alles wirkt frisch und befreit, die Sonne nicht mehr fies, sondern beflügelnd. Der Nachbar war ruhig heute nacht, die Milch ist nicht sauer geworden, der Bröselkäse schon.

Es ist angerichtet. Auf dem Schreibtisch liegen 19 Bücher, im Abholregal der Staatsbibliothek warten noch vier weitere. In Institutsbibliotheken schlummern ausserdem gut drei dutzend Titel, die nicht ausgeliehen werden können. Besonders hervorzuheben wäre da die Zweiraumbibliothek im fünften Stock des Philosophenturms. Ein wahrer Schatz und ein Relikt aus der Zeit, als an der Uni Hamburg noch das ein oder andere Orchideenfach studiert werden durfte.

Irische Grundgrammatik aus dem Jahr 1845.

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