Archiv zur KategorieBürokratie

Moderne Schnitzeljagd III

Jetzt wird’s absurd.

Die Serviceprofis hatten mir bei der Abgabe des ausgedruckten, elektronischen (!) Beurlaubungsantrags mitgeteilt, dass ich den Entscheid über meinen Antrag völlig unbürokratisch in meinem Stine-Account finden würde. Oha, denkt sich der Beobachter, dann wird am Ende doch alles gut und Stine hat zumindest in der Poststelle ein paar Briefmarkenkleber wegrationalisiert.

Äh, nö. Bestätigung kam, man ahnt es, mit dem Briefträger.

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Moderne Schnitzeljagd II

Da Stine nicht den erhofften Bürokratieabbau mit sich brachte, holte man all diejenigen von der Straße, die sich ein Studium nicht mehr leisten können, weil die Uni seit ein paar Jahren Studiengebühren erhebt, um die Verwaltungskosten zu deckeln und Stine zu refinanzieren. (Ich hätte diesen Beitrag auch ‘Uni Hamburg beweist das perpetuum mobile‘ nennen können, aber nun gut.) Die Menschen, die sich Stine ausgedacht haben, müssen sich auf ähnlicher Wellenlänge befinden, wie die Hirnakrobaten, die für die Elbphilharmonie zuständig sind.

Höchstes Niveau! Für nur 50€ pro Semester sind auch Sie bei diesem Schauspiel dabei! Zur Erinnerung und in Kurzform: ich möchte mich beurlauben lassen, weil ich mich in der Prüfungsphase befinde. Diese Prüfungsmeldung ist von der Uni schon offiziell bestätigt, aber ein einfaches “Hallo, ich möchte dieses Semester nicht kommen, weil Sie mich bereits zur Prüfung zugelassen haben” reicht hier nicht.

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Moderne Schnitzeljagd I

Wann immer es um höchsten Unterhaltungswert geht, kann die Univerwaltung nicht besonders weit sein. Heute ein kleiner Schwank aus der Reihe “Schlanke Uni”.

Vor vier Jahren leistete sich die Uni Hamburg eine monströse web-basierte Verwaltungsdiva und nannte sie Stine. Okay, so nannte unser tattriger, aber liebenswürder Nachbar, ein Hamburger, den es vor Jahrzehnten der Liebe wegen in den malerischen Schwarzwald verschlug, seine struwwelige, kalbähnliche Hundedame. Aber da die Uni es offensichtlich mit Frauen besonders gerne hat, nannte man die elektronische Suchhilfe der Stabi ja auch Stella.

Stine sollte alles können können.

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Einmal quer durchs Alphabet

Mit der Prüfungsmeldung beendet der Student der alten Generation ein skurriles Studentenleben, begleitet von bürokratischen Repressalien und aberwitzigen Auswüchsen deutscher Gründlichkeit. Ein Abgesang auf die scheinbasierte Zettelwirtschaft und die dezentrale Universitätsorganisation.

Im öffentlichen Diskurs entsteht der Eindruck, Magister und Diplomer sind die Altlasten eines längst vergessenen Systems. Spätestens seit diesem Semester, in dem an unserem Institut die ersten Masterstudenten ihr Studium aufgenommen haben und die neuen Bacherlorstudenten nur noch ihresgleichen in Seminaren sehen, ist im Zeitalter der computerisierten Erfassung von Leistungsnachweisen der Inbegriff des alten Systems vom Aussterben bedroht: der Schein.

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Wie man sich Studenten vom Hals hält

An anderer Stelle waren die (Öffnungs-)Zeiten der Sekretariate, Prof-Sprechstunden oder Geschäftszimmer bereits Thema. Mir ist aber noch eine weitere, vermutlich höchsteffiziente Möglichkeit entgangen, wie sich misanthropische Universitätsmitarbeiter Studenten vom Hals halten:

Sprechstunde von 6.30-8.00 Uhr. Morgens, wohlgemerkt.

Da mache ich demnächst um 6.31 einen Testanruf.

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Sprache der Magisterarbeit

Weil ich gar nicht weiß, wie ich hiermit anfangen soll, zitiere ich einfach mal aus der Magisterprüfungsordnung des Fachbereichs Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Hamburg in ihrer derzeit gültigen Fassung (von 2003, nur damit keine angestaubten Missverständnisse aufkommen). Dort steht unter §29 folgendes:

(6) Die [Magisterarbeit] ist in deutscher Sprache abzufassen. In den fremdsprachli­chen Fächern kann die Hausarbeit mit schriftlicher Zustimmung der beiden bestellten Prü­fenden in der Zielsprache des be­treffenden Faches abgefasst werden. [...]

Ha! Auf Antrag! Einige meiner Kommilitonen hielten es ja auch für einen leidlich lustigen Kalauer unseres Professors, der uns damals zwang unsere Linguistikhausarbeiten auf Englisch zu schreiben: “Bei mir reichen Sie Ihre Hausarbeiten auf Englisch ein. Schließlich studieren Sie diese Sprache. Bei der Magisterabeit darf ich Ihnen Deutsch nicht verbieten.” Ich habe der Universität schon damals allerlei skurrilen Schabernack zugetraut, auch – und vor allem – dass ich meine Magisterarbeit im Fach Englisch nur auf Antrag auch in englischer Sprache verfassen darf.

Nun bezweifle ich stark, dass die Prüfer mir die Zustimmung zum Antrag verwehren werden. Im Teilbereich Linguistik wurden zu meinen Anfängerzeiten lediglich eine von zwei Einführungsveranstaltungen auf Deutsch gehalten, eine Hausarbeit in deutscher Sprache habe ich in diesem Teilbereich nie geschrieben. In der Literaturwissenschaft werden nach wie vor die Hälfte aller Vorlesungen und Seminare auf Deutsch gehalten, obgleich sich das zunehmend zugunsten der Unterrichtssprache Englisch verschiebt. Das mag auch an der Verjüngung des Lehrkörpers liegen.

Aber seltsamerweise stellte sich mir nie die Frage, ob Englisch oder Deutsch. Das war irgendwie logisch. Und sollte auch selbstredend so sein. Selbst in anderen Fächern, die in unserem Fachbereich SLM gelehrt werden.

Meine Zielsprache ist ja nicht Irisch.

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Fleissiges Scheinesammeln

Ich bin ja eigentlich scheinfrei. Das heisst, ich habe die Hausarbeiten alle schon geschrieben, nur eben die Scheine noch nicht abgeholt. Und weil das Datum der Prüfungsanmeldung unaufhörlich näher rückt [ich hab den Juni total falsch eingeschätzt], wird es langsam Zeit, alles zusammen zu suchen.

Doch Scheinesammeln ist mühsam. Fast mühsamer als das Scheine schreiben selbst. In Abwesenheit eines Zentralorgans haben denn auch alle unterschiedliche Verfahrensweisen. Der eine Prof gibt seine fertigen Scheine ins Geschäftszimmer, der nächste hinterlegt sie bei seiner Sekretärin und der dritte verlangt einen Gang in die Sprechstunde.

Natürlich haben die alle andere Öffnungszeiten. Sprechstunden, klar, die sind immer schräg. Aber das weiss man. Seltsamerweise hat man sich auch in sieben Jahren Universität nicht daran gewöhnt, dass die Sekretariate und Geschäftszimmer nicht unbedingt deckungsgleich öffnen. Die einen sind vormittags da, die anderen nur über den Mittag (11-13 Uhr), wieder andere erst ab eins oder drei nachmittags.

Und für alle angegebenen Zeiten gilt grundsätzlich: ”bin gerade nicht da”.

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Meldung zur Prüfung

Irgendwie seltsam. Keiner kann niemanden nichts über die Formalitäten einer Prüfungsanmeldung sagen. Ich war noch nicht da, aber ich bin mir sicher, noch nicht einmal die im Prüfungsamt können das. Da blickt doch keiner durch. Gefühlt zumindest.

Oder kann mir jemand verständlich machen, weshalb Meldungen nur alle drei Monate möglich sind? Dieser Sinn ist völlig an mir vorbeigegangen. Vielleicht auch nur Ausdruck meiner naiven Vorstellung, und das gegen Ende des Studiums.

Und was, bitte, ist das Studienbuch?

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