Archiv für die Kategorie „Extralinguistisches“

Ich koch mehr in diesem Fall

Freitag, 24. Juni 2011

Damit alle auf dem gleichen Stand sind: Silvana Koch-Mehrin, für die FDP im Europäischen Parlament und eine überführte Plagiatorin, hat in dieser Woche stolz verkündet, dass sie als Vollmitglied in den EU-Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie berufen worden ist. Kurz: Die Forschungsbetrügerin wird Forschungspolitikerin. Deshalb appellieren wir in einer Petition an das Europäische Parlament und die FDP, Frau Koch-Mehrin von diesem Posten zurückzuziehen und fordern Frau Koch-Mehrin auf, sich von diesem Posten und ihrem Mandat im Europäischen Parlament zurückzuziehen.

Man ist müde, die Karawane ist weitergezogen. Aber was sich Koch-Mehrin leistet, ist auf beängstigende Art grotesker, beschämender und verhöhnender. Dies ist keine nachträgliche relativierende Aussage zum Fall Guttenberg – denn eine für jede/n ehrliche/n Wissenschaftler/in entwürdigende Farce lässt sich immer nur mit sich selbst vergleichen.

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Der Newsmixa

Montag, 25. Oktober 2010

Auch Schlagzeilengeneratoren haben Humor:

Screenshot bei MSN.de, 8. Juli 2010

Erinnert mich irgendwie an folgendes lustiges Schlagzeilenwürfeln – als Versuchskaninchen für Homebrew in meiner australischen WG hielt ich es damals für eine Art Nahtoderfahrung:

Screenshot bei BR Online, 19. Mai 2005 (via malison.org)

Im gleichen Monat heiratete außerdem Prinz Charles seine Camilla, oder, wie mein britischer Mitbewohner meinte: “Die arme Sau – 30 Jahre warten und wofür? Damit ihm ein alter Pole und ein nicht so alter Deutscher die Show stehlen!”

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Montag, 26. Juli 2010

Gott gab uns als Antwort auf die zügellosen 68er genau genommen nur eine einzige wirkliche Strafe: Eva Herman. Und als wär’s nicht schon schlimm genug, erfand der Teufel Schnittbrot und Induktionsherde.

….!?

Der Kassenpatient

Mittwoch, 21. Juli 2010

Früher, als Bachelor noch Bakkalaureat hieß und Master Magister (klingelt’s?), stapelten sich im Prüfungsamt zur Sprechzeit die Prüflinge vor zwei Türen hinter denen sich die Sachbearbeiter seltenst aus der Ruhe bringen ließen. Denn besonders wenige Tage vor den vierteljährlichen Meldeterminen ging’s da zu, wie im Taubenschlag. Meist waren die Sachbearbeiter nur um 06.30 Uhr und nur telefonisch erreichbar.

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Jetzt ist es so und nicht anders

Montag, 19. Juli 2010

Ich wäre vermutlich nicht ich, wenn ich aus einer bitteren Niederlage nicht auch etwas Positives ziehen könnte:

  • Die Seminarlandschaft und die hausarbeitgestützte Leistungsnachweisstruktur der Geisteswissenschaften bereiten nur mäßig auf mündliche Prüfungen vor.
  • Ich bin kein Politikwissenschaftler.

Mehr war vermutlich nicht drin; vielleicht kann ich in drei Wochen drüber lachen. Schock und Enttäuschung sitzen tief, aber mittlerweile überwiegt: es ist vorbei. Deshalb wanderten am Wochenende auch alle Seminarunterlagen aus dem über die Jahre doch sehr vernachlässigten und in, ähem, Unliebe gefallenen zweiten Hauptfach in die Rundablage. Ballast abwerfen.

Es ist irgendwie kein Zufall, dass ich fast auf den Tag genau vor einem Jahr die Entscheidung traf, das Studium nicht abzubrechen.

Wenn ichs pathetisch sehen will: ein Sieg über die Umstände.

Die Feindstaatenklausel

Montag, 5. Juli 2010

FIFA-Chef Blatter hat sich jegliche Einmischung der Politik in den Fußball verbeten.

Fein! Nachdem wir irgendwie gerade alle vom Platz jagen, abschießen, niederwalzen und durch geschickte Verteidigung, überfallartige Konter oder strategische Gegenangriffe verdreschen, vermöbeln (“Wer hat Argentinien am meisten weh getan?”) und zur Kapitulation zwingen oder gegnerischen Anführern zur Explosion bringen wollen, wundern wir uns noch über die Kriegsrhetorik ausländischer Medien über den bickelbehaubten hässlichen Deutschen (El Mundo: “Bestie”) im anrollenden Panzer. Da sind auch feinsinnige Neologismen wie “Deutschland müllert England” oder “Woeful England mullered by Germany” (Mirror) eher der Bick-Stick-Diplomatie zuzuordnen.

Dabei ist alles in Wahrheit noch viel schlimmer. Nach den immer noch gültigen – wenn auch obsoleten – Artikeln 53 und 107 der UN-Charta ist es allen Unterzeichnerstaaten gestattet, Aggressionen eines Feindstaates aus dem Zweiten Weltkrieg mit militärischen Mitteln ohne besondere Ermächtigung gegenüberzutreten. Diese “Feindstaatsklausel” bezog sich natürlich hauptsächlich auf Deutschland und Japan. Zu den Unterzeichnern der Charta 1945 gehörten unter anderem Australien, Jugoslawien, das Vereinigte Königreich, Argentinien, Uruguay und die Niederlande; noch vor Deutschland (1990*) unterzeichneten die Charta außerdem Ghana (1957) und Spanien (1955). (Okay, irgendwie alle halt. Aber vor uns zittern jetzt… ja auch irgendwie alle!)

Aus Gründen verpatzter Pointen bin ich froh wenn die Prüfungen durch sind.

*Streng genommen hat Deutschland erst 1990/1 mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag volle Souveränität erhalten. Deutschland war aber bereits mit dem NATO-Beitritt der BRD 1955 und der Unterzeichnung der UN-Charta der BRD und der DDR 1973 vor der Feindstaatenklausel, äh, geschützt. Der Medienarbeit vom “hässlichen Deutschen” und der Kriegsrhetorik in ausländischen Fußballmedien hat das bekanntermaßen keinen Abbruch getan. So gesehen ist Fußball ja auch irgendwie die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

Randnotiz aus einem Prüfungsvorbereitungshirn.

Meine erste (aktive) Konferenz

Mittwoch, 7. April 2010

Jetzt steht der akademischen Karriere ja nu nichts mehr im Weg. Für die 47. Studentischen Tagung Sprachwissenschaft (StuTS) in Mainz habe ich mein Magisterarbeitsthema als Vortrag eingereicht. Das wird spannend und lustig. Eventuelles Feedback wird zwar zu spät kommen, aber zum “warm machen” wird das ganz famos. Und…

…ich freu mich riesig drauf.

Phrasenbingo

Samstag, 20. Februar 2010

Es gibt sie vermutlich in jeder Disziplin: die besonders fleißigen Hänschen und Lieschen, die publizieren, als ging’s um wer weiß was. Die vermutlich neue Arbeitsplätze geschaffen haben und Angestellte beschäftigen, die nur damit beschäftigt sind, die Publikationsliste ihrer Chefs immer auf dem neusten Stand zu halten.

Also entweder sind diese Akademiker so extrem versiert in ihrem Fach, dass sie auf Zuruf einfach aus dem Stand ein Paper hinrotzen können, picobello mit neuen Forschungsergebnissen und Referenzen und Verweisen und Zitaten (wenn sie denn welche brauchen) und dem ganzen Kladeradatsch. Oder aber sie spielen Phrasenbingo in der Version für Wissenschaftler und/oder beschäftigen wiederum extra Adjutanten, die die Textbausteine für sie neu zusammenwürfeln.

Faszinierend.


Westerwave and The Aufschwung

Dienstag, 29. September 2009

Ich gehöre ganz bestimmt zu denjenigen, die sich jetzt eins ins Fäustchen kichern – und genüßlich dabei zusehen, wie Journaille und Web-2.0-Gemeinde Guido Westerwelle im Wechsel mit Häme überschütten. Mit seiner leidlich geschickten Reaktion auf die Anfrage eines BBC-Reporters beschäftigt sich unter einem sprachwissenschaftlichen Aspekt heute das Bremer Sprachblog.

Schon machen Videos die Runde, die sich an Westerwelles schwachen Englischkenntnissen ergötzen: auf die Frage eines jungen Osteuropäers, was Osteuropa von der deutschen Erfahrung mit dem Frieden lernen könnte, antwortet Westerwelle:

“The fall of the wall… There has been so much dynamic in the new members of the European Union. And I do not mean only the economic dynamic, I mean the dynamic of the society. If I would compare this sometimes to the old EU 50 [das sehen wir ihm nach, weil wir davon ausgehen, dass auch ein FDP-Chef weiß, wieviele Mitgliedsstaaten die EU vor Mai 2004 hatte], we could learn that the [queue] for a successful welfare state, a successful economy is the dynamic of the society is the will to reach very ambitious aims and perhaps this is something what we in the last years lost in our mentality or lost too much in our mentality. For example, if I look to what we got today, we got today the new unemployment rates and when I listen to the government and I hear there that 11 percent or 10.8 percent unemployment rate and “Der Aufschwung ist da”, this is not ambitious enough. The aim, for example for the German society, should not be to come from the last place with the growth rates in the European Union to the second last or third last. Our aim, our issue should be to reach once again the top again. And this is what we can learn, I think, at the moment, much more.”

Diese Transkription – begünstigt durch das stockende Englisch – kostete mich zwei Videodurchläufe (und einen davon zum Korrekturlesen). Und vermutlich ist meine Interpunktion auch ein wenig vorteilsstiftend für Herrn Westerwelle. Das ist jetzt zwar kein sprachlich-künstlerischer Erguss, aber bis auf ein paar grammatikalische Patzer und einer oftmals unglücklichen Wortwahl ist das nicht das schlechteste, da gibt’s mehr Stoiberismen in deutscher Sprache.

Und mal Hand aufs Herz – das ist lediglich die um polemische Phrasendrescherei bereinigte Version eines Vortrags in deutscher Sprache. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass diese Passage – hätte er die Frage auf Deutsch beantwortet – nur einen Hauch mehr Inhalt gehabt hätte, als ein wahlkampfgeprägter Reflex der Marke Die gegenwärtige Regierung beschönigt die neuen Arbeitsmarktzahlen. Die Antwort auf die Frage, was Osteuropa von Deutschland lernen könnte, war es so oder so nicht.

Außerdem offenbart es einen weiteren Aspekt, der mir in meiner nebenberuflichen Übersetzertätigkeit immer wieder begegnet: Ein übersetzter Text kann immer nur so gut sein, wie das Original. Das war jetzt ernst gemeint – vermutlich fällt vielen, die sich über Herrn Westerwelles Englisch amüsieren, erst jetzt wirklich auf, welchen Müll er von sich gibt – womit ich niemandem unterstelle, Westerwelles polemisches Blafasel von der Leistungsgesellschaft nicht auch auf Deutsch für ausgemachten Blödsinn zu halten. In Übersetzungen habe ich das oft: schlechte Texte und sinnentleerte Phrasen, schönklingend und unübersetzbar.

Naja, und wenn ich mich aus dem Fenster lehnen wollte, würde ich auch die kühne Behauptung aufstellen, dass einige der jetzigen Hämekübelumdreher mit dem oben transkribierten Text ihre – nicht in Westerwelles Englisch fußenden – Verständnisprobleme hätten, aber das würde meinem Belustigungsdrang doch sehr entgegenwirken. Obgleich sich die Webgemeinschaft da uneins ist, ob’s Helmut Kohl zu Maggie Thatcher oder Heinrich Lübke zur Queen gesagt oder irgendein Kabarettist erfunden hat – aber der amüsanteste Sprachpancher ist ohnehin bereits belegt:

You can say you to me.

Feldforschung

Samstag, 8. August 2009

Schneller als mir lieb war trat ich in der letzten Woche selbst zum hier angeratenen Feldversuch an. Das Nest, von dem ich rede, ist ein kleines malerisches Dorf auf halbem Weg zwischen Freiburg und Offenburg, inmitten von Weinbergen, Spargelfeldern und Kartoffeläckern. Dort, wo die Welt noch in Ordnung ist. Und dort, wo dr normale Mänsch sinne Schwiirigkeide hebbe duet, d’Iihhiimische z’vrschdoh.

Dort, wo sich die Menschen bei der Lesung einer Messe auf Hochdeutsch ähnlich fühlen müssen, als sei sie nach wie vor auf Latein gehalten. Dort bekommt man Sunnewirbele zu den Herdäpfele mit Süürbrode. Und wer nach wie vor glaubt, Dialekte dieser Art seien minderwertig und ewiggestrig, dem sei gesagt, dass sich das Badische modernen Kommunikationswegen nicht verschließt: der Badner scannt nicht, er duut iiläse.

Dies ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass Denglisch nichts damit zu tun hat, dass der des Englischen nicht mächtige Personenkreis vom Verständnis ausgeschlossen wird, sondern derjenige, der mit dem Jargon oder den neuen technischen Entwicklungen nichts am Hut hat. Denn natürlich könnte man auf Hochdeutsch statt scannen auch einlesen sagen. Wer aber den Vorgang des Scannens nicht kennt, der wird auch mit “Ich habe das Dokument eingelesen” nichts anfangen können.

Demnächst wieder Rückkehr zum Thema.