Irish Medicine
Dienstag, 15. Dezember 2009I have not Drink a Glass of liquer this seven years unless it was ordered me by a Doctor to use as medisene [Ulster, 1861, Anglican]
They have serious side effects.
I have not Drink a Glass of liquer this seven years unless it was ordered me by a Doctor to use as medisene [Ulster, 1861, Anglican]
They have serious side effects.
As to flowers we have such abundance that the woods abounds in More plenty than your Garden at home. [Ulster, 1767, Presbyterian]
Dreifach hält besser.
Montag: Also dann halt doch. Den Korpus noch mal lesen. Eletronisch unterstützt durch die Suche, die mir the farblich markiert. Jeden Tag zwei Buchstabengruppen, dann wird’s auch absehbar.
Dienstag: Welch verrückte Krankheiten gibt es eigentlich? Pestilence. Da wär ich mit der Kontextsuche aus dem letzten Jahr nie drauf gekommen. Damals habe ich nach so unschuldigen Krankheiten wie fever, cancer oder cough gesucht.
Mittwoch: Langsam beginnt’s mir Spaß zu machen. Das ist auch fast wie eine Sucht, natürlich bleibt’s auch nicht nur bei zwei Buchstabengruppen. Ich bin überrascht, wieviele Beispiele ich finden kann, die ich letztes Jahr nicht gefunden habe. Da bin ich mal auf den Abgleich Alt-Neu gespannt.
Donnerstag: Ich bekomme Übung. Oft reicht ein Blick auf das rechts und links neben den farblichen Markierungen. Und die Tendenz, dass sich bestimmte Phänomene nach sozialem Hintergrund oder geografischer Herkunft verlagern. Sehr fein, ein Muster!
Freitag: Fast durch. Das macht auch irgendwie high, so eine Suche. Und ein weiser Mensch bemerkt: »Das muss wie Telefonbuchlesen sein.«
Samstag: An die Dramen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in der irischen Gesellschaft und in der Auswanderererfahrung abgespielt haben müssen, habe ich mich ja über die Jahre gewöhnt. Aber manchmal mischt so ein wenig das Bewußtsein des Voyeurismus ein. Zwischen »hätten die hier nicht ein abgefahrenes grammatisches Phänomen benützen können?« (Zynismus) und »wenn die gewusst hätten, dass wir hunderte Jahre später so in ihren intimsten Details schnüffeln..« (Scham) ist oft ein schmaler Grat.
Sonntag: Abgleich Alt-Neu. Erschreckend, die Hälfte der im vorigen Jahr gefundenen Beispiele kann ich eigentlich getrost vergessen. War’s Unschuld, Unwissen oder Faulheit? Fazit: es hat sich sehr gelohnt, den Korpus nochmals zu durchforsten. Telefonbuch hin oder her.
She is well licked by the Bishop & priests of that Town. [Catholic Encoder, Munster, 1861]
Ich glaube, ich sollte für heute Feierabend machen.
…und manchmal sind die Schreiber unfreiwillig komisch:
I hope you will Improve your Self at School and Study the English Gramar as your Letter is badly Spelt. [Ulster, 1818]
schreibt jemand, der unter anderem auch solche Stilblüten von sich gibt:
Neaver the Less I must Acknowledge Ireland is by no means to be Compaired to America {.} I must be Content to Lay my Boanes with my Ansesters as I hive No famly at presant [Ulster, 1820]
Da gibt’s orthografisch aber Schlimmeres.
Die Daten für meine Untersuchung beziehe ich aus einem Korpus, der zum überwiegenden Teil aus Briefen von und nach Irland besteht. Die Briefe wurden zwischen 1675 und 1931 von meist minimalstgebildeten Auswanderern oder deren zurückgebliebenen Familienmitgliedern geschrieben. Darin tritt die ganze Bandbreite der Dramen zu Tage, die sich damals zugetragen haben: die Hungersnot von 1845-1849, irische Erfahrungen im Bürgerkrieg (im eigenen Land oder in Amerika), die teilweise niederschmetternden Erfahrung der Auswanderer - und nicht vergessen darf man die Familientrennungen, die damals in den allermeisten Fällen endgültig war.
Ja, aber manchmal findet man auch ein wenig Humor:
the sailors always say when a breeze gets up god help the poor souls ashore to night {.} probably they did not say that aboard the Titanic [Adelaide, Australien, May 13, 1912]
Da kommt noch mehr.
In einem meiner sich über die Monate ausgewachsenen Alpträume schrumpfte meine Datenmenge auf einen statistisch unerheblichen kleinen Haufen zusammen.
Dem ist mitnichten so. Der erste Blick in die Datenbank fördert mehr als 500 Beispiele zu Tage. Für ein - gemeinhin - stiefmütterlich vernachlässigtes Phänomen eine erstaunliche Menge. Okay, wenn man diese 530 Token noch von ihren Beispielen bereinigt, die zwar ein the enthalten, aber nicht in die Kategorie »non-standard-Feature« fallen, bleiben aber vermutlich noch weit über 400.
Das ist unglaublich viel.
Heute beginnen sie, die Spielereien mit dem Suchprogramm. Das wird lustig. Einfach mal was eingeben, und gucken, was dabei rauskommt.
Hoffentlich das Richtige.