Archiv für die Kategorie „Semantik“
Montag, 28. März 2011
An dieser Stelle schrieb ich kurz über Koordinativkomposita am Beispiel von Baden-Württemberg und stellte die Frage, ob Baden-Württemberg ein solches ist. Die patriotische Antwort: Es ist ein unmöglicher Ausdruck. Nun beweist Twitter, dass Baden-Württemberg noch nicht mal ein Wort ist.
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Schlagworte:Baden-Württemberg, Hashtag, modus endi, Twitter
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Montag, 21. März 2011
Manchmal glaube ich, dass nicht wir als Gesellschaft andere Probleme hätten, sondern dass Nachrichtenredaktionen die Masse an Praktikanten irgendwie beschäftigen müssen. Und so schaffte es eine abkömmliche Meldung auf die Startseiten der Onlinemedien, die eigentlich mit Libyen, Fukushima und Knut in diesen Tagen genug zu tun haben dürften.
In der letzten Woche besuchten Prinz William und Kate Middleton die Hochwassergebiete im australischen Queensland und die Erdbebenregion in Neuseeland. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Besuch des Prinzen und seiner Zukünftigen wird den dortigen Menschen viel bedeuten. Aufhänger für die Nachricht war in den allermeisten Medien allerdings die Frage, ob das Bald-Prinzenpaar seine Flitterwochen im Sonnenstaat Queensland verbringt. Damit ist die Meldung eigentlich doch recht überflüssig bis zynisch.
Aber zur sprachlichen Seite. Heute: Idiomatische Sprachverwendung.
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Schlagworte:idiomatischer Sprachgebrauch, just what the doctor ordered, Redewendung, Übersetzung
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Montag, 17. Januar 2011
Die Jury bloggt ja ganz fleißig zu den Begriffen und so langsam erscheinen auch Beiträge über Außenseiterkandidaten. Das Stimmungsbild mag sich zwar auf ein paar wenige Begriffe konzentrieren - aber das Schöne an unserer Wahl ist ja, dass die Entscheidungsfindung so transparent ist. Deshalb möchte ich mich heute einem weniger aussichtsreichen Kandidaten widmen. Die Diskussion um solche Außenseiter sollte ja auch zeigen, warum diese vermutlich nur Außenseiter bleiben.
Nun denn, heute: Shitstorm. (weiterlesen …)
Schlagworte:Amerikanismus, Anglizismus des Jahres 2010, Sascha Lobo, Shitstorm, Social Media
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Dienstag, 30. November 2010
Niveaulimbo ist „Jugendwort des Jahres 2010″. Spiegel Online schreibt dazu:
Laut Jurybegründung steht es für ein „ständiges Absinken des Niveaus, aus dem Ruder laufende Partys und sinnlose Gespräche“ unter Jugendlichen. Zudem werde damit auch die „gegenwärtige Entwicklung der TV-Landschaft“ von Jugendlichen kritisch beäugt und kommentiert. Das findet jedenfalls die Jury.
Soso.
Im Rennen waren noch arg gepresst wirkende Kreationen wie Arschfax ‚Textilpflegehinweis‘, Speckbarbie ‚dickes Mädchen in engen Klamotten‘ (welches von den Jugendlichen in der Jury übrigens als zu abwertend abgelehnt wurde), und Klappkaribik ‚Münzmallorca‘.
Aber mir gefällt das. Also Niveaulimbo. Sehr treffend, fast schon unfreiwillig komisch. Und weil ich mir jetzt nicht die Mühe machen will, alle Googletreffer für Niveaulimbo von vor dem letzten Wochenende zu analysieren (nur so viel: ein Jugendwort isses nicht), hier ein Hinweis an SPON: Einfach mal im eigenen Archiv nachgucken, notfalls 2005, da wird die Bedeutung anhand einer sehr anschaulichen Metaverwendung auch gleich mitgeliefert.
Schlagworte:Jugendwort des Jahres 2010, Niveaulimbo, SPON
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Sonntag, 3. Oktober 2010
Machen wir aus aktuellem Anlass einen Ausflug in deutsch-deutscher Geschichte und erzählen den lustigen Schwank vom amerikanischen Präsidenten und seinem Alter Ego, dem frittierten Marmeladenkissen. Die Legende, dass sich John F. Kennedy bei seiner Rede in Berlin am 26. Juni 1963 unwissend als jelly donut bezeichnete und die Berliner Bevölkerung zu amüsierten Mitleidsbekundungen hinriss, ist in der englischsprachigen Welt fast so schwer tot zu kriegen, wie das linguistische Nichtphänomen von dreitausend Wörtern der Eskimos für Schnee.
Die Mär vom Krapfen geht so: Kennedy sagte am Ende seiner Rede den berühmten Satz:
Ich bin ein Berliner.
Die Westberliner grölten. Es bedarf aber schon einer gewagten sprachlichen Spitzfindigkeit, als deutscher Muttersprachler hier die Bedeutung ‚Ich bin ein Konfitürenballen‘ herauszulesen. (weiterlesen …)
Schlagworte:3. Oktober, Berlin, Berliner, Berliner Pfannkuchen, Deutsch, I'm a jelly donut, I'm a jelly-filled doughnut, Ich bin ein Berliner, John F. Kennedy, Krapfen, Robert H. Lochner, Tag der deutschen Einheit, unbestimmter Artikel, Urban Legend
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Donnerstag, 12. August 2010
Im Supermarkt des Shopbloggers hat ein Kunde eine Mitteilung über eine zugelaufene Katze aufgehängt. Der Schreiber der Notiz kündigt an, für den Fall, dass sich der Eigentümer nicht meldet, die „schwarze Kätzin“ bei seinem bevorstehenden Umzug nach Süddeutschland mitzunehmen. Nun haben Klugscheißerviren eine kurze Inkubationszeit und so dauert es auch nur bis zum zweiten Kommentar, bis jemandem auffällt, dass die Katze schon feminin ist und Kätzin demnach überflüssig ist.
So weit, so falsch. (weiterlesen …)
Schlagworte:bitch, dog, Fähe, Felinae, Geisel, Geiselin, generisches Femininum, generisches Maskulinum, grammatisches Geschlecht, Hund, Hyperonym, Hyponym, Kater, Katze, Kätzin, Person, Personin, Polysemie, Shopblogger
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Montag, 9. August 2010
Kommentator Lukas hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man in Österreich auch den Begriff Häferl für ‚Tasse/Becher‘ kennt. Dialektale Variation ist natürlich nichts ungewöhnliches - und vermutlich sind die kulturellen und lexikalischen Unterschiede bei so etwas profanem wie Trinkgefäßen noch deutlich ausgeprägter, als wir glauben wollen.
Interessant sind die Ergebnisse einer Bildersuche nach ‚Häferl‘. Offenbar bezeichnet Häferl neben einem Kaffeebecher oder einer Teetasse auch ein Gefäß mit Ausguss. Aber es macht deutlich: wir können nicht sagen, wo Häferl aufhört und wo ein karaffenähnliches Gefäß anfängt oder ob Häferl typischerweise beide Gegenstände einschließt. (Liebe Österreicher, wir sind vielleicht linguistisch verwandt, und bei Tassen hört’s vermutlich schon auf. Verzeiht mir meine absolute Nichtkenntnis des (?) Häferls.)
Vor allem von Freunden aus dem Ruhrpott kenne ich noch den Pott. Woran denkt ihr, wenn ihr Pott hört? An ein Hilfsmittel zur Aufnahme von Kaffee oder an eines, diesen wieder abzuführen? An den DFB-Pokal („Wir holen den Pott!“), aber bestimmt nicht an den WM-Pokal?
Paul Potts ist keine prototypische Tasse.
Schlagworte:Becher, Dialekt, Gefäß, Häferl, Österreichisch, Pott, Prototypentheorie, Tasse
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Samstag, 7. August 2010
Wenn jemand sagen würde: „Zeichne ein Möbelstück!“, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich ikonisch ein Bett oder einen Stuhl zeichne und nicht einen Spiegel oder ein Sideboard? Und warum denkt man bei Stuhl eher an einen Stuhl in der Küche und nicht an einen Stuhl in der Zahnarztpraxis? Abgesehen von biologischem Expertenwissen - ist der watschelnde Pinguin wirklich eher ein Vogel, als die flugfähige Fledermaus? Und wer kann genau sagen, wo die Grenze zwischen Blau und Lila ist? Wenn ein Kind einen Hund sieht, wird es vermutlich weder rufen „Schau mal, ein Tier“ noch „Schau mal ein Pekinese!“
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Schlagworte:Basic Level, Farben, Kognitive Semantik, Möbel, Prototypeneffekt, Prototypentheorie
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