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	<title>tráchtas. dialann. tagebuch einer magisterarbeit. &#187; Sprachen &amp; Dialekte</title>
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		<title>Mehrsprachigkeit, Sprachpolitik, EU</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 07:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fragt man Menschen, welches eines der größten Probleme der EU ist, verwette ich meinen Arsch darauf, dass 80% der Leute sagen: &#8220;Die EU hat ein Sprachproblem&#8221;. Vermutlich dürfte die Antwort auf die Frage aber auch konjunkturellen Schwankungen unterliegen und derzeit mit &#8220;Griechenland&#8221;, &#8220;(T)Euro&#8221; oder &#8220;Hä? EU?&#8221; konkurrieren. Aber konzentrieren wir uns auf Europas &#8220;Sprachproblem&#8221;.
Gemäß der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fragt man Menschen, welches eines der größten Probleme der EU ist, verwette ich meinen Arsch darauf, dass 80% der Leute sagen: &#8220;Die EU hat ein Sprachproblem&#8221;. Vermutlich dürfte die Antwort auf die Frage aber auch konjunkturellen Schwankungen unterliegen und derzeit mit &#8220;Griechenland&#8221;, &#8220;(T)Euro&#8221; oder &#8220;Hä? EU?&#8221; konkurrieren. Aber konzentrieren wir uns auf Europas &#8220;Sprachproblem&#8221;.<span id="more-1077"></span></p>
<p>Gemäß der Selbstdefinition der EU ist automatisch jede Landessprache seiner Mitgliedsstaaten auch Amtssprache der EU (derzeit 23), mit Ausnahme des Letzeburgischen, da die Luxemburger auf dieses Privileg verzichtet haben, aber inklusive des Irischen, in dem seit 2005 die europäischen Institutionen angerufen werden dürfen. Darüber hinaus werden in der EU nach offiziellen Schätzungen zwischen 70 und 110 Sprachen gesprochen, je nach Definition zwischen Sprache und Dialekt und inklusive der Regional- und Minderheitensprachen (z.B. Sorbisch oder Galizisch). Die &#8220;Dunkelziffer&#8221; gesprochener Sprachen dürfte ob der vielen außereuropäischen Migrantensprachen natürlich weitaus höher liegen.</p>
<p>Auf institutioneller Ebene regelt eine EU-Sprachpolitik den Sprachgebrauch &#8220;nach innen&#8221; zwischen den Institutionen und &#8220;nach außen&#8221; in der Kommunikation mit den Unionsbürgern. Bei der Sprachpolitik nach innen sind in der Praxis einige Sprachen gleicher als andere, da der Politikapparat primär in den dominanten Arbeitssprachen Englisch, Französisch oder Deutsch abläuft. Nach außen bedeutet es, dass alle 23 Amtssprachen gleichen Status genießen. Der dazu notwendige Übersetzungsapparat wird allgemein als zu kostspielig und als zu aufwendig bezeichnet, immerhin ergeben sich über 500 Sprachkombinationen. Was bleibt, ist ein Spannungsfeld zwischen Diversität und Effektivität.</p>
<p>Auf gesellschaftlicher Ebene hat die EU, äh, keine Sprachpolitik. Das mag auf den ersten Blick erstaunlich sein, angesichts ihrer permanent betonten sprachlichen Vielfalt: der Vertrag von Lissabon besagt in Artikel 3-3: &#8220;[Die EU] wahrt den Reichtum ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt&#8221;. Diese und andere mehr oder weniger schwammigen Formulierungen haben der EU den Vorwurf eingebracht, außer netten Gesten und polemischer Symbolpolitik unternehme sie nichts, diesem Reichtum gerecht oder der Vielsprachigkeit seiner Gesellschaft(en) &#8220;Herr&#8221; zu werden. Diese Kritik kommt natürlich insbesondere aus Ecken, die die EU von vornherein negativ bewerten, aber eben nicht nur. Aus rein nationalstaatlicher aber auch aus supranationaler Perspektive hat die EU also ein &#8220;Sprachproblem&#8221;, weil seine Bürger nicht &#8220;mit einer Stimme sprechen&#8221;.</p>
<p>Dabei ist es aber gar nicht notwendig, dass Europas Bürger mit einer Stimme sprechen. Denn Europa ist nicht nur vertikal vielsprachig, es ist auch horizontal mehrsprachig &#8211; durch die Mehrsprachigkeit seiner Bürger. Und dabei ist es für die demokratische Legimitität der EU (&#8216;Europa im engeren Sinne&#8217;) unerheblich, dass wir keine echte <em>lingua franca</em> haben. Vielmehr muss sich die EU in allen Bereichen durch seine Diversität und Differenz definieren. Nicht umsonst heißt der Leitspruch der EU &#8220;Einheit in Vielfalt&#8221;. Allein schon die Bereitschaft der EU-Bürger, sich verstehen zu <em>wollen</em>, reicht für den Prozess der Europäisierung auf zivilgesellschaftlicher Ebene aus. Über 80% der Unionsbürger halten Fremdsprachenkenntnisse für sehr oder zumindest ein wenig wichtig &#8211; auch, aber nicht nur aus beruflichen Gründen. Und die Mehrsprachigkeit der Bürger nimmt stetig zu. Auch hier ist es unerheblich, ob die Menschen Englisch lernen oder die Sprache des Nachbarn.</p>
<p>Die Abwesenheit einer Sprachpolitik auf gesellschaftlicher Ebene ist dem Subsidiaritätsprinzip geschuldet: Bildungspolitik ist nach wie vor ein Hoheitsbereich der Mitgliedsstaaten. Allerdings sorgt die bloße Existenz der EU dafür, dass sich hier Wechselwirkungen zwischen dem Nationalen und dem Supranationalen ergeben: die Bildungspolitiken der Mitgliedsstaaten sind an den kommunikativen Bedürfnissen seiner Bürger ausgerichtet, und die hören eben auch nicht beim &#8220;Englischlernen&#8221; auf: in vielen Kindergärten und Grundschulen entlang der deutsch-französischen Grenze beispielsweise ist die Sprache des Nachbars die erste Fremdsprache. Im Umkehrschluss sorgt die EU mit finanziellen und institutionellen Ressourcen für eine erhöhte Mobilität seiner Bürger. Die EU betreibt so gesehen eine &#8220;Sprach(en)verbreitungspolitik&#8221;.</p>
<p>Die Empirie zeigt deutlich, dass die Mehrsprachigkeit seiner Bürger stetig zunimmt, besonders unter jungen Menschen. Kenntnisse der Sprache der jeweiligen Nachbarn sind außerdem sehr ausgeprägt. Lediglich zwischen 1 und 2,5% aller Sekundarschüler EU-weit lernen keine Fremdsprache (Ausnahmen: UK, 38% und IRL, 12%*). Die mehrsprachigen Bürger <em>leben</em> also die institutionalisierte Vielsprachigkeit der EU.</p>
<p>Wenn man es also <em>so</em> betrachtet, wird auch deutlich, dass das Sprachproblem kein Problem der EU ist &#8211; jedenfalls nicht nur. Die Perspektive der zivilgesellschaftlichen Europäisierung deckt vor allem die Probleme beim Ausbau der Mehrsprachigkeit auf: denn die individuelle Mehrsprachigkeit steigt sowohl mit dem Bildungsgrad, als auch mit der individuellen und nationalen Wirtschaftskraft &#8211; und fällt oft mit der Größe des respektiven Mitgliedslandes. Kleinere Länder sind in der Tendenz mehrsprachiger als Größere (und dies bezieht sich nicht nur auf Skandinavien oder andere kleinere Länder der alten EU-15). Die Grenzen der Mehrsprachigkeit verlaufen also nicht nur vertikal zwischen den Mitgliedsstaaten, sondern vor allem horizontal entlang soziodemografischer Grenzen.</p>
<p>So gesehen ist Vielsprachigkeit weniger ein Integrationshemmnis für die EU denn eine Herausforderung für nationale Bildungspolitiken.</p>
<p><strong>Hierzu beginnt in diesem Minuten meine Politikklausur.</strong></p>
<p><em>*Aus den Daten der Eurobarometer geht leider nicht hervor, ob die Iren das Erlernen des Irischen bereits als Fremdsprachenlernen bezeichnen (Irisch ist in allen staatlichen Sekundarschulen Irlands Pflichtfach). Es ist ein wenig grotesk, dass von der Mehrheit der Iren Irisch als Fremdsprache erlernt werden muss und auch als solche bzw. als Zweitsprache wahrgenommen wird. Für die hier zugrunde liegenden Annahmen ist die Frage, ob Irisch Mutter-, Zweit- oder Fremdsprache ist, aber ebenfalls zweitrangig.</em></p>
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		<title>Feiertag?</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2010/06/04/feiertag/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 06:58:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich bin normalerweise kein Anglizismenjäger. Im Gegenteil: meine Grundmeinung ist, dass die meisten der vielgescholtenen Lehnwörter unser Lexikon bereichern, weil sie in vielen Fällen eben keine direkten Synonyme ihrer deutschen &#8220;Entsprechungen&#8221; sind. So ist ein Loser nicht immer ein Verlierer und shoppen ist nicht gleich einkaufen. In anderen Fällen wirkt das &#8220;alte&#8221; deutsche Wort doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin normalerweise kein Anglizismenjäger. Im Gegenteil: meine Grundmeinung ist, dass die meisten der vielgescholtenen Lehnwörter unser Lexikon bereichern, weil sie in vielen Fällen eben keine direkten Synonyme ihrer deutschen &#8220;Entsprechungen&#8221; sind. So ist ein <em>Loser</em> nicht immer ein <em>Verlierer</em> und <em>shoppen</em> ist nicht gleich <em>einkaufen</em>. In anderen Fällen wirkt das &#8220;alte&#8221; deutsche Wort doch arg holprig oder antiquiert: <em>Verabredung</em> für <em>Date</em> (welche auch wiederum nicht komplett synonym sind, aber gut) oder <em>E-Post</em> für <em>E-Mail</em>. Das bedeutet nicht, dass mein Wortschatz mit &#8220;Fremd&#8221;wörtern durchsetzt ist &#8211; ich nutze überwiegend <em>Rechner</em> statt <em>Computer</em>, <em>Lied</em> statt <em>Song</em> oder <em>Besprechung</em> für <em>Meeting</em>. Das ist aber meine persönliche Wortwahl &#8211; und es muss schon viel passieren, bevor ich Anglizismen für unerträglich halte.</p>
<p>Gestern war&#8217;s dann doch mal soweit. <span id="more-1065"></span>Ich habe eine neue Firma, in der wir zwar Deutsch sprechen (und unsere Geschäfte vor allem in Deutschland abwickeln), der Gegenstand allerdings der internationalen (wissenschaftlichen) Verkehrssprache unterliegt. Die zu lesenden Texte sind manchmal nicht besonders schön, aber ich bezweifle, dass ich deren Inhalt verstehen würde, wenn sie auf Deutsch geschrieben wären. Egal.</p>
<p>Gestern war in Teilen Deutschlands Fronleichnam und einige unserer Geschäftspartner waren telefonisch nicht erreichbar (ich bin zwar gelernter Katholik, aber da musste ich auch erst mal nachfragen, was die in NRW genau zu feiern haben &#8211; einen freien Tag vermutlich!). Und als eine Kollegin durch den Raum brüllte, dass da keiner antwortet, weil dort ein <em>bank holiday</em> sei, bin ich doch recht vom Glauben abgefallen.</p>
<p>Gut, wenn sie gerade mit einem Partner in Großbritannien auf Englisch telefoniert hätte, der ihr mitgeteilt hätte, dass sie dort nächste Woche einen <em>bank holiday</em> hätten, wäre das ja noch verständlich gewesen. Weshalb aber die Kollegin unsere heiligen Feiertage so nannte, bleibt ihr Geheimnis.</p>
<p>Streng genommen gibt es zwischen <em>bank holiday</em> (Tag, an dem keine Bankgeschäfte abgewickelt werden) und <em>public holiday</em> (Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird) einen Unterschied, praktisch sieht es aber so aus, dass an beiden die Bevölkerung schlicht einen Tag frei hat. B<em>ank holidays</em> sind besonders die zusätzlichen zu gesetzlichen Feiertagen gewährten freien Tage; der Unterschied ist vermutlich primär historisch bedingt und/oder hat regionale Schattierungen (z.B. USA, UK oder &#8216;irgendein anderer Teil der englischsprachigen Welt&#8217;). Fronleichnam ist aber in Teilen Deutschlands ein <em>gesetzlicher</em> Feiertag. In jedem Fall finde ich mich bei der &#8220;Entsprechung&#8221; <em>Bankfeiertag</em> doch verdächtig an eine schlichte Übersetzung von <em>bank holiday</em> erinnert.</p>
<p><strong>Soweit mein Sprachgefühl mich trägt, ist es bei uns einfach ein </strong><strong>Feiertag</strong><strong>.</strong></p>
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		<title>Morphologie für Anfänger</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2010/04/03/morphologie-fur-anfanger/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Apr 2010 14:20:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Morphologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich beschäftige mich momentan aus verschiedenen Gründen mit Morphologie. Morphologie ist die Beschreibung und Analyse von Wörtern, Wortstrukturen und Wortteilen, deren Bildung, Ableitung, Flektion und Bedeutung. Kurz gesagt. Aber beginnen wir mit einer kleinen Anekdote.
Im letzten Jahr machte ich ja eher zum Spaß ein Praktikum bei Studio Hamburg, was zumindest meinem Hinterkopf zu kurzer Berühmtheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich beschäftige mich momentan aus verschiedenen Gründen mit Morphologie. Morphologie ist die Beschreibung und Analyse von Wörtern, Wortstrukturen und Wortteilen, deren Bildung, Ableitung, Flektion und Bedeutung. Kurz gesagt. Aber beginnen wir mit einer kleinen Anekdote.</p>
<p>Im letzten Jahr machte ich ja eher zum Spaß ein Praktikum bei Studio Hamburg, was zumindest <a href="http://www.extraflach.de/blog/2009/09/24/tv-tipp/" target="_blank">meinem Hinterkopf</a> zu kurzer Berühmtheit verhalf (in der zweiten Folge war ich auch von vorne im Hintergrund zu sehen). Ich knechtete in einem sehr netten Team in der Set-Aufnahmeleitung, also als &#8220;Arsch für alle(s)&#8221;; das sind die, die immer sehr wichtig und mit Headset durch die Gegend laufen.</p>
<p><span id="more-946"></span></p>
<p>Zu unseren Aufgaben gehörte in den frühen Morgenstunden das Set mit Strom zu versorgen, für Maske, Wohnmobile und für den Cateringwagen. Bei Studiodrehs halfen natürlich die lokalen Stromanschlüsse, bei Außendrehs hatten wir ein mobiles Stromaggregat.</p>
<p>Mein Kollege mit langjähriger Seterfahrung sagte mir am ersten Tag:</p>
<blockquote><p>Das ist <em>der Jenny</em>. Keine Ahnung, sollte eigentlich weiblich sein, heißt aber immer nur <em>der</em> Jenny.</p></blockquote>
<p>(Die Wiedergabe hier mit <em><strong>J</strong>enny</em> dient lediglich der Veranschaulichung der grammatischen Genusfrage. Genaugenommen wird das Teil in der Filmbranche <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genny" target="_blank">Genny</a> genannt, wobei natürlich bezweifelt werden darf, ob Menschen, die damit zu tun haben, das auch regelmäßig <em>schreiben</em>.)</p>
<p>Linguistisch haben wir es hier mit einem Hypokoristikum zu tun, also mir der Verkürzung eines Wortes, ohne eine Abkürzung oder ein Akronym im eigentlichen Sinne zu sein; Hypokoristika können aber auch Worterweiterungen sein und der Verniedlichung dienen. Zu dieser Kategorie gehören folglich Dimunitive (Haus &gt; Häuschen) und besonders die Bildung von Kosenamen (Georg &gt; Schorsch, Manfred &gt; Manni).</p>
<p><em>Der Genny</em> ist also kurz für <em>der Generator</em>. Und damit erklärt sich auch das Maskulinum. Das war auch meine sofortige Reaktion auf die Aussage meines Kollegen: ich habe es natürlich etwas weniger technisch dargelegt. Aber die Herkunft von <em>genny</em> aus <em>the generator</em> lag für mich sofort auf der Hand. Das mag in anderen englischen Dialekten ähnlich oft vorkommen, aber ich kannte es aus Australien. Die Australier sind übrigens besonders produktiv in dieser Hinsicht.</p>
<p>Bei technischen Begriffen ist &#8220;Kosename&#8221; vermutlich schwer zu begreifen, aber die Australier finden Wörter mit mehr als zwei Silben unglaublich suspekt, kürzen gerne ab und hängen meist ein <em>-o</em>, <em>-ie</em>, oder <em>-y</em> dran, oft &#8211; aber nicht nur &#8211; in emotionaler und verniedlichender Absicht:</p>
<ul>
<li><em>arvo</em> &#8211; &#8216;afternoon&#8217;</li>
<li><em>smoko &#8211; </em>Kaffeepause, mit oder ohne Kippchen (heutzutage meist ohne)</li>
<li><em>carby</em> &#8211; Vergaser, von &#8216;carburettor&#8217;</li>
<li><em>footy/footie</em> &#8211; &#8216;football&#8217;, je nach Staat &#8216;Rugby&#8217; oder &#8216;Australian &#8220;Aussie&#8221; Rules&#8217;, aber nicht European Football (&#8217;soccer&#8217;*)</li>
<li><em>sickie</em> &#8211; blau machen, in <em>call in a sickie </em></li>
<li><em>compo</em> &#8211; Schadensersatz, von &#8216;compensation&#8217;</li>
<li><em>garbo</em> &#8211; Müllmann</li>
<li>&#8230;</li>
</ul>
<p>Warum das so ist, damit beschäftigt man sich &#8211; unter anderem &#8211; in der Morphologie. Eine etwas weniger technische Erklärung liefert man sich in Australien gerne selbst: hier wird oft erzählt, dass der Australier aufgrund der vielen Mozzies (&#8216;Moskitos&#8217;) schneller und kürzer sprechen muss.</p>
<p><strong>Auch &#8217;suz&#8217; ist ein Hypokoristikum. Wir ahnen, wer dafür verantwortlich ist.</strong></p>
<p><em>*Möglicherweise versteht man in Australien seit dem 16. November 2005 unter &#8216;football&#8217; auch unseren Fußball. An diesem Tag schlug die australische Nationalmannschaft (the Socceroos) das Team aus Uruguay in Sydney mit 4-2 im Elfmeterschießen, und qualifizierte sich für die Fußball-WM 2006. Die Medienlandschaft bezeichnete in der Zeit danach diese Nacht als &#8220;the night when soccer became football&#8221; (z.B. Sydney Morning Herald, 17. November 2005, <a href="http://www.smh.com.au/news/football/world-cup-here-we-come/2005/11/16/1132016866027.html" target="_blank">&#8220;World Cup here we come&#8221;</a></em><em>). Aber keinem Australier würde im Traum einfallen, zu soccer/football &#8216;footy&#8217; zu sagen.</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>18 Stunden im Leben eines Magistranden</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2010/02/22/18-stunden-im-leben-eines-magistranden/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 09:32:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(Für die Linguisten unter euch: ab 6 Uhr 25 wird&#8217;s richtig spannend.)
16.45 Ich wache auf, es ist kalt. Hab vergessen, die Heizung wieder anzustellen.

16.55 Radio an. Der SC Freiburg liegt zurück gegen Hertha, zu Hause. Und das noch vor dem ersten Kaffee. Das macht ganz schlechte Laune, Radio aus.
17.35 Ich genehmige mir ne Runde Facebook-Spiele. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(Für die Linguisten unter euch: ab 6 Uhr 25 wird&#8217;s richtig spannend.)</p>
<p>16.45 Ich wache auf, es ist kalt. Hab vergessen, die Heizung wieder anzustellen.</p>
<p><span id="more-853"></span></p>
<p>16.55 Radio an. Der SC Freiburg liegt zurück gegen Hertha, zu Hause. Und das noch vor dem ersten Kaffee. Das macht ganz schlechte Laune, Radio aus.</p>
<p>17.35 Ich genehmige mir ne Runde Facebook-Spiele. Die Olympia-Erfahrung der letzten Tage hat gezeigt, dass ich an Biathlon-Tagen besonders unproduktiv bin. Und heute ist Massenstart. Probates Mittel gegen Prokrastination (&#8216;Die Angst vor der Datei&#8217;): Datei einfach aufmachen, bevor man die Facebook-Farm bestellt. Als Einstieg das bisher geschriebene &#8216;glätten&#8217;; Formulierungen, die gestern irgendwie total geil waren, klingen mit Abstand reichlich dämlich.</p>
<p>20.01 Tatsächlich, ich bewältige den historischen Abriss der linguistischen Besiedlung Irlands, an der ich gestern kläglich gescheitert war (soviel zum Thema &#8216;Geschichtliches geht irgendwie immer&#8217;). Die Übernahme einiger Passagen aus einer Hausarbeit vor fuffzig Semestern war eher hinderlich, als hilfreich. Und noch beim Schreiben fallen mir Dinge auf, die so unglaublich gut in meine Keltizismus-Dekonstruktion passen werden. Fein!</p>
<p>20.20 Ich beschließe, mich heute mit einer Pizza zu belohnen. Im Kühlschrank gammelt gar nichts mehr vor sich hin. Da Störfeuer gerade aber nicht willkommen sind, verschiebe ich die Bestellung.</p>
<p>21.30 Noch 30 Minuten bis zum Massenstart. Mein Magen erinnert mich kurz an die Pizzabestellung, die verschiebe ich aber gleich wieder, denn eigentlich wollte ich das Kapitel &#8220;Theorierahmen&#8221; schon gestern abgefrühstückt haben, so will ich zumindest noch die verworrenen Notizzettel geordnet bekommen, bevor&#8217;s in Whistler Mountain losgeht.</p>
<p>22.00 Der Livestream ist glücklicherweise stabil. Und weil ich bei Biathlon grundsätzlich nie gestört werden will, und ich mich so oder so nicht traue, wild blinkende Java-Webseiten von Pizzadiensten zu öffnen, die den Livestream zum garantierten Absturz bringen würde, verschiebe ich die Bestellung.</p>
<p>22.35 Was ein Rennen! Unglaublich! Das ist Biathlon! (Es hilft natürlich, wenn man sich so begeistern kann, dieses Glück ist ja nicht jedem beschieden.)</p>
<p>22.55 Mir schlottern immer noch die Knie. Ich brauch erst mal einen Kaffee.</p>
<p>23.45 Aber die Rückkehr ist geschafft, der Puls hat sich normalisiert. Ich werde erneut an den Hunger erinnert, verschiebe diesen aber wieder, weil ich neue Emails mit Artikelkonstruktionen in anderen Sprachen erhalte.</p>
<p>1.15 Ich bezahle 0,97 Euro für den ARD-Olympiasong. Ich find den toll. Aber ich frage mich schon, weshalb der Track, der ja von Bryan Adams eigens für die ARD geschrieben und mit Sicherheit von GEZ-Gebühren finanziert wurde, nicht kostenlos runterzuladen ist, sondern dass da offensichtlich noch die Amazons, iTunes und Musicloads dieser Welt kräftig mitverdienen.</p>
<p>2.25 Die Abhandlung des Theorierahmens ist irgendwie Marke Blafasel, und so richtig komme ich da nicht weiter. Also mache ich erst mal was Entspannteres: die cross-linguistische Analyse muss ja auch noch irgendwie zu Papier gebracht werden. Und mittlerweile ist die Umfrage auf 12 Sprachen angewachsen (6 Germanische, 4 Romanische, 1 Slavische und 1 Finno-Ugrische), da muss doch eine Beschreibung schon möglich sein. Also: durch die ganzen Emails friemeln.</p>
<p>3.15 Ich kämpfe mit den Konventionen linguistischer Darstellungsmethoden &#8211; und vor allem mit deren Darstellung in Word.</p>
<p>4.36 Frechheit &#8211; warum hat um diese Uhrzeit eigentlich noch kein Pizzadienst auf?</p>
<p>6.25 WESPENNEST! Bei der zusammenfassenden Diskussion meiner cross-linguistischen Analyse stoße ich auf Erstaunliches: nicht nur, dass der bestimmte Artikel ein sogenanntes &#8220;areal feature&#8221; ist (d.h., z.B., alle Sprachen in Westeuropa haben Artikel), das ist längst bekannt und hinreichend belegt, auch, dass sich diese häufig in geografisch eng verbandelten Sprachen im Kontakt entwickeln. Aber nu kommt&#8217;s: auch die Grammatikalisierung semantischer Konzepte scheint an geografische Nähe, weniger an linguistische, geknüpft zu sein. Mit anderen Worten: die zwar geografisch aber typologisch eher wenig bis gar nicht verwandten Sprachen Bulgarisch, Ungarisch und Rumänisch benutzen den Artikel in nahezu identischen Kontexten, womit Rumänisch in dieser Hinsicht beispielsweise sehr viel weiter weg ist von Italienisch als von Ungarisch. Das ist vielleicht nicht so sehr überraschend, aber für eine Miniumfrage mit gerade mal acht Beispielsätzen ist das unglaublich &#8211; und es stützt meine These so sehr, DASS ICH EIGENTLICH ALLE DISKUSSION UM IRISCH SOFORT EINSTELLEN KANN! Mit anderen Worten, &#8220;Standardenglisch&#8221; ist mit seinen durchgängig artikellosen Konstruktionen, äh, naja, ungewöhnlich.</p>
<p>8.40 Unglaublich, wie soll ich so aufgepuscht denn schlafen?</p>
<p>9.10 Aber ich verwerfe den kurzfristigen Gedanken, <em>jetzt</em> Bücher in die Stabi zurück zu bringen. Sollen die doch von meinen Gebühren Hiwis finanzieren.</p>
<p>10.31 Gute Nacht, ihr lieben!</p>
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		<title>Es woar dә Mutius</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2010/02/09/es-woar-d%d3%99-mutius/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 22:37:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn, in seiner wirklich einfachsten und stark verkürzten Form, der bestimmte Artikel einen Referenten (z.B. ein Objekt oder eine Person) als bestimmt oder definit markiert, dann ist der Artikel in vielen im vorigen Beitrag angeführten Kontexten eigentlich überflüssig. Ein Frühling, in welchem ich nach England fahre, ist immer noch der gleiche Frühling, ob mit oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn, in seiner wirklich einfachsten und stark verkürzten Form, der bestimmte Artikel einen Referenten (z.B. ein Objekt oder eine Person) als bestimmt oder definit markiert, dann ist der Artikel in vielen im vorigen Beitrag angeführten Kontexten eigentlich überflüssig. Ein Frühling, in welchem ich nach England fahre, ist immer noch der gleiche Frühling, ob mit oder ohne bestimmten Artikel.</p>
<p>Noch &#8220;unlogischer&#8221; wird es bei Artikeln in Verbindung mit Namen. <span id="more-786"></span></p>
<p>Namen bezeichnen Personen und diese sind in den allermeisten Kontexten inhärent definit, oder anders ausgedrückt: sie können nicht unbestimmt sein. Der Artikel ist hier also unlogisch. In meinem Korpus habe ich einige rare Beispiele &#8211; neben konventionalisierten Konstruktionen mit <em>Reverend</em> (<span style="text-decoration: underline;">the Rev</span> John Smith) &#8211; in denen der Artikel mit Namen oder Titeln verwendet wird:</p>
<blockquote><p>And if you see any of them give My Respects to Mrs Kilpatrick and <span style="text-decoration: underline;">the Miss Bars</span> [Fermanagh, Ulster, 1890]</p></blockquote>
<p>In vielen Sprachen ist der Artikel vor einem Personennamen sogar obligatorisch. Und wir müssen noch nicht mal ins Griechische oder Hebräische schauen: In allen südlichen Dialekten des Deutschen klingt das Weglassen des Artikels vor einem Personennamen* höchst seltsam und würde jeden Dialektimitator vermutlich sofort überführen.</p>
<ol>
<li>Frag mol <strong>d&#8217;</strong>Petra.</li>
<li><strong>Dә </strong>Michael isch krank.</li>
<li>Sell hat mir <strong>dә</strong> Daniel gsait.</li>
</ol>
<p>Apropos überführen: die Tatsache, dass der anonyme Anrufer in einem <a href="http://www.ard.de/radio/radiotatort/die-faelle/hexenjagd/hexenjagd-inhalt/-/id=1000940/gp1=996230/gp2=inhalt/nid=1000940/did=996230/1jh2z11/index.html" target="_blank">Radio Tatort</a>** bei einem Drohanruf in sonst lupenreinem Bairisch den Artikel vor einem Personennamen vergaß, überführte ihn als einzigen Nichteingeborenen im Dorf tatsächlich als Täter.</p>
<p><strong>Für mehr Linguistik in Drehbüchern!</strong></p>
<p><em>*Der angesprochene Artikelgebrauch in diesen Dialekten (z.B. Alemannisch, Bairisch) ist in nicht-abschätziger Bedeutung und ohne Funktion eines Demonstrativ- und/oder Relativpronomens gemeint; also nicht wie z.B. bei ‘<span style="font-style: normal;">der</span> Thomas, nicht <span style="font-style: normal;">dieser</span>’, ‘</em>der<em> Thomas, <span style="font-style: normal;">der </span>gestern hier war&#8217;. Im (gesprochenen) Hochdeutsch ähneln die Demonstrativ- und Relativpronomen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deixis" target="_blank">Deixis</a>-DER bzw. </em>der<em>, </em>die<em>, </em>das<em> &#8216;welcher, welches, welche&#8217;) den bestimmten Artikeln in Form und Funktion. In einem solchen Fall (</em>DER Thomas, der gestern hier war<em>) wäre der Artikel also notwendig/möglich, auch &#8211; aber nicht nur &#8211; für besondere Betonung und Fokusierung.</em></p>
<p><em>**Menschen, die linguistisch nördlich des Weißwurschtäquators zu Hause sind: viel Spaß bei eurem ersten fremdsprachlichen Tatort! Das Drehbuch hat ein extremes, aber im deutschen Mediendschungel leider sehr selten gewordenes Lokalkolorit. (Äh, so nebenbei &#8211; für mich ist </em>Lokalkolorit<em> maskulin, aber sei&#8217;s drum. Der Herr Duden sagt, es sei ein Neutrum; Google favourisiert n:m 4:1.)</em></p>
<td style="height: 12.75pt; width: 454pt;" width="605" height="17"></td>
<td style="height: 12.75pt; width: 454pt;" width="605" height="17"></td>
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		<title>&quot;We are all sitting in one boat&quot;</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 13:21:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Derzeit macht sich die deutsche Internetgemeinde über Günther Oettinger lustig, weil er eine Rede auf Englisch hielt.
Mal davon abgesehen, dass er nicht mal Deutsch spricht, gibt es genug Gründe, diesen Mann zu hassen: Der Geschichtsrevisionist ist CDU-Politiker, Schwabe und Fan des VfB Stuttgart; jedes für sich schon hinreichende Gründe, sich über jedes Fass Häme zu freuen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Derzeit macht sich die deutsche Internetgemeinde über Günther Oettinger lustig, <a href="http://www.youtube.com/watch?v=OXPPu418C78" target="_blank">weil er eine Rede auf Englisch hielt</a>.</p>
<p>Mal davon abgesehen, dass er nicht mal Deutsch spricht, gibt es genug Gründe, diesen Mann zu hassen: Der Geschichtsrevisionist ist CDU-Politiker, Schwabe und Fan des VfB Stuttgart; jedes für sich schon hinreichende Gründe, sich über jedes Fass Häme zu freuen, das über ihm ausgekübelt wird. Und wer versucht, aus Hans Filbinger einen Widerstandskämpfer zu machen, hat im öffentlichen Leben nichts mehr verloren.</p>
<p>Die hämischen Reaktion in Blogs und Foren reichen von Belustigung über Fremdschämen bis zu Verärgerungen darüber, dass Politiker &#8220;richtig viel Asche vom Steuerzahler bekommen&#8221;. Und dass man für jedes kleinste Praktikum &#8220;außereuropäische Sprachkenntnisse vorweisen&#8221; müsse. Oettinger hat sich in der Vergangenheit als Verfechter für Englisch als Arbeitssprache etabliert, wofür er vom Verein Deutsche Sprache (jaja, unsere Freunde vom VDS) 2006 den &#8220;Sprachpanscher des Jahres&#8221; für &#8220;besondere Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache&#8221; verliehen bekam. (Der Mensch hat diesen Preis verdient, sobald er den Mund aufmacht.)</p>
<p>Und so spiegelt sich das in Internetreaktionen wider: Wer Fremdsprachenkenntnisse fordere, müsse auch selbst mit gutem Beispiel voran gehen, schließlich sei das in der freien Wirtschaft auch so. Dort würde man mit Oettingers Sprachkenntnissen keinen Job bekommen.</p>
<p>Ja und nein. Oettinger ist Politiker, und als solcher maßgeblich an Gesetzen und Politiken beteiligt. Politik sendet Signalwirkungen, und untermauert Forderungen nach Fremdsprachenkenntnissen mit der Umsetzung entsprechender Richtlinien. Sie lenkt mit öffentlichen Geldern, beispielsweise im europäischen Mobilitätsprogramm ERASMUS, welche primär dazu da sind, Fremdsprachenkenntnisse und kulturelles Verständnis zu <em>fördern</em>. Manager tun das nicht. Manager <em>profitieren</em> von entsprechenden Maßnahmen der Regierungen.</p>
<p>Viel wird jetzt auch darauf rumgeritten, dass ja eigentlich auch niemand nach Oettingers Englischkenntnissen gefragt hätte, wäre er in Stuttgart geblieben. Aber in Brüssel sei die Amtssprache ja Englisch, da müsse er, weil auf einem internationalen Parkett, auch vernünftig Englisch sprechen können. Die, die das fordern, haben die EU nicht verstanden.</p>
<p>Nein, Amtssprache in Brüssel ist nicht Englisch, Amtssprachen sind in der EU nicht weniger als 23 Sprachen. Arbeitssprachen hingegen sind die Sprachen, die im täglichen Beamtenapparat die meistgenutzten sind. Und das sind Deutsch, Französisch und Englisch. Anmerkungen von Kommentatoren, Oettinger käme in der informellen Politikmache in Brüssel ohne entsprechende Englischkenntnisse zu kurz, sind von einer reflexartigen Angst geprägt, &#8220;wir Deutschen&#8221; kämen zu kurz. Die EU-Realität zeigt doch: Deutschland und Frankreich regieren das Orchester.</p>
<p>Darüber hinaus definiert sich die EU über &#8220;Einheit in Vielfalt&#8221; &#8211; und ganz besonders über ihre Sprachenvielfalt. Die EU leistet sich einen bulligen Übersetzungsapparat, der immerhin mehr als 2% ihres Budgets ausmacht. Ob nun in der Hinterzimmerpolitik immer ein Dolmetscher dabei ist, sei mal ernsthaft in Frage gestellt, aber daraus eine Forderung abzuleiten, ein deutscher EU-Kommissar müsse &#8220;vernünftig Englisch&#8221; beherrschen können, ist falsch und irreführend. Wir können gerne über Oettingers Qualifikationen diskutieren &#8211; seine Sprachkenntnisse zählen nicht dazu. Sein Arbeitgeber &#8211; die Europäische Union, und damit &#8220;wir alle&#8221; &#8211; legt großen Wert auf Gleichberechtigung. Dies äußert sich eben in ihrem Statut, dass sich jeder Bürger in seiner Muttersprache an sie wenden darf, gleich, wie gut und flüssig er Englisch spricht. Das ist für die Demokratie in dieser Riesenorganisation überlebenswichtig. Die EU definiert sich vielsprachig, nicht englischsprachig.</p>
<p>In der Diskussion offenbart sich auch eine eigenartige Schizophrenie unserer Gesellschaft: wir wollen international sein und haben Angst vor dem Verfall unserer Sprache. Guido Westerwelle bashte man dafür, dass er sich weigerte, auf einer <em>deutschen</em> Pressekonferenz die Frage eines <em>britischen</em> Journalisten auf Englisch zu beantworten, Günther Oettinger amüsiert die Internetgemeinde, in dem er vor einem internationalen Publikum der Columbia University in Berlin Englisch spricht. Dass die Rede an sich scheiße war und inhaltsleer dazu, liegt daran, dass der Mensch Politiker ist.</p>
<p>Im Übrigen: Oettingers Englisch (und auch das von <a href="http://www.extraflach.de/blog/2009/09/29/westerwave-and-the-aufschwung/" target="_blank">Guido Westerwelle</a>) ist lediglich von einem starken deutschen Akzent geprägt. Er liest die Rede ab und tappt damit in jede Falle, die die unlogische englische Orthographie für ihn aufgestellt hat. Das ist bemitleidenswert, peinlich ist es nicht. Ich bleibe bei meiner These: die Mehrheit derjenigen, die das so unglaublich amüsant finden, hätten mit den fraglichen Fremdwörtern auch ihre Probleme und erfahren vermutlich eine unterbewusste Befreiung, genau dabei nicht selbst ertappt worden zu sein. Deutsche tendieren dazu, ihre eigenen Sprachkenntnisse zu überschätzen.</p>
<p>Einige Kommentatoren belustigen sich unter anderem über seine Schlussbemerkung (zumindest suggeriert uns das das YouTube-Video): &#8220;We are all sitting in one boat&#8221;. Die englische Entsprechung heißt zwar &#8220;we are all in the same boat&#8221; &#8211; an der Metapher ändert es nichts. Man sollte die Sprache selbst beherrschen, bevor man sich über die Kenntnisse derselben anderer lustig macht.</p>
<p><strong>Um Oettinger zu verstehen, muss man ihm auch zuhören wollen.</strong></p>
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		<title>Wer A sagt, muss auch Ø sagen</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 19:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine weitere Schwächung der Substrattheorie sollte eigentlich sein, dass für das irische Englisch keine Unterverwendung des unbestimmten Artikels a/an belegt ist. Nach meiner Logik muss eine Nicht-Dokumentiertheit nicht automatisch bedeuten, dass es kein Vorkommen gibt &#8211; aber sie sind eben, naja, nicht belegt. Wir erinnern uns: Irisch hat keinen unbestimmten Artikel. Unbestimmtheit wird durch das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine weitere Schwächung der Substrattheorie sollte eigentlich sein, dass für das irische Englisch keine Unterverwendung des unbestimmten Artikels <em>a/an</em> belegt ist. Nach meiner Logik muss eine Nicht-Dokumentiertheit nicht automatisch bedeuten, dass es kein Vorkommen gibt &#8211; aber sie sind eben, naja, nicht belegt. Wir erinnern uns: Irisch hat keinen unbestimmten Artikel. Unbestimmtheit wird durch das nackte Substantiv markiert: <em>fear</em> &#8216;ein Mann&#8217; aber <em>an fear</em> &#8216;der Mann&#8217;. Nicht verwirren lassen, ir. <em>an</em> entspricht nicht dem englischen &#8216;an&#8217;, sondern &#8216;the&#8217;.</p>
<p>Davon ausgehend, dass Artikel a) zu den grammatischen Kategorien gehören, die von Kindern am spätesten erlernt und dementsprechen spät korrekt im Sinne der muttersprachlichen Kompetenz beherrscht werden und b) viele verschiedene semantische und pragmatische Funktionen haben, ist der Artikelgebrauch im Allgemeinen starker Variation und Komplexität unterworfen, auch im Muttersprachenenglisch. Fremd- und Zweitsprachenlerner haben deshalb größte Probleme  &#8221;with mastering (the) English articles&#8221; (IrE: &#8220;the mastering of English articles&#8221; [!!]). Dazu gibt es viele Studien &#8211; besonders große Probleme haben dabei Sprecher von Sprachen ohne Artikel, z.B. Russisch oder Chinesisch. Daraus lässt sich auch die große Variation des Artikelgebrauchs in asiatischen Englischs ableiten, besonders dort, wo Englisch die Fremd- oder Zweitsprache ist.</p>
<p>Die Abwesenheit von unbestimmten Artikeln im Irischen führt aber nicht zu einer &#8220;Problematik&#8221; der Iren in der Verwendung des unbestimmten englischen Artikel. In der Substratlogik müsste dies zumindest teilweise so sein. Was belegt ist, ist die gelegentliche Verwendung von <em>the </em>für<em> a/an</em>:</p>
<blockquote><p>they think he is the most refined young man. [geography unknown, 1910]<br />
Mark is the Bachelor as yet. [Fermanagh, Ulster, 1848]</p></blockquote>
<p>Eine <em>Unter</em>verwendung des Artikels wäre jedoch lediglich <em>Mark is bachelor as yet</em> &#8211; und eine solche ist mir für irisches Englisch weder in unserem Korpus, noch in der relevanten Literatur begegnet. Mehr noch: die Nähe von irisch <em>an</em> (bestimmt) zu engl. <em>an</em> (unbestimmt) hat erst recht nicht dazu geführt, dass im irischen Englisch häufiger unbestimmte statt bestimmte Artikel verwendet werden (Transferlogik).</p>
<p><strong>Das Muster wird klarer.</strong></p>
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		<title>The Article War III</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 12:49:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jahrzehntelang wurde in der Literatur zu Englisch in Irland darüber gestritten, ob die Varietät irische oder alte und/oder archaische englische Wurzeln hat. Das eine sind die Anhänger der Substrattheorie (substratum), letztere sind die Verfechter der Superstrattheorie bzw. der retention (superstratum). In den wenigsten Fällen einzelner Phänomene ist aber überhaupt die eine Quelle auszumachen, weshalb es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jahrzehntelang wurde in der Literatur zu Englisch in Irland darüber gestritten, ob die Varietät irische oder alte und/oder archaische englische Wurzeln hat. Das eine sind die Anhänger der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Substrat_(Linguistik)">Substrattheorie</a> (substratum), letztere sind die Verfechter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Superstrat_(Linguistik)" target="_blank">Superstrattheorie</a> bzw. der <em>retention</em> (superstratum). In den wenigsten Fällen einzelner Phänomene ist aber überhaupt <em>die</em> eine Quelle auszumachen, weshalb es in den letzten zehn Jahren spürbar eine Verschiebung hin zum &#8220;dritten Weg&#8221; gegeben hat: Rolle des Sprachkontakts an sich, des <em>language shift</em> (Sprachwechsel), Zweisprachigkeit, Grad des linguistischen Transfers und die Rolle sozialer Faktoren. Ein Großteil der neueren Literatur ist damit auch in einer globaleren Varietäten- und Universalienforschung englischer (Umgangs-)Sprache anzusiedeln.</p>
<p>Mit dem Artikelgebrauch in Irland haben sich nur zwei Autoren bisher näher befasst (und weil ich schon im Schreibmodus denke, füge ich noch hinzu <em>to the best of my knowledge</em>). Zwar hat irgendwie jeder, der über Syntax des irischen Englischs publiziert hat, <em>etwas</em> dazu geschrieben, <em>en passant</em>. Okay, vielleicht sind&#8217;s auch drei (<a href="http://books.google.de/books?hl=de&amp;lr=&amp;id=p3vDuPNG7nUC&amp;oi=fnd&amp;pg=PA1&amp;dq=raymond+hickey+irish+english&amp;ots=PYjXGoYTgC&amp;sig=ytiiF6BcKRvEvoizmbJZpX0YJCI#v=onepage&amp;q=&amp;f=false" target="_blank">Raymond Hickey</a>).<span id="more-654"></span></p>
<p>Der erste, <a href="http://books.google.com/books?id=bp9rCy3E4sYC&amp;dq=the+grammar+of+irish+english&amp;printsec=frontcover&amp;source=bl&amp;ots=v9BNCFThtg&amp;sig=2mwfVR04qnmB6lNMRJkc2XoQYGM&amp;hl=de&amp;ei=9bhMS8TLF9mK_Abn34igDg&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=1&amp;ved=0CAwQ6AEwAA#v=onepage&amp;q=&amp;f=false" target="_blank">Markku Filppula</a>, führt die höhere Frequenz auf Einflüsse des Gälischs zurück. Damit einhergehend ist auch die Theorie vom Keltizismus. Vereinbar sind beide, weil das schottische Englisch fast identische Gebrauchkontexte hat. Was die Theorie ganz erheblich abschwächt, ist das Vorkommen der Kontexte in vielen anderen Varietäten. Artikelgebrauch ist kein rein irisches Phänomen und deshalb ein <em>linguistic universal </em>in englischen (Kontakt-)Varietäten, argumentiert <a href="http://www3.interscience.wiley.com/journal/118783568/abstract?CRETRY=1&amp;SRETRY=0" target="_blank">Andrea Sand</a>.</p>
<p>Dabei ignoriert Filppula (1999) in bester Substratistenmanier die vielen Parallelen in Gebrauchskontexten des Mittel- und Frühneuenglischen und in späteren Texten auch die von Sand identifizierten Parallelen in den New Englishes. Seine Substrattheorie basiert vor allem darauf, dass die Gebrauchsfrequenzen in den Countys Kerry und Clare (Munster Province) im Südwesten Irlands höher sind, als in den östlichen Regionen Wicklow und Dublin (Leinster Province), weil Irisch in Leinster schon länger &#8220;verschwunden&#8221; ist, als in Munster. Sand (2003, 2004) ignoriert in ihrem Filppula-Bashing-Modus die <em>Unter</em>verwendung des Artikels in den von ihr beobachteten Varietäten. Methodologische Defizite haben beide: Sie vergleichen quasi Äpfel mit Birnen &#8211; gesprochene Sprache in Gegenwartsirland mit offizieller Korrespondenz der englischen Oberschicht im Frühneuenglischen (Filppula) -, schreiben hohe <em>the</em>-Frequenzen in Nordirland quasi dem Zufall zu (Sand) oder lassen wichtige Daten und Umstände außer acht, beispielsweise Sprachkontakt und -wechsel (beide).</p>
<p>As more and more data is made available&#8230; Äh, also, ich bin froh, dass ich jetzt schreibe! Und hoffentlich mache ich es mir nicht zu einfach, wenn ich sage, dass die &#8220;Lösung&#8221; eigentlich auf der Hand liegt.</p>
<p><strong>Vermutlich haben beide (Un)Recht.</strong></p>
<p>Filppula, Markku. 1999. <em>The Grammar of Irish English. Language in Hibernian Style</em>. London: Routledge.<br />
Hickey, Raymond. 2007. <em>Irish English: history and present-day forms</em>. Cambridge: CUP.<br />
Sand, Andrea. 2003. The Definite Article in Irish English and Other Contact Varieties of English. In: Tristram, Hildegard L.C. <em>The Celtic Englishes III</em>. Heidelberg: Winter. 413-430.<br />
Sand, Andrea. 2004. Morpho-syntactic features in contact varieties: article use. <em>World Englishes</em>, 23(2). 281-298.</p>
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		<title>Von Standards und Abweichungen</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2010/01/15/von-standards-und-abweichungen/</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 11:12:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bevor ich den Krieg weiterführen kann, ein kleiner Exkurs.
Die Feststellung abweichenden Sprachgebrauchs hat fast ausschließlich eine &#8211; aus linguistischer Sicht &#8211; seltsame, zumindest aber problematische Bezugsgröße: die Standardsprache. Mit dem Standardenglisch ist es irgendwie wie mit &#8220;vernünftigem Deutsch&#8221; &#8211; keiner weiß, wo genau es angeblich gesprochen wird.*
Aber weil sich-auf-etwas-beziehen langweilig ist, wenn man nichts hat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich den Krieg weiterführen kann, ein kleiner Exkurs.</p>
<p>Die Feststellung abweichenden Sprachgebrauchs hat fast ausschließlich eine &#8211; aus linguistischer Sicht &#8211; seltsame, zumindest aber problematische Bezugsgröße: die Standardsprache. Mit dem Standardenglisch ist es irgendwie wie mit &#8220;vernünftigem Deutsch&#8221; &#8211; keiner weiß, wo genau es angeblich gesprochen wird.*<span id="more-661"></span></p>
<p>Aber weil sich-auf-etwas-beziehen langweilig ist, wenn man nichts hat, worauf man sich beziehen kann, beziehen wir uns also lieber auf etwas, was nicht da ist. (Immerhin ist für den deskriptiven Linguisten wichitg, was und wie gesprochen wird, nicht (nur) die theoretische Möglichkeit. Der Grad der Berufung auf Standards variiert natürlich und ist wohl beim Dialektologen geringer, als beim Sprachpuristen &#8211; wobei ich diese beiden Extreme eigentlich nicht in einem Atemzug genannt haben will, aber sei&#8217;s drum. <em>You get the gist</em>.) Und weil sich der Linguist nicht disqualifizieren möchte, beziehen wir uns also auf den &#8220;Standard&#8221;. Okay, genug der Nestbeschmutzung. Die Grundannahme des Teils der Linguistik, die &#8220;den Standard&#8221; lediglich als gleichwertige Varietät mit anderer Funktion und auf Augenhöhe mit &#8211; und nicht oberhalb von &#8211; vielen Varietäten ansieht, ist mir da auch ungleich sympathischer (siehe dazu z.B. Trudgill 2009).</p>
<p>Im Grunde ist die Disqualifikation vom Tisch, wenn man a) anerkennt, dass der Begriff &#8220;Standard&#8221; problematisch ist, b) den Terminus als eine Art Sammelbegriff für in der Sprechgemeinschaft akzeptierte Sprachnormen verwendet und c) akzeptiert, dass es nach wie vor die &#8220;beste&#8221; linguistische Beschreibung für eine normierte &#8220;Hochsprache&#8221; ist. Standards in allen Sprachen sind mehr oder weniger künstlich definierte Normen. Äh, *hüstel*, die gemeinhin als Normabweichungen definierten süddeutschen Dialekte sind linguistisch gesehen &#8220;Hoch&#8221;deutsch, was natürlich die Behauptung der Schwaben &#8220;Wir können alles außer Hochdeutsch&#8221; irgendwie ad absurdum führt, aber gut. Kurz, platt, primitiv und simplifiziert dargestellt: wir glauben, dass es den Standard nicht gibt, wissen aber, was damit gemeint ist. Alles klar?</p>
<p>Wenn also eine sprachliche Konstruktion &#8220;nicht standardsprachlich&#8221; verwendet wird, so bedeutet dies, dass es von präskriptiven Englischgrammatiken nicht in der abweichenden Verwendung definiert ist. Platt könnte man sagen: &#8220;Es steht nicht im Oxford, also kann es nur abweichend sein&#8221; (mit der gleichen Logik operieren übrigens die Dudenjünger vom Verein Deutsche Sprache e.V.). Wir sehen die Schwierigkeit?</p>
<p>Diese Problematik ist leider nicht allen Linguisten und schon gar nicht Bastian Sick bewußt. Es ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir beobachten Sprachwirklichkeiten innerhalb des Bezugsrahmens der Standardsprache, möchten aber die Sprache von Sprechern abbilden, die diese Standardsprache gar nicht sprechen. Okay, okay, wir verwenden den Begriff &#8220;Standard&#8221; in den oben in a)-c) genannten Verwendungsweisen, nicht als Ideal. Problematisch ist es dennoch.</p>
<p>Und damit kommen wir auf den Artikel zurück: wenn permanent behauptet wird, dass der Artikelgebrauch im Englisch in Irland, Schottland, der Karibik, Afrika oder Asien vom Standardenglisch abweicht, bedeutet das lediglich, dass er so nicht in den Englischgrammatiken belegt ist. Die Zahl der Muttersprachler des Standardenglisch ist verglichen mit Sprechern anderer Varietäten (sozialen, geografischen, situativen Dialekten usw. usf.) sehr, sehr klein.</p>
<p><strong>Ob ich ohne Standard auskomme?</strong></p>
<p><em>*Die meisten Uneingeweihten würden hier Tagesschaudeutsch oder Oxford English anführen. Aber habt ihr den Tagesschausprechern schon mal genauer auf die Lippen geschaut (Hannover hat auch mitnichten das &#8220;reinste Hochdeutsch&#8221;)?Oder jemanden getroffen, dessen Muttersprache einem Wörterbuch mit mehr als einer halben Million Wörtern entspricht (noch nich ma die Queen spricht Queen&#8217;s English)? Von Textbuchgrammatik oder Dudendeutsch ganz zu schweigen.</em></p>
<p>Trudgill, Peter. 2009. Vernacular Universals and the Sociolinguistic Typology of English Dialects. In: Filppula, Markku, Juhani Klemola &amp; Heli Paulasto [eds]. <em>Vernacular Universals and Language Contact: Evidence from Varieties of English and Beyond</em>. London: Routledge. 304-322.</p>
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		<title>The Article War II</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 10:21:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
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Die Literaturmenge zu Frühneuenglisch (Mitte 15. Jhd bis Mitte 17. Jhd) ist (noch) erstaunlich dünn, besonders im Vergleich zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was die Sache zusätzlich verkompliziert, ist die Tatsache, dass der sogenannte abweichende Artikelgebrauch natürlich nicht einfach so vom Himmel gefallen ist. Denn zu Keltizismustheorie und Kontakttheorie kommt noch die Möglichkeit eines konservierten Überbleibsels aus Mittel- und/oder Frühneuenglisch.<span id="more-672"></span></p>
<p>Die Literaturmenge zu Frühneuenglisch (Mitte 15. Jhd bis Mitte 17. Jhd) ist (noch) erstaunlich dünn, besonders im Vergleich zur Literatur über Mittelenglisch. Auf den ersten Blick gibt die Sprachstruktur auch nicht so wahnsinnig viel her; viele der Grammatiken aus der Zeit beschränken sich auf die Sprache William Shakespeares oder John Miltons oder begnügen sich &#8211; für mich nicht unwichtig &#8211; im Bezug auf die Nominalphrase mit dem labidaren Satz: &#8220;The Early Modern English noun phrase was pretty much like what it is today&#8221;.*</p>
<p>Es gibt sie aber, die fraglichen Verwendungskontexte des Artikels aus historischer Sicht, die heute im Standardenglischen verschwunden sind. Man muss zur Not zwar mit Herrn Google durch Shakespeares Werke gehen oder Mittelenglisch (ab 11. Jhd) in Betracht ziehen. Diese sprachhistorischen Umstände sind nicht ganz unwichtig; immerhin wurde Irland im 16. und 17. Jahrhundert flächendeckend und konsequent von den Engländern besiedelt (frühere Besiedlungen waren aus sprachlicher Sicht von geringerer Bedeutung). Zwar ist Shakespeares Englisch nicht repräsentativ für die Sprache der Siedler, es zeigt aber &#8211; in Ermangelung vergleichbarer Daten gesprochener Sprache -, dass in jener Zeit gewisse Konstruktionen zumindest nicht unbekannt waren.</p>
<p><strong>[Fortsetzung folgt.]</strong></p>
<p><em>*Natürlich weiß ich, wer mir hier sehr vehement widersprechen würde. Es genügt aber die Feststellung, dass sich die Literatur über die Nominalphrase in dieser Zeit sehr stark auf Flexionsmorphologie, Pronomen, Adjektive, Modifikatoren und Determinative (u.a. Artikel &#8211; dabei nicht in deren Anwendungskontexten, sondern in Abgrenzung von und Entwicklung aus Demonstrativpronomen und Numeralia).</em></p>
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