Wenn ich mir meine Linguistenkollegen, vor allen Dingen die, mit denen ich vier Jahre im Forschungsprojekt gearbeitet habe, so ansehe, dann überkommt mich regelmäßig das Gefühl, dass ich mit Deutsch und Englisch brauchbare Sprachkenntnisse nur in zwei Sprachen besitze. Natürlich bedeutet sich mit Sprachen zu beschäftigen nicht automatisch die Beherrschung möglichst vieler Sprachen, sondern sich mit ihren Eigenheiten bei Gelegenheit auseinandersetzen zu können. Und trotzdem bin ich sooo klein mit Hut, wenn ich vor mir selbst zugeben muss, dass die sträfliche Vernachlässigung meines Französisch aus der Schulzeit einer Verschwendung gleichkommt. Und fehlende Lateinkenntnisse sind mit “humanistischer Bildungslücke” sehr euphemistisch umschrieben.
Natürlich spreche ich Alemannisch. Es würde vielleicht nicht reichen, einen Beitrag auf der alemannischen Wikipedia zu verfassen, aber von mir aus könnte 3Sat darauf verzichten, die Beiträge des schweizer Fernsehen zu untertiteln. Flughafenangehörige in Zürich müssten mit mir auch nicht Englisch sprechen, wenn sie meinen deutschen Pass durch den Scanner ziehen (obgleich sie das aus politischen Gründen tun, vgl. Fluglärmstreit am Flughafen Zürich – man achte zur besonderen Belustigung besonders auf Absatz 4).
Aber wie peinlich ist das bitte, auf dem Lebenslauf unter Sprachkenntnisse “Badisch” aufzuführen? Letztens sprach ich davon, dass man – sodenn man will – Sprachen aufgrund der Existenz von Armee und Marine von einem Dialekt unterscheiden kann. Auch wenn ich gerne behaupten würde, dass die Separatismusbewegung in Baden eine Armee aufstellt und eine Rhein- und Bodenseemarine aufbietet, gilt Badisch gemeinhein als Dialekt des Deutschen. Also lassen wir das mit dem Badischen halt.
Dafür lerne ich seit heute Niederländisch. Warum? Wollte ich schon seit… äh, 2003.
Ich erinnere mich an eine Zugfahrt von Amsterdam nach Münster, als ich eine herrenlose Zeitung fand. Zugegeben, ich war nach einem Kurztrip in die Stadt der Grachten noch reichlich bekifft. Es reichte aber immerhin (oder gerade deshalb) eine Zeitung in einer Sprache zu lesen, in der ich noch nie Unterricht genommen hatte. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es an meinem benebelten Geisteszustand lag, oder am für Deutsche demunitiv anmutenden Wortschatz der niederländischen Sprache – es war ob meiner hysterischen Lachkrämpfe eine lustige Möglichkeit, die Zeit im niederländischen Bahnverkehr tot zu schlagen (eventuell weniger unterhaltsam für meine Mitreisenden). Und ein Wort ist mir im Gedächtnis geblieben: luchthavenbelasting (‘Flughafensteuer’). Das macht es erstens schwer, auch in nüchternem Zustand die Contenance zu wahren und zweitens hat man damit die Lacher bei jeder flüchtigen Bekanntschaft mit Niederländern auf seiner Seite.
Und somit arbeite ich an meinem ganz persönlichen Beitrag zur von der EU ausgelobten Mehrsprachigkeit. Die Sprachpolitik der EU arbeitet nämlich darauf hin, dass jeder EU-Bürger mindestens zwei Fremdsprachen sprechen kann.
Tot ziens!