Archiv für die Kategorie „Sprachen & Dialekte“

Wahlaufruf: Anglizismus des Jahres 2010

Dienstag, 28. Dezember 2010

Sprachlogger Anatol Stefanowitsch sucht nebenan im Sprachlog den Anglizismus des Jahres 2010. Unter Anatols Vorsitz wird eine Jury aus bloggenden Germanisten und Anglisten im Januar aus Vorschlägen der Öffentlichkeit das Gewinnerwort (und den Gewinner) wählen. In der Jury sitzen neben Anatol die BloggerInnen Juliana Goschler, Kristin Kopf, Michael Mann und meine Wenigkeit.

Die Modalitäten werden hier und hier gesondert aufgeführt, zusammenfassend schreibt Anatol in seinem Wahlaufruf:

Nominierte Wörter sollten (ganz oder in Teilen) aus dem Englischen stammen, sie sollten neu sein, d.h. im Jahr 2010 zum ersten Mal verwendet worden oder wenigstens zum ersten Mal in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt sein. Sie sollten eine interessante Lücke im deutschen Wortschatz füllen, entweder, indem sie eine vorhandene Wortbedeutung weiter ausdifferenzieren oder, indem sie ein Wort für etwas bereitstellen, was es vorher nicht gab oder was vorher nur mühsam umschrieben werden konnte.

Nominierungen dürfen bis zum 7. Januar in den Kommentaren des ersten Wahlaufrufs (und nur da!) mit Quelle und Begründung hinterlassen werden. Diese Wahl ist die erste seiner Art, der aber in Zukunft weitere folgen sollen.

Warum?

Bleibt eine Frage: Wie kann man erst auf Wörterwahlen schimpfen und dann selbst eine veranstalten? Nun, ich will versuchen, ob man nicht doch eine Wörterwahl hinbekommt, bei der es tatsächlich um Sprache geht, und nicht um Gesellschaftskritik. Es wird viel und unqualifiziert auf die englische Sprache und ihren Einfluss auf das Deutsche geschimpft, und dabei wird übersehen, dass die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen erstens völlig normal und zweitens ein Prozess der sprachlichen Bereicherung ist. [Hervorhebung von mir.]

Oder: “Alle hassen englische Lehnwörter. Wir nicht.”

Mehr Fehler, wie üblich

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Der Erklärungsdruck wird größer, weshalb nach der Konsultation des RSS-Feed der Tagesschau mein Blick auf Spiegel Online fällt. Es ist vermutlich eine Marotte aus der Zeit, in der Spiegel Online noch nicht ganz so offensichtlich als Studenten-BILD daher kam. Wofür diese Gewohnheit aber doch recht gut ist: Man findet oft allerhand spannende Übersetzungsfehler.

Nach der Verhaftung von Wikileaks-Chef Julian Assange twitterte Wikileaks gestern:

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Guy Deutscher – Der mit dem Whorf tanzt*

Montag, 29. November 2010

Beginnen wir den Neuanfang mit einem Kaufbefehl. Da die Weihnachtszeit vor der Tür steht und der ein oder die andere schon nach einem Geschenk sucht, hier ein Tipp aus der Sprachwissenschaft. Während der Lektüre von Im Spiegel der Sprache von Guy Deutscher ertappte ich mich nämlich immer wieder bei einem Gedanken: this guy will this year’s christmas shopping very easy.

Anders angefangen: Die Sprachwissenschaft hat in den letzten Jahrzehnten einige – aus unserer Sicht – recht ungewöhnliche Entdeckung gemacht. Ungewöhnlich für uns, weil das, was wir natürlich finden, nicht immer natürlich für Sprecher anderer Sprachen ist. Wenn man beispielsweise Sprechern europäischer Sprachen Bilder einer Geschichte vorlegt und sie bittet, die Bilder in die richtige Reihenfolge zu bringen, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass sie sie von links nach rechts legen. Muttersprachler des Hebräischen legen sie tendenziell von rechts nach links (Fuhrmann & Boroditsky 2010). Das mag man ja noch mit der Richtung ihrer Schriftsprache erklären können. Aber Sprecher einer australischen Sprache legen mal von links nach rechts, mal von oben nach unten und umgekehrt. Wer sich das augenscheinliche Chaos genauer ansieht, stellt fest, dass sie die Bildergeschichte von Ost nach West erzählen (Boroditsky 2009).

Ups!

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Quizzen ohne Wissen

Dienstag, 28. September 2010

Der Mensch liebt Wissensquizze. Warum also nicht mal als eben examierter Sprachwissenschaftler an einem Quiz über Sprache teilnehmen?

Ich war ja selbst mal Quizmaster, also liegt es mir fern, mit den Machern des Quiz all zu hart ins Gericht zu gehen, geschweigedenn das Quiz auf dem Nachrichtenportal RheinNeckar für bare Münze zu nehmen. Aber der Witz ist, dass man mit Wissen über Sprache bei dem Quiz gar nicht die volle Punktzahl erreichen konnte – ist man gnädig, dann sei angemerkt, dass die Fragen zumindest sehr missverständlich formuliert waren.

Schreiten wir zur Analyse: (weiterlesen …)

The German Blitz macht endlich Sinn!

Samstag, 4. September 2010

Gestört von sprachwissenschaftlicher Prüfungsliteratur waren die Tiefflieger vom VDS in der letzten Zeit irgendwie von meinem Radar verschwunden. Ein weiterer Grund ist möglicherweise auch, dass ein erneuter Viren- und Trojanerangriff auf meinen Rechner meine Lesezeichenleiste mit den unter „Lustiges Fremdschämen für Fortgeschrittene” abgelegten Forenbeiträgen des Vereins unbrauchbar gemacht hat. Den heutigen Besuch beim VDS verdanke ich einem sehr witzigen Beitrag im Sprachblog über „Sprachpanscher”.

Zur Erinnerung und in Kurzform: eigentlich geht es dem VDS nicht um Sprachpflege, sondern um die angebliche Überfrachtung der deutschen Sprache mit „Denglisch”. Hauptaussagen: Niedergang des Deutschen! Peinliche Angeberei! Heiße Luft! Lehnwörter ergeben keinerlei Sinn in ihrer Herkunftssprache! Muttersprachler lachen sich tot über unseren Gebrauch englischer Lehnwörter! Bedeutung der Lehnwörter im Englischen ganz anders! Goethe würde sich im Grab umdrehen!

Denkbar. (weiterlesen …)

Noch mehr Tassen im Schrank

Montag, 9. August 2010

Kommentator Lukas hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass man in Österreich auch den Begriff Häferl für ‘Tasse/Becher’ kennt. Dialektale Variation ist natürlich nichts ungewöhnliches – und vermutlich sind die kulturellen und lexikalischen Unterschiede bei so etwas profanem wie Trinkgefäßen noch deutlich ausgeprägter, als wir glauben wollen.

Interessant sind die Ergebnisse einer Bildersuche nach ‘Häferl’. Offenbar bezeichnet Häferl neben einem Kaffeebecher oder einer Teetasse auch ein Gefäß mit Ausguss. Aber es macht deutlich: wir können nicht sagen, wo Häferl aufhört und wo ein karaffenähnliches Gefäß anfängt oder ob Häferl typischerweise beide Gegenstände einschließt. (Liebe Österreicher, wir sind vielleicht linguistisch verwandt, und bei Tassen hört’s vermutlich schon auf. Verzeiht mir meine absolute Nichtkenntnis des (?) Häferls.)

Vor allem von Freunden aus dem Ruhrpott kenne ich noch den Pott. Woran denkt ihr, wenn ihr Pott hört? An ein Hilfsmittel zur Aufnahme von Kaffee oder an eines, diesen wieder abzuführen? An den DFB-Pokal (“Wir holen den Pott!”), aber bestimmt nicht an den WM-Pokal?

Paul Potts ist keine prototypische Tasse.

Mehrsprachigkeit, Sprachpolitik, EU

Freitag, 18. Juni 2010

Fragt man Menschen, welches eines der größten Probleme der EU ist, verwette ich meinen Arsch darauf, dass 80% der Leute sagen: “Die EU hat ein Sprachproblem”. Vermutlich dürfte die Antwort auf die Frage aber auch konjunkturellen Schwankungen unterliegen und derzeit mit “Griechenland”, “(T)Euro” oder “Hä? EU?” konkurrieren. Aber konzentrieren wir uns auf Europas “Sprachproblem”. (weiterlesen …)

Feiertag?

Freitag, 4. Juni 2010

Ich bin normalerweise kein Anglizismenjäger. Im Gegenteil: meine Grundmeinung ist, dass die meisten der vielgescholtenen Lehnwörter unser Lexikon bereichern, weil sie in vielen Fällen eben keine direkten Synonyme ihrer deutschen “Entsprechungen” sind. So ist ein Loser nicht immer ein Verlierer und shoppen ist nicht gleich einkaufen. In anderen Fällen wirkt das “alte” deutsche Wort doch arg holprig oder antiquiert: Verabredung für Date (welche auch wiederum nicht komplett synonym sind, aber gut) oder E-Post für E-Mail. Das bedeutet nicht, dass mein Wortschatz mit “Fremd”wörtern durchsetzt ist – ich nutze überwiegend Rechner statt Computer, Lied statt Song oder Besprechung für Meeting. Das ist aber meine persönliche Wortwahl – und es muss schon viel passieren, bevor ich Anglizismen für unerträglich halte.

Gestern war’s dann doch mal soweit. (weiterlesen …)

Morphologie für Anfänger

Samstag, 3. April 2010

Ich beschäftige mich momentan aus verschiedenen Gründen mit Morphologie. Morphologie ist die Beschreibung und Analyse von Wörtern, Wortstrukturen und Wortteilen, deren Bildung, Ableitung, Flektion und Bedeutung. Kurz gesagt. Aber beginnen wir mit einer kleinen Anekdote.

Im letzten Jahr machte ich ja eher zum Spaß ein Praktikum bei Studio Hamburg, was zumindest meinem Hinterkopf zu kurzer Berühmtheit verhalf (in der zweiten Folge war ich auch von vorne im Hintergrund zu sehen). Ich knechtete in einem sehr netten Team in der Set-Aufnahmeleitung, also als “Arsch für alle(s)”; das sind die, die immer sehr wichtig und mit Headset durch die Gegend laufen.

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18 Stunden im Leben eines Magistranden

Montag, 22. Februar 2010

(Für die Linguisten unter euch: ab 6 Uhr 25 wird’s richtig spannend.)

16.45 Ich wache auf, es ist kalt. Hab vergessen, die Heizung wieder anzustellen.

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