Archiv für die Kategorie „Sprachen & Dialekte“

Es woar dә Mutius

Dienstag, 9. Februar 2010

Wenn, in sei­ner wirk­lich ein­fachs­ten und stark ver­kürz­ten Form, der bestimmte Arti­kel einen Refe­ren­ten (z.B. ein Objekt oder eine Per­son) als bestimmt oder defi­nit mar­kiert, dann ist der Arti­kel in vie­len im vori­gen Bei­trag ange­führ­ten Kon­tex­ten eigent­lich über­flüs­sig. Ein Früh­ling, in wel­chem ich nach Eng­land fahre, ist immer noch der glei­che Früh­ling, ob mit oder ohne bestimm­ten Artikel.

Noch „unlo­gi­scher“ wird es bei Arti­keln in Ver­bin­dung mit Namen. (wei­ter­le­sen …)

Jetzt wird’s typoLOGISCH

Montag, 8. Februar 2010

Die Ver­mu­tung, dass Stan­dar­deng­lisch mit sei­ner Arti­kel­lo­sig­keit meist allein auf wei­ter Flur steht, hat mich ver­an­lasst, eine kleine Umfrage unter Mut­ter­sprach­lern euro­päi­scher Spra­chen mit bestimm­ten Arti­keln (oder deren Äqui­va­len­ten) durch­zu­füh­ren. Dazu bat ich um Über­set­zun­gen von acht Bei­spiel­sät­zen, in denen das iri­sche Eng­lisch angeb­lich so signi­fi­kant vom Stan­dar­deng­lisch abweicht. Dar­un­ter habe ich der­zeit Bei­spiele aus dem Fran­zö­si­schen, Ita­lie­ni­schen, Unga­ri­schen, Schwe­di­schen und Bul­ga­ri­schen. Und aus mei­nem eige­nen Dia­lekt, dem Hochrheinalemannischen.*

Zwar ver­wen­den nur Fran­zö­sich und Ita­lie­nisch in allen Kon­tex­ten der Bei­spiel­sätze Defi­nit­heits­mar­ker, aber die Akzep­tanz­rate - mehr noch, die Not­wen­dig­keit - von bestimm­ten Arti­keln in eini­gen Kon­tex­ten ist für alle Spra­chen verblüffend.

(wei­ter­le­sen …)

We are all sitting in one boat“

Donnerstag, 28. Januar 2010

Der­zeit macht sich die deut­sche Inter­net­ge­meinde über Gün­ther Oet­tin­ger lus­tig, weil er eine Rede auf Eng­lisch hielt.

Mal davon abge­se­hen, dass er nicht mal Deutsch spricht, gibt es genug Gründe, die­sen Mann zu has­sen: Der Geschichts­re­vi­sio­nist ist CDU-Politiker, Schwabe und Fan des VfB Stutt­gart; jedes für sich schon hin­rei­chende Gründe, sich über jedes Fass Häme zu freuen, das über ihm aus­gek­ü­belt wird. Und wer ver­sucht, aus Hans Fil­bin­ger einen Wider­stands­kämp­fer zu machen, hat im öffent­li­chen Leben nichts mehr verloren.

Die hämi­schen Reak­tion in Blogs und Foren rei­chen von Belus­ti­gung über Fremd­schä­men bis zu Ver­är­ge­run­gen dar­über, dass Poli­ti­ker „rich­tig viel Asche vom Steu­er­zah­ler bekom­men“. Und dass man für jedes kleinste Prak­ti­kum „außer­eu­ro­päi­sche Sprach­kennt­nisse vor­wei­sen“ müsse. Oettinger hat sich in der Ver­gan­gen­heit als Ver­fech­ter für Eng­lisch als Arbeits­spra­che eta­bliert, wofür er vom Ver­ein Deut­sche Spra­che (jaja, unsere Freunde vom VDS) 2006 den „Sprach­pan­scher des Jah­res“ für „beson­dere Fehl­leis­tun­gen im Umgang mit der deut­schen Spra­che“ ver­lie­hen bekam. (Der Mensch hat die­sen Preis ver­dient, sobald er den Mund aufmacht.)

Und so spie­gelt sich das in Inter­netre­ak­tio­nen wider: Wer Fremd­spra­chen­kennt­nisse for­dere, müsse auch selbst mit gutem Bei­spiel voran gehen, schließ­lich sei das in der freien Wirt­schaft auch so. Dort würde man mit Oet­tin­gers Sprach­kennt­nis­sen kei­nen Job bekommen.

Ja und nein. Oet­tin­ger ist Poli­ti­ker, und als sol­cher maß­geb­lich an Geset­zen und Poli­ti­ken betei­ligt. Poli­tik sen­det Signal­wir­kun­gen, und unter­mau­ert For­de­run­gen nach Fremd­spra­chen­kennt­nis­sen mit der Umset­zung ent­spre­chen­der Richt­li­nien. Sie lenkt mit öffent­li­chen Gel­dern, bei­spiels­weise im euro­päi­schen Mobi­li­täts­pro­gramm ERASMUS, wel­che pri­mär dazu da sind, Fremd­spra­chen­kennt­nisse und kul­tu­rel­les Ver­ständ­nis zu för­dern. Mana­ger tun das nicht. Mana­ger pro­fi­tie­ren von ent­spre­chen­den Maß­nah­men der Regierungen.

Viel wird jetzt auch dar­auf rum­ge­rit­ten, dass ja eigent­lich auch nie­mand nach Oet­tin­gers Eng­lisch­kennt­nis­sen gefragt hätte, wäre er in Stutt­gart geblie­ben. Aber in Brüs­sel sei die Amts­spra­che ja Eng­lisch, da müsse er, weil auf einem inter­na­tio­na­len Par­kett, auch ver­nünf­tig Eng­lisch spre­chen kön­nen. Die, die das for­dern, haben die EU nicht verstanden.

Nein, Amts­spra­che in Brüs­sel ist nicht Eng­lisch, Amts­spra­chen sind in der EU nicht weni­ger als 23 Spra­chen. Arbeits­spra­chen hin­ge­gen sind die Spra­chen, die im täg­li­chen Beam­ten­ap­pa­rat die meist­ge­nutz­ten sind. Und das sind Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch. Anmer­kun­gen von Kom­men­ta­to­ren, Oet­tin­ger käme in der infor­mel­len Poli­tik­ma­che in Brüs­sel ohne ent­spre­chende Eng­lisch­kennt­nisse zu kurz, sind von einer reflex­ar­ti­gen Angst geprägt, „wir Deut­schen“ kämen zu kurz. Die EU-Realität zeigt doch: Deutsch­land und Frank­reich regie­ren das Orchester.

Dar­über hin­aus defi­niert sich die EU über „Ein­heit in Viel­falt“ - und ganz beson­ders über ihre Spra­chen­viel­falt. Die EU leis­tet sich einen bul­li­gen Über­set­zungs­ap­pa­rat, der immer­hin mehr als 2% ihres Bud­gets aus­macht. Ob nun in der Hin­ter­zim­mer­po­li­tik immer ein Dol­met­scher dabei ist, sei mal ernst­haft in Frage gestellt, aber dar­aus eine For­de­rung abzu­lei­ten, ein deut­scher EU-Kommissar müsse „ver­nünf­tig Eng­lisch“ beherr­schen kön­nen, ist falsch und irre­füh­rend. Wir kön­nen gerne über Oet­tin­gers Qua­li­fi­ka­tio­nen dis­ku­tie­ren - seine Sprach­kennt­nisse zäh­len nicht dazu. Sein Arbeit­ge­ber - die Euro­päi­sche Union, und damit „wir alle“ - legt gro­ßen Wert auf Gleich­be­rech­ti­gung. Dies äußert sich eben in ihrem Sta­tut, dass sich jeder Bür­ger in sei­ner Mut­ter­spra­che an sie wen­den darf, gleich, wie gut und flüs­sig er Eng­lisch spricht. Das ist für die Demo­kra­tie in die­ser Rie­sen­or­ga­ni­sa­tion über­le­bens­wich­tig. Die EU defi­niert sich viel­spra­chig, nicht englischsprachig.

In der Dis­kus­sion offen­bart sich auch eine eigen­ar­tige Schi­zo­phre­nie unse­rer Gesell­schaft: wir wol­len inter­na­tio­nal sein und haben Angst vor dem Ver­fall unse­rer Spra­che. Guido Wes­ter­welle bashte man dafür, dass er sich wei­gerte, auf einer deut­schen Pres­se­kon­fe­renz die Frage eines bri­ti­schen Jour­na­lis­ten auf Eng­lisch zu beant­wor­ten, Gün­ther Oet­tin­ger amü­siert die Inter­net­ge­meinde, in dem er vor einem inter­na­tio­na­len Publi­kum der Colum­bia Uni­ver­sity in Ber­lin Eng­lisch spricht. Dass die Rede an sich scheiße war und inhalts­leer dazu, liegt daran, dass der Mensch Poli­ti­ker ist.

Im Übri­gen: Oet­tin­gers Eng­lisch (und auch das von Guido Wes­ter­welle) ist ledig­lich von einem star­ken deut­schen Akzent geprägt. Er liest die Rede ab und tappt damit in jede Falle, die die unlo­gi­sche eng­li­sche Ortho­gra­phie für ihn auf­ge­stellt hat. Das ist bemit­lei­dens­wert, pein­lich ist es nicht. Ich bleibe bei mei­ner These: die Mehr­heit der­je­ni­gen, die das so unglaub­lich amü­sant fin­den, hät­ten mit den frag­li­chen Fremd­wör­tern auch ihre Pro­bleme und erfah­ren ver­mut­lich eine unter­be­wusste Befrei­ung, genau dabei nicht selbst ertappt wor­den zu sein. Deut­sche ten­die­ren dazu, ihre eige­nen Sprach­kennt­nisse zu überschätzen.

Einige Kom­men­ta­to­ren belus­ti­gen sich unter ande­rem über seine Schluss­be­mer­kung (zumin­dest sug­ge­riert uns das das YouTube-Video): „We are all sit­ting in one boat“. Die eng­li­sche Ent­spre­chung heißt zwar „we are all in the same boat“ - an der Meta­pher ändert es nichts. Man sollte die Spra­che selbst beherr­schen, bevor man sich über die Kennt­nisse der­sel­ben ande­rer lus­tig macht.

Um Oet­tin­ger zu ver­ste­hen, muss man ihm auch zuhö­ren wollen.

Wer A sagt, muss auch Ø sagen

Mittwoch, 20. Januar 2010

Eine wei­tere Schwä­chung der Sub­strat­theo­rie sollte eigent­lich sein, dass für das iri­sche Eng­lisch keine Unter­ver­wen­dung des unbe­stimm­ten Arti­kels a/an belegt ist. Nach mei­ner Logik muss eine Nicht-Dokumentiertheit nicht auto­ma­tisch bedeu­ten, dass es kein Vor­kom­men gibt - aber sie sind eben, naja, nicht belegt. Wir erin­nern uns: Irisch hat kei­nen unbe­stimm­ten Arti­kel. Unbe­stimmt­heit wird durch das nackte Sub­stan­tiv mar­kiert: fear ‚ein Mann‘ aber an fear ‚der Mann‘. Nicht ver­wir­ren las­sen, ir. an ent­spricht nicht dem eng­li­schen ‚an‘, son­dern ‚the‘.

Davon aus­ge­hend, dass Arti­kel a) zu den gram­ma­ti­schen Kate­go­rien gehö­ren, die von Kin­dern am spä­tes­ten erlernt und dem­ent­spre­chen spät kor­rekt im Sinne der mut­ter­sprach­li­chen Kom­pe­tenz beherrscht wer­den und b) viele ver­schie­dene seman­ti­sche und prag­ma­ti­sche Funk­tio­nen haben, ist der Arti­kel­ge­brauch im All­ge­mei­nen star­ker Varia­tion und Kom­ple­xi­tät unter­wor­fen, auch im Mut­ter­spra­che­neng­lisch. Fremd- und Zweit­spra­chen­ler­ner haben des­halb größte Pro­bleme  „with mas­te­ring (the) English arti­cles“ (IrE: „the mas­te­ring of English arti­cles“ [!!]). Dazu gibt es viele Stu­dien - beson­ders große Pro­bleme haben dabei Spre­cher von Spra­chen ohne Arti­kel, z.B. Rus­sisch oder Chi­ne­sisch. Dar­aus lässt sich auch die große Varia­tion des Arti­kel­ge­brauchs in asia­ti­schen Eng­lischs ablei­ten, beson­ders dort, wo Eng­lisch die Fremd- oder Zweit­spra­che ist.

Die Abwe­sen­heit von unbe­stimm­ten Arti­keln im Iri­schen führt aber nicht zu einer „Pro­ble­ma­tik“ der Iren in der Ver­wen­dung des unbe­stimm­ten eng­li­schen Arti­kel. In der Sub­strat­lo­gik müsste dies zumin­dest teil­weise so sein. Was belegt ist, ist die gele­gent­li­che Ver­wen­dung von the für a/an:

they think he is the most refined young man. [geo­gra­phy unknown, 1910]
Mark is the Bache­lor as yet. [Fer­ma­nagh, Uls­ter, 1848]

Eine Unterver­wen­dung des Arti­kels wäre jedoch ledig­lich Mark is bache­lor as yet - und eine sol­che ist mir für iri­sches Eng­lisch weder in unse­rem Kor­pus, noch in der rele­van­ten Lite­ra­tur begeg­net. Mehr noch: die Nähe von irisch an (bestimmt) zu engl. an (unbe­stimmt) hat erst recht nicht dazu geführt, dass im iri­schen Eng­lisch häu­fi­ger unbe­stimmte statt bestimmte Arti­kel ver­wen­det wer­den (Transferlogik).

Das Mus­ter wird klarer.

The Article War III

Montag, 18. Januar 2010

Jahr­zehn­te­lang wurde in der Lite­ra­tur zu Eng­lisch in Irland dar­über gestrit­ten, ob die Varie­tät iri­sche oder alte und/oder archai­sche eng­li­sche Wur­zeln hat. Das eine sind die Anhän­ger der Sub­strat­theo­rie (sub­stra­tum), letz­tere sind die Ver­fech­ter der Super­strat­theo­rie bzw. der reten­tion (super­stra­tum). In den wenigs­ten Fäl­len ein­zel­ner Phä­no­mene ist aber über­haupt die eine Quelle aus­zu­ma­chen, wes­halb es in den letz­ten zehn Jah­ren spür­bar eine Ver­schie­bung hin zum „drit­ten Weg“ gege­ben hat: Rolle des Sprach­kon­takts an sich, des lan­guage shift (Sprach­wech­sel), Zwei­spra­chig­keit, Grad des lin­gu­is­ti­schen Trans­fers und die Rolle sozia­ler Fak­to­ren. Ein Groß­teil der neue­ren Lite­ra­tur ist damit auch in einer glo­ba­le­ren Varietäten- und Uni­ver­sa­li­en­for­schung eng­li­scher (Umgangs-)Sprache anzusiedeln.

Mit dem Arti­kel­ge­brauch in Irland haben sich nur zwei Auto­ren bis­her näher befasst (und weil ich schon im Schreib­mo­dus denke, füge ich noch hinzu to the best of my know­ledge). Zwar hat irgend­wie jeder, der über Syn­tax des iri­schen Eng­lischs publi­ziert hat, etwas dazu geschrie­ben, en pas­sant. Okay, viel­leicht sind’s auch drei (Ray­mond Hickey). (wei­ter­le­sen …)

Von Standards und Abweichungen

Freitag, 15. Januar 2010

Bevor ich den Krieg wei­ter­füh­ren kann, ein klei­ner Exkurs.

Die Fest­stel­lung abwei­chen­den Sprach­ge­brauchs hat fast aus­schließ­lich eine - aus lin­gu­is­ti­scher Sicht - selt­same, zumin­dest aber pro­ble­ma­ti­sche Bezugs­größe: die Stan­dard­spra­che. Mit dem Stan­dar­deng­lisch ist es irgend­wie wie mit „ver­nünf­ti­gem Deutsch“ - kei­ner weiß, wo genau es angeb­lich gespro­chen wird.* (wei­ter­le­sen …)

The Article War II

Donnerstag, 14. Januar 2010

Was die Sache zusätz­lich ver­kom­pli­ziert, ist die Tat­sa­che, dass der soge­nannte abwei­chende Arti­kel­ge­brauch natür­lich nicht ein­fach so vom Him­mel gefal­len ist. Denn zu Kel­ti­zis­mus­theo­rie und Kon­takt­theo­rie kommt noch die Mög­lich­keit eines kon­ser­vier­ten Über­bleib­sels aus Mittel- und/oder Früh­neu­eng­lisch. (wei­ter­le­sen …)

Frohes Neues Jahr(zehnt)

Donnerstag, 7. Januar 2010

…oder heißt es ab sofort Jahrzwan­zig?  Immer­hin strei­ten sich unsere anglo­pho­nen Freunde seit Tagen in unter­schied­li­cher Inten­si­tät um die kor­rekte Aus­spra­che von „2010“ - zusam­men­ge­tra­gen wurde die Dis­kus­sion bei­spiels­weise von Mark Liber­man im Lan­guage Log. Auf die Frage, wie das in ande­ren Spra­chen aus­sieht, schreibt eine Kom­men­ta­to­rin, dass sich „Zwan­zig­tau­send­zehn“ auf Deutsch irgend­wie „falsch“ anhört; womit sie ver­mut­lich sehr Recht hat, was aber eher daran lie­gen mag, dass sie sich im fal­schen Jahr­zehn­tau­send befin­det. Aber gut.

Bei Del­ta­Ra­dio war der Mode­ra­tor der Mei­nung, 20-10 (Zwan­zig­Zehn) sei ja viel coo­ler. Mit Ver­laub - das klingt für meine Ohren nach extrem pein­li­chen Poser­ge­töse. Eine Mei­nung, die glück­li­cher­weise auch fast alle zuge­schal­te­ten Hörer ver­tra­ten. Und wenn das schon die Hörer eines ultra­coo­len Sen­ders (Selbst­dar­stel­lung) sagen, besteht Hoff­nung. Aber gut.

Wurscht isses ja. Die Spre­cher­ge­mein­schaft wird’s schon richt(ig)en.

Fremdwort des Jahres 2009

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Das Bre­mer Sprach­blog sucht das Fremd­wort des Jah­res 2009. Weil momen­tan ja jeder nach Wie-auch-immer-gearteten-Worten des Jah­res sucht.

Egal, ob es sich um ein ästhe­tisch bemer­kens­wert befrie­di­gen­des, ein kom­mu­ni­ka­tiv ein­zig­ar­tig effek­ti­ves oder zwi­schen­mensch­lich außer­ge­wöh­lich anspre­chen­des Wort han­delt — jede Begrün­dung zählt.

Ich habe Moin ins Ren­nen gewor­fen. Begrün­dung: weil’s kom­mu­ni­ka­tiv ein­zig­ar­tig effek­tiv ist. Das wurde mir beson­ders beim Tür­ken mei­nes Ver­trau­ens bewußt, als ich in sei­nen Laden trat und ihn mit „Moin“ begrüßte.

Er: Hey, das heißt „Guten Tag oder Hallo, wie geht’s Dir?“!

Ich: Hä, wieso? Hab ich doch gesagt! „Guten Tach, Hallo, wie geht’s?“… Moin halt!

Und ein Fremd­wort ist Moin des­halb, weil alles süd­lich der nati­ven Sprach­räume von Moin (Frie­sisch, Platt, Süd­dä­nisch, Nie­der­län­disch (Fries­land) etc.) Pro­bleme mit sei­ner kor­rek­ten Ver­wen­dung haben, den Nord­deut­schen aber glau­ben machen wol­len, dass man nach der früh­mor­gend­li­chen Kaf­fee­pause doch nicht mehr „Guten Mor­gen“ wün­schen kann.

Tz.

Der Artikel im Niederländischen

Freitag, 4. September 2009

Ihr seht, ich bin voll dabei!

Nie­der­län­disch ist für Deut­sche rela­tiv gese­hen sehr ein­fach. Wir ren­nen ja nur so durch die Lek­tio­nen; Nicht­mut­ter­sprach­ler des Deut­schen haben den Kurs nach zwei Tagen auch schon sehr gefrus­tet auf­ge­ge­ben. Voka­beln sind oft ein­mal gese­hen und abge­spei­chert, flek­tierte For­men dau­ern etwas län­ger und die Funk­ti­ons­wör­ter - naja gut, die schaut man eben ein­mal mehr nach. Aller­dings ist es nicht ganz so ein Pip­pi­fax, wie man glau­ben könnte: Ohne Nach­be­ar­bei­tung und zuge­ge­ben auch stump­fes Aus­wen­dig­ler­nen geht’s auch hier nicht. Das hat gut die Hälfte des Kur­ses nicht rich­tig verstanden.

Nun ist das Nie­der­län­di­sche sogar ein wenig hin­ter­lis­tig. Das Genus­sys­tem unter­schei­det zwi­schen Maskulinum/Femininum (das soge­nannte Utrum) und dem Neu­trum. So, als hät­ten wir im Deut­schen einen gemein­sa­men Arti­kel für der und die und eben das. Das sind de (Utrum) und het (Neu­trum). So weit, zo goed. Jetzt haben aber die Wör­ter im Utrum auch noch ein männ­li­ches oder weib­li­ches Geschlecht:

De trein is te laat. Nu rijdt hij het sta­tion bin­nen.
’Der Zug ist zu spät. Nun fährt er in die Sta­tion ein.‘

Das ist fies. Auf die Frage an unsere bel­gi­sche Dozen­tin, wie man das als Ler­ner denn wis­sen kann, ant­wor­tet sie süffisant:

Gar nicht. Aber macht’s am Bes­ten wie die Nie­der­län­der - bei denen ist ein­fach alles mas­ku­lin. Auch die Kuh.

Na dann, will ich mal den Frei­zeit genie­ßen gehen.