Archiv zur KategorieThema

Schlussredaktion

Bevor mir weitere besorgte Emails zugeschickt werden: ab morgen ist Schlussredaktion. Und vielleicht legt sich dann auch das beklemmende Gefühl, aufgrund von Betriebsblindheit das Wesentliche aus den Augen verloren zu haben.

Von der vielzitierten Erleichterung ist noch nichts zu spüren.

Kommentare (4)

The Final Countdown

“Schlachtfeld” ist übrigens sehr wörtlich zu nehmen.

Ich befinde mich mittlerweile im atomaren Endzeitkrieg mit Word. Das geht so: ich mache eine hübsche Tabelle und Word pulverisiert einen Augenblick später die Arbeit von Stunden. Da hilft auch speichern nix (nur wer sich jetzt zur Klugscheißerei berufen fühlen sollte). Die Rückgängig-machen-Funktion macht ja logischerweise auch alle der Speicherung nachgefolgten Änderungen rückgängig. Und natürlich merkt man die von Geisterhand im Hintergrund vorgenommen Änderungen an Formatvorlagen (besonders bitter, wenn’s die Mastervorlage trifft) immer erst dann, wenn man schon soviel anderes geändert und gespeichert hat. Wie soll ich auch wissen, dass sich auf Seite 23 ein Zitat verschiebt, wenn ich auf 85 mit Tabellen hantiere?

80 Seiten lang machte Word genau das, was ich ihm gesagt hatte. Die Definition der Formatvorlagen war so gründlich, dass ich mich schon hätte anstrengen müssen, die Formatierungen mutwillig kaputt zu kriegen. Hm ja, bis die Tabellen kamen. Und bis mein typografischer Ehrgeiz aus simplen Linien-zentrierten-Zellen-Schwarz-Weiß-Tabellen was Hübscheres machen wollte. Für die Druckqualität der zeitweilig in Betracht gezogenen behelfsmäßigen Notkonstruktion (aus Tabelle mach Grafik) fehlt mir derzeit noch das treffende Vokabular. ‘Unterirdisch’ ginge schon mal in die richtige Richtung.

Aber ich vermelde die letzten Züge. Die Dateigröße ist mittlerweile auf über 1MB aufgebläht (andere kommen für ähnlich viel Magisterarbeit auf etwa 250KB). Wenn ich jetzt noch die Analyse der zeitlichen Distribution von “Artikelgebrauch im 19. Jahrhundert in Irland” einigermaßen in Worte gefasst bekomme (zeitlicher Verlauf ist im Übrigen bemerkenswert monoton) und man mir die heutige extreme Unlust nicht allzusehr anmerkt, dann fehlt nur noch die Abschlussdiskussion.

Liebes Word, den Krieg gewinne ich!

Kommentare (4)

Zeitangaben und die referentielle Komponente

Im Englischen gibt es Konstruktion – mit und alternativ ohne Artikel – die nichts damit zu tun haben, ob’s ein Ire oder ein Mensch aus Oxford von sich gibt. Dazu zählen beispielsweise at night vs. in the night und in spring vs. in the spring. Die jeweils letzteren Konstruktionen sind speziell den Iren nachgesagt worden. Und niemand ist bisher (bis auf, ironischerweise, einige wenige Grammatiken für Standardenglisch) auf die semantische Komponente eingegangen, schon gar nicht für irisches Englisch.

__(‘weiterlesen »’)

Kommentar

18 Stunden im Leben eines Magistranden

(Für die Linguisten unter euch: ab 6 Uhr 25 wird’s richtig spannend.)

16.45 Ich wache auf, es ist kalt. Hab vergessen, die Heizung wieder anzustellen.

__(‘weiterlesen »’)

Kommentare (2)

Polemik auf der Überholspur

The rules and long lists of categories requiring one or the other article laid down in standard grammars manage to hide the amount of variation which actually exists in this domain of grammar even in Standard English (StE), let alone the numerous social or regional varieties of English, which do not give ‘two hoots’ for the grammarians’ best efforts to dictate ‘correct usage’. The situation is much the same as when travelling on roads: once you are outside the radar-control zones of the major roads, on ‘B’ roads, you can travel at whatever speek your driving skills and your vehicle may enable you to sustain without having to worry too much about speed control and traffic regulations. (Filppula 2001: 43)

Vermutlich jeder Erstsemester würde eine Hausarbeit mit derartiger Polemik um die Ohren gehauen bekommen. So würd’s jedenfall ich machen, wenn mir mal jemand sowas vorlegen würde.

Wenn’s lustig gemeint war: Gähn, Thema verfehlt.
Wenn’s ernst gemeint war: Keller, Rudi.

Aber ganz flott.

Filppula, Markku. 2001. The Highways and Byways of the English Definite Artilce. In: Hiltunen, R, K Battarbee, M Peikola & SK Tanskanen [eds]. English in Zigs and Zags. Turku. 43-51.
Keller, Rudi. 2003. Sprachwandel. Tübingen.

Kommentar

Schlau gedacht?

Einerseits habe ich derzeit eine mittlere Krise, weil ich nicht wirklich spürbar voran komme – in Relation gesetzt muss man wohl einbeziehen, dass ich seit Anfang Januar meine Arbeitshypothese so radikal geändert (ändern musste!) und vor zwei Wochen auch noch meinen Theorierahmen verworfen habe.

So gesehen ist alles gar nicht so schlimm. Momentan lese ich täglich Dinge, die mir aber so schon mal durch den Kopf gegeistert sind. Irgendwie so etwas in der Art “Hey, das müsste eigentlich doch ganz anders erklärbar sein, etwa so und so.” oder “Die sind doch alle total auf dem Holzweg, da muss man ganz anders rangehen”. Und Bamm – schon steht das irgendwo, zwar meist auf andere Dinge (=Phänomene) bezogen, aber nicht unübertragbar auf meinen Fall.

Aber irgendwie ist es ein Scheißgefühl, wenn man so gar nicht sichtbar weiter kommt. Ich weiß ja, dass die Arbeit wirklich ganz groß ist – weil einerseits die Ergebnisse meiner Daten etwas völlig anderes suggerieren, als bisher angenommen wurde und andererseits meine Herangehensweise von ganz anderen Grundannahmen ausgeht, die den Untersuchungsgegenstand in einem neuen Licht erscheinen lässt (und nach meiner Meinung die bisherigen Sichtweisen auch, äh, naja, mehr oder weniger disqualifizieren). Man könnte sagen: das ist thinking outside the box.

Natürlich helfen die Kommentare der Betreuer (“Ich freue mich auf Ihre Arbeit!” – “Das wird ne richtig tolle Arbeit, wenn du das so umsetzen kannst.”), die beide unabhängig voneinander ähnliche Vorschläge gemacht haben – und meinen Ehrgeiz wirklich angestachelt haben. Was im Oktober für mich noch undenkbar und viel zu kompliziert war, ist jetzt der Kern der Argumentation.

Wenn ich mir heute Ergebnisse und Argumentation von vor anderthalb Jahren angucke… ich hätte mich selbst durchfallen lassen.

Jetzt bin ich Teil von was Großem.

Kommentar

Es woar dә Mutius

Wenn, in seiner wirklich einfachsten und stark verkürzten Form, der bestimmte Artikel einen Referenten (z.B. ein Objekt oder eine Person) als bestimmt oder definit markiert, dann ist der Artikel in vielen im vorigen Beitrag angeführten Kontexten eigentlich überflüssig. Ein Frühling, in welchem ich nach England fahre, ist immer noch der gleiche Frühling, ob mit oder ohne bestimmten Artikel.

Noch “unlogischer” wird es bei Artikeln in Verbindung mit Namen.

__(‘weiterlesen »’)

Kommentar

Wer A sagt, muss auch Ø sagen

Eine weitere Schwächung der Substrattheorie sollte eigentlich sein, dass für das irische Englisch keine Unterverwendung des unbestimmten Artikels a/an belegt ist. Nach meiner Logik muss eine Nicht-Dokumentiertheit nicht automatisch bedeuten, dass es kein Vorkommen gibt – aber sie sind eben, naja, nicht belegt. Wir erinnern uns: Irisch hat keinen unbestimmten Artikel. Unbestimmtheit wird durch das nackte Substantiv markiert: fear ‘ein Mann’ aber an fear ‘der Mann’. Nicht verwirren lassen, ir. an entspricht nicht dem englischen ‘an’, sondern ‘the’.

Davon ausgehend, dass Artikel a) zu den grammatischen Kategorien gehören, die von Kindern am spätesten erlernt und dementsprechen spät korrekt im Sinne der muttersprachlichen Kompetenz beherrscht werden und b) viele verschiedene semantische und pragmatische Funktionen haben, ist der Artikelgebrauch im Allgemeinen starker Variation und Komplexität unterworfen, auch im Muttersprachenenglisch. Fremd- und Zweitsprachenlerner haben deshalb größte Probleme  ”with mastering (the) English articles” (IrE: “the mastering of English articles” [!!]). Dazu gibt es viele Studien – besonders große Probleme haben dabei Sprecher von Sprachen ohne Artikel, z.B. Russisch oder Chinesisch. Daraus lässt sich auch die große Variation des Artikelgebrauchs in asiatischen Englischs ableiten, besonders dort, wo Englisch die Fremd- oder Zweitsprache ist.

Die Abwesenheit von unbestimmten Artikeln im Irischen führt aber nicht zu einer “Problematik” der Iren in der Verwendung des unbestimmten englischen Artikel. In der Substratlogik müsste dies zumindest teilweise so sein. Was belegt ist, ist die gelegentliche Verwendung von the für a/an:

they think he is the most refined young man. [geography unknown, 1910]
Mark is the Bachelor as yet. [Fermanagh, Ulster, 1848]

Eine Unterverwendung des Artikels wäre jedoch lediglich Mark is bachelor as yet – und eine solche ist mir für irisches Englisch weder in unserem Korpus, noch in der relevanten Literatur begegnet. Mehr noch: die Nähe von irisch an (bestimmt) zu engl. an (unbestimmt) hat erst recht nicht dazu geführt, dass im irischen Englisch häufiger unbestimmte statt bestimmte Artikel verwendet werden (Transferlogik).

Das Muster wird klarer.

Kommentar

The Article War III

Jahrzehntelang wurde in der Literatur zu Englisch in Irland darüber gestritten, ob die Varietät irische oder alte und/oder archaische englische Wurzeln hat. Das eine sind die Anhänger der Substrattheorie (substratum), letztere sind die Verfechter der Superstrattheorie bzw. der retention (superstratum). In den wenigsten Fällen einzelner Phänomene ist aber überhaupt die eine Quelle auszumachen, weshalb es in den letzten zehn Jahren spürbar eine Verschiebung hin zum “dritten Weg” gegeben hat: Rolle des Sprachkontakts an sich, des language shift (Sprachwechsel), Zweisprachigkeit, Grad des linguistischen Transfers und die Rolle sozialer Faktoren. Ein Großteil der neueren Literatur ist damit auch in einer globaleren Varietäten- und Universalienforschung englischer (Umgangs-)Sprache anzusiedeln.

Mit dem Artikelgebrauch in Irland haben sich nur zwei Autoren bisher näher befasst (und weil ich schon im Schreibmodus denke, füge ich noch hinzu to the best of my knowledge). Zwar hat irgendwie jeder, der über Syntax des irischen Englischs publiziert hat, etwas dazu geschrieben, en passant. Okay, vielleicht sind’s auch drei (Raymond Hickey).

__(‘weiterlesen »’)

Kommentar

Von Standards und Abweichungen

Bevor ich den Krieg weiterführen kann, ein kleiner Exkurs.

Die Feststellung abweichenden Sprachgebrauchs hat fast ausschließlich eine – aus linguistischer Sicht – seltsame, zumindest aber problematische Bezugsgröße: die Standardsprache. Mit dem Standardenglisch ist es irgendwie wie mit “vernünftigem Deutsch” – keiner weiß, wo genau es angeblich gesprochen wird.*

__(‘weiterlesen »’)

Kommentar

« Vorherige Einträge