Einerseits habe ich derzeit eine mittlere Krise, weil ich nicht wirklich spürbar voran komme - in Relation gesetzt muss man wohl einbeziehen, dass ich seit Anfang Januar meine Arbeitshypothese so radikal geändert (ändern musste!) und vor zwei Wochen auch noch meinen Theorierahmen verworfen habe.
So gesehen ist alles gar nicht so schlimm. Momentan lese ich täglich Dinge, die mir aber so schon mal durch den Kopf gegeistert sind. Irgendwie so etwas in der Art »Hey, das müsste eigentlich doch ganz anders erklärbar sein, etwa so und so.« oder »Die sind doch alle total auf dem Holzweg, da muss man ganz anders rangehen«. Und Bamm - schon steht das irgendwo, zwar meist auf andere Dinge (=Phänomene) bezogen, aber nicht unübertragbar auf meinen Fall.
Aber irgendwie ist es ein Scheißgefühl, wenn man so gar nicht sichtbar weiter kommt. Ich weiß ja, dass die Arbeit wirklich ganz groß ist - weil einerseits die Ergebnisse meiner Daten etwas völlig anderes suggerieren, als bisher angenommen wurde und andererseits meine Herangehensweise von ganz anderen Grundannahmen ausgeht, die den Untersuchungsgegenstand in einem neuen Licht erscheinen lässt (und nach meiner Meinung die bisherigen Sichtweisen auch, äh, naja, mehr oder weniger disqualifizieren). Man könnte sagen: das ist thinking outside the box.
Natürlich helfen die Kommentare der Betreuer (»Ich freue mich auf Ihre Arbeit!« - »Das wird ne richtig tolle Arbeit, wenn du das so umsetzen kannst.«), die beide unabhängig voneinander ähnliche Vorschläge gemacht haben - und meinen Ehrgeiz wirklich angestachelt haben. Was im Oktober für mich noch undenkbar und viel zu kompliziert war, ist jetzt der Kern der Argumentation.
Wenn ich mir heute Ergebnisse und Argumentation von vor anderthalb Jahren angucke… ich hätte mich selbst durchfallen lassen.
Jetzt bin ich Teil von was Großem.