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The Article War II

Was die Sache zusätzlich verkompliziert, ist die Tatsache, dass der sogenannte abweichende Artikelgebrauch natürlich nicht einfach so vom Himmel gefallen ist. Denn zu Keltizismustheorie und Kontakttheorie kommt noch die Möglichkeit eines konservierten Überbleibsels aus Mittel- und/oder Frühneuenglisch.

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The Article War I

Jetzt auch mal hier ans Eingemachte.

Mein Untersuchungsgegenstand, der bestimmte Artikel the, wird im irischen Englisch in bestimmten Kontexten häufiger benutzt, als im Standardenglisch. Also besonders in Verbindung mit nichtspezifischer Referenz wie in He’s at the school, wenn nicht das Gebäude, sondern die Institution an sich gemeint ist; in Konstruktionen mit Jahreszeiten (in the spring), Krankheiten (He died of the cancer), Festtagen (the Christmas, the Easter); in Phrasen, in denen the die Präpositionen per oder at oder Personalpronomen ersetzt (three pounds in the week ‘three pounds per week’, in the night, he left the wife behind); vor den Quantifikatoren both, half und most in of-Phrasen (and the both of them hungry, the one half of what you hear). Dazu kommen erhöhte Gebrauchsfrequenzen des bestimmten Artikels in Phrasen mit unzählbaren Substantiven (non-count/mass nouns), die im Standardenglisch keinen Artikel haben (the gold is plenty, the bacon is high ‘bacon is expensive’).

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Stand der Dinge

“Wieviele Seiten haste denn jetzt schon geschrieben?” werde ich oft gefragt. Zeit also, mal Kassensturz zu machen. Antwort: drei. Also die Einleitung habe ich schon mal. Da man die aber bekanntlich erst zum Schluß schreibt, habe ich oberflächlich betrachtet noch nichts Zählbares. Aber der Reihe nach.

Bei Hausarbeiten habe ich immer erst Literatur gesammelt, queer gelesen, Texte aussortiert, dann intensiver gelesen, Notizen gemacht. Zeitlich gestrafft, zwei, drei Tage von morgens um acht bis abends elf am Schreibtisch. Bis eben irgendwann ein Berg von Notizen und Querverweisen da war, der dann vorstrukturiert wurde und schlußendlich in ein, maximal zwei Tagen zusammengetragen und verschriftlicht wurde. Das war relativ einfach. Aber das waren ja nie mehr als 20 Seiten, da kann man das schon mal machen. Persönlich empfundener Vorteil: man ist beim Schreiben so sehr drin, dass irgendwie alles logisch aufeinander aufbauen kann. Häppchenweise arbeiten, also über Wochen hinweg gleichzeitig lesen und schreiben war nie mein Ding. Drei, vier Tage, ratzfatz fertig.

Jetzt ist das natürlich was anderes. Und trotzdem kann ich meine Methode nicht ablegen, erst zu lesen und dann zu schreiben. Das führte in den vergangenen Wochen zu erhöhtem Frust, den Deckel nicht zu finden auf dieses auch leider sehr bodenlose Fass von Literatursuche und -sichtung. Aber der Großteil ist vermutlich gelesen, zumindest das fürs grobe Argumentationsgerüst. Die Details für die Theorieuntermauerung kommen nach der Analyse der Daten (Henne und Ei lassen aber grüßen: anhand welcher Parameter soll ich die Daten denn sortieren und analysieren? Welche Daten sind aufgrund meiner Parameter überhaupt verwertbar?). Fürs erste ist wohl mal Richtfest.

Also nach Weihnachten tipp ich mir die Finger wund!

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Gliederung

Jaha!

Nix mit Gliederung der Arbeit (dazu zu gegebener Zeit mehr), für alle, die jetzt Konkretes erwartet haben. Die steht eigentlich, da sind ja wissenschaftliche Schemata vorgegeben. Keine große Überraschung, oder?

Nein – versucht Ihr doch mal, in einer Verzeichnisstruktur aufm Rechner Ordnung reinzubekommen! Ordnet man nach Kapiteln? Oder nach bereits gelesenen und notizenversehenen Artikeln? Und wie ordnet und strukturiert man überhaupt Notizen, auch und besonders um das Risiko zu minimieren, dass sie vom Radar verschwinden? Und was, zum Teufel, mache ich mit den ganzen Überbleibseln, Notizen, wirren Gedanken und Dateien aus dem letzten Jahr? Fange ich neu an, muss ich etwa alles noch mal lesen? Okay, wenn ich’s mir hätte aussuchen können – das Jahr Pause war nicht das Beste, aber sei’s drum.

Und dann multipliziert das Ganze, ich hab ja zwei Rechner und ne externe Festplatte, und ohne fundiertere Computerkenntnisse weiß ich nicht mal, wie man das alles sinnvoll synchronisiert.

Ups.

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Ask A Muttersprachler

In einer E-Mail, die ich diese Woche aus Süddeutschland bekam, stand dies:

Vielen Dank für Ihr Mail.*

Daran fallen zwei Dinge auf: Erstens hat der Verfasser relativ elegant die Klippe der Schreibweise für diese Art der elektronischen Post umschifft. Der Duden empfiehlt E-Mail, vermutlich da alternative Schreibweisen entweder zu Verwechslung führen (Email) oder sich nicht so recht in die Regeln der deutschen Groß- und Kleinschreibung in Wörtern einfügen wollen (eMail und EMail).

Zweitens, und das ist viel interessanter, liegt hier eine süddeutsche Genusverwendung vor: während im Hochdeutschen ‘E-Mail’ weiblich ist (die E-Mail), bevorzugen die Süddeutschen, aber auch Österreicher und Schweizer das E-Mail. (Der Duden, interessanterweise, führt zwar ‘die/das E-Mail’, aber nur ‘die Mail’ auf – in diesem Fall wäre die Umschiffung wohl doch nicht so elegant gewesen, wie ich dachte, aber der Duden stammt aus dem Jahr 2007.)

Nun ist auch ein in Süddeutschland lebender Mensch, der mit Deutsch aufgewachsen ist, ein Muttersprachler. (Dies mag ein Hamburger zwar gerne mal abstreiten, aber das ist jetzt nicht das Thema.) Und die Genusunterschiede hören ja nicht bei elektronischer Post auf. Es zählen auch etablierte(re) Wörter des Alltags dazu, man denke an der Mikro (abgeleitet von und den Mikrowellenherd bezeichnend), das Cola oder der Butter. Und was den Butter betrifft, da bin ich alemannischer Muttersprachler genug, um zu sagen, dass diese Verwendung zwar altmodisch klingt, aber nicht unüblich ist. Wer’s genau wissen will, der fährt zur Feldforschung mal ins Münstertal bei Offenburg.

Wenn ich nun also sage, ich möchte den Artikelgebrauch im irischen Englisch beschreiben und erkläre meinen (muttersprachlichen) englischen Freunden, worum es geht, dann höre ich oft “Yes, but I think you can use ‘the’ in English in this context”. Mit anderen Worten, es ist ein sehr schmaler Grat (wenn auch genau umgekehrt als in meinem Beispiel der süd/nord/hochdeutschen Genusverwendung). Denn auch der Gebrauch des Artikels wie im irischen Englisch, der angeblich so charakteristisch für diese Varietät ist,  ist nicht “falsch”, und in vielen Dialekten des britischen Englisch durchaus nicht fremd.

Der Mythos des Normmuttersprachlers ist ohnehin überholt. Denn, wo die meisten bei “I’m here since Monday” den Rotstift ansetzen würden, ist das in Irland ein korrekte Umschreibung dafür, dass jemand, naja, seit Montag hier ist. Und an der muttersprachlichen Kompetenz eines Iren zweifelt niemand (obgleich mir da von einigen Engländern vehement widersprochen wird).

Ums humoristisch zu sehen, sag ich’s mit Volker Pispers (…bis neulich!):

Viele sagen ja, die bei uns lebenden Ausländer müssen wenigstens vernünftig Deutsch sprechen. Was isn das? Vernünftiges Deutsch? Wo wird das denn gesprochen? Warense da schon mal? Können Sie sich an einem schwäbischen Stammtisch artikulieren?

Ja, ich könnte.

(Für die Phonologen unter uns: Vielen Dank für Ihr Mail aus dem Mund eines Alemannen klänge für einen Norddeutschen übrigens auch nach dem Erhalt einer Mehllieferung; das (Weizen)Mehl klingt auf Badisch wie ‘Mähl’… to be continued!)

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Bliain úr faoi shéan is faoi mhaise dhaoibh

Frohes Neues! Positiv gesehen: neues Jahr, neues Glück. Good-bye 2008, hello 2009!

Und das bedeutet erst mal: Festplatte entrümpeln. Es gibt ja Analogien zwischen Mensch und Maschine – und die geistige Festplatte ist so vollgemüllt, wie es mir der Computer bildlich vor Augen führt. Wo und wann hab ich was abgelegt? Was ist schon gelesen, was brauche ich nicht mehr?

Ich setze momentan sehr große Hoffnung in meine Fähigkeit, innerhalb der nächsten Woche alles zumindest soweit zu ordnen, dass ich einigermaßen klarer sehe, welche Reichweite meine bisherige Arbeit erlangt hat.

Denn am 10. Februar geht’s in Urlaub.

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Der Rotz

Ich nenne es den Rotz. Das, was man so hinrotzen kann bei so einer Arbeit. Hintergrundinformation, Forschungsstand, vielleicht Geschichtliches, vielleicht Demographisches. Es ist einerseits der Rahmen, andererseits das dickere Ende des roten Fadens. Alles das, was sich unter “Grundlagen” zusammenfassen lässt. Alles das, was im Grunde reine Fleissarbeit darstellt.

Bei einer Hausarbeit war das Schwierigste daran, dem Rotz nicht zu viel Platz einzuräumen. Bei 15-20 Seiten waren das 3-4 Seiten, höchstens. Ein Fünftel. Bei 80 Seiten Magisterarbeit wären ein Fünftel immerhin 16 Seiten. Hilfe! Sechszehn Seiten über die Uneinigkeit in der Forschung über den linguistischen Flickenteppich Irlands? Denn bei aller Zerstrittenheit über den sprachlichen Status Quo im 19. Jahrhundert scheint nur eins sicher zu sein: man weiss es nicht genau.

Eigentlich wirft der Rotz mehr Fragen auf, als er beantwortet.

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Der Artikel im Irischen English

Der Hauptgegenstand meiner Untersuchung ist der Artikelgebrauch im irischen Englisch. Dabei geht es um folgende Konstruktionen:

He left the school at thirteen.
I will see him in the summer.
She suffers from the fever.
I earn three pounds in the week.
He saw the both of them last night.

Das sind nicht notwendigerweise “falsche” Sätze im Standardenglischen, jedoch ist der Gebrauch des bestimmten Artikels im irischen Englisch sehr viel höher frequentiert und in bestimmten Kontexten besonders häufig, als in Standardvarietäten. Dieser Gebrauch findet sich, u.a. im irischen Artikel an wieder:

D’fhág sé an scoil in anois a trí déag.
‘He left school at thirteen.’

Nun könnte man von einem direkten Transfer aus dem Irischen sprechen. Das Problem ist, dass andere Kontaktvarietäten des Englischen eine ähnliche Verwendungsweise haben, beispielsweise das Schottische Englisch (als weitere keltische Kontaktsprache) oder Singapur Englisch. Und auch im Englischen in England sowie im Frühneuenglischen, das ja das mutmaβliche Englisch der englischen Siedler in Irland darstellt, sind einige dieser Verwendungsweisen zumindest nicht unbekannt. Die Quelle ist – und das ist das ein zentrales Problem in der Kontaktlinguistik – nicht einfach auszumachen.

Glücklicherweise ist das auch nicht mein Anspruch.

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Wie Weihnachten

Ein Besuch in der Staatsbibliothek ist wie reich beschenkt werden. Am Abholregal liegt ein Stapel Bücher, und nie weiss man bei Abholung noch so genau, wieviel und was man bestellt hat. Im Bestellrausch des Wochenendes und im Generalzustand der mentalen Verwirrung verschwinden einige Buchanforderungen schon mal vom Radar.

So ein Stapel Bücher ist mehr als ein simpler Stapel Bücher. Er ist auch ein Abbild der Gedankensprünge der vergangenen Tage. Im schlimmsten Fall ein Abbild des chaotischen Geisteszustandes. Und eine ziemlich exakte Rekunstruktion der Entwicklung der thematischen Relevanzverschiebung. Was man am Freitag noch ungeheuer wichtig fand, ist jetzt schon Schnee vom Donnerstag.

Dazu gehört ein Teil meines Theorieansatzes. Um mich nicht heillos im demotivierenden Wirrwarr der Kontaktlinguistiktheorien zu verfangen, kommt deshalb jetzt erst mal was Neues für den Moment – ich widme mich mal dem Untersuchungsgegenstand, dem bestimmten Artikel the.

Dazu liegen im Regal jetzt viele (Definitions-)Wörterbücher.

 

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Ein schmaler Grat

Zwischen wissenschaftlichem Mehrwert und trivialem Blabla liegen Welten. Irgendwie will man doch, dass niemand die Arbeit wirklich zu Ende lesen will, weil man so abgefahrene und originäre Gedankengänge fabriziert, aber man weiss auch, dass man sich mit abstrusesten Theorien auseinandersetzen muss, um genau dahin zu kommen. Und auf dem Weg dorthin verliert man sich in originären Gedankengängen anderer und denkt: “Shit, was ist das eigentlich für ein Scheiss?”

An guten Tagen weiss man, dass das was ganz Tolles wird und das Thema und die Struktur genau richtig ist und die Empirie die Theorie perfekt belegen wird. Andersrum weiss man, dass die Theorie genau die Richtige ist, um die empirischen Befunde vorherzusagen. Und am Ende des Tages fühlt man sich, als würde man genau die Arbeit abliefern, die niemand lesen will, weil sie so geil ist.

An schlechten Tagen will man am Liebsten aufgeben. Dann, wenn im Kopf gar nix mehr logisch zusammenpasst und alles Gute und Richtige plötzlich zu simpel und profan und unsinnig ist. Gefährlich ist das immer besonders dann, wenn man genau weiss, dass man sowieso nie über ”stating the obvious” und “um den heissen Brei rumreden” hinauskommen wird. Die Theorie ist zu trivial, passt noch nicht mal zum untersuchten Phänomen und am Ende wird gar nichts rauskommen, noch nicht mal kein Ergebnis.

Wie gesagt: zwischen Mehrwert und Blabla liegen Welten.

Und emotional liegen dazwischen oft nur Stunden.

 

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