Archiv für die Kategorie „Thema“

Der Artikel im Irischen English

Dienstag, 24. Juni 2008

Der Hauptgegenstand meiner Untersuchung ist der Artikelgebrauch im irischen Englisch. Dabei geht es um folgende Konstruktionen:

He left the school at thirteen.
I will see him in the summer.
She suffers from the fever.
I earn three pounds in the week.
He saw the both of them last night.

Das sind nicht notwendigerweise “falsche” Sätze im Standardenglischen, jedoch ist der Gebrauch des bestimmten Artikels im irischen Englisch sehr viel höher frequentiert und in bestimmten Kontexten besonders häufig, als in Standardvarietäten. Dieser Gebrauch findet sich, u.a. im irischen Artikel an wieder:

D’fhág sé an scoil in anois a trí déag.
‘He left school at thirteen.’

Nun könnte man von einem direkten Transfer aus dem Irischen sprechen. Das Problem ist, dass andere Kontaktvarietäten des Englischen eine ähnliche Verwendungsweise haben, beispielsweise das Schottische Englisch (als weitere keltische Kontaktsprache) oder Singapur Englisch. Und auch im Englischen in England sowie im Frühneuenglischen, das ja das mutmaβliche Englisch der englischen Siedler in Irland darstellt, sind einige dieser Verwendungsweisen zumindest nicht unbekannt. Die Quelle ist – und das ist das ein zentrales Problem in der Kontaktlinguistik – nicht einfach auszumachen.

Glücklicherweise ist das auch nicht mein Anspruch.

Ein schmaler Grat

Donnerstag, 19. Juni 2008

Zwischen wissenschaftlichem Mehrwert und trivialem Blabla liegen Welten. Irgendwie will man doch, dass niemand die Arbeit wirklich zu Ende lesen will, weil man so abgefahrene und originäre Gedankengänge fabriziert, aber man weiss auch, dass man sich mit abstrusesten Theorien auseinandersetzen muss, um genau dahin zu kommen. Und auf dem Weg dorthin verliert man sich in originären Gedankengängen anderer und denkt: “Shit, was ist das eigentlich für ein Scheiss?”

An guten Tagen weiss man, dass das was ganz Tolles wird und das Thema und die Struktur genau richtig ist und die Empirie die Theorie perfekt belegen wird. Andersrum weiss man, dass die Theorie genau die Richtige ist, um die empirischen Befunde vorherzusagen. Und am Ende des Tages fühlt man sich, als würde man genau die Arbeit abliefern, die niemand lesen will, weil sie so geil ist.

An schlechten Tagen will man am Liebsten aufgeben. Dann, wenn im Kopf gar nix mehr logisch zusammenpasst und alles Gute und Richtige plötzlich zu simpel und profan und unsinnig ist. Gefährlich ist das immer besonders dann, wenn man genau weiss, dass man sowieso nie über ”stating the obvious” und “um den heissen Brei rumreden” hinauskommen wird. Die Theorie ist zu trivial, passt noch nicht mal zum untersuchten Phänomen und am Ende wird gar nichts rauskommen, noch nicht mal kein Ergebnis.

Wie gesagt: zwischen Mehrwert und Blabla liegen Welten.

Und emotional liegen dazwischen oft nur Stunden.

 

Mein Thema

Mittwoch, 18. Juni 2008

Studiengang: Anglistik. Und weil das zu sehr nach Literatur und Shakespeare klingt, sag ich lieber, ich studiere Linguistik. Erhöht zwar meist den Erklärungsbedarf, ist aber weniger anfällig, als der Satz “Ich studiere Englisch”. Letzteres zieht meist ein “Ach, deshalb sprichst du so gut Englisch” nach sich. Äh, wenn das so wäre, würde das ja im Umkehrschluss bedeuten, dass alle meine Kommilitonen vernünftig Englisch… gut, lassen wir das.

Zur Mitte meines Studiums (derzeit: zehntes Fachsemester) war ich eher auf der Schiene der Sprachlehrforschung (Applied Linguistics) und Soziolinguistik. Darauf war auch mein Auslandsstudium an der University of Technology, Sydney (UTS) ausgerichtet. Zum damaligen Zeitpunkt schien eine Symbiose mit meinem zweiten Hauptfach Politikwissenschaft für die Magisterarbeit – “Englisch/Sprachen und Europäische Union” – unausweichlich. Und dann kam alles ganz anders.

Von Juli 2003 bis April 2008 arbeitete ich am Sonderforschungsbereich “Mehrsprachigkeit” als Studentische Hilfskraft im Projekt zur historischen Entwicklung des Englischen in Irland (Hiberno-Englisch) und zu Sprachwandelprozessen in Sprachkontaktsituationen. Und wen das jetzt wirklich im Detail interessiert, kann sich gerne hier informieren.

Dann schrieb ich im April 2007 eine Hausarbeit über ein Phänomen innerhalb des Irischen Englisch und setzte mich zum ersten Mal wirklich mit den Inhalten des Projekt auseinander. Damit war eine wesentliche Weiche umgestellt: vergiss die EU, mach was Irisches!

Und da bin ich nun. Ein Kontaktphänomen im Irischen Englisch. Arbeitstitel: Article Use in Irish English. 19th Century Contact-Induced Change.

Und nu mach mal.

Worum geht's eigentlich?

Dienstag, 17. Juni 2008

Manchmal kommt’s mir so vor, als rede ich auch hier nur um den heissen Brei herum. Und manchmal glaube ich, dass ich zur Veranschaulichung Beispiele aus meiner momentanen wissenschaftlichen Umwelt anbringen sollte. Das ist ja nicht immer einfach.

Erstens will ich niemanden mit linguistischen Details langweilen. Zweitens hängen natürlich nach wie vor wissenschaftliche Forschungsdetails dran, die nicht ohne weiteres veröffentlicht werden dürfen, zumindest nicht von mir. Wieviel Dramatik in diesen Umstand jetzt reininterpretiert werden kann oder nicht, spielt keine Rolle. Ich hab da mal nen Wisch unterschrieben. Klingt zumindest schon mal irgendwie geheimnisvoll. Und Letztens, aber nicht weniger unwichtig, will ich mich hier ja nicht komplett entblöβen, soviel zum Thema “wie’s mir wirklich geht”. Aber das Wichtigste ist natürlich, dass mir hier keiner meine Ideen klaut! Aha, die wissenschaftliche Egomanenmentalität ist angenommen!

Andererseits wird’s hier sonst immer nur um “gerade trinke ich Kaffee” und “heute hab’ ich nix hingekriegt” drehen. Das wird auf die Dauer ja auch langweilig. Und deshalb…

…gibt’s ab morgen eine Einführung ins Thema. Mein Thema.

Aktivierung passiver Rezeption

Montag, 16. Juni 2008

Ein Teil des Problems bei der Erstellung meiner Präsentation mag sein, dass ich seit Wochen nur lese und Notizen mache. Das alles geschieht relativ passiv und frei von eigener Leistung. Natürlich macht man sich neben den Bemerkungen auch mentale Post-its auf einer virtuellen grossen Landkarte auf der alles zu einem passenden Bild zusammengeschustert werden sollte – aber es ist dann ein anderes, diese Verbindungen wiederzugeben.

Solange gelesen wird, scheint alles mehr oder weniger nachvollziehbar. Aber sobald die zeitliche und thematische Nähe zu einem Konzept verschwindet, verbleichen auch deren Verbindungsstränge auf der virtuellen Landkarte. Und ein entsprechender Versuch, drei Wochen Arbeit zusammenzufassen und strukturiert darzustellen, gestaltet sich so ungeahndet schwer.

Ist wie von Verteidigung auf Angriff schalten zu können.

Das Problem des Problems

Freitag, 6. Juni 2008

Die Schwierigkeit eines solchen Unterfangens ist ein Problem. Das Problem. Nicht die Probleme. Dazu gehört folgendes Zitat des Professors aus dem Examenskolloquium:

Ich weiβ überhaupt nicht, weshalb Sie immer so ein Gewese um Examensarbeiten machen. Sie sehen da immer mehr Probleme, als ich sie sehe.

Bravo! Und die Antwort aus dem Plenum folgte auf dem Fuβe:

Das mag daran liegen, dass wir die Arbeit schreiben müssen, und nicht Sie.

Und aus der Sicht des Professors würde ich diese Art der Problembehandlung sogar unterschreiben. Und vermutlich werde ich in ein, zwei Jahren, vermutlich und im günstigsten Fall eine Woche vor Drucklegung die Probleme auch nicht mehr verstehen. Denn das Problem an sich ist ja, die Probleme auf ein einziges zu reduzieren. Nicht wahr?

Eine Frage, ein Problem. Fertig ist die Laube.