Nach sechs Monaten Schreibtischdienst ohne nennenswertes Sozialleben und kurz vor dem Gang in den Copyshop weißt du, dass du urlaubsreif bist, wenn du beim Anblick deiner Straße voller Löschzüge, Polizei, Krankenwagen und mit Gasmasken bestückten Feuerwehrleute nur daran denkst, wo der USB-Stick mit der PDF der Magisterarbeit liegt. Andere raffen Photos, Ausweisdokumente oder Bargeldbestände zusammen.
Der Genny bläst vermutlich gerade die Sprungburg auf, das kann ich aber nicht einsehen, weil ich über/hinter der Regenrinne im Dachgeschoss wohne. Aber die Blickrichtung der Passanten verrät nichts Gutes: die gucken alle in meine Richtung. Ich rufe mal eben nach unten: »Huhu! Ob mir einer der Herren mal sagen könnte, ob ich gleich sterbe? Ich meine, falls einer gerade Zeit hat.« Niemand antwortet, weil sich’s mit so Gasmasken natürlich auch nicht besonders gut hören lässt.
Weil das Spektakel genauso schnell zu Ende ist, wie’s aufgezogen war, schiebe ich es mal auf einen unglücklichen Nachbarn, dessen äußerst sensiblen Rauchmelder ausgerechnet dann den Realitätscheck machen, wie er nicht zu Hause ist. Das wird teuer! Aber es war vermutlich absehbar, dass das mal passiert, weil bei uns im Haus fast täglich irgendwo ein Sensibelchen jault, wenn man Fischstäbchen brät. (Schade eigentlich nur, dass der fette Benz, der seit Tagen in der Feuerwehrzufahr im Halteverbot parkt, außer Haus war - das wäre schon ein nettes Schauspiel gewesen, da ein Löschzug so ein Störelement relativ schnell einfach zur Seite schiebt.)
Und alles zur besten Tatortsendezeit.