Archiv zur KategorieUmgebungstemperatur

Es war Wahl – und nur die Reichen gingen hin

Das eigentlich Dramatische am Volksentscheid über Hamburgs Bildungspolitik ist nicht, dass die sechsjährige Primarschule nicht kommt. Das dennoch in Kraft tretende Restreformpaket geht schon mal einen modernen Weg weg vom dreigliedrigen Schulsystem. Ob und inwiefern längeres gemeinsames Lernen die Bildungsmisere beseitig kann/könnte, ist letztendlich reine Ansichts- oder Geschmackssache und/oder welcher Studie man mehr Glauben schenken mag.

Nein, das wirklich Tragische ist, dass dieser Atlas über die Wahlbeteiligung so ziemlich die treffendste soziodemographische Darstellung Hamburgs ist, die überhaupt gezeichnet werden kann, übrigens völlig unabhängig vom Abstimmungsverhalten in den jeweiligen Stadtteilen. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass man diese Karte ohne Verlust der Aussagekraft mit “Pro-Kopf-Einkommen in Hamburg” untertiteln könnte.

Im besten Fall lässt die Interpretation der Karte den Schluss zu, dass das Bildungsbürgertum der Hansestadt am Sonntag nicht weniger als seinen Status Quo und seine Herkunftselite verteidigt hat. Im schlimmsten Fall bleibt die erschreckende, wenn nicht sogar besorgniserregende Erkenntnis, dass politisches Mitspracherecht den bildungsfernen, sozial- und einkommensschwachen Bevölkerungsschichten vermutlich schlicht egal ist.

Davon unabhängig: wenn die GAL schlau ist, kündigt sie die Koaltion.

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Testspiel

Warum macht die ARD eigentlich so ein Gewese um das Trainingsspiel heute abend?

- Schwenker & Schmidt, Alsterradio 106.8.

Dort kann man auch auf das Finale tippen – 106:8.

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Tatort Barmbek

Nach sechs Monaten Schreibtischdienst ohne nennenswertes Sozialleben und kurz vor dem Gang in den Copyshop weißt du, dass du urlaubsreif bist, wenn du beim Anblick deiner Straße voller Löschzüge, Polizei, Krankenwagen und mit Gasmasken bestückten Feuerwehrleute nur daran denkst, wo der USB-Stick mit der PDF der Magisterarbeit liegt. Andere raffen Photos, Ausweisdokumente oder Bargeldbestände zusammen.

Der Genny bläst vermutlich gerade die Sprungburg auf, das kann ich aber nicht einsehen, weil ich über/hinter der Regenrinne im Dachgeschoss wohne. Aber die Blickrichtung der Passanten verrät nichts Gutes: die gucken alle in meine Richtung. Ich rufe mal eben nach unten: “Huhu! Ob mir einer der Herren mal sagen könnte, ob ich gleich sterbe? Ich meine, falls einer gerade Zeit hat.” Niemand antwortet, weil sich’s mit so Gasmasken natürlich auch nicht besonders gut hören lässt.

Weil das Spektakel genauso schnell zu Ende ist, wie’s aufgezogen war, schiebe ich es mal auf einen unglücklichen Nachbarn, dessen äußerst sensiblen Rauchmelder ausgerechnet dann den Realitätscheck machen, wie er nicht zu Hause ist. Das wird teuer! Aber es war vermutlich absehbar, dass das mal passiert, weil bei uns im Haus fast täglich irgendwo ein Sensibelchen jault, wenn man Fischstäbchen brät. (Schade eigentlich nur, dass der fette Benz, der seit Tagen in der Feuerwehrzufahr im Halteverbot parkt, außer Haus war – das wäre schon ein nettes Schauspiel gewesen, da ein Löschzug so ein Störelement relativ schnell einfach zur Seite schiebt.)

Und alles zur besten Tatortsendezeit.

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Meine erste (aktive) Konferenz

Jetzt steht der akademischen Karriere ja nu nichts mehr im Weg. Für die 47. Studentischen Tagung Sprachwissenschaft (StuTS) in Mainz habe ich mein Magisterarbeitsthema als Vortrag eingereicht. Das wird spannend und lustig. Eventuelles Feedback wird zwar zu spät kommen, aber zum “warm machen” wird das ganz famos. Und…

…ich freu mich riesig drauf.

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Die Birne ist hinfällig

Altbundeskanzler Helmut Kohl feierte gestern seinen 80. Geburtstag. Der einzige Grund, ihn dafür nicht an seinem Geburtstag zu würdigen, liegt im gestrigen Artikel, den ich persönlich zu schön fand, ihm auch gleich eine ebenbürtige Konkurrenz aufzuhalsen.

Aber widmen wir uns einem Beitrag auf NDR2, der gestern einen Nachruf, pardon, einen Beitrag über die Geburtstagsnichtfeierlichkeiten Helmut Kohls sendete:

[Helmut Kohl] ist ein bißchen hinfällig geworden, aber er ist voll präsent. Ihm kann keiner was vormachen; er nimmt am politischen Leben insofern teil, als dass er sich über alles noch informieren lässt. Helmut Kohl ist geistig voll da, aber er ist körperlich eben hinfällig.
(Dietmar Riemer, ARD-Hauptstadtstudio Berlin,”Kurier um 12“, NDR2, 3. April 2010)

Ich stutzte sofort beim Adjektiv hinfällig.

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Die Poesie der chaotischen Kreativität

Angelehnt an Kristins ‘Ein kleiner Gruß vom Schlachtfeld‘ (auf deren interessantes Sprachblog ich hiermit ausdrücklich hinweisen möchte; wir sehen uns in Mainz!), auch von mir einen kleinen Eindruck vom Schreibtisch. Der hat sich nämlich vor ein paar Wochen vom Arbeits- und Schlafzimmer in die Wohnküche verschoben, und der Küchentisch ist ins Schlafzimmer verbannt – das hält die Wege zu Kühlschrank, Kaffeemaschine und Radio effizient kurz.

schlachtfeld

Hier sei auch angemerkt, dass ich NUR so chaotisch arbeiten kann (wobei der S/W-Modus hier die gröbsten Zettelberge schlicht verschleiert). Wenn ich anfangen würde, aufzuräumen oder ‘Ordnung’ rein zu bringen, würde ich a) nichts mehr finden und b) sähe spätestens zwei Stunden später alles so aus wie vorher. So finde ich aber relativ fix alle Stellen wieder – die Gnade des grafischen Gedächtnisses! Und für alle anderen Fälle gibt’s Google Desktop.

Kristin, mein Schlachtfeld gewinnt!

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Dabei sein ist nicht alles, dabei bleiben schon

Du weißt, dass der Tag echt für die Katz war, wenn sich der word count nur vergrößert hat, weil du dein Literaturverzeichnis auf den neusten Stand gebracht hast.

Du weißt, dass du frustriert bist, weil die Fallhöhe nach Tagen absoluter Genialität unglaublich weh tut.

Du weißt, dass irgendwas schief läuft, weil der Grund, dass du dich unglaublich aufregst, ein unauffindbarer Kugelschreiber ist.

Du weißt, dass die Nerven blank liegen, weil du so unter Strom stehst, dass es zum Heulen nicht reicht.

Und Viren brauchst du wie n Pickel am Arsch.

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Olympischer Geist

Man sagt ja, dass man seinen Körper am Besten kennenlernt, wenn und indem man zur Höchstform aufläuft und alles aus seinem Körper rausholen muss (Der Leser merkt, für suz ist Olympia!). Ich merke es gerade im, äh, mentalen Bereich. Der Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist, naja, schmal halt.

Tja, und dann gibt es so Tage, da weißt du schon vorm Aufstehen, dat wird nix. Dann ist es wie die Fernbedienung in den Kühlschrank legen oder die Unterhose über den Kopf ziehen. Oder, um im Duktus zu bleiben, Tage, an denen du nur Fahrkarten* schießt. Papierkorbtage eben.

Es ist ein unglaublich ekliges Gefühl, nicht das zu Papier bringen zu können, wovon man weiß, dass es wirklich genial wäre, wenn’s so aufm Bildschirm erscheinen würde, wie’s seit Wochen im Kopfkino abläuft. Anspruch und Wirklichkeit klaffen dann manchmal so frustrierend auseinander.

Fuß auf Vollgas, Fuß auf Bremse. Gleichzeitig.

*Fahrkarten bezeichnen im Biathlonjargon Fehlschüsse.

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Mein Tag hat 28 Stunden

Andere träumen davon – ich lebe es. Mein Tag hat 28 Stunden.

Ich bin aus gesundheitlichen Gründen seit fast zwei Jahren auf Medikamente angewiesen, die mein Schlafbedürfnis erheblich erhöhen. Das führt aber leider (oder glücklicherweise) nicht dazu, dass sich meine Wachphasen porportional verkürzen. Soll heißen: auf benötigte Schlafphasen von 10 Stunden folgen 18 Stunden, in denen ich teilweise quietschfidel bin. Die Wachphasen einfach auf 14 Stunden zu kürzen funktioniert nicht.

Die Schlaf-Wach-Rhythmus-Experimente der letzten Monate, also die Versuche, meinen Tagesablauf in einen 24-Stunden-Modus zu pressen, sind gescheitert. In den letzten drei Monaten habe ich mich jeden Morgen um halb acht per Telefonanruf wecken lassen müssen (“quatschen bis die Kaffeemaschine läuft”), um überhaupt wach zu werden. Wie gesagt, nicht weil ich faul bin – ich wache einfach nicht von selbst auf.

Angefangen hat es letzte Woche. Ich war vor 16 Uhr zu gar nichts zu gebrauchen, aber um 20 Uhr schon wieder so erschöpft, vor allem mental von wochenlangen unnatürlichen Wachphasen irgendwie zermürbt, dass die Frustration über das gar-nicht-Vorankommen überhand genommen hat. Also: was anderes ausprobieren! Derzeit gebe ich mich der Natürlichkeit meines Körpers hin. Schlafen wenn ich müde bin – und Aufstehen, wenn ich wach werde. Und zwar von selbst.

Und morgen werde ich vermutlich kein Tageslicht sehen.

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Schneewirklichkeiten der Flachlandtiroler

Welche Sprache hat die meisten Wörter für Schnee?

Na?

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