Archiv für die Kategorie „Umgebungstemperatur“

Nach der Prüfung ist vor der Prüfung

Sonntag, 4. Juli 2010

Warum weht in Hamburg an genau den zwei Tagen im Jahr kein Wind, wenn die Quecksilbersäule weit über 30°C gedrückt wird? Die Luft steht in meiner Dachgeschosswohnung, als würde sie Miete zahlen.

Diese Prüfungsphase ist ja nicht nur ehrgeizig – sie ist für einen Fußballfan auch noch unglücklich gewählt. Die Politikklausur fand fast zeitgleich zum Serbien-Spiel in einem Unigebäude mit der höchsten Public-Viewing-Dichte statt (wer mit der Geografie der UniHH vertraut ist: Pony Bar, Abaton-Bistro und der Pferdestallinnenhof, für den besonders eindrucksvollen Vuvuzela-Surroundsound!).

Ich bin ein wenig über mich selbst überrascht. Derzeit sitze ich wieder ab acht Uhr morgens über den Büchern, mache um 16 Uhr mal eben zwei Stündchen Pause. Und das eigentlich dramatische an dieser Situation ist, dass Béla Réthy immer noch Spiele der deutschen Mannschaft kommentieren darf (glücklicherweise bleibt uns der unsagbar schlechte Florian König von RTL bei Deutschlandspielen erspart).

Und Guido Westerwelle ist immer noch Außenminister.

Verschwörungsverdacht T -1

Donnerstag, 17. Juni 2010

Ich glaube, ich werde morgen und/oder übermorgen im Klausurraum einem Angehörigen, Bekannten oder Erpresser eines Mitarbeiters der Deutschen Flugsicherung und/oder des Towers am Flughafen Hamburg begegnen.

Seit drei Tagen wird ohne Not über die Stadt angeflogen (zur Not-Bewertung zählen Wetterbedingungen, wie man sie hier vorfand*). Ohne Not, denn der einzige Luftzug, der die letzten Tage in Hamburg für eine steife Brise sorgt, wird vom Ventilator in meiner Dachgeschosswohnung erzeugt. Derweil werfen die Nubsis, die an den Leitwerken nach hinten abstehen, alle fünf Minuten Schatten auf meine Notizzettel.

Schiebung! Ab 09.00 Uhr wird zurückgetreten!

*Genau genommen ist jener Anflug auf der für solche Wetterverhältnisse eher ungeeigneten Ost-West-Landebahn über Langenhorn erfolgt. Alles andere flog an diesem Tag sinnigerweise über Barmbek/Winterhude/Alsterdorf.

Tatort Barmbek

Montag, 26. April 2010

Nach sechs Monaten Schreibtischdienst ohne nennenswertes Sozialleben und kurz vor dem Gang in den Copyshop weißt du, dass du urlaubsreif bist, wenn du beim Anblick deiner Straße voller Löschzüge, Polizei, Krankenwagen und mit Gasmasken bestückten Feuerwehrleute nur daran denkst, wo der USB-Stick mit der PDF der Magisterarbeit liegt. Andere raffen Photos, Ausweisdokumente oder Bargeldbestände zusammen.

Der Genny bläst vermutlich gerade die Sprungburg auf, das kann ich aber nicht einsehen, weil ich über/hinter der Regenrinne im Dachgeschoss wohne. Aber die Blickrichtung der Passanten verrät nichts Gutes: die gucken alle in meine Richtung. Ich rufe mal eben nach unten: “Huhu! Ob mir einer der Herren mal sagen könnte, ob ich gleich sterbe? Ich meine, falls einer gerade Zeit hat.” Niemand antwortet, weil sich’s mit so Gasmasken natürlich auch nicht besonders gut hören lässt.

Weil das Spektakel genauso schnell zu Ende ist, wie’s aufgezogen war, schiebe ich es mal auf einen unglücklichen Nachbarn, dessen äußerst sensiblen Rauchmelder ausgerechnet dann den Realitätscheck machen, wie er nicht zu Hause ist. Das wird teuer! Aber es war vermutlich absehbar, dass das mal passiert, weil bei uns im Haus fast täglich irgendwo ein Sensibelchen jault, wenn man Fischstäbchen brät. (Schade eigentlich nur, dass der fette Benz, der seit Tagen in der Feuerwehrzufahr im Halteverbot parkt, außer Haus war – das wäre schon ein nettes Schauspiel gewesen, da ein Löschzug so ein Störelement relativ schnell einfach zur Seite schiebt.)

Und alles zur besten Tatortsendezeit.

Meine erste (aktive) Konferenz

Mittwoch, 7. April 2010

Jetzt steht der akademischen Karriere ja nu nichts mehr im Weg. Für die 47. Studentischen Tagung Sprachwissenschaft (StuTS) in Mainz habe ich mein Magisterarbeitsthema als Vortrag eingereicht. Das wird spannend und lustig. Eventuelles Feedback wird zwar zu spät kommen, aber zum “warm machen” wird das ganz famos. Und…

…ich freu mich riesig drauf.

Die Birne ist hinfällig

Montag, 5. April 2010

Altbundeskanzler Helmut Kohl feierte gestern seinen 80. Geburtstag. Der einzige Grund, ihn dafür nicht an seinem Geburtstag zu würdigen, liegt im gestrigen Artikel, den ich persönlich zu schön fand, ihm auch gleich eine ebenbürtige Konkurrenz aufzuhalsen.

Aber widmen wir uns einem Beitrag auf NDR2, der gestern einen Nachruf, pardon, einen Beitrag über die Geburtstagsnichtfeierlichkeiten Helmut Kohls sendete:

[Helmut Kohl] ist ein bißchen hinfällig geworden, aber er ist voll präsent. Ihm kann keiner was vormachen; er nimmt am politischen Leben insofern teil, als dass er sich über alles noch informieren lässt. Helmut Kohl ist geistig voll da, aber er ist körperlich eben hinfällig.
(Dietmar Riemer, ARD-Hauptstadtstudio Berlin,”Kurier um 12“, NDR2, 3. April 2010)

Ich stutzte sofort beim Adjektiv hinfällig. (weiterlesen …)

Moderne Schnitzeljagd III

Dienstag, 30. März 2010

Jetzt wird’s absurd.

Die Serviceprofis hatten mir bei der Abgabe des ausgedruckten, elektronischen (!) Beurlaubungsantrags mitgeteilt, dass ich den Entscheid über meinen Antrag völlig unbürokratisch in meinem Stine-Account finden würde. Oha, denkt sich der Beobachter, dann wird am Ende doch alles gut und Stine hat zumindest in der Poststelle ein paar Briefmarkenkleber wegrationalisiert.

Äh, nö. Bestätigung kam, man ahnt es, mit dem Briefträger.

Moderne Schnitzeljagd II

Montag, 29. März 2010

Da Stine nicht den erhofften Bürokratieabbau mit sich brachte, holte man all diejenigen von der Straße, die sich ein Studium nicht mehr leisten können, weil die Uni seit ein paar Jahren Studiengebühren erhebt, um die Verwaltungskosten zu deckeln und Stine zu refinanzieren. (Ich hätte diesen Beitrag auch ‘Uni Hamburg beweist das perpetuum mobile‘ nennen können, aber nun gut.) Die Menschen, die sich Stine ausgedacht haben, müssen sich auf ähnlicher Wellenlänge befinden, wie die Hirnakrobaten, die für die Elbphilharmonie zuständig sind.

Höchstes Niveau! Für nur 50€ pro Semester sind auch Sie bei diesem Schauspiel dabei! Zur Erinnerung und in Kurzform: ich möchte mich beurlauben lassen, weil ich mich in der Prüfungsphase befinde. Diese Prüfungsmeldung ist von der Uni schon offiziell bestätigt, aber ein einfaches “Hallo, ich möchte dieses Semester nicht kommen, weil Sie mich bereits zur Prüfung zugelassen haben” reicht hier nicht.

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Moderne Schnitzeljagd I

Donnerstag, 11. März 2010

Wann immer es um höchsten Unterhaltungswert geht, kann die Univerwaltung nicht besonders weit sein. Heute ein kleiner Schwank aus der Reihe “Schlanke Uni”.

Vor vier Jahren leistete sich die Uni Hamburg eine monströse web-basierte Verwaltungsdiva und nannte sie Stine. Okay, so nannte unser tattriger, aber liebenswürder Nachbar, ein Hamburger, den es vor Jahrzehnten der Liebe wegen in den malerischen Schwarzwald verschlug, seine struwwelige, kalbähnliche Hundedame. Aber da die Uni es offensichtlich mit Frauen besonders gerne hat, nannte man die elektronische Suchhilfe der Stabi ja auch Stella.

Stine sollte alles können können. (weiterlesen …)

Die Poesie der chaotischen Kreativität

Sonntag, 7. März 2010

Angelehnt an Kristins ‘Ein kleiner Gruß vom Schlachtfeld‘ (auf deren interessantes Sprachblog ich hiermit ausdrücklich hinweisen möchte; wir sehen uns in Mainz!), auch von mir einen kleinen Eindruck vom Schreibtisch. Der hat sich nämlich vor ein paar Wochen vom Arbeits- und Schlafzimmer in die Wohnküche verschoben, und der Küchentisch ist ins Schlafzimmer verbannt – das hält die Wege zu Kühlschrank, Kaffeemaschine und Radio effizient kurz.

schlachtfeld

Hier sei auch angemerkt, dass ich NUR so chaotisch arbeiten kann (wobei der S/W-Modus hier die gröbsten Zettelberge schlicht verschleiert). Wenn ich anfangen würde, aufzuräumen oder ‘Ordnung’ rein zu bringen, würde ich a) nichts mehr finden und b) sähe spätestens zwei Stunden später alles so aus wie vorher. So finde ich aber relativ fix alle Stellen wieder – die Gnade des grafischen Gedächtnisses! Und für alle anderen Fälle gibt’s Google Desktop.

Kristin, mein Schlachtfeld gewinnt!

Dabei sein ist nicht alles, dabei bleiben schon

Mittwoch, 24. Februar 2010

Du weißt, dass der Tag echt für die Katz war, wenn sich der word count nur vergrößert hat, weil du dein Literaturverzeichnis auf den neusten Stand gebracht hast.

Du weißt, dass du frustriert bist, weil die Fallhöhe nach Tagen absoluter Genialität unglaublich weh tut.

Du weißt, dass irgendwas schief läuft, weil der Grund, dass du dich unglaublich aufregst, ein unauffindbarer Kugelschreiber ist.

Du weißt, dass die Nerven blank liegen, weil du so unter Strom stehst, dass es zum Heulen nicht reicht.

Und Viren brauchst du wie n Pickel am Arsch.