Archiv für die Kategorie „Umgebungstemperatur“

Früher und Heute II

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Natür­lich gab’s frü­her auch schon Fern­leihe. Und natür­lich ver­lasse ich das Haus auch zur Lite­ra­tur­re­cher­che, nicht dass hier ein fal­scher Ein­druck ent­steht. Ein Groß­teil der für mich rele­van­ten Lite­ra­tur gibt’s nur in Prä­senz­bi­blio­the­ken (äh, was aber nicht aus­schließt, dass einige Stan­dard­werke dort auch weg­ver­lie­hen sind - für Prä­senzbiblio­the­ken teil­weise ein schwa­ches Bild).

Aber ich erin­nere mich noch an die Zeit, in der die Fern­leihe keine drei Klicks ein­fach war, son­dern in der noch For­mu­lare aus­ge­füllt wer­den muss­ten. Und - nicht zu ver­ges­sen -  an die Zeit, in der der Fak­tor Mensch eine grö­ßere Rolle spielte. Mis­an­thro­pie ist immer­hin eine hin­rei­chende Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung für Bibliotheksangestellte.

Is lei­der so.

Fremdwort des Jahres 2009

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Das Bre­mer Sprach­blog sucht das Fremd­wort des Jah­res 2009. Weil momen­tan ja jeder nach Wie-auch-immer-gearteten-Worten des Jah­res sucht.

Egal, ob es sich um ein ästhe­tisch bemer­kens­wert befrie­di­gen­des, ein kom­mu­ni­ka­tiv ein­zig­ar­tig effek­ti­ves oder zwi­schen­mensch­lich außer­ge­wöh­lich anspre­chen­des Wort han­delt — jede Begrün­dung zählt.

Ich habe Moin ins Ren­nen gewor­fen. Begrün­dung: weil’s kom­mu­ni­ka­tiv ein­zig­ar­tig effek­tiv ist. Das wurde mir beson­ders beim Tür­ken mei­nes Ver­trau­ens bewußt, als ich in sei­nen Laden trat und ihn mit „Moin“ begrüßte.

Er: Hey, das heißt „Guten Tag oder Hallo, wie geht’s Dir?“!

Ich: Hä, wieso? Hab ich doch gesagt! „Guten Tach, Hallo, wie geht’s?“… Moin halt!

Und ein Fremd­wort ist Moin des­halb, weil alles süd­lich der nati­ven Sprach­räume von Moin (Frie­sisch, Platt, Süd­dä­nisch, Nie­der­län­disch (Fries­land) etc.) Pro­bleme mit sei­ner kor­rek­ten Ver­wen­dung haben, den Nord­deut­schen aber glau­ben machen wol­len, dass man nach der früh­mor­gend­li­chen Kaf­fee­pause doch nicht mehr „Guten Mor­gen“ wün­schen kann.

Tz.

Früher und Heute

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Wie, so frage ich mich manch­mal, haben die das eigent­lich frü­her gemacht, so eine Abschluss­ar­beit zu schrei­ben? Ohne Com­pu­ter, ohne Cut&Paste, ohne PDFs und auto­ma­ti­scher Sil­ben­tren­nung, ohne Recht­schreib­prü­fung und elek­tro­ni­schem The­sau­rus. Ohne com­pu­ter­ge­stütz­ter Zita­te­samm­lung - und ohne das Internet.

Im Inter­net finde ich heute als Sprach- oder Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler bei der Modern Lan­guage Asso­cia­tion (MLA) eine kom­plette Biblio­gra­phie zu jedem belie­bi­gen Thema, you name it (Naja, im Fall der Lin­gu­is­tik sind mir schon gewisse Lücken auf­ge­fal­len). In Kom­bi­na­tion mit einem Biblio­theks­zu­gang und Zugriffs­rech­ten auf elek­tro­ni­sche Zeit­schrif­ten muss man zur Lite­ra­tur­re­cher­che, cete­ris pari­bus, das Haus noch nicht mal ver­las­sen. Für alle ande­ren Dinge gibt’s Google Scholar.

Hat man dann für einen Text kei­nen Zugriff über die örtli­che Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek, genü­gen im Nor­mal­fall zwei, drei Klicks zur Fern­leihe. Siehe da, nahezu alles ist bestell­bar und liegt spä­tes­tens zwei Wochen spä­ter zur Abho­lung im Regal. Sehr fein ist auch die Kopie­be­stel­lung: dann küm­mern sich andere darum, einen Auf­satz zu kopie­ren. Man muss ihn dann nur noch abho­len. Die Fern­leihe eig­net sich in Aus­nah­me­fäl­len übri­gens auch wun­der­bar, eigent­lich nicht aus­leih­bare Bücher der eige­nen Biblio­thek vier Wochen nach Hause zu holen. Oder sol­che Werke, die zwar bereits im Kata­log ver­zeich­net sind, sich aber noch irgendwo im Nie­mands­land zwi­schen Anschaf­fung und Aus­leih­bar­keit befinden.

Tja, wie haben die das frü­her gemacht? Das Inter­net hat so vie­les so viel ein­fa­cher gemacht. Aber - damals hatte man auch noch keine Ablen­kungs­ma­nö­ver aus dem Netz zu fürch­ten. Diese Zeit­ver­schwen­der der heu­ti­gen Zeit, die weder zum all­ge­mei­nen Erkennt­nis­ge­winn bei­tra­gen, noch einen tie­fe­ren Sinn haben.

Äh, wie haben die sich frü­her denn ablen­ken lassen?

Ich bin ein Klugscheißer

Montag, 30. November 2009

Die meis­ten Men­schen haben nur ein pas­si­ves Wis­sen über Spra­chen. Sogar über ihre eigene. Soll hei­ßen, sie wis­sen zwar, wie sie sich rich­tig und falsch in ihrer Spra­che aus­drü­cken kön­nen, es ist ihnen oft aber nicht bewusst.

In mei­nem Sprach­kurs Schwe­disch ging’s heute um die Beu­gung von Adjek­ti­ven. Im Schwe­di­schen wer­den die Adjek­tive näm­lich immer nach dem Genus des Sub­stan­tivs gebeugt. Auf meine Frage, ob das auch für prä­di­ka­tive Adjek­tive gilt, gab’s erst mal ne Runde Fra­ge­zei­chen. Intui­tiv hat jeder mei­ner Nach­barn die prä­di­ka­ti­ven Adjek­tive im Lücken­text nach dem Genus gebeugt. Und auf mei­nen Ein­wand, dass das nicht selbst­ver­ständ­lich sei, gab’s noch mehr Fra­ge­zei­chen (äh ja, und ein attri­bu­ti­ves Klugscheißerstigma).

Im Deut­schen (im übri­gen auch im Nie­der­län­di­schen), wer­den prä­di­ka­tive Adjek­tive im Gegen­satz zu attri­bu­ti­ven nicht gebeugt. Dabei war den Meis­ten also fol­gende Eigen­schaft des Deut­schen nicht bewusst:

  1. Der kleine Mann. (attributiv)
  2. Er ist klein. (prä­di­ka­tiv)

Prä­di­ka­tive Adjek­tive im Deut­schen wer­den also nicht gebeugt, oder dekli­niert, oder flek­tiert. Äh, an die Gram­ma­ti­ker und Syn­tak­ti­ker unter uns: Wie bloß soll man prä­di­ka­tive und attri­bu­tive Adjek­tive so umschrei­ben, dass es auch die Wie-Wort-Fraktion versteht?

Ande­rer­seits kann ich mit dem Attri­but Klug­schei­ßer eigent­lich gut leben.

Sprachverfall

Samstag, 28. November 2009

Die typi­sche Form, den Wan­del der Spra­che wahr­zu­neh­men, scheint darin zu beste­hen, ihn als Ver­fall zu erle­ben. Ist es nicht merk­wür­dig, daß unter­scheid­li­che Ver­falls­theo­re­ti­ker seit mehr als 2000 Jah­ren immer wie­der den zuneh­men­den Ver­fall ihrer jewei­li­gen Mut­ter­spra­che bekla­gen, ohne je ein Bei­spiel für eine tat­säch­li­che ver­fall­lene Spra­che vor­wei­sen kön­nen? Es scheint auch nie­man­den zu geben, der bereit wäre, den Ver­fall sei­ner e i g e n e n indi­vi­du­el­len Spra­che zu bedau­ern: „Ach, was schreibe ich für ein ver­kom­me­nes Deutsch im Ver­gleich zu mei­nen Groß­el­tern!“ Sprach­ver­fall ist immer Ver­fall der Spra­che der ande­ren. Das sollte stut­zig machen.

Rudi Kel­ler. 2003. Sprach­wan­del. Tübin­gen: UTB. S. 23

Spra­che dient mensch­li­cher Kom­mu­ni­ka­tion. Das scheint auf den ers­ten Blick tri­vial, ist aber ungleich wich­ti­ger, wenn es um die Sprach­ver­falls­de­bat­ten geht. Jeder Sprach­pfle­ger, der ja den Ver­fall unse­rer Spra­che her­auf­be­schwö­ren will, brächte sich in höchste Erklä­rungs­not, wenn er mit der Spra­che Walt­her von der Vogel­wei­des, um’s mal auf die Spitze zu trei­ben, in die nächste Kneipe zöge.

Gut, mögen jetzt einige sagen, was ist dann mit Irish, einer gestor­be­nen Spra­che? (wei­ter­le­sen …)

Logik

Freitag, 27. November 2009

Mal ne kleine Denk­sport­auf­gabe aus dem Bereich der Logik.

John rasiert alle bär­ti­gen Män­ner, die sich nicht selbst rasie­ren. Und nur diese. Rasiert John auch sich selbst?

Gute Nacht.

Kritik der Kritik

Montag, 23. November 2009

Ich emp­fehle - mal für Zwi­schen­durch - das Forum des „Ver­ein Deut­sche Spra­che e.V.“ (Quiz­frage: Was am Namen des Ver­eins wider­spricht der nor­ma­ti­ven Gram­ma­tik, vor des­sen Altar diese fak­ten­re­sis­ten­ten Sprach­nörg­ler rumrutschen?)

Oh weh; ich fürchte, ich mache hier für mich ein Fass auf, von dem ich gar nicht so viel fres­sen könnte, wie ich kot­zen wollte. Wid­men wir uns also einer Ein­stel­lung, die lei­der so ziem­lich allem zu Grunde liegt, was die „vier alten Her­ren“ (Zitat Bre­mer Sprach­blog) des VDS so von sich geben.

Gewisse Sprach­wis­sen­schaft­ler hier und anderswo soll­ten sich über das Thema gutes und schlech­tes, rich­ti­ges und fal­sches Deutsch bes­ser ent­hal­ten, da es für sie erklär­ter Maßen diese Kate­go­rien gar nicht gibt. (Nut­zer „Wolf­gang“ im VDS-Forum zur Dis­kus­sion: „Bas­tian Sick Kom­pe­ten­zen in Fra­gen der Spra­che“)

[Haut mich, aber ent­we­der wurde im Titel des Thre­ads auf Flek­tie­rung ver­zich­tet oder gän­gige Inter­punk­ti­ons­kon­ven­tio­nen miss­ach­tet. Hm, und ob man sich „über ein Thema ent­hal­ten“ kann?]

Okay, ver­mut­lich muss ich ein wenig aus­ho­len. (wei­ter­le­sen …)

Uninostalgie

Montag, 16. November 2009

Es gibt Momente, da ist man ganz klein, wenn man auf die Stu­di­en­be­schei­ni­gung guckt und seit Jah­ren dort eine zwei­stel­lige Zahl stu­dier­ter Semes­ter  wahrnimmt.

Und dann gibt es Momente, in denen man auf diese Zahl stolz sein kann.

Wie, du musst dir dei­nen Stun­den­plan selbst zusammenstellen?!?

Auf eine sol­che - ernst­ge­meinte (!) - Frage einer scho­ckier­ten (!!) Kom­mi­li­to­nin darf man dann auch mit der arro­gan­ten Gelas­sen­heit des älte­ren Semes­ters rea­gie­ren (Tipp: ein­fach Mal laut auf­la­chen). Es ver­lei­tet das ältere Semes­ter aber bis­wei­len auch zur weh­mü­ti­gen Fest­stel­lung, dass man die­sen Green­horns ihre Unwis­sen­heit nicht ankrei­den kann (im güns­ti­gen Fall) oder darf (äh, eher so ein Fall augen­blick­li­cher Wehmütigkeit).

Kin­ners, wie die Zei­ten sich ändern.

Quelle versiegt

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Jeder Sechste von Zehn Euro kommt über das Online hin­ein. (Tho­mas Voigt von der Otto-Gruppe in einem Tages­the­men­bei­trag über die Quelle-Pleite.)

Wenn die bei Quelle ähnlich wider­sprüch­li­che Kennt­nisse über ihre Wirt­schafts­da­ten hat­ten, wundert’s ja nich so sehr.

Ein Sechs­tel ist immer­hin weit weni­ger als etwas mehr über der Hälfte.

Semesterbeginn

Dienstag, 20. Oktober 2009

Das Semes­ter hat wie­der ange­fan­gen. Weil auf die Woche der mit Vor­na­men bekrepp­ten Brüste die Woche der auf­ge­scheuch­ten Hüh­ner folgt.

Frü­her nannte ich das Frisch­linge beobachten.