Archiv zur KategorieWochenrückblick

Wochenrückblick 3.0: Woche 2

Montag: Also dann halt doch. Den Korpus noch mal lesen. Eletronisch unterstützt durch die Suche, die mir the farblich markiert. Jeden Tag zwei Buchstabengruppen, dann wird’s auch absehbar.

Dienstag: Welch verrückte Krankheiten gibt es eigentlich? Pestilence. Da wär ich mit der Kontextsuche aus dem letzten Jahr nie drauf gekommen. Damals habe ich nach so unschuldigen Krankheiten wie fever, cancer oder cough gesucht.

Mittwoch: Langsam beginnt’s mir Spaß zu machen. Das ist auch fast wie eine Sucht, natürlich bleibt’s auch nicht nur bei zwei Buchstabengruppen. Ich bin überrascht, wieviele Beispiele ich finden kann, die ich letztes Jahr nicht gefunden habe. Da bin ich mal auf den Abgleich Alt-Neu gespannt.

Donnerstag: Ich bekomme Übung. Oft reicht ein Blick auf das rechts und links neben den farblichen Markierungen. Und die Tendenz, dass sich bestimmte Phänomene nach sozialem Hintergrund oder geografischer Herkunft verlagern. Sehr fein, ein Muster!

Freitag: Fast durch. Das macht auch irgendwie high, so eine Suche. Und ein weiser Mensch bemerkt: “Das muss wie Telefonbuchlesen sein.”

Samstag: An die Dramen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in der irischen Gesellschaft und in der Auswanderererfahrung abgespielt haben müssen, habe ich mich ja über die Jahre gewöhnt. Aber manchmal mischt so ein wenig das Bewußtsein des Voyeurismus ein. Zwischen “hätten die hier nicht ein abgefahrenes grammatisches Phänomen benützen können?” (Zynismus) und “wenn die gewusst hätten, dass wir hunderte Jahre später so in ihren intimsten Details schnüffeln..” (Scham) ist oft ein schmaler Grat.

Sonntag: Abgleich Alt-Neu. Erschreckend, die Hälfte der im vorigen Jahr gefundenen Beispiele kann ich eigentlich getrost vergessen. War’s Unschuld, Unwissen oder Faulheit? Fazit: es hat sich sehr gelohnt, den Korpus nochmals zu durchforsten. Telefonbuch hin oder her.

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Wochenrückblick 3.0: Woche 1

Montag: Aller Anfang ist schwer. Und dieser noch viel schwerer. Nachdem der ernstgemeinte Wiedereinstieg am Wochenende am fehlenden Kaffee gescheitert ist und an der Erkältung, die sich nicht zwischen Verschwinden und richtiger Grippe entscheiden konnte (äh, kann! Anm. am Dienstag), hängt die Prüfungsanmeldung jetzt wie ein Damoklesschwert über dem Schreibtisch. Nehmt mir das Modem weg, sperrt alternativ alle Zugänge zu sozialen Netzwerken oder Newsfeeds. Die neue Regierung streitet schon, bevor sie überhaupt verhandelt. Prüfungsanmeldung T -18.

Dienstag: Es ist wieder da, scheiße. Das Gefühl, alles auf einmal zu wollen. T -17.

Mittwoch: Dem potentiellen Prüfer von seinem Glück erzählt. Und die wunderschöne Erfahrung, auch nach fast zwei Jahren Uniabstinenz noch einen Namen zu haben und keine Nummer zu sein. Im Fließbandbetrieb einer Sprechstunde. Blut lecken, längst begrabene Ambitionen wecken. Noch fehlen zwei Unterschriften fürs Prüfungsamt. T -16.

Donnerstag: Das erste Kapitel ist längst ans externe Quantitätsprüfzentrum gegangen. Aber Einleitungen schreibt man zum Schluss. Das ist nur provisorisch, sozusagen. T -15.

Freitag: Meine Stabikarte hat eine Gebührensperre. Das hindert die Institutsbibliothek aber nicht daran, mir dennoch Bücher übers Wochenende auszuleihen. Aber im Institut habe ich auch noch sieben Euro Schulden. Wo die wohl her sind? Überblicksverlorene Altlasten. Sehr fein: die Uni ist während der Semesterferien so schön ruhig und übersichtlich. Das wird sich übernächste Woche schlagartig ändern. Schade. T -14.

Samstag: Doof, ich hab den Feiertag total falsch eingeschätzt. Die noch vorhandenen Lebensmittel werden mich vor dem Verhungern retten, die Schokoladenattacken werden sie nicht abfangen können. T -13.

Sonntag: Es ist nicht viel, aber immerhin habe ich das in der mittwöchlichen Sprechstunde empfohlene Buch gelesen. Abgefahren – philosophische Sprachwandeltheorien. Aber wo genau mir dieses jetzt für die Arbeit hilft? Ich werd’s wohl erst mal sacken lassen. Die anderen übers Wochenende ausgeliehenen Bücher sind zumindest angelesen. Auch eine Leistung: Liegt mir, liegt mir nicht. T -12.

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Woche 7.0

Eigentlich ist diese Woche nicht sonderlich viel passiert, das einen Wochenrückblick rechtfertigen würde. Die angepeilte Strukturierung meiner mittlerweile doch sehr verzettelten Notizen ebenso wenig wie die Vorbereitung auf die ersten wirklich geschriebenen Worte. Also am Rotz ist immer noch nicht gearbeitet.

Das mag man jetzt negativ sehen. Es mag auch frustrieren. Aber wenn ich es positiv sehen soll, dann ist das die Feststellung, dass ich – anders als im Mai und Juni – nicht gänzlich auf mein soziales und finanzielles Leben verzichtet habe.

Mal sehen, wieviel es diese Woche ist.

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Woche 6

Wie gesagt, geschummelt wird nicht. Und deshalb geht’s hier nahtlos mit der sechsten Woche weiter. Und weil die Wiederaufnahme auf einen Samstag fiel, geht die Woche von Samstag bis Freitag.

Tag 1: Die Bibliothek wird gröβer. Fernleihe ist das Zauberwort. Wo man bei Hausarbeiten irgendwie noch mal drumrum gekommen ist, auch aus Zeitgründen, so ist es jetzt unvermeidbar. Anforderungen aus Kiel, Göttingen, Erfurt und Rostock. Kurzer Gedanke daran, wem man jetzt das Buch weggeschnappt hat.

Tag 2: Auch die Bibel befindet sich wieder in meinem Besitz. Sehr kurzer Gedanke daran, wem man die jetzt weggeschnappt hat.

Tag 3: Umräumen. Wo es im Juni im Schlaf-/Arbeitszimmer zu warm war, ist es jetzt zu kalt. Umzug in die Wohnküche, das spart Energie. Aussderdem darf geraucht werden.

Tag 4: Ein paar kleine Artikel zum historischen Hintergrund. Zum warmwerden.

Tag 5: Toll, der Verfasser der Bibel hat auch eine buchdicke Bibliographie veröffentlicht. Sehr fein. Man sieht, dass die bisherige Literaturrecherche an sich schon sehr umfangreich war. Gefahr generell: diesen Autoren zu oft zu zitieren.

Tag 6: Pause.

Tag 7: Mal gucken, was auf der DVD so alles drauf ist, die ich im Juni als Sicherungskopie erstellt habe. Die bisher gelesenen Texte und die dazugehörigen Notizen sollten mal in eine vernünftige Reihenfolge gebracht werden. Ergo: viele themenbezogenen Ordner erstellen (Terminologie, Historisches, Demographie etc.), in denen mit Notizen vollgeladene Worddokumente Platz finden, die mir in den nächsten zwei, drei Wochen helfen sollen, wenigstens mal “den Rotz” (Forschungsstand, Historische Hintergründe) zu Papier zu bringen.

Fazit: Mit grob zwei Stunden täglich… mühsam, langsam, wohldosiert.

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Woche 5

Tag 1: Nach dem konfusen Wochenende und dem ergebnislosen Versuch, sich durch quadratmeterweise Paketpapier an der Wand einen Überblick zu verschaffen… Komplettes Verstoβen – zumindest für den Moment – des theoretischen Hintergrundes. Merke: Gründliches Noch-mal-lesen zentraler Texte wirkt wirklich Wunder. Man kann so viel überlesen, unglaublich.

Tag 2: Ich treffe jemanden, der seine Magisterarbeit in drei Wochen geschrieben hat. WTF??

Tag 3: Es ist Mittwoch, es ist Korpussuchetag.

Tag 4: Erholungsphase. Es ist Nachhalbfinaltag. Äh ja.

Tag 5: Korpussuche. Neues finden, kategorisieren, rausschmeissen. Die Suche ist nach wie vor unsystematisch, aber sei’s drum. Vielleicht muss es so sein. Nachmittags das elaborierte Gespräch mit der Kommilitonin, die das ähnliche Thema hat. Auch aufschlussreich.

Tag 6: Wie wär’s zum Wiedereinstieg nach der sonst eher etwas mauen Woche mal mit ein paar Zahlen? Korpus einfach mal untersuchen – statistisch… Am Dienstag soll ja die Präsentation sein. Dazu mal ein paar Dialektkarten einbauen, Tabellen erstellen. Mehr nicht. Kann keine Zahlen mehr sehen.

Tag 7: Am siebten Tage sollst du ruhen… Präsentationsvorbereitung für Dienstag. Finalvorbereitung für heute abend. Nicht soviel Radio hören, das macht nur nervös. Und von diesem Gefühl hab ich im Moment eh schon genug.

Fazit: So sehr wie in dieser Woche hab ich noch nie gespürt, dass ich seit zweieinhalb Jahren keinen Urlaub mehr hatte. Vielleicht werd ich’s wie alle machen: Nach der Prüfungsanmeldung wird erst mal Pause gemacht.

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Woche 4

Tag 1: Uiuiuiui. Jammert man schon auf hohem Niveau, wenn man zwar den zentralen Artikel für den theoretischen Artikel gelesen hat, aber glaubt, an diesem Tag nichts geschafft zu haben? Immerhin: es ist der Satz angestrichen: der mit dem tollen Wort “frequency of use”. Und das ist die Berechtigung für eine quantitative Arbeit. Ein Mosaik im Bild.

Tag 2: Geil – es gibt jemanden, der sich ein ähnliches Thema gesucht hat. Andere Herangehensweise, andere Varietät, qualitative Analyse. Aber jemand, der nicht nur stirnerunzelnd oder höflich nickt, wenn man ihm “Grammatikalisierung in Replikationsprachen und die Rolle des Substratums” vor die Füβe kotzt.

Tag 3: Die Korpussuche beginnt. Nun auch unter wissenschaftlicher Anleitung. Leider auch nicht wirklich systematisch. Aber mühsam ernährt sich das… Phrasendreschen gehöhrt heute abend Steffen Simon.

Tag 4: Irgendwas in mir schreit heute für Portugal. Dann wär auch innerlich mal wieder Ruhe. Darauf ein Galaõ.

Tag 5: ”I didn’t really want them to lose.” (=Holland kann kommen.) Nach dem Abend ist die freitägliche Ruhe einer Institutsbibliothek genau das Richtige. Drei Stunden auf unbequemen Stühlen. Neben mir ein drei Fuβ groβer Stapel geballtes Wissen. Ob ein persönlicher Handapparat nicht langsam mal sinnvoll wäre? Kurze Überlegung, ob und welche Bücher mich übers Wochenende beglücken sollen. Entscheidung dagegen, überhaupt eins mitzunehmen. Bedeutet a) dass ich am Montag um 10 Uhr wieder in die Uni muss, und setzt mich b) einem grossen Druck aus, genau diese Werke auch durchzuarbeiten. Lieber erst mal mit dem arbeiten, was noch zu Hause rumfliegt.

Tag 6: Mag mein Nachbar mal seinen CD-Spieler reparieren? Ne halbe Stunde psychedelisches CD-Hüpfen macht wahnsinnig. Nur weil Sommer ist, glauben sie plötzlich, sich alles erlauben zu dürfen? Auf der anderen Seite wird heute die Wohnung mit Plakaten zugepflastert. Das Mindmap zu Papier bringen. Fünf Quadratmeter Packpapier an die Wand hängen. Wäre es aber nicht vielleicht sinnvoller, direkt auf die Wand zu schreiben? Tapeziert werden muss bei Auszug so oder so. Ach ja, dann halt Russland.

Tag 7: Verzweifeltes Ordnen meiner chaotischen Gedankengänge auf braunem Paketpackpapier. Was soll bloβ daraus werden? Irgendwie ist alles wischiwaschi. Sabscht so ein Edding eigentlich durch? Hätte ich eine Kamera, wäre hier ein Bild angemessen. Hoffte, einen klareren Kopf zu bekommen. Nur bedingt erfolgreich. Eigentlich so verwirrt wie vorher.

Und morgen: Wie ein Satz diese Woche meine Theorie zum Einsturz brachte.

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Woche 3

Tag 1: Ventilator kaufen, EM gucken, ausruhen.

Tag 2: Verzweifelter Versuch, zur Arbeit zurückzukehren. Bloβ nicht nachlassen. Das ist tödlich, so lehrt die Erfahrung. Andererseits – ich hab nie länger als fünf Tage (im Normalfall nicht länger als drei) an einer Hausarbeit geschrieben. Und nun bin ich schon in Woche 3! Aber mal ehrlich, so dauerhaft wie in Hälfte Zwei von Woche 1 war ich seither so oder so nicht mehr.

Tag 3: Der Tag ist total im Eimer. Selbst zwei Mal in der Nacht den Bünabe herbeirufen hilft nichts – es ist die Perspektivlosigkeit, gegen dieses Problem nichts machen zu können [mittlerweile jede Nacht Radau]. Die Hausverwaltung wird eingeschaltet. Einzige Möglichkeit im Moment: so lange die Polizei rufen, bis die auch keinen Bock mehr haben.

Tag 4: Ahem. Es wäre irgendwie ganz hübsch, sich wieder ein wenig Motivation anzueignen. Die ist momentan ganz unten. Aber soviel fremdverschuldete Müdigkeit hatte ich auch schon lange nicht mehr. Es ist beinahe nur noch die Angst vor Insomnia, die mich mich lähmt und nicht schlaften lässt. Verrückt. Dabei wäre ich fast vor Mitternacht eingeschlafen: bei Österreich gegen Polen.

Tag 5: Ein Vortrag zum individuellen Sprachwandel in unterschiedlichen linguistischen Umgebungen zum Frühstück. Lustig. Endlich ein Vortrag, dem ich folgen kann, auch inhaltlich. Schade, dass er nicht ganz fertig wurde in der Zeit. Nachmittags noch mal ein paar Stunden arbeiten. Also für Geld, das ich schon bekommen habe.

Tag 6: Bockmist. Scheisstag. Irgendwas fehlt im Leben.

Tag 7: Endlich behutsame Rückkehr zum Wesentlichen. Aber so langsam gehen mir die “einfachen” Artikel aus. Historisch ist jetzt schon so abgekaut. Es täte der Arbeit mit Sicherheit ganz gut, sich endlich dem Kernproblem des Theorieteils zu nähern. Dann würde vielleicht auch dieses beschissene Gefühl verschwinden, irgendwie doch gewaltig auf dem Holzweg zu sein.

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Woche 2

Tag 1: Vergiss es. Kater ohne Anlass, Kopfschmerzen ohne Kopf [pah!] und an allem ist die Hitze schuld. Megakacke: für mein Projekt muss ein Korpus mit mehr als einer halben Million Wörter gelesen werden. Äh, und wann das alles? So ne Stimmung schickt man bestenfalls schlafen. Ein paar Folgen Lieblingssoap im Netz. Bettruhe um 21.30 Uhr.

Tag 2: Krass! Voll motiviert. Oben auf der Welle schwimmen. Hitze galant als Triebmotor nutzen. Zu Hause eingesperrt? Egal! Ein, zwei Artikel systematisch gelesen, verstanden und im Geiste bereits widerlegt. Notizen machen, Konzept kapiert! Ein 550.000-Wort-Korpus? Na und? Walk in the park. Klo kaputt, Hausmeister anrufen. Zwischendrin den Gewitterregen aus dem Wohnzimmer aufwischen. Dämmerschlaftraum: alle geknüpften Verbindungen zwischen Konzepten und Theorien, historischen Fakten, Studien und gefühlten eigenen empirischen Befunden werden mit jedem einzelnen der 550.000 Wörter bombardiert. Hilfe! Wo ist der Boden dieses Fasses bloβ hin???

Tag 3: Vormittag frei. Ach, und noch drei Bücher aus der Stabi geholt. Dieses Mal ein Irischsprachkurs mit CDs [sic!]. Okay, ich hab’s ja kapiert. Schlüsselstelle: Irisch hat keinen unbestimmten Artikel. Dazu irgendwann mal mehr. Nachmittags das längst überfällige Gespräch mit jemanden, der sich mit der Materie auskennt. Ein paar Anregungen abholen. Gewissheit: man muss für so n Projekt nicht das Rad neu erfinden. Und: “Kein Ergebnis wär auch ein Ergebnis.” Äh, ja. Abends aufgedreht wie auf Droge. So ne Stimmung sollte man konservieren können. Auch so ne Martklücke.

Tag 4: Ist Klempner eigentlich ein Beruf, den man sich freiwillig aussucht?

Tag 5: Irgendwie muss ich eine Strategie entwickeln, das immer noch vorhandene Auf und Ab im Schlafrhythmus etwas auzubügeln. Wenig Kreatives, wenig Effektives.

Tag 6: Aha, da ist die Welle. Elf Stunden geratzt und trotzdem todmüde. Verteilt auf die letzten Nächte wäre das nahezu eine perfekte Ausbeute gewesen. Aber vier Artikel sind schon mal drei mehr als gestern. Dazu prangt jetzt ein Wochenplaner über dem Schreibtisch: damit man Samstag schon sieht, was man bis Freitag gemacht haben sollte. Inklusiver kleiner Zettelchen “einkaufen”, “Wäsche waschen” und “Vokabeln lernen (jeden Tag eine Stunde!)”.

Tag 7: Sonntag ist Ruhetag. Oder, wie es paraphrasiert wurde: “Taking a field trip to assess Hibernisms in a natural environment”.

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Woche 1

Die Woche im Rückblick. Ab sofort am Ende jeder Woche.

Tag 1: Wildes und mehr oder minder unkoordiniertes Literatursammeln, ungeordnetes Abfragen diverser Schlüsselwörter. Abstracts lesen, Inhaltsangaben durchforsten, Bücher in der Bibliothek bestellen, Literaturliste anlegen. Wesentliche Hilfsmittel: das Internet, der Campus-Katalog, die Bibliographie der Modern Language Association, Google Scholar. Stundenpensum: 5… na gut, wenn man ehrlich rechnet, waren’s doch eher nur 3.

Tag 2: Wie Tag 1. Die Literaturliste der wichtigen Titel wächst unaufhörlich, schwillt auf drei, vier Seiten.

Tag 3: Wie Tag 1 und 2. Literaturdatenbanken und elektronische Zeitschriften durchforsten, alles downloaden, was man (vielleicht) brauchen kann (Hamstern). Die Erfahrung lehrt hier eigentlich, dass man mehr als die Hälfte sowieso nach der Einleitung wieder löscht. Ärgerlich: für viele Zeitschriften hat die Universität Hamburg kein Abo. Kleine Abhilfe: Bibliotheksausweis der Bundeswehruni; vor Jahren mal angeschafft – noch zu BWL-Zeiten, und das ist lang, lang her. Effektives Arbeitspensum vorsichtig auf vier… fünf Stunden gesteigert.

Tag 4: Wie Tag 1, 2 und 3. Erster vorsichtiger Einstieg ins Lesen. Langsam! Gestört wird dieses Unterfangen durch permanente Literaturhinweise in den Texten, denen man natürlich nachgehen will – also Suche nach denselben nach o.g. unkoordiniertem Muster. Die Erfahrung lehrt auch hier, dass sich die meisten dieser Hinweise im Sande verlaufen werden und/oder nicht relevant sind.

Tag 5: Wie… oben. Erster Kontakt zur Auβenwelt. Ein Telefonat.

Tag 6: Besuch am Abholregal in der Staatsbibliothek. Erschrockener Ausruf stört die Stille: “Scheisse, hab ich wirklich so viel bestellt?” Die Erfahrung lehrt hier, dass man bei diesen Mengen Literatur in der nahen Zukunft garantiert ein paar Bücher im Regal vergisst. [Gebührengefahr: hoch].

Tag 7: Der fest vorgenommene Plan, sich einem oder zwei Standardwerken zur Kernlinguistik und/oder zum näheren Themenbereich systematisch und tiefgründig zu nähern, scheitert an der Prämisse, doch bitte mit dem Hausbau nicht am Dach zu beginnen. Also lieber erst mal was Historisches. Geht immer.

Tag 8: Die wilde Literatursuche wechselt sich permanent mit sprunghaften Überlegungen ab, auf dem Weg zum Magisterabschluss noch schnell Irisch zu lernen. Dazu hat man sich – auch und besonders für die Arbeit – bereits mit Grundgrammatiken eingedeckt. Doch ohne Begleitkassetten steht man bei dieser Sprache schon nach dem ersten Absatz von Lektion 1 ob der abartigen Aussprache auf verlorenem Posten. Zur Korrelation von Orthographie und Artikulation später mehr. Beschämende Rückkehr zur Literatursichtung.

Tag 9: Das Wochenende rückt näher. Und mit ihm der Hauptgrund der plötzlichen Motivationssteigerung. Ich darf das Haus verlassen. Wer jetzt einwirft, dass eine Woche nur sieben Tage hat, dem sei die Ausnahmeregelung ans Herz gelegt, wonach ich ab sofort christlich am siebten Tage ruhen werde, mit meiner Arbeit aber an einem Freitag begonnen habe, weshalb die erste Arbeitswoche zehn Tage hat. Alles Klar?

Tag 10: Langsam verliere ich den Überblick. Welche Bücher sind schon bestellt? Die Kunst besteht darin, kein Buch vorzumerken, das man bereits bestellt oder auf dem Schreibtisch liegen hat. [Gebührengefahr: gering.] Welche Titel sind bereits im eigenen Literaturverzeichnis gelistet und mit der Signatur aus welcher der vielen Institutsbibliotheken versehen? An welche Zeitschriften kommt man nur über Studentenkontakte in aller Welt heran? Und wo kann man – in mühevoller Selbstaufgabe! – einen Artikel halt doch noch althergebracht kopieren?

Fazit: Was haben die früher bloβ ohne Internet gemacht?

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