Archiv für die Kategorie „Wochenrückblick“

Wochenrückblick 3.0: Woche 2

Dienstag, 13. Oktober 2009

Mon­tag: Also dann halt doch. Den Kor­pus noch mal lesen. Ele­tro­nisch unter­stützt durch die Suche, die mir the farb­lich mar­kiert. Jeden Tag zwei Buch­sta­ben­grup­pen, dann wird’s auch absehbar.

Diens­tag: Welch ver­rückte Krank­hei­ten gibt es eigent­lich? Pesti­lence. Da wär ich mit der Kon­text­su­che aus dem letz­ten Jahr nie drauf gekom­men. Damals habe ich nach so unschul­di­gen Krank­hei­ten wie fever, can­cer oder cough gesucht.

Mitt­woch: Lang­sam beginnt’s mir Spaß zu machen. Das ist auch fast wie eine Sucht, natür­lich bleibt’s auch nicht nur bei zwei Buch­sta­ben­grup­pen. Ich bin über­rascht, wie­viele Bei­spiele ich fin­den kann, die ich letz­tes Jahr nicht gefun­den habe. Da bin ich mal auf den Abgleich Alt-Neu gespannt.

Don­ners­tag: Ich bekomme Übung. Oft reicht ein Blick auf das rechts und links neben den farb­li­chen Mar­kie­run­gen. Und die Ten­denz, dass sich bestimmte Phä­no­mene nach sozia­lem Hin­ter­grund oder geo­gra­fi­scher Her­kunft ver­la­gern. Sehr fein, ein Muster!

Frei­tag: Fast durch. Das macht auch irgend­wie high, so eine Suche. Und ein wei­ser Mensch bemerkt: »Das muss wie Tele­fon­buch­le­sen sein.«

Sams­tag: An die Dra­men, die sich im 18. und 19. Jahr­hun­dert in der iri­schen Gesell­schaft und in der Aus­wan­de­rer­er­fah­rung abge­spielt haben müs­sen, habe ich mich ja über die Jahre gewöhnt. Aber manch­mal mischt so ein wenig das Bewußt­sein des Voy­eu­ris­mus ein. Zwi­schen »hät­ten die hier nicht ein abge­fah­re­nes gram­ma­ti­sches Phä­no­men benüt­zen kön­nen?« (Zynis­mus) und »wenn die gewusst hät­ten, dass wir hun­derte Jahre spä­ter so in ihren intims­ten Details schnüf­feln..« (Scham) ist oft ein schma­ler Grat.

Sonn­tag: Abgleich Alt-Neu. Erschre­ckend, die Hälfte der im vori­gen Jahr gefun­de­nen Bei­spiele kann ich eigent­lich getrost ver­ges­sen. War’s Unschuld, Unwis­sen oder Faul­heit? Fazit: es hat sich sehr gelohnt, den Kor­pus noch­mals zu durch­fors­ten. Tele­fon­buch hin oder her.

Wochenrückblick 3.0: Woche 1

Montag, 5. Oktober 2009

Mon­tag: Aller Anfang ist schwer. Und die­ser noch viel schwe­rer. Nach­dem der ernst­ge­meinte Wie­der­ein­stieg am Wochen­ende am feh­len­den Kaf­fee geschei­tert ist und an der Erkäl­tung, die sich nicht zwi­schen Ver­schwin­den und rich­ti­ger Grippe ent­schei­den konnte (äh, kann! Anm. am Diens­tag), hängt die Prü­fungs­an­mel­dung jetzt wie ein Damo­kles­schwert über dem Schreib­tisch. Nehmt mir das Modem weg, sperrt alter­na­tiv alle Zugänge zu sozia­len Netz­wer­ken oder News­feeds. Die neue Regie­rung strei­tet schon, bevor sie über­haupt ver­han­delt. Prü­fungs­an­mel­dung T -18.

Diens­tag: Es ist wie­der da, scheiße. Das Gefühl, alles auf ein­mal zu wol­len. T -17.

Mitt­woch: Dem poten­ti­el­len Prü­fer von sei­nem Glück erzählt. Und die wun­der­schöne Erfah­rung, auch nach fast zwei Jah­ren Uniab­sti­nenz noch einen Namen zu haben und keine Num­mer zu sein. Im Fließ­band­be­trieb einer Sprech­stunde. Blut lecken, längst begra­bene Ambi­tio­nen wecken. Noch feh­len zwei Unter­schrif­ten fürs Prü­fungs­amt. T -16.

Don­ners­tag: Das erste Kapi­tel ist längst ans externe Quan­ti­täts­prüf­zen­trum gegan­gen. Aber Ein­lei­tun­gen schreibt man zum Schluss. Das ist nur pro­vi­so­risch, sozu­sa­gen. T -15.

Frei­tag: Meine Sta­bi­karte hat eine Gebüh­ren­sperre. Das hin­dert die Insti­tutsbiblio­thek aber nicht daran, mir den­noch Bücher übers Wochen­ende aus­zu­lei­hen. Aber im Insti­tut habe ich auch noch sie­ben Euro Schul­den. Wo die wohl her sind? Über­blicks­ver­lo­rene Alt­las­ten. Sehr fein: die Uni ist wäh­rend der Semes­ter­fe­rien so schön ruhig und über­sicht­lich. Das wird sich über­nächste Woche schlag­ar­tig ändern. Schade. T -14.

Sams­tag: Doof, ich hab den Fei­er­tag total falsch ein­ge­schätzt. Die noch vor­han­de­nen Lebens­mit­tel wer­den mich vor dem Ver­hun­gern ret­ten, die Scho­ko­la­den­at­ta­cken wer­den sie nicht abfan­gen kön­nen. T -13.

Sonn­tag: Es ist nicht viel, aber immer­hin habe ich das in der mitt­wöch­li­chen Sprech­stunde emp­foh­lene Buch gele­sen. Abge­fah­ren - phi­lo­so­phi­sche Sprach­wan­del­theo­rien. Aber wo genau mir die­ses jetzt für die Arbeit hilft? Ich werd’s wohl erst mal sacken las­sen. Die ande­ren übers Wochen­ende aus­ge­lie­he­nen Bücher sind zumin­dest angele­sen. Auch eine Leis­tung: Liegt mir, liegt mir nicht. T -12.

Woche 7.0

Dienstag, 25. November 2008

Eigent­lich ist diese Woche nicht son­der­lich viel pas­siert, das einen Wochen­rück­blick recht­fer­ti­gen würde. Die ange­peilte Struk­tu­rie­rung mei­ner mitt­ler­weile doch sehr ver­zet­tel­ten Noti­zen ebenso wenig wie die Vor­be­rei­tung auf die ers­ten wirk­lich geschrie­be­nen Worte. Also am Rotz ist immer noch nicht gearbeitet.

Das mag man jetzt nega­tiv sehen. Es mag auch frus­trie­ren. Aber wenn ich es posi­tiv sehen soll, dann ist das die Fest­stel­lung, dass ich - anders als im Mai und Juni - nicht gänz­lich auf mein sozia­les und finan­zi­el­les Leben ver­zich­tet habe.

Mal sehen, wie­viel es diese Woche ist.

Woche 6

Freitag, 14. November 2008

Wie gesagt, geschum­melt wird nicht. Und des­halb geht’s hier naht­los mit der sechs­ten Woche wei­ter. Und weil die Wie­der­auf­nahme auf einen Sams­tag fiel, geht die Woche von Sams­tag bis Freitag.

Tag 1: Die Biblio­thek wird gröβer. Fern­leihe ist das Zau­ber­wort. Wo man bei Haus­ar­bei­ten irgend­wie noch mal drum­rum gekom­men ist, auch aus Zeit­grün­den, so ist es jetzt unver­meid­bar. Anfor­de­run­gen aus Kiel, Göt­tin­gen, Erfurt und Ros­tock. Kur­zer Gedanke daran, wem man jetzt das Buch weg­ge­schnappt hat.

Tag 2: Auch die Bibel befin­det sich wie­der in mei­nem Besitz. Sehr kur­zer Gedanke daran, wem man die jetzt weg­ge­schnappt hat.

Tag 3: Umräu­men. Wo es im Juni im Schlaf-/Arbeitszimmer zu warm war, ist es jetzt zu kalt. Umzug in die Wohn­kü­che, das spart Ener­gie. Aus­sder­dem darf geraucht werden.

Tag 4: Ein paar kleine Arti­kel zum his­to­ri­schen Hin­ter­grund. Zum warmwerden.

Tag 5: Toll, der Ver­fas­ser der Bibel hat auch eine buch­di­cke Biblio­gra­phie ver­öf­fent­licht. Sehr fein. Man sieht, dass die bis­he­rige Lite­ra­tur­re­cher­che an sich schon sehr umfang­reich war. Gefahr gene­rell: die­sen Auto­ren zu oft zu zitieren.

Tag 6: Pause.

Tag 7: Mal gucken, was auf der DVD so alles drauf ist, die ich im Juni als Siche­rungs­ko­pie erstellt habe. Die bis­her gele­se­nen Texte und die dazu­ge­hö­ri­gen Noti­zen soll­ten mal in eine ver­nünf­tige Rei­hen­folge gebracht wer­den. Ergo: viele the­men­be­zo­ge­nen Ord­ner erstel­len (Ter­mi­no­lo­gie, His­to­ri­sches, Demo­gra­phie etc.), in denen mit Noti­zen voll­ge­la­dene Word­do­ku­mente Platz fin­den, die mir in den nächs­ten zwei, drei Wochen hel­fen sol­len, wenigs­tens mal »den Rotz« (For­schungs­stand, His­to­ri­sche Hin­ter­gründe) zu Papier zu bringen.

Fazit: Mit grob zwei Stun­den täg­lich… müh­sam, lang­sam, wohldosiert.

Woche 5

Sonntag, 29. Juni 2008

Tag 1: Nach dem kon­fu­sen Wochen­ende und dem ergeb­nis­lo­sen Ver­such, sich durch qua­drat­me­ter­weise Paket­pa­pier an der Wand einen Über­blick zu ver­schaf­fen… Kom­plet­tes Ver­stoβen - zumin­dest für den Moment - des theo­re­ti­schen Hin­ter­grun­des. Merke: Gründ­li­ches Noch-mal-lesen zen­tra­ler Texte wirkt wirk­lich Wun­der. Man kann so viel über­le­sen, unglaublich.

Tag 2: Ich treffe jeman­den, der seine Magis­ter­ar­beit in drei Wochen geschrie­ben hat. WTF??

Tag 3: Es ist Mitt­woch, es ist Korpussuchetag.

Tag 4: Erho­lungs­phase. Es ist Nach­halb­fi­nal­tag. Äh ja.

Tag 5: Kor­pus­su­che. Neues fin­den, kate­go­ri­sie­ren, raus­schmeis­sen. Die Suche ist nach wie vor unsys­te­ma­tisch, aber sei’s drum. Viel­leicht muss es so sein. Nach­mit­tags das ela­bo­rierte Gespräch mit der Kom­mi­li­to­nin, die das ähn­li­che Thema hat. Auch aufschlussreich.

Tag 6: Wie wär’s zum Wie­der­ein­stieg nach der sonst eher etwas mauen Woche mal mit ein paar Zah­len? Kor­pus ein­fach mal unter­su­chen - sta­tis­tisch… Am Diens­tag soll ja die Prä­sen­ta­tion sein. Dazu mal ein paar Dia­lekt­kar­ten ein­bauen, Tabel­len erstel­len. Mehr nicht. Kann keine Zah­len mehr sehen.

Tag 7: Am sieb­ten Tage sollst du ruhen… Prä­sen­ta­ti­ons­vor­be­rei­tung für Diens­tag. Final­vor­be­rei­tung für heute abend. Nicht soviel Radio hören, das macht nur ner­vös. Und von die­sem Gefühl hab ich im Moment eh schon genug.

Fazit: So sehr wie in die­ser Woche hab ich noch nie gespürt, dass ich seit zwei­ein­halb Jah­ren kei­nen Urlaub mehr hatte. Viel­leicht werd ich’s wie alle machen: Nach der Prü­fungs­an­mel­dung wird erst mal Pause gemacht.

Woche 4

Sonntag, 22. Juni 2008

Tag 1: Uiuiuiui. Jam­mert man schon auf hohem Niveau, wenn man zwar den zen­tra­len Arti­kel für den theo­re­ti­schen Arti­kel gele­sen hat, aber glaubt, an die­sem Tag nichts geschafft zu haben? Immer­hin: es ist der Satz ange­stri­chen: der mit dem tol­len Wort »fre­quency of use«. Und das ist die Berech­ti­gung für eine quan­ti­ta­tive Arbeit. Ein Mosaik im Bild.

Tag 2: Geil - es gibt jeman­den, der sich ein ähn­li­ches Thema gesucht hat. Andere Her­an­ge­hens­weise, andere Varie­tät, qua­li­ta­tive Ana­lyse. Aber jemand, der nicht nur stir­ne­run­zelnd oder höf­lich nickt, wenn man ihm »Gram­ma­ti­ka­li­sie­rung in Repli­ka­ti­ons­pra­chen und die Rolle des Sub­stra­tums« vor die Füβe kotzt.

Tag 3: Die Kor­pus­su­che beginnt. Nun auch unter wis­sen­schaft­li­cher Anlei­tung. Lei­der auch nicht wirk­lich sys­te­ma­tisch. Aber müh­sam ernährt sich das… Phra­sendre­schen gehöhrt heute abend Stef­fen Simon.

Tag 4: Irgend­was in mir schreit heute für Por­tu­gal. Dann wär auch inner­lich mal wie­der Ruhe. Dar­auf ein Galaõ.

Tag 5: »I didn’t really want them to lose.« (=Hol­land kann kom­men.) Nach dem Abend ist die frei­täg­li­che Ruhe einer Insti­tuts­bi­blio­thek genau das Rich­tige. Drei Stun­den auf unbe­que­men Stüh­len. Neben mir ein drei Fuβ groβer Sta­pel geball­tes Wis­sen. Ob ein per­sön­li­cher Hand­ap­pa­rat nicht lang­sam mal sinn­voll wäre? Kurze Über­le­gung, ob und wel­che Bücher mich übers Wochen­ende beglü­cken sol­len. Ent­schei­dung dage­gen, über­haupt eins mit­zu­neh­men. Bedeu­tet a) dass ich am Mon­tag um 10 Uhr wie­der in die Uni muss, und setzt mich b) einem gros­sen Druck aus, genau diese Werke auch durch­zu­ar­bei­ten. Lie­ber erst mal mit dem arbei­ten, was noch zu Hause rumfliegt.

Tag 6: Mag mein Nach­bar mal sei­nen CD-Spieler repa­rie­ren? Ne halbe Stunde psy­che­de­li­sches CD-Hüpfen macht wahn­sin­nig. Nur weil Som­mer ist, glau­ben sie plötz­lich, sich alles erlau­ben zu dür­fen? Auf der ande­ren Seite wird heute die Woh­nung mit Pla­ka­ten zuge­pflas­tert. Das Mind­map zu Papier brin­gen. Fünf Qua­drat­me­ter Pack­pa­pier an die Wand hän­gen. Wäre es aber nicht viel­leicht sinn­vol­ler, direkt auf die Wand zu schrei­ben? Tape­ziert wer­den muss bei Aus­zug so oder so. Ach ja, dann halt Russland.

Tag 7: Ver­zwei­fel­tes Ord­nen mei­ner chao­ti­schen Gedan­ken­gänge auf brau­nem Paket­pack­pa­pier. Was soll bloβ dar­aus wer­den? Irgend­wie ist alles wischi­wa­schi. Sabscht so ein Edding eigent­lich durch? Hätte ich eine Kamera, wäre hier ein Bild ange­mes­sen. Hoffte, einen kla­re­ren Kopf zu bekom­men. Nur bedingt erfolg­reich. Eigent­lich so ver­wirrt wie vorher.

Und mor­gen: Wie ein Satz diese Woche meine Theo­rie zum Ein­sturz brachte.

Woche 3

Montag, 16. Juni 2008

Tag 1: Ven­ti­la­tor kau­fen, EM gucken, ausruhen.

Tag 2: Ver­zwei­fel­ter Ver­such, zur Arbeit zurück­zu­keh­ren. Bloβ nicht nach­las­sen. Das ist töd­lich, so lehrt die Erfah­rung. Ande­rer­seits - ich hab nie län­ger als fünf Tage (im Nor­mal­fall nicht län­ger als drei) an einer Haus­ar­beit geschrie­ben. Und nun bin ich schon in Woche 3! Aber mal ehr­lich, so dau­er­haft wie in Hälfte Zwei von Woche 1 war ich seit­her so oder so nicht mehr.

Tag 3: Der Tag ist total im Eimer. Selbst zwei Mal in der Nacht den Bün­abe her­bei­ru­fen hilft nichts - es ist die Per­spek­tiv­lo­sig­keit, gegen die­ses Pro­blem nichts machen zu kön­nen [mitt­ler­weile jede Nacht Radau]. Die Haus­ver­wal­tung wird ein­ge­schal­tet. Ein­zige Mög­lich­keit im Moment: so lange die Poli­zei rufen, bis die auch kei­nen Bock mehr haben.

Tag 4: Ahem. Es wäre irgend­wie ganz hübsch, sich wie­der ein wenig Moti­va­tion anzu­eig­nen. Die ist momen­tan ganz unten. Aber soviel fremd­ver­schul­dete Müdig­keit hatte ich auch schon lange nicht mehr. Es ist bei­nahe nur noch die Angst vor Insom­nia, die mich mich lähmt und nicht schlaf­ten lässt. Ver­rückt. Dabei wäre ich fast vor Mit­ter­nacht ein­ge­schla­fen: bei Öster­reich gegen Polen.

Tag 5: Ein Vor­trag zum indi­vi­du­el­len Sprach­wan­del in unter­schied­li­chen lin­gu­is­ti­schen Umge­bun­gen zum Früh­stück. Lus­tig. End­lich ein Vor­trag, dem ich fol­gen kann, auch inhalt­lich. Schade, dass er nicht ganz fer­tig wurde in der Zeit. Nach­mit­tags noch mal ein paar Stun­den arbei­ten. Also für Geld, das ich schon bekom­men habe.

Tag 6: Bock­mist. Scheiss­tag. Irgend­was fehlt im Leben.

Tag 7: End­lich behut­same Rück­kehr zum Wesent­li­chen. Aber so lang­sam gehen mir die »ein­fa­chen« Arti­kel aus. His­to­risch ist jetzt schon so abge­kaut. Es täte der Arbeit mit Sicher­heit ganz gut, sich end­lich dem Kern­pro­blem des Theo­rie­teils zu nähern. Dann würde viel­leicht auch die­ses beschis­sene Gefühl ver­schwin­den, irgend­wie doch gewal­tig auf dem Holz­weg zu sein.

Woche 2

Sonntag, 8. Juni 2008

Tag 1: Ver­giss es. Kater ohne Anlass, Kopf­schmer­zen ohne Kopf [pah!] und an allem ist die Hitze schuld. Mega­ka­cke: für mein Pro­jekt muss ein Kor­pus mit mehr als einer hal­ben Mil­lion Wör­ter gele­sen wer­den. Äh, und wann das alles? So ne Stim­mung schickt man bes­ten­falls schla­fen. Ein paar Fol­gen Lieb­lings­soap im Netz. Bett­ruhe um 21.30 Uhr.

Tag 2: Krass! Voll moti­viert. Oben auf der Welle schwim­men. Hitze galant als Trieb­mo­tor nut­zen. Zu Hause ein­ge­sperrt? Egal! Ein, zwei Arti­kel sys­te­ma­tisch gele­sen, ver­stan­den und im Geiste bereits wider­legt. Noti­zen machen, Kon­zept kapiert! Ein 550.000-Wort-Korpus? Na und? Walk in the park. Klo kaputt, Haus­meis­ter anru­fen. Zwi­schen­drin den Gewit­ter­re­gen aus dem Wohn­zim­mer auf­wi­schen. Däm­mer­schlaft­raum: alle geknüpf­ten Ver­bin­dun­gen zwi­schen Kon­zep­ten und Theo­rien, his­to­ri­schen Fak­ten, Stu­dien und gefühl­ten eige­nen empi­ri­schen Befun­den wer­den mit jedem ein­zel­nen der 550.000 Wör­ter bom­bar­diert. Hilfe! Wo ist der Boden die­ses Fas­ses bloβ hin???

Tag 3: Vor­mit­tag frei. Ach, und noch drei Bücher aus der Stabi geholt. Die­ses Mal ein Irisch­sprach­kurs mit CDs [sic!]. Okay, ich hab’s ja kapiert. Schlüs­sel­stelle: Irisch hat kei­nen unbe­stimm­ten Arti­kel. Dazu irgend­wann mal mehr. Nach­mit­tags das längst über­fäl­lige Gespräch mit jeman­den, der sich mit der Mate­rie aus­kennt. Ein paar Anre­gun­gen abho­len. Gewiss­heit: man muss für so n Pro­jekt nicht das Rad neu erfin­den. Und: »Kein Ergeb­nis wär auch ein Ergeb­nis.« Äh, ja. Abends auf­ge­dreht wie auf Droge. So ne Stim­mung sollte man kon­ser­vie­ren kön­nen. Auch so ne Martklücke.

Tag 4: Ist Klemp­ner eigent­lich ein Beruf, den man sich frei­wil­lig aussucht?

Tag 5: Irgend­wie muss ich eine Stra­te­gie ent­wi­ckeln, das immer noch vor­han­dene Auf und Ab im Schlafrhyth­mus etwas auzu­bü­geln. Wenig Krea­ti­ves, wenig Effektives.

Tag 6: Aha, da ist die Welle. Elf Stun­den geratzt und trotz­dem tod­müde. Ver­teilt auf die letz­ten Nächte wäre das nahezu eine per­fekte Aus­beute gewe­sen. Aber vier Arti­kel sind schon mal drei mehr als ges­tern. Dazu prangt jetzt ein Wochen­pla­ner über dem Schreib­tisch: damit man Sams­tag schon sieht, was man bis Frei­tag gemacht haben sollte. Inklu­si­ver klei­ner Zet­tel­chen »ein­kau­fen«, »Wäsche waschen« und »Voka­beln ler­nen (jeden Tag eine Stunde!)«.

Tag 7: Sonn­tag ist Ruhe­tag. Oder, wie es para­phra­siert wurde: »Taking a field trip to assess Hiber­nisms in a natu­ral environment«.

Woche 1

Mittwoch, 4. Juni 2008

Die Woche im Rück­blick. Ab sofort am Ende jeder Woche.

Tag 1: Wil­des und mehr oder min­der unko­or­di­nier­tes Lite­ra­tur­sam­meln, unge­ord­ne­tes Abfra­gen diver­ser Schlüs­sel­wör­ter. Abstracts lesen, Inhalts­an­ga­ben durch­fors­ten, Bücher in der Biblio­thek bestel­len, Lite­ra­tur­liste anle­gen. Wesent­li­che Hilfs­mit­tel: das Inter­net, der Campus-Katalog, die Biblio­gra­phie der Modern Lan­guage Asso­cia­tion, Google Scho­lar. Stun­den­pen­sum: 5… na gut, wenn man ehr­lich rech­net, waren’s doch eher nur 3.

Tag 2: Wie Tag 1. Die Lite­ra­tur­liste der wich­ti­gen Titel wächst unauf­hör­lich, schwillt auf drei, vier Seiten.

Tag 3: Wie Tag 1 und 2. Lite­ra­tur­da­ten­ban­ken und elek­tro­ni­sche Zeit­schrif­ten durch­fors­ten, alles down­loa­den, was man (viel­leicht) brau­chen kann (Hams­tern). Die Erfah­rung lehrt hier eigent­lich, dass man mehr als die Hälfte sowieso nach der Ein­lei­tung wie­der löscht. Ärger­lich: für viele Zeit­schrif­ten hat die Uni­ver­si­tät Ham­burg kein Abo. Kleine Abhilfe: Biblio­theks­aus­weis der Bun­des­wehr­uni; vor Jah­ren mal ange­schafft - noch zu BWL-Zeiten, und das ist lang, lang her. Effek­ti­ves Arbeits­pen­sum vor­sich­tig auf vier… fünf Stun­den gesteigert.

Tag 4: Wie Tag 1, 2 und 3. Ers­ter vor­sich­ti­ger Ein­stieg ins Lesen. Lang­sam! Gestört wird die­ses Unter­fan­gen durch per­ma­nente Lite­ra­tur­hin­weise in den Tex­ten, denen man natür­lich nach­ge­hen will - also Suche nach den­sel­ben nach o.g. unko­or­di­nier­tem Mus­ter. Die Erfah­rung lehrt auch hier, dass sich die meis­ten die­ser Hin­weise im Sande ver­lau­fen wer­den und/oder nicht rele­vant sind.

Tag 5: Wie… oben. Ers­ter Kon­takt zur Auβen­welt. Ein Telefonat.

Tag 6: Besuch am Abhol­re­gal in der Staats­bi­blio­thek. Erschro­cke­ner Aus­ruf stört die Stille: »Scheisse, hab ich wirk­lich so viel bestellt?« Die Erfah­rung lehrt hier, dass man bei die­sen Men­gen Lite­ra­tur in der nahen Zukunft garan­tiert ein paar Bücher im Regal ver­gisst. [Gebüh­ren­ge­fahr: hoch].

Tag 7: Der fest vor­ge­nom­mene Plan, sich einem oder zwei Stan­dard­wer­ken zur Kern­lin­gu­is­tik und/oder zum nähe­ren The­men­be­reich sys­te­ma­tisch und tief­grün­dig zu nähern, schei­tert an der Prä­misse, doch bitte mit dem Haus­bau nicht am Dach zu begin­nen. Also lie­ber erst mal was His­to­ri­sches. Geht immer.

Tag 8: Die wilde Lite­ra­tur­su­che wech­selt sich per­ma­nent mit sprung­haf­ten Über­le­gun­gen ab, auf dem Weg zum Magis­ter­ab­schluss noch schnell Irisch zu ler­nen. Dazu hat man sich - auch und beson­ders für die Arbeit - bereits mit Grund­gram­ma­ti­ken ein­ge­deckt. Doch ohne Begleit­kas­set­ten steht man bei die­ser Spra­che schon nach dem ers­ten Absatz von Lek­tion 1 ob der abar­ti­gen Aus­spra­che auf ver­lo­re­nem Pos­ten. Zur Kor­re­la­tion von Ortho­gra­phie und Arti­ku­la­tion spä­ter mehr. Beschä­mende Rück­kehr zur Literatursichtung.

Tag 9: Das Wochen­ende rückt näher. Und mit ihm der Haupt­grund der plötz­li­chen Moti­va­ti­ons­stei­ge­rung. Ich darf das Haus ver­las­sen. Wer jetzt ein­wirft, dass eine Woche nur sie­ben Tage hat, dem sei die Aus­nah­me­re­ge­lung ans Herz gelegt, wonach ich ab sofort christ­lich am sieb­ten Tage ruhen werde, mit mei­ner Arbeit aber an einem Frei­tag begon­nen habe, wes­halb die erste Arbeits­wo­che zehn Tage hat. Alles Klar?

Tag 10: Lang­sam ver­liere ich den Über­blick. Wel­che Bücher sind schon bestellt? Die Kunst besteht darin, kein Buch vor­zu­mer­ken, das man bereits bestellt oder auf dem Schreib­tisch lie­gen hat. [Gebüh­ren­ge­fahr: gering.] Wel­che Titel sind bereits im eige­nen Lite­ra­tur­ver­zeich­nis gelis­tet und mit der Signa­tur aus wel­cher der vie­len Insti­tuts­bi­blio­the­ken ver­se­hen? An wel­che Zeit­schrif­ten kommt man nur über Stu­den­ten­kon­takte in aller Welt heran? Und wo kann man - in mühe­vol­ler Selbst­auf­gabe! - einen Arti­kel halt doch noch alt­her­ge­bracht kopieren?

Fazit: Was haben die frü­her bloβ ohne Inter­net gemacht?