Archiv für die Kategorie „Zitate“

Ein Apfel am Tag hält den Doktor weg

Montag, 21. März 2011

Manch­mal glaube ich, dass nicht wir als Gesell­schaft andere Pro­bleme hät­ten, son­dern dass Nach­rich­ten­re­dak­tio­nen die Masse an Prak­ti­kan­ten irgend­wie beschäf­ti­gen müs­sen. Und so schaffte es eine abkömm­li­che Mel­dung auf die Start­sei­ten der Online­me­dien, die eigent­lich mit Libyen, Fukus­hima und Knut in die­sen Tagen genug zu tun haben dürften.

In der letz­ten Woche besuch­ten Prinz Wil­liam und Kate Midd­le­ton die Hoch­was­ser­ge­biete im aus­tra­li­schen Queens­land und die Erd­be­ben­re­gion in Neu­see­land. Damit wir uns nicht falsch ver­ste­hen: Der Besuch des Prin­zen und sei­ner Zukünf­ti­gen wird den dor­ti­gen Men­schen viel bedeu­ten. Auf­hän­ger für die Nach­richt war in den aller­meis­ten Medien aller­dings die Frage, ob das Bald-Prinzenpaar seine Flit­ter­wo­chen im Son­nen­staat Queens­land ver­bringt. Damit ist die Mel­dung eigent­lich doch recht über­flüs­sig bis zynisch.

Aber zur sprach­li­chen Seite. Heute: Idio­ma­ti­sche Sprachverwendung.

(wei­ter­le­sen …)

Das Schäufele aus Freiburg

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Das aktu­elle Tohu­wa­bohu um Wolf­gang S. aus F. riss die Spre­che­rin beim Nach­rich­ten­zu­lie­fe­rer eines Ham­bur­ger Radio­sen­ders zu einem zumin­dest für Freunde der süd­deut­schen Küche amü­san­ten Ver­spre­cher hin:

Wolf­gang Schäu­fele… Schäu­ble ist zurückgetreten/tritt zurück/wird zurückgetreten/dementiert Rück­tritts­ge­rüchte. [Nicht­zu­tref­fen­des ist je nach Sach­lage zu strei­chen.]

Jetzt ist mir nach nem Schoi­blə Schäufəle.

Polemik auf der Überholspur

Mittwoch, 17. Februar 2010

The rules and long lists of cate­go­ries requi­ring one or the other arti­cle laid down in stan­dard gram­mars manage to hide the amount of varia­tion which actually exists in this domain of gram­mar even in Stan­dard English (StE), let alone the nume­rous social or regio­nal varie­ties of English, which do not give ›two hoots‹ for the gram­ma­ri­ans‹ best efforts to dic­tate ›cor­rect usage‹. The situa­tion is much the same as when tra­vel­ling on roads: once you are outs­ide the radar-control zones of the major roads, on ›B‹ roads, you can tra­vel at wha­te­ver speek your dri­ving skills and your vehi­cle may enable you to sus­tain wit­hout having to worry too much about speed con­trol and traf­fic regu­la­ti­ons. (Filp­pula 2001: 43)

Ver­mut­lich jeder Erst­se­mes­ter würde eine Haus­ar­beit mit der­ar­ti­ger Pole­mik um die Ohren gehauen bekom­men. So würd’s jeden­fall ich machen, wenn mir mal jemand sowas vor­le­gen würde.

Wenn’s lus­tig gemeint war: Gähn, Thema ver­fehlt.
Wenn’s ernst gemeint war: Kel­ler, Rudi.

Aber ganz flott.

Filp­pula, Markku. 2001. The High­ways and Byways of the English Defi­nite Artilce. In: Hil­tu­nen, R, K Batt­ar­bee, M Pei­kola & SK Tans­ka­nen [eds]. English in Zigs and Zags. Turku. 43-51.
Kel­ler, Rudi. 2003. Sprach­wan­del. Tübin­gen.

Uninostalgie

Montag, 16. November 2009

Es gibt Momente, da ist man ganz klein, wenn man auf die Stu­di­en­be­schei­ni­gung guckt und seit Jah­ren dort eine zwei­stel­lige Zahl stu­dier­ter Semes­ter  wahrnimmt.

Und dann gibt es Momente, in denen man auf diese Zahl stolz sein kann.

Wie, du musst dir dei­nen Stun­den­plan selbst zusammenstellen?!?

Auf eine sol­che - ernst­ge­meinte (!) - Frage einer scho­ckier­ten (!!) Kom­mi­li­to­nin darf man dann auch mit der arro­gan­ten Gelas­sen­heit des älte­ren Semes­ters rea­gie­ren (Tipp: ein­fach Mal laut auf­la­chen). Es ver­lei­tet das ältere Semes­ter aber bis­wei­len auch zur weh­mü­ti­gen Fest­stel­lung, dass man die­sen Green­horns ihre Unwis­sen­heit nicht ankrei­den kann (im güns­ti­gen Fall) oder darf (äh, eher so ein Fall augen­blick­li­cher Wehmütigkeit).

Kin­ners, wie die Zei­ten sich ändern.

Quelle versiegt

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Jeder Sechste von Zehn Euro kommt über das Online hin­ein. (Tho­mas Voigt von der Otto-Gruppe in einem Tages­the­men­bei­trag über die Quelle-Pleite.)

Wenn die bei Quelle ähn­lich wider­sprüch­li­che Kennt­nisse über ihre Wirt­schafts­da­ten hat­ten, wundert’s ja nich so sehr.

Ein Sechs­tel ist immer­hin weit weni­ger als etwas mehr über der Hälfte.

Wiedereinstieg

Donnerstag, 16. Juli 2009

Es ist mitt­ler­weile der vierte, aber der erste wirk­lich ernst­hafte Ver­such, die Anstre­bung aka­de­mi­scher Ehren neu in Angriff zu neh­men. Ich war krank. Ich per­sön­lich finde das aus­rei­chend, eine Pause zu erklä­ren, die zwei­wö­chig ange­dacht, aber letzt­end­lich ein Jahr und zwei Wochen dau­erte. Sei’s drum.

Zur Auf­lo­cke­rung möge ich hier mit einem amü­san­ten Zitat aus dem ansons­ten lei­der vor Feh­lern und feh­ler­haf­ten Annah­men strot­zen­den Buch Mother Tongue von Bill Bry­son begin­nen. (Das Buch ist den­noch unter­halt­sam, aber jedem Sprach­wis­sen­schaft­lern dürf­ten die Haare zu Berge ste­hen - und dabei kann ich nur über die hane­bü­che­nen Anmer­kun­gen zur deut­schen Spra­che kichern, wie wird’s da erst dem poly­glot­ten Sprach­ta­lent gehen?). Über Eng­lisch, Wali­sisch und Irisch schreibt Bry­son in sei­ner Ein­lei­tung folgendes:

In Welsh, the word for beer is cwrw - an impos­si­ble com­bi­na­tion of let­ters for any English speaker. But Welsh spel­lings are as not­hing com­pa­red with Irish Gae­lic, a lan­guage in which spel­ling and pro­nun­cia­tion give the impres­sion of having been devi­sed by sepe­rate com­mit­tees, mee­ting in sepa­rate rooms, while implaca­bly divi­ded over some deep seman­tic issue. Try pro­noun­cing geimh­re­adh, Gae­lic for ›win­ter‹, and you will pro­bably come up with some­thing like ›gem-reed-uh‹. It is in fact ›gyee­ryee‹. Beaudhchais (›thank you‹) is ›bek­kas‹ and Ó Séaghda (›Oh-seeg-da‹) is sim­ply ›O’Shea‹. Against this, the Welsh pro­nun­cia­tion of cwrw - ›koo-roo‹ - begins to look posi­tively self-evident. (Bill Bry­son. 1990. Mother Tongue. Pen­guin: p. 6-7)

Nun habe ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen limi­tierte Irish­kennt­nisse. So wie die Iren im 19. Jahr­hun­dert ohne for­male Unter­rich­tung Eng­lisch lern­ten, lernte ich in einem locke­ren Umfeld, dass »Danke« auf Irish go raibh maith agat heisst (etwa ›go re(f) ma-h-u-gat‹). Beaudhchais spuckt noch nicht mal mein Irish­le­xi­kon aus (der Fair­ness hal­ber wohl aber a bhuí la ›thank you‹ und buio­chas la Dia ›thank you to god‹). Nun weiss ich natür­lich nicht, wie gut das Lexi­kon wirk­lich ist, noch, ob beaudhchais irgend­eine wilde flek­tierte Form ist und schon gar nicht, ob meine Nör­ge­lei hier ledig­lich Haar­spal­te­rei ist. An der der doch eher selt­sa­men Ver­wandt­schaft zwi­schen iri­scher Otho­gra­phie und Aus­spra­che ändert es ja eher wenig. Im Prin­zip hat Bill also recht.

In die­sem Sinne, Fáilte ar ais, Wel­come Back.

Große Worte

Freitag, 21. November 2008

Die Arbeit soll also 120 Sei­ten nicht über­schrei­ben. Von unter­schrei­ten steht da nichts. Einige sagen, in ihrer Prü­fungs­mel­de­be­stä­ti­gung steht durch­aus etwas zur Min­dest­länge. 80 Sei­ten. Da greift das also Gewohn­heits­recht, die plus-minus-Regel, wenn man gene­rell von 100 Sei­ten ausgeht.

Ähn­lich mei­ner Punkt­lan­dung in der letz­ten Haus­ar­beit im März die­ses Jah­res (5003 Wör­ter - wo kurz­fris­tig die mög­li­che Raus­kür­zung dreier Füll­wör­ter in Betracht gezo­gen wurde), fixiere ich die 80 Sei­ten an. Auf­fül­len lässt sich immer.

Das schönste State­ment zur Min­dest­länge einer Abschluss­ar­beit hörte ich mal in einer Kleinstbibliothek:

»Alles Richt­werte. Wenn du es schaffst, Saus­sure auf fünf­zehn Sei­ten zu wider­le­gen, möcht‹ ich den Prof sehen, der dich durch­fal­len lässt.«

Na dann.