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	<title>*/ˈdɪːkæf/ - coffee &#38; linguistics</title>
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		<title>[AdJ 2011] Publikumsabstimmung</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 12:49:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Publikumswahl]]></category>

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		<description><![CDATA[So, während sich die Jury zu Beratungen in ein Schweizer Chalet zurückzieht, sind unsere Leser/-innen zur Publikumswahl eingeladen. Die Abstimmung läuft bis zum 11. Februar und es kann mehrfach abgestimmt werden. Wer für die große Verantwortung seine Stimme noch absichern möchte, kann sich hier über die Kandidaten informieren &#8211; wir haben es dieses Jahr tatsächlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, während sich die Jury zu Beratungen in ein Schweizer Chalet zurückzieht, sind unsere Leser/-innen zur <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2012/02/publikumsabstimmung-zum-anglizismus-2011/">Publikumswahl</a> eingeladen. Die Abstimmung läuft bis zum 11. Februar und es kann mehrfach abgestimmt werden.</p>
<p>Wer für die große Verantwortung seine Stimme noch absichern möchte, kann sich hier über die <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/category/wortkandidaten/" target="_blank">Kandidaten </a>informieren &#8211; wir haben es dieses Jahr tatsächlich geschafft, alle Nominierungen der 2. Runde unter die Lupe zu nehmen.</p>
<p>Viel Spaß, es bleibt spannend!</p>
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		<title>[AdJ 2011] Der Kreisläufer: circlen</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/02/03/adj-2011-der-kreislaufer-circlen/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 23:55:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[circlen]]></category>
		<category><![CDATA[gecircelt]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>

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		<description><![CDATA[Für diesen Kandidaten eigne ich mich vielleicht ganz gut: Ich habe zwar ein Konto bei Google+, weil ich nach ausbleibenden Einladungen ganz stolz war, dass ich mich selbst anmelden konnte. Ich bin aber in keinem seine oder ihre Kreise, habe noch niemanden eingekreist (haka!) und nutze Google+ nur dann zur kurzfristigen Egopflege, wenn ein Link [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für diesen Kandidaten eigne ich mich vielleicht ganz gut: Ich habe zwar ein Konto bei Google+, weil ich nach ausbleibenden Einladungen ganz stolz war, dass ich mich selbst anmelden konnte. Ich bin aber in keinem seine oder ihre Kreise, habe noch niemanden <em>eingekreist</em> (haka!) und nutze Google+ nur dann zur kurzfristigen Egopflege, wenn ein Link auf meine Seite geht. Ich bin also irgendwie unvoreingenommen, was <em>circlen</em> angeht &#8211; in die eine, wie in die andere Richtung. Dafür müssen Sie mir im Umkehrschluss die eine oder andere Ungenauigkeit zu technischen Funktionen bei Google+ nachsehen, ja?</p>
<p>Die Nominierung für <em>circlen</em> kommt von <a href="https://plus.google.com/118348891058140868364" target="_blank">Hannes</a>:</p>
<div>
<blockquote><p>Ich schlage <strong>“circlen”</strong> vor. Es umschreibt das “einkreisen” einer Person in einen virtuellen Personenkreis auf Google+ – <a href="http://www.plus.google.com/" rel="nofollow">http://www.plus.google.com</a>. Damit reiht es sich hervorragend in die bereits seit Jahren übliche Verwendung von anglo-amerikanischen Web2.0-Begriffen, wie z.B. “liken” oder “sharen”.</p>
<p>(verwendet in vielen Blogs und Beiträgen in und um G+, z.B. <a href="http://www.aboutgplus.de/2011/10/04/nutzer-circlen-die-google-empfiehlt-und-von-yahoo-und-msn-importieren/" rel="nofollow">hier</a>.)</p></blockquote>
<p><a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/comment-page-1/#comment-11" target="_blank">impala</a> sieht die Nominierung skeptisch und meint:</p>
</div>
<blockquote><p><em>circlen</em> habe ich noch nie gehört und ich habe sogar einen Account bei google+. Eine kurze Google-Recherche bestätigt meinen Verdacht, dass das Wort so gut wie nicht gebraucht wird.</p></blockquote>
<p>Dass alle Nominierungen mehr oder weniger vom Risiko des &#8220;<a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachwandel/2012-01-10/die-kandidaten-f-r-den-anglizismus-des-jahres-2011" target="_blank">kenn ich nicht!</a>&#8221; bedroht sind, liegt in der Natur der Sache, den Nominierungskriterien und einer gewissen nicht-gesehenen Subjektivität. So antwortet <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/comment-page-1/#comment-13" target="_blank">Jan</a> dementsprechend:</p>
<blockquote><p>Ich benutze das Wort circlen und lese es auch häufig.</p></blockquote>
<p>Das inspirierte <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/comment-page-1/#comment-24" target="_blank">impala</a> wiederum zu einer Suche:</p>
<div>
<blockquote><p>Wenn Sie via Google auf deutschen Webseiten nach dem Wort <em>circlen</em> suchen, erhalten Sie ungefähr 5.120 Ergebnisse, wovon einige auch Dateinamen wie “circleN” sind. Die tatsächliche Zahl ist also niedriger. Natürlich schließt diese Suche Flexionsformen des Wortes aus, aber selbst wenn man nach diesen sucht und sie mit <em>leaken</em> oder <em>liken</em> vergleicht, wird deutlich, dass das Wort kaum Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat:</p>
<p><em>leaken</em>: ca. 99.000<br />
<em>liken</em>: ca. 1.350.000 (hier sind allerdings viele Wörterbucheinträge mitgezählt sowie Eigennamen etc.)<br />
<em>circlen</em>: ca. 5.120</p>
<p><em>geleakt</em> (oder in Mischorthographie <em>geleaked</em>): 458.000 (354.000)<br />
<em>gelikt</em> (oder in Mischorthographie <em>geliked</em>): 6.550 (109.000)<br />
<em>gecircelt</em> (oder <em>gecirclet</em> oder <em>gecircled</em>): 1.170 (320; 494)</p>
<p>Die Zahlen sprechen glaube ich für sich.</p></blockquote>
<p>Tun sie das?</p>
<p>Nein. Aber beginnen wir am Anfang.</p>
<h3>Das Wort</h3>
<p><em>circlen</em> im Deutschen ist ein Lehnverb und eine Einbürgerung von <em>to circle</em> auf Google+-Basis. Es bezeichnet in diesem Netzwerk das Hinzufügen einer anderen Person zu den eigenen &#8220;Kreisen&#8221; (engl. <em>circles</em>), welche man thematisch, also etwa nach Freunden, Geschäftspartnern, Kollegen oder wie auch immer anordnen kann. Im Unterschied zu Facebook muss dieses Hinzufügen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen (Facebook verfolgt seither ja eine ähnliche Strategie mit einer Timeline-ähnlichen Funktion, <em>subscribe</em>). Dann kann man seine Inhalte nur für bestimmte Kreise sichtbar machen. Fast wie im echten Leben, also wenn man an so Sprüche denke wie<em> in gewissen <strong>Kreisen</strong> spricht man schon über</em>&#8230;</p>
<div>
<p><em>Circeln</em> (v.) ist also eine Derivation von Circles (n.) &#8211; im Englischen war&#8217;s eine Konversion: <em>circle</em> &gt; <em>to circle</em>. Wo kommt&#8217;s her? Das hab ich mich natürlich gefragt &#8211; und hab mal wieder beim OED vorbeigesehen, weil ich wissen wollte, ob die Bedeutung von &#8220;in gewissen Kreisen&#8221; auch im Englischen von <em>circle</em> (n.) abgedeckt ist. Das könnte hier aber ähnlich unübersichtlich werden, wie bei <a href="http://www.extraflach.de/blog/2012/01/22/adj-2011-wheres-my-masterand/" target="_blank"><em>master</em></a>. Offenbar eignet sich die Kreis-Metapher für sehr, sehr viel versprachlichbare Wahrnehmung. Um die Geschichte abzukürzen &#8211; ja, tut es:</p>
<blockquote>
<p id="eid9445257">21.a.<br />
A number of persons united by acquaintance, common sentiments, interests, etc.; a ‘set’ or coterie; a class or division of society, consisting of persons who associate together.</p>
<p>[Eine Gruppe von Personen, die durch Bekanntschaft, gemeinsame Ansichten, Interessen etc. verbunden ist, '[Kreise]&#8216; oder Seilschaften, eine gesellschaftliche Klasse oder Einheit, die zusammen gehört.]</p></blockquote>
<p>Der Ursprung wird hier sowohl mit germanisch angegeben, von <em>circul</em> (Altenglisch, Astronomie), als auch mit lateinisch-romanisch, <em>circulus</em> (lat.) und <em>cercle</em> (fr.). Bei uns gibt es das Kognat als <em>zirkil </em>schon im Althochdeutschen im 9. Jahrhundert als Instrument fürs Kreismalen. Die Bedeutung des Personenkreises war im 18. Jahrhundert bei uns gar ein Gallizismus (für alles: Etymologieeintrag im DWDS, <em>Zirkel</em>, nach Pfeifer):</p>
<blockquote><p>Die Bedeutung ‘zu Geselligkeit oder zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen sich versammelnde Menschengruppe’ (1. Hälfte 18. Jh.) steht unter dem Einfluß von frz. <em>cercle</em> ‘in einem Salon versammelte Personen, Klub, Vereinigung Gleichgesinnter’ (zunächst ‘um den König oder die Königin versammelter Kreis von Vertrauten’, aus lat. <em>circulus</em> im Sinne von ‘Personenkreis, Gruppe’), das selbst Ende des 18. Jhs. in der Form <em>Cercle</em> übernommen und zeitweilig (bis ins 19. Jh.) neben <em>Zirkel</em> gebraucht wird. Dieses lebt in neuester Zeit vor allem als ‘Kreis von Lernenden, Lehrgang, Kursus’ (19. Jh.) weiter.</p></blockquote>
<p>Ausgang dieser Überlegungen und des Exkurses war nämlich die Tatsache, dass ich <em>Circel</em> in genau dieser Schreibweise und in der Bedeutung &#8216;gesellschaftlicher Kreise&#8217; im Zeitungskorpus (bei Cosmas II) aus dem Jahr 1996 fand, als ich nach <tt>circ*</tt>suchte:</p>
<blockquote><p>Tatsächlich fand die UNO-Menschenrechtsbeauftragte für Bosnien, die frühere finnische Verteidigungsministerin Elisabeth Rehn, gestern in Wiener <strong>Circeln</strong> auffallend moderate Verteidigungsworte für die Serben[.] (<em>Oberösterreichische Nachrichten</em>, X96/JUL.12685)</p>
<p>Aber jetzt scheint man in gewissen <strong>Circeln</strong> unseres Außenministeriums so arrogant zu sein, daß man die Tiroler Landespolitik, die bisher letztlich, zumindest was Südtirol betrifft, mit der Außenpolitik des Bundes übereinstimmte, verhöhnen darf, indem man einfach auf die Schutzmachtfunktion unserer Republik für Südtirol verzichtet (oder vergißt?). (<em>Die Presse</em>, P96/MAR.12830)</p></blockquote>
<p>Insgesamt gibt es drei Belege aus den <em>Oberösterreichischen Nachrichten</em> und den einen aus <em>Die Presse</em>, was mich zu der Annahme verleitete, es handele sich um einen Austriazismus, aber vermutlich nur in der Schreibweise. Belege aus der deutschen Presse sind zahlreich, nur eben mit <em>Zirkel(n)</em>, ein Beleg soll mal genügen (z.B. aus dem Kernkorpus, <em>DWDS</em>):</p>
<blockquote><p>Das ius sanguinis, das Abstammungsprinzip, war kein Codewort elitärer<strong><span id="sentence_targert"> Zirkel</span></strong>, es offenbarte sich langfristig auch in (fast) jeder Zeitung. (27.09.1996, <em>Die Zeit</em>)</p></blockquote>
<p>So, jetzt sind wir beim Verb. Da ist es natürlich etwas komplizierter &#8211; das &#8216;direkte&#8217; Kognat von <em>to circle</em>, <em>zirkeln</em> beschränkt sich überwiegend auf:</p>
<blockquote><p><strong>zirkeln</strong> Vb. ‘mit dem Zirkel zeichnen, abmessen’ (älter auch ‘kreisen, sich drehen’), übertragen ‘mit Sorgfalt und Genauigkeit abmessen, entwerfen, ausarbeiten’, mhd. <em>zirkeln</em> ‘mit dem Zirkel messen, nach dem Zirkelmaß verfertigen’ (spätmhd. auch ‘als Wache die Runde machen’);  (DWDS, <em>Zirkel</em>)</p></blockquote>
<p>Man kennt <em>zirkeln</em> ja noch aus dem Fußballsprech: <em>Er zirkelt den Freistoß um die Mauer</em>, in sowas wie <em>gezirkelte Spitzfindigkeiten</em> (DWDS) oder vom <em>Zirkeltraining</em> (als Nomen). Die direkte Verbindung zu <em>(ein)kreisen</em>, dem &#8216;erweiterten&#8217; Kognat von <em>to (en)circle,</em> ist es also nicht. Oder anders: wir differenzieren an dieser Stelle. Aber die ganze semantische Verbindung ist natürlich gegeben mit diesen ganzen Kreisen überall.</p>
<p>Wem noch nicht schwindlig ist: <em>circlen</em> kommt zu uns und bringt also praktischwerweise Differenzierungspotential mit. Anders als bei den meisten bisherigen Kandidaten, die hier bei mir diskutiert wurden, eignet sich <em>circeln</em> hervoragend dazu, das abzudecken, was weder die Kognate <em>kreisen</em>, <em>einkreisen</em> und schon gar nicht <em>zirkeln</em> leisten können. Zwar kam auch erst mit Google+ das Konzept von &#8220;meinen Kreisen im Netz&#8221; wirklich definiert und technisch konzentriert auf den Bildschirm oder war vorher je nach Netzwerk mit <a href="http://schplock.wordpress.com/2012/01/22/anglizismus-des-jahres-soll-man-adden-adden/" target="_blank"><em>adden</em> </a>oder <a href="http://schplock.wordpress.com/2011/01/16/when-you-friend-someone/" target="_blank"><em>frienden</em></a> dem Netzwerk entsprechend gut abgedeckt &#8211; aber ich würde mal sagen: Kriterium erfüllt. Und anders als <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2011/12/vorstellung-der-jury-teil-4/" target="_blank">Kristin </a>für <em>adden</em> festgestellt hat (&#8220;hat 2011 nichts Besonderes geleistet&#8221;), hat <em>circlen</em> einfach die Gnade der 2011er-Geburt.</p>
<h3>Die Aktualität</h3>
<p>Google+ startete im Juni 2011. Ende der Durchsage.</p>
<h3>Die Verbreitung und Integration</h3>
<p>So, zum Schluss kommen wir zum Kritikpunkt der mangelnden Verbreitung zurück, den AdJ-Leser/-in impala geäußert hatte: Das Wort sei zu selten. Ich denke, hier müssen wir aber <em>circlen</em> gegenüber fair bleiben.</p>
<p>Die nakten Zahlen, die impala anführt, sagen nämlich lediglich erstmal, dass <em>leaken</em> bzw. Wikileaks &#8211; obächtle! &#8211; weitere Kreise gezogen hat und <em>leaken</em> natürlich viel allgemeiner auf mehrere Kontexte anwendbar ist. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass <em>circlen</em> bisher nur ein halbes Jahr Zeit hatte, sich zu etablieren &#8211; wenn man dann noch die Suchanfrage für <em>leaken</em> und seine flektierten Formen auf 2010 beschränkt, werden auch dort die Ergebniszahlen geringer. Natürlich ist es richtig, dass <em>gecirclet/-d</em> nicht auf ähnliche Zahlen kommen kann, wie <em>leaken</em>. Das hat auch noch einen Anwendungsgrund: Bei Wikileaks ging es nämlich um das Leaken <em>an sich</em>, bei Google+ aber nicht ums <em>circlen</em>, sondern mehr um die Potentiale des neuen Netzwerks.</p>
<p>Trotz dieser Überlegungen: die Zahlen sind gar nicht so mau, wie impala sie gefunden hat. Er/sie schreibt, dass die Treffer &#8220;auf deutschen Webseiten&#8221; gefunden wurden, vermutlich mit der Anfrage <tt>site:de</tt>. Das ist aber womöglich der falsche Ansatz. Unter der Annahme, dass <em>gecircelt/gecirclet/gecirceld/gecircled</em> morphologisch durch das Partizip Präfix <em>ge-</em> recht zuverlässig auf eine deutschsprachige Textumgebung hinweist, weiten wir die Suche auf alles von Google aus. Und siehe da: Allein auf der ersten Ergebnisseite kamen bei drei Stichproben in verschiedenen Schreibweisen etwa 8 von 10 Treffern von anderen Topleveldomains (.fm, .com), davon meist gut die Hälfte direkt aus Google+ selbst (.com).</p>
<p>Die Niederländer kommen uns mit einer ähnlichen Morphologie in die Quere (stichprobenartig überprüft für eine .nl-Suche z.B. 4 Treffer für <em>gecircelt</em> und 39 für <em>gecircled</em>). Das ist natürlich die Apfel-Birnen-Saga, zeigt uns aber, dass niederländische Treffer nicht ausreichend aus den .com-Treffern rausgefiltert werden können. Aber für einen Einblick in die Häufigkeit und Verbreitung von <em>circlen</em> muss es halt schlicht reichen (<em>Trust Google searches with a pinch of salt</em>). Eine allgemeine Anfrage und eine mit den flektierten Formen löst übrigens auch das Problem der Grafikendung <em>cirleN</em>, das zumindest so häufig oder beliebt zu sein scheint, dass sie schon die ersten Trefferseiten verdünnt.</p>
<p>So kommen wir auf folgende Näherungswerte (Gesamt-Google, gesamter Zeitraum):</p>
<ul>
<li><em>gecircelt</em>: 9,030</li>
<li><em>gecircled</em>: 4,890</li>
<li><em>gecirceld</em>: 1,130</li>
<li><em>gecirclet</em>: 400</li>
</ul>
<p>Näherungsergebnisse für <em>circlen/circeln</em> (hier aber <tt>site:de</tt>, 28.06.-31.12.2011):</p>
<ul>
<li><em>circlen</em>: 15,300</li>
<li><em>circeln</em>: 61</li>
</ul>
<p>Hier sind wie immer die absoluten Zahlen nicht so entscheidend, sondern die Verhältnisse zwischen den Varianten. Und da zeigt sich meiner Meinung nach enorm Erstaunliches: der Infinitiv ist orthografisch eindeutig die englische Variante <em>circlen</em>. Beim Partizip kristallisieren sich bei vier möglichen zwei mehr oder weniger konkurrenzfreudige Alternativen heraus: <em>gecircelt</em> und <em>gecircled</em>. Dabei ist <em>gecircelt</em> gleich doppelt eingebürgert (-<em>el</em> und <em>-t</em>), <em>gecircled</em> behält die nativ-englische Schreibung für <em>-le</em> und das englische Partizipmorphem <em>-d</em>. Also: Integration ganz oder gar nicht! Derzeit liegt hier die deutsche Orthografie vorn, die sich vermutlich auch noch weiter etablieren wird. Was im Vergleich dazu aber erstaunlich ist, ist die deutliche Präferenz für den orthografischen englischen Infinitiv. Will sich jemand an einer Erklärung versuchen?</p>
<p>(Das Problem ist aber allgemein, dass bei den Partizipien für den Zeitraum seit der Gründung von Google+ bis Jahresende z.B. für <em>gecircelt</em> gar keine Ergebnisse aufgeworfen werden (?!?), mir unerklärlich. Man darf also die Infinitiv-Gruppe nicht mit der Partizip-Gruppe vergleichen, da sie sich auf andere Zeiträume beziehen und mit unterschiedlichen Einschränkungen auf Topleveldomains gefunden wurden. Vergleiche sind also nur innerhalb der Gruppen &#8220;möglich&#8221;. Für den Rest verstehe ich Googlesuchen manchmal eh nicht.)</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ist aussichtsreich dabei, definitiv. Auch wenn ich Google+ bisher fast nur von Buttons auf Seiten kenne. Ich finde die Re-Re-Integration der entfernten und entfremdeten Verwandtschaft ohnehin faszinierend (die Kognats<em>kreis</em>läufe sind so toll!). Zwar ist <em>circlen</em> vermutlich solange auf Google+-Kontexte beschränkt, wie nur Google+ mit solchen Kreisen operiert. Aber ich finde die Möglichkeit der Abbildung des gesellschaftlichen Konstrukts der Kreise auf die Onlinewelt faszinierend, auch sprachlich &#8211; und sie hat Potential. Mit <em>circlen</em> haben wir dafür also ein Wort übernommen, was ganz ausgezeichnet differenziert &#8211; denn mal ehrlich: Würden Sie Ihre Freunde wirklich <em>einkreisen</em> wollen?</p>
</div>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>[AdJ 2011] Content farmen auf Contentfarmen</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/02/02/adj-2011-content-farmen-auf-contentfarmen/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 14:36:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Contentfarm]]></category>
		<category><![CDATA[Euphemismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Nominierung von Contentfarm ging von Leserin Simone ein: Ich möchte “Contentfarm” nominieren. Nominertes Wort: Contentfarm (auch Content-Farm oder Content Farm) Beleg: z.B. http://www.zeit.de/digital/internet/2011-03/google-algorithmus Begründung: Das Wort ist mir in diesem Jahr ersten Mal aufgefallen Ich habe auch einige ältere Beispiele gefunden, aber ich meine, häufiger ist es erst durch die Berichte über den Verkauf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>Die Nominierung von <em>Contentfarm</em> ging von Leserin Simone ein:</p>
<blockquote><p>Ich möchte “Contentfarm” nominieren.</p>
<p>Nominertes Wort: Contentfarm (auch Content-Farm oder Content Farm)<br />
Beleg: z.B. <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2011-03/google-algorithmus" rel="nofollow">http://www.zeit.de/digital/internet/2011-03/google-algorithmus</a><br />
Begründung: Das Wort ist mir in diesem Jahr ersten Mal aufgefallen Ich habe auch einige ältere Beispiele gefunden, aber ich meine, häufiger ist es erst durch die Berichte über den Verkauf von Huffington Post an AOL und durch Googles neuen Algorithmus geworden. Es ist ein Wort, das den schwindenden Stellenwert von Texten und Kreativität im Internet deutlich macht.</p></blockquote>
<p>Nun denn.</p>
<h3>Das Wort</h3>
<p><em>Contentfarm</em> (auch in der Schreibung <em>Content Farm</em> oder <em>Content-Farm</em>, wie Simone bereits angemerkt hat), ist ein hundsgewöhnliches Kompositum mit metaphorischem Gusto &#8211; der Kopf, <em>farm</em>, bezeichnet im prototypischen Sinn einen landwirtschaftlichen Produktionsbetrieb, streitbarerweise ist damit meist einer außerhalb Deutschlands gemeint. (das legen die ersten 50 Treffer einer schnellen KWIC*-Suche im DWDS nahe). Der Modifikator <em>Content</em> wird vom <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Content" target="_blank">Duden </a>so definiert: &#8220;qualifizierter Inhalt, Informationsgehalt besonders von Websites&#8221;.</p>
<p>Also davon abgesehen, dass mir nicht völlig klar ist, was der Duden mit &#8220;qualifiziertem Inhalt&#8221; meint, bezeichnet <em>Content</em> also recht breit den Inhalt im digitalen Raum mit einem Fokus auf Information, also weniger soziale Kommunikation in Foren oder Netzwerken. Für einen so allgemein genutzten Begriff wie Content hat der Duden mit sechs Wörtern aber ganz gute Arbeit geleistet. Dort, wo solche Informationsinhalte wie am Fließband produziert werden, haben wir eine <em>Contentfarm</em>: eine Bezeichnung für Webdienste, die in besonderem Maße Inhalt zur Verfügung stellen (also, hm, &#8216;anbauen&#8217; im übertragenen Sinne). Die Frage wäre jetzt nur, <em>welche</em> Art Inhalt da produziert wird: Denn nicht jede Seite, jede Zeitung oder jedes Informationsportal ist eine <em>Contentfarm</em>.</p>
<p>Nun ist es richtig, dass <em>Inhaltsbauernhof</em> irgendwie schon reichlich daneben liegen würde &#8211; weil <em>Content</em> im deutschen Web-Jargon längst angekommen ist (steht ja schon im Duden). Als <em>Contentfarm</em> werden besonders die Angebote bezeichnet, die zur Generierung von Seitenaufrufen relativ gehaltlose Texte produzieren, die besonders viele Schlagwörter zu einem Thema enthalten. Das ist grundsätzlich ein gängiges Vorgehen, um die eigenen kommerziellen Webangebote in Suchmaschinen besser zu platzieren. Es soll Nutzer/-innen schneller zur gewünschen Information führen. Das nennt sich SEO (<em>Search Engine Optimization</em>). Contentfarmen gehen aber einen Schritt weiter und produzieren in schnellster Abfolge und ohne wirklichen Gehalt billige Texte, um Klicks zu generieren, die wiederum auf passend eingefügte Werbung führen soll. Alternativ gibt es auch den Ausdruck <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Content_Farm" target="_blank"><em>Contentmill</em></a> (<em>Content<strong>mühle</strong></em>), der die Metapher mit der schnellen Produktion noch verstärkt.</p>
<p>So gesehen hat <em>Content</em> in Contentfarm sogar eine leicht euphemistische Note.</p>
<p>Mir ist bei der Recherche nämlich schnell aufgefallen, dass <em>Contentfarm</em> &#8211; obwohl recht neutral definiert &#8211; offenbar eine ordentlich negative Konnotation aufweist:</p>
<blockquote><p>eine kleine Richtigstellung: content.de ist keine<strong> Contentfarm</strong>. Wir stellen weder eigenen Content ins Netz noch beauftragen wir selber Content um diesen dann Paketweise an “Contentfarmer” zu verkaufen. Der an andere Stelle auch schon gehörte Vergleich mit Demand Media &amp; Co. passt demnach nicht, da unser Geschäftsmodell grundlegend anders funktioniert. [<a href="http://www.basicthinking.de/blog/2011/03/31/live-vom-cologne-web-content-forum-der-elevator-pitch/#comment-926728" target="_blank">Link</a>]</p>
<p>Als „<strong>Content-Farm</strong>“ wird eine Seite bezeichnet, die die Funktion hat, durch eine große Anzahl qualitativ minderwertiger und inhaltlich anspruchsloser Texte möglichst viel Suchmaschinentraffic abzugreifen. [<a href="http://blog.content.de/2011/12/28/funktionen-mit-grossem-effekt/" target="_blank">Link</a>]</p>
<p>Mehr Profikiller braucht das Land – Die schmuddelige Realität der <strong>Content-Farmen</strong>. [<a href="http://www.lieinthesound.de/2011/05/mehr-profikiller-braucht-das-land-die-schmuddelige-realitat-der-content-farmen/" target="_blank">Link</a>]</p></blockquote>
<p>Eine Kollokationsanalyse würde vermutlich sehr schnell ans Licht bringen, dass <em>Contentfarm</em> im Sprachgebrauch überwiegend mit negativ-konnotierten Adjektiven und in wenig schmeichelhaften Kontexten auftaucht: <em>schmuddelig</em>, <em>Trash</em>, <em>minderwertig</em>, <em>anspruchslos</em>, <em>oberflächlich</em>, <em>schlecht recherchiert</em> oder &#8220;wir wollen nicht mit dem Schwarzen Schaf (Branchenprimus) verglichen werden, wir sind anders&#8221; (s.o.). Eine solche Analyse ist natürlich nur oberflächlich recherchiert.</p>
<p>Wer Zweifel daran hat, dass es sich tatsächlich um wenig gehaltvolle Texte handelt, darf sich hier dern das WTF des Tages abholen: wie man ein <a href="http://www.ehow.com/how_944_wrap-birthday-gift.html" target="_blank">Geschenk einpackt</a>, <a href="http://peter-renkewitz.suite101.de/sprueche-zum-40-geburtstag-a105487" target="_blank">Sprüche zum XX. Geburtstag</a>, <a href="http://www.ehow.com/list_7178715_ideas-girl_s-birthday-party-january.html" target="_blank">&#8216;Ideen für die Geburtstagsparty einer 13jährigen im Januar&#8217;</a> oder <a href="http://antje-m-schneider.suite101.de/wie-schreibt-man-einen-romantischen-liebesbrief-a79222" target="_blank">Wie schreibt man einen romantischen Liebesbrief?</a>. Aus der <a href="http://www.taz.de/!65121/" target="_blank">taz </a>ist überliefert, dass ein Anbieter auch das große und lange sehr gut gehütete Geheimnis verrät, wie man sein Alter ausrechnen kann, wenn man sein Geburtsjahr und einen Taschenrechner parat hat.</p>
<p>Wir sehen, worauf es hinausläuft: In den Texten sind die Schlagwörter in so schmerzhaft großer Dosierung und ungelenken Kombinationen untergebracht, dass einem fast schlecht wird und man nicht glauben möchte, dass das jemand liest oder lesen muss. Man könnte natürlich tolerant anmerken, dass es sich in hier um Tipps und eine Art Lebensberatung (Jaha!) handelt und es durchaus Menschen geben könnte, die damit was anfangen können. Aber ich glaube, die Dinger richten mehr Schaden an, fürchte ich (wenn es um rechtlich relevante Themen geht). Just my two cents, subjektiv gesprochen.</p>
<p>Simone hat in ihrer Nominierungsbegründung den Nagel schon ganz gut getroffen, vielleicht nicht voll. Von <em>Contentfarmen</em> zu sprechen stellt eigentlich nicht den Stellenwert von Texten und Kreativität im Netz <em>per se</em> in Frage &#8211; die Kollokationen und Diskussionen belegen, dass da sehr strikt differenziert wird. Mit <em>Contentfarm</em> werden ja erst genau die speziellen Trashtexte bezeichnet, die es vorher in der Masse und Gehaltlosigkeit seltener gab (zumindest nicht mit einem eindeutig kommerziellen Interesse) &#8211; so ist es im Grunde keine besonders nenneswerte Bezeichnung für etwas, was wir vorher umständlich umschreiben mussten (ein Teilkriterium für die Wahl). Dies <em>könnte</em> sich in Zukunft natürlich ändern, wobei ich an dieser Prognose kritisieren würde, dass der Kompositumkopf <em>Farm</em> hier die Generalisierung und Übertragung auf generelle Trashinhalte blockieren könnte. Diese Blockade könnte von <em>Contentmill</em> eher gerissen werden. Was <em>Contentfarm</em> aber zweifelslos mibringt ist eine euphemistische Bedeutungsverschiebung von <em>Content</em>. Womit ich natürlich alle Nicht-Contentfarm-Inhalte automatisch für besonders gehaltvoll halten würde. Sei&#8217;s drum.</p>
<h3>Die Aktualität</h3>
<p>Keine Frage, es liegt wohl an der <a href="http://googleblog.blogspot.com/2011/01/google-search-and-search-engine-spam.html" target="_blank">Anküngigung von Google</a> aus dem Januar 2011, Contentfarmen entgegen zu wirken (Google selbst bezeichnet es als Suchmaschinenspam). So findet man im Januar, Februar und nochmal im August vereinzelt Medienberichte darüber (die taz nennt <em>Contentfarmen</em> in ihrem Artikel übrigens <em>Inhaltefarm</em>). Die Aktualität liegt natürlich auch in der Zunahme von Content im Internet und der gestiegenen Bedeutung von Suchmaschinenrankings. So als Überlegung. Mehr dazu auch in der Diskussion um&#8230;</p>
<h3>Die Verbreitung</h3>
<p>Deutlich zu wenig für einen ernsthaften Anwärter auf den Anglizismus des Jahres. Im DeReKo findet sich das Wort gar nicht, egal in welcher Schreibweise (<em>Content</em> allein: über 1000 Treffer). Bei GoogleInsights ist auch nur ein ungewöhnlicher Ausschlag im Februar 2011 zu verzeichnen (zwei Treffer), ansonsten bleibt die Liste leer, da zu wenige Anfragen verzeichnet werden. Bei GoogleNews wird man 2011 mit 2 Treffern für <tt>contentfarm</tt> und mit insgesamt 5 für <tt>content farm/</tt><tt>content-farm</tt> fündig. Das ist gegenüber 2012 ein Anstieg von 2 bzw. 4 Treffern. Irgendwie steil nach oben, aber irgendwie auch, äh, von gaahaaanz unten. Ergo: das reicht derzeit leider nur für eine Disqualifikation, zumindest für die Wahl 2011.</p>
<p>[Achtung! Im Laufe der letzten Tage hat sich offenbar irgendwas in der Suchmaschinenwelt verschoben - die GoogleNews-Suche, die ich im letzten Absatz diskutiere, ist nicht mehr reproduzier- bzw. rekonstruierbar. Das ändert aber doch recht wenig an meinem Eindruck, dass es sich um eine sehr geringe Verbreitung im allgemeinen Sprachgebrauch handelt.]</p>
<p>Der Vollständigkeit halber: Sucht man nach <tt>contentfarm</tt> im normalen Google, werden über Zehntausend Treffer angezeigt &#8211; und die ersten verweisen direkt, ähm, auf Contentfarmen. In Extremfällen führen sie auf Contentfarmen mit Medienberichten über Contenfarmen. Das ist mir echt zu zirkulär jetzt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Der Ansatz der Nominierung ist nachvollziehbar &#8211; und die semantische Analyse hat gezeigt, dass es durchaus um eine sinnvolle Bezeichnung für Trashtexte handeln könnte, bis hin zum Euphemismusstatus und einer Korrumpierung des neutraleren Begriffs <em>Content</em>. Es deckt aber anderen Trash auf normalen Seiten nicht ab. Ich bin deshalb &#8211; alles in allem &#8211; der Meinung, dass <em>Contentfarm</em> nicht zum Anglizismus des Jahres taugt. Die guten Argumente fallen unter Netz- bzw. Gesellschaftskritik und wären vielleicht was für die Leute von <a href="http://neusprech.org" target="_blank">neusprech.org</a>. Zudem konzentriert sich die Diskussion um <em>Contentfarmen</em> auf zwei, drei große Anbieter und ist mir nicht allgemein genug, um sich schlussendlich zu qualifizieren. Zuguterletzt finde ich entscheidend, dass es im allgemeinen Sprachgebrauch (noch) zu wenig verbreitet ist.</p>
<p>&#8211;</p>
<p>Disclaimer: Ich habe als Freiberuflerin selbst SEO-Texte verfasst. 40.000 Wörter über <em>ein</em> Produkt eines echten Produktanbieters, der nur dieses <em>eine</em> Produkt anbietet. N Spaß ist das nie. Die Arbeit an diesen Texten führt ebenso zielführend zu Gehirnmatsch, wie das Lesen derselben. Projektmanagerin: &#8220;Ich hoffe, du wohnst im Erdgeschoss.&#8221; Ich war [naja!] und brauchte das Geld.</p>
<p>*KWIC=<em>Keyword in Context</em>. Ein Begriff aus der Korpuslinguistik. Der Treffer wird in seiner kontextuellen Umgebung ausgeworfen. Auf jeden Fall im ganzen Satz, oft aber auch mit mehreren Sätzen davor und danach.</p>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>[AdJ 2011] Das neue Mem: Meme.</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/01/29/adj-2011-das-neue-mem-meme/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 20:11:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Meme]]></category>
		<category><![CDATA[Mem]]></category>
		<category><![CDATA[Meme]]></category>
		<category><![CDATA[Replikator]]></category>

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		<description><![CDATA[Als die Nominierung Meme von Karoline abgegeben wurde, war ich überrascht: Denn eigentlich hielt ich es für die Pluralform von Mem, einem längst integrierten Fachterminus, dementsprechend mit deutscher Aussprache [me:mə], mir war nicht klar, dass es eigentlich und vermutlich einen, äh, phonologischen Anglizismus [mi:m] gibt. Ich krieche zu Kreuze! Ich lese wenn überhaupt nur von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als die Nominierung <em>Meme</em> von <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/comment-page-6/#comment-98" target="_blank">Karoline </a>abgegeben wurde, war ich überrascht: Denn eigentlich hielt ich es für die Pluralform von <em>Mem</em>, einem längst integrierten Fachterminus, dementsprechend mit deutscher Aussprache [me:mə], mir war nicht klar, dass es eigentlich und vermutlich einen, äh, phonologischen Anglizismus [mi:m] gibt. Ich krieche zu Kreuze! Ich lese wenn überhaupt nur von <em>Meme</em>, höre es seltenst, ja? (Die Pluralform von <em>Mem</em> könnte auch die folgenden Versuche zur Häufigkeitssuche beeinflusst und erschwert haben.) Beide Wörter bezeichnen im Englischen und Deutschen jeweils die gleichen Ideen und sind natürlich konzeptionell miteinander verwandt.</p>
<p>Wir haben hier &#8211; vorweggenommen &#8211; zwei Stadien zu betrachten: Die Übernahme von <em>Mem</em> vor 30 Jahren (mit morphologischer und phonologischer Integration) und der zweite Import mit anderer Bedeutung (offenbar) noch ohne die vollständige Integration eben erst jetzt. Ich halte die Nominierung deshalb auf der Basis des zweiten Imports für zulässig.</p>
<h3>Ursprung</h3>
<p>Die Intuition, dass <em>Mem</em> längst eingebürgert ist, geht auf die &#8220;Ursprungsbedeutung&#8221; von <em>Mem</em> zurück, die mir bekannt und präsent war: Richard Dawkins entwickelte in Analogie zu Genen das Mem-Modell, das wir auch in Deutschland bereits vor Jahrzehnten übernommen haben. Hier bezeichnet ein <em>Mem</em> einen kulturellen Replikator aus den Bereichen Verhalten, Sprache, Mode, Kultur &#8211; schlicht alles, was in kultureller Transmission durch Imitation weitergereicht (oder ausgesondert) wird und so im Mem-Pool überlebt oder eben nicht. Richard Dawkins schreib dazu 1976 (hier in der Fassung von 1989):</p>
<blockquote><p>The new soup is the soup of human culture. We need a name for the new replicator, a noun that conveys the idea of a unit of cultural transmission, or a unit of <em>imitation</em>. &#8216;Mimeme&#8217; comes from a suitable Greek root, but I want a monosyllable that sounds a bit like &#8216;gene&#8217;. I hope my classicist friends will forgive me if I abbreviate mimeme to <em>meme</em>* If it is any consolation, it could alternatively be thought of as being related to &#8216;memory&#8217;, or to the French word <em>même</em>. It should be pronounced to rhyme with &#8216;cream&#8217;.</p>
<p>Examples of memes are tunes, ideas, catch-phrases, clothes fashions, ways of making pots or of building arches. Just as genes propagate themselves in the gene pool by leaping from body to body via sperms or eggs, so memes propagate themselves in the meme pool by leaping from brain to brain via a process which, in the broad sense, can be called imitation.</p>
<p style="text-align: right;">Dawkins (1989: 192)</p>
</blockquote>
<h3 style="text-align: left;">Entwicklung und Entlehnung</h3>
<p style="text-align: left;">In dieser Bezeichnung ist <em>Mem</em> bei uns natürlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mem" target="_blank">längst etabliert</a>. Aber darum ging es Karoline in der Nominierung ja nicht. Um dahinzugelangen, gehen wir über die Entwicklung im Englischen: Nun ist dort also Folgendes passiert: mit engl. <em>meme</em><sub>1</sub>, das viel allgemeiner die Replikation eines kulturellen Konzepts bzw. kultureller Informationen bezeichnet, werden in der Internetgeneration auch die Konzepte bezeichnet, das auf den Prinzipien der Mem- bzw. Informationsreplikation beruhen, die sich aber gänzlich im Internet abspielen, also als <em>meme</em><sub>2</sub> (mit einer subjektiv gefühlten Witzkomponente). Diese zweite Bedeutungsschattierung haben wir jetzt auch phonologisch übernommen und bezeichnen sie mit <em>Meme</em> [mi:m]. Während <em>meme</em> also im Englischen die zwei Bedeutungen <em>meme</em><sub>1</sub> und <em>meme</em><sub>2</sub> abdeckt, haben wir im Deutschen <em>Mem(e)</em> [me:mə] für <em>meme(s)</em><sub>1</sub> und <em>Meme(s)</em> [mi:m] für <em>meme</em><sub>2</sub> und somit eindeutig eine Bedeutungsdifferenzierung und eine Bereicherung für die deutsche Sprache.</p>
<p>Dieser Ansicht ist auch Karoline, die argumentiert, dass <em>Meme</em> die Bereiche abdeckt, die <em>viral</em> nicht abdecken kann. Das ist korrekt, allerdings ist es meiner Ansicht nach eine falsche Argumentation. Was mit <em>Meme</em> und <em>viral</em> bezeichnet wird, sind &#8216;Replikator&#8217; bzw. &#8216;Replikation&#8217;: <em>viral</em> bezeichnet eine Art der Replikation, also wie die Replikatoren (<em>Memes</em>)<em></em> verbreitet werden. Also in diesem konkreten Fall davon abgesehen, dass <em>Meme</em> ein Nomen und <em>viral</em> ein Adjektiv ist (die Sprachgemeinschaft hätte natürlich auch <em>viral</em> in ein Nomen konvertieren können, um die Bedeutung von <em>Meme</em> abzudecken).</p>
<p>Verwendungsbeispiele seien hier kurz angeführt (inkl. der Belege, die bei der Nominierung aufgeführt wurden):</p>
<blockquote><p> Die Kooperation von Youtube und dem Guggenheim-Museum Ende letzten Jahres sollte demonstrieren: Die Mutter aller Videoplattformen kann mehr als Musik, illegale Ausschnitte und <strong>Meme</strong> schleudern. (<a href="http://wissen.dradio.de/youtube-ein-tag-im-leben-des-globalen-dorfs.85.de.html?dram:article_id=13638#" target="_blank">DRadio Wissen</a>, 23.11.2011)</p>
<p>John Pike und das Hitler-<strong>Meme</strong> John Pike ist zu einem Meme geworden, so nennt man schnell sich über das Internet sich verbreitende Bildwitze und Filmchen. (<a href="http://www.welt.de/kultur/article13733272/User-raechen-sich-mit-Photoshop-an-Pfefferspray-Cop.html" target="_blank">Die Welt</a>, 24.11.2011)</p>
<p>Die Buchliebhaber-Challenge – Das zweite <strong>Meme</strong>! (<a href="http://www.nothing-more-delightful.de/2011/11/die-buchliebhaber-challenge-das-zweite-meme/" target="_blank">Nothing More Delightful</a>, 15.11.2011)</p>
<p><strong>Internet Memes</strong> im Überblick: Wo sie herkommen und was sie bedeuten. (Juliane Waack, <a href="http://blogwatch.germanblogs.de/archive/2011/05/20/internet-memes-im-ueberblick-wo-sie-herkommen-und-was-sie-bedeuten.htm" target="_blank">blogwatch.germanblogs.org</a>, 20.05.2011)</p>
<p>Aber einige der derzeit überall kursierenden <strong>Guttenberg-Meme</strong> sind einfach zu schön, um unterschlagen zu werden: (Florian Bayer, <a href="http://seite360.de/2011/02/17/guttenberg-meme/" target="_blank">seite360.de</a>, 17.02.2011)</p></blockquote>
<p>Eine schöne Sammlung von eigentlichen <em>Memes</em> ist auch die Meme-Datenbank <a href="http://knowyourmeme.com/" target="_blank">knowyourmeme.com</a>.</p>
<p>Der Vollständigkeit halber: Genuszuweisung vermutlich ausnahmslos und eindeutig Neutrum (<em>das Meme</em>), möglicherweise in Analogie zu <em>das Mem</em>, <em>das Gen</em>; Plural <em>die Memes</em>.</p>
<p>(Wobei man natürlich nicht abschließend sagen kann, dass <em>Meme</em> auch immer [mi:m] ist: dafür sind einige hier nicht aufgeführte Verwendungen in Abwesenheit von numerusanzeigenden Artikeln (<em>ein</em> bzw. <em>das</em> <em>Meme</em>), sowie aufgrund der phonologischen Integrierbarkeit in unser Phoneminventar und natürlich der etymologischen und konzeptionellen Überschneidung von <em>meme</em><sub>1</sub> und <em>meme</em><sub>2</sub> nicht eindeutig als [me:mə] oder [mi:m] interpretierbar. Die Ambiguität ist aber auch gar nicht so entscheidend, sondern im Prozess des Bedeutungswandels normal.)</p>
<p>Kriterium der Differenzierung erfüllt? Ja.</p>
<h3>Aktualität</h3>
<p>Wie aktuell ist <em>Meme</em>? Wie oben angeführt, kann <em>Meme</em> als Plural von <em>Mem</em> die Suche erschweren. Hier soll der Blick in eine <a href="http://www.google.com/insights/search/#q=Mem%2CMeme%2CMemes&amp;geo=DE&amp;date=1%2F2010%2025m&amp;cmpt=q" target="_blank">GoogleInsight</a>-Suche für <em>Mem</em> und <em>Meme</em> genügen: Dort ist 2011 eine deutliche Häufigkeitstrennung von <em>Mem</em> und <em>Meme</em> zu erkennen. Bis etwa 2011 verlaufen <em>Meme</em> [me:mə] und <em>Mem</em> im Gleichschritt, ab 2011 steigt <em>Meme</em> sprunghaft an, auch der hypothesierte Plural von Meme, <em>Memes</em> nimmt erst neuerdings wirklich zu. Dies ließe den vorsichtigen Schluss zu, dass wir es 2011 tatsächlich mit einer Häufigkeitszunahme von <em>Meme</em> [mi:m] zu tun haben. Dies legen auch die Topsuchanfragen für <tt>meme</tt> nahe: <tt>facebook meme</tt>,  <tt>meme generator</tt> oder <tt>internet meme</tt>, also eben nicht im Sinne von Mem (GoogleInsights untersucht allerdings nur nach Region [hier: DE], leider nicht nach Sprache).</p>
<p>Kriterium der Aktualisierung erfüllt? Vorsichtiges Ja.</p>
<h3>Metabemerkung</h3>
<p>Was mich fachlich fasziniert an <em>Meme</em>, Replikatoren und Replikation: in der Linguistik wurde von William Croft (1996, 2000) ein analoges Modell zum Gen- und Mem-Pool vorgeschlagen, um Sprachwandel im evolutionären Sinn erklären zu können: <em>Theory of Utterance Selection</em> (etwa: Theorie der Äußerungsauslese). Dort sind sprachliche Äußerungen die Replikatoren aus einer Population der Sprache, geäußert (repliziert) von den Mitgliedern der Sprachgemeinschaft. Eine Äußerungen wird danach dann mit höherer Wahrscheinlichkeit repliziert, je mehr oder besser sie eine expressive Funktion erfüllt (Darwins Idee &#8220;Survival of the fittest&#8221;). Dies ist nicht gerade Antwort 42 &#8211; aber ein modellierter Ansatzpunkt, um das Überleben und die Verbreitung von sprachlichen Äußerungen auf allen Ebenen der Sprache theoretisch erklären zu können (aber nicht voraussagen!). Das ist für die Wahl natürlich nur ein fachlicher und subjektiver Meta-Einschub, erinnert mich aber daran, dass ich mir das nochmal genauer anschauen [bitte Modalverb der Wahl einsetzen].</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Das hätte ich vor drei, vier Stunden (bzw.: <a href="https://twitter.com/#!/_simplysuz/status/163333006373830658" target="_blank">vor der gestrigen Sperrung meiner Webseite</a>) nicht gedacht: <em>Meme</em> ist sogar ein ziemlich guter Kandidat. Er hat echte Überlebungschancen, ist auf dem Vormarsch und da er nicht auf einen Social Media-Bereich beschränkt ist, steht <em>Meme</em> auch der breiten Sprachgemeinschaft offen &#8211; sofern sie natürlich im weiteren Sinne mit Internettechnologie vertraut ist und mit ihr umgehen kann. Und anders als bei vielen Kandidaten haben wir hier keine Entlehnung, die wir bedeutungstechnisch eingregrenzt, verallgemeinert oder verschoben haben (aber was nicht ist, könnte noch werden &#8211; obwohl ich das für eher unwahrscheinlich halte), sondern eine, die wir in konzeptioneller Gänze  importiert haben.</p>
<p>Literatur:<br />
Croft, William. 1996. Linguistic Selection: An Utterance-based Evolutionary Theory of Language Change. <em>Nordic Journal of Linguistics</em> 19: 99-139.<br />
Croft, William. 2000.<em> Explaining Language Change: An Evolutionary Approach</em>. Longman.<br />
Dawkins, Richard. 1989. <em>The Selfish Gene</em>. Oxford University Press. (Kapitel 11: <em>Memes: the new replicators</em>).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>[AdJ 2011] &#8211; Welches -gate nimmst du?</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/01/25/adj-2011-gate/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 21:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Morphologie]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[-gate]]></category>
		<category><![CDATA[Affix]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Entlehnung]]></category>
		<category><![CDATA[Kompositum]]></category>
		<category><![CDATA[Kürschnergate]]></category>
		<category><![CDATA[Suffix]]></category>
		<category><![CDATA[Watergate]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute bloggen Kristin und ich zeitgleich zum Kandidaten -gate. So ein Parallelpost haben wir uns schon im letzten Jahr gegönnt: wir wissen also bis 22 Uhr nicht, welche Überlegungen die andere angestellt hat, wo sie gesucht hat und zu welchem Ergebnis sie kommt. Reizvoll. (Hier geht&#8217;s zu Kristins Beitrag. Sie hat auch die Nominierungsbegründung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute bloggen Kristin und ich zeitgleich zum Kandidaten -<em>gate</em>. So ein Parallelpost haben wir uns schon im letzten Jahr gegönnt: wir wissen also bis 22 Uhr nicht, welche Überlegungen die andere angestellt hat, wo sie gesucht hat und zu welchem Ergebnis sie kommt. Reizvoll.</p>
<p>(Hier geht&#8217;s zu <a href="http://schplock.wordpress.com/2012/01/25/anglizismus-des-jahres-greift-gate-um-sich/">Kristins </a>Beitrag. Sie hat auch die <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/comment-page-4/#comment-66" target="_blank">Nominierungsbegründung </a>von <a href="http://www.lupino.org/" target="_blank">Patrick Schulz </a>ausgegraben &#8211; ich hatte gar nicht auf Kommentarseite 4 geguckt. Auch gut. Dann war ich wenigstens nicht in eine von beiden Richtungen voreingenommen, weil Patrick letztes Jahr das Siegerwort <em>leaken</em> nominiert hatte.)</p>
<p>Nun denn: Zum ersten Mal in der traditionsreichen Geschichte der Wahl zum Anglizismus des Jahres ist ein Affix nominiert bzw. hat die erste Runde überstanden: -<em>gate</em>. Die Nominierung, genauer gesagt eigentlich die Entlehnung eines gebundenen Derivationsmorphems an sich, ist deshalb ein bisschen erstaunlich, weil in den allermeisten Fällen ungebundene, also freie lexikalische Einheiten entlehnt werden. Es sind also besoders Nomen und Verben, die Sprachen mit Vorliebe aufnehmen; mit ein klein bisschen Abstand folgen Adjektive &#8211; und ganz selten in der Entlehnungshierarchie stehen Einheiten, die sich eher am grammatischen Ende unseres Wortschatzes befinden.</p>
<p>Jetzt haben wir mit -<em>gate</em> also ein Suffix, ein (augenscheinlich) gebundenes Morphem, ein Nominal- bzw. Derivationssuffix.</p>
<h3><strong>Aktualität?</strong></h3>
<p>In der Kürze der Zeit im ausklingenden Semester war es mir unmöglich, eine eventuelle Häufigkeit genau zu bemessen bzw. das Vorkommen des &#8211; nennen wir es vorläufig &#8211; Wortbestandteils genauer auf einen Zeitraum einzugrenzen. Das liegt primär daran, dass -<em>gate</em> in oberflächlichen Suchanfragen alle möglichen Wortkombinationen auswirft, die auf -<em>gate</em> enden: eine flotte Aufzählung beinhaltet beispielsweise <em>Surrogate</em>, <em>Aggregate</em>, <em>Agate</em>, <em>Spagate</em> oder <em>Colgate</em>. Andererseits werden all die &#8220;echten&#8221; -<em>gates</em> übersehen, die sich bereits in der Schreibung der deutschen Orthografie angepasst haben: also eben nicht <a href="http://www.zeit.de/news-052011/16/iptc-bdt-20110516-121-30388738xml" target="_blank">Karatchi-Gate</a> oder <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,794582,00.html" target="_blank">Battery-Gate</a>, die mit einem Bindestrich die Suche ermöglichen und erleichtern.</p>
<p>Die schnelle Suche in Zeitungskorpora bei <a href="http://www.ids-mannheim.de/cosmas2/web-app/" target="_blank">Cosmas II</a> ergibt ein ebenso verwirrtes Bild und hilft bei der Aktualitätsüberprüfung nur so viel weiter: -<em>gate</em> ist als Affix schon lange belegt, eigentlich deutlich zu alt und für die Wahl 2011 schon vorweg nicht qualifiziert.</p>
<p>Also müssen wir uns der Nominierung anders nähern. Ich werfe deshalb zwei Fragen in den Raum: 1.) Hat sich die Bedeutung in den letzten Jahren vor und speziell in 2011 spürbar vom Surrogat(e) <em>Watergate</em> entfernt? Dann frage ich mich allerdings auch 2.): worum handelt es sich eigentlich &#8211; um ein Derivationsaffix oder vielleicht doch um den Kopf eines Kompositums?</p>
<h3>Ursprung</h3>
<p>Na, das überrascht jetzt niemanden: <em>Watergate</em>, 1972. Der OED (in der Ausgabe von 1989, auf der die online verfügbare Definition beruht) definiert es folgendermaßen:</p>
<blockquote><p>A terminal element denoting an actual or alleged scandal (and usually an attempted cover-up), in some way comparable with the Watergate scandal of 1972.</p></blockquote>
<p>Ein Skandal mit großer politisch-gesellschaftlicher Strahlkraft, könnte man sagen. Damals.</p>
<p>Im Englischen war -<em>gate</em> übrigens ganz flott produktiv zur Stelle (<a href="http://www.oed.com/view/Entry/77058?rskey=cVrK2k&amp;result=9&amp;isAdvanced=false" target="_blank">OED</a>):</p>
<ol>
<li>Volgagate (1973), Dallasgate (1975), Koreagate (1976),</li>
<li>Motorgate (1975), Lancegate [is no Watergate] (1977),</li>
<li>Wine-gate (1973), Ice Cream Gate (1977)</li>
</ol>
<p>Dabei sind die Gruppierungen hier semantisch motiviert vorgenommen (die sich bis heute wenig verwunderlich gehalten haben): Gruppe 1 ist nach den Orten des Skandals, Gruppe 2 nach den Namen der involvierten Personen oder Produkten und Gruppe 3 nach der Substanz des Skandals eingeordnet. Außerdem scheint mit zunehmender Zeit die Wucht des Skandals und seiner Öffentlichkeitswirkung doch recht deutlich abzunehmen.</p>
<p>Interessant ist auch, dass der OED -<em>gate</em> nicht als prototypisches Affix kategorisiert, sondern als <em>combining form</em>. Dies sind Formen, die wie Affixe auftreten (als gebundene Morpheme), also wie etwa die form <a href="http://emedien.sub.uni-hamburg.de/han/OxfordEnglishDictionary/www.oed.com/page/oed3guide/Guide+to+the+Third+Edition+of+the+OED" target="_blank"><em>medico</em></a>- (von <em>medical</em>), dazu gehören auch beispielsweise gebundene Morpheme wie -<em>ology</em>, <em>bio</em>-, <em>physio</em>- oder <em>astro</em>-, die man auch als Wortbildungselemente der sogenannten neoklassischen Komposition bezeichnet (Wortbildung mit gebundenen lateinischen oder griechischen Elementen). Mit -<em>gate</em> scheinen wir uns also in der Grauzone zwischen Komposition und Derivation zu befinden: Komposition wäre es nur dann eindeutig(er), wenn -<em>gate</em> ein freies Morphem <em>wäre</em>. (Ich suche aber noch die Relevanz der Erkenntnis, dass es sich um ein Kompositionselement handeln <em>könnte</em>.)</p>
<h3>Kompositum?</h3>
<p>Die Frage ist für die Wahl aber drittrangig und abschließend beantworten möchte ich sie nicht. Jaha, dann kam heute nämlich Babette und tat uns und der Twittergemeinde einen ganz wunderbaren Gefallen! Das lustige Kettenmailgate aus dem Bundestag förderte heute unter anderem diese Verwendungen von <em>Gate</em> als freies Morphem zu Tage:</p>
<blockquote><p>Ein Gate und die <s>#</s><strong>Piraten</strong> sind nicht dabei? Ich prangere das an! <s>#</s><strong>kürschnergate</strong> (25. Januar 2012) [<a href="https://twitter.com/#!/AlterPirat/status/162194924471726080" target="_blank">@AlterPirat</a>]</p>
<p>Mal ein <strong>Gate</strong>, ohne dass <s>#</s><strong>Piraten</strong> scheisse gebaut hätten. <s>#</s><strong>kürschnergate</strong> (25. Januar 2012) [<a href="https://twitter.com/#!/Telegehirn/status/162189229005352960" target="_blank">@TeleGehirn</a>]</p>
<p>wüsste er, was ihr hier alles als &#8220;<strong>gate</strong>&#8221; bezeichnet, würde richard nixon sich im grabe umdrehen. (25. Januar 2012) [<a href="https://twitter.com/#!/dielilly/status/162146376204042240" target="_blank">@dielilly</a>]</p></blockquote>
<p>Das kennen wir auch schon von <em>Ismus</em> (&#8220;Das ist doch bloß wieder so ein komischer Ismus!&#8221;) &#8211; das gernzitiertes Beispiel von freigesetzten Morphemen (mit lexikalischer Bedeutung). Das macht <em>Kommunismus</em> oder <em>Feminismus</em> natürlich nicht zu Komposita. Aber bei <em>Gate</em> bestünde durchaus das Potential, dass es sich für den kleinen, leicht amüsant anmutenden Skandal für die Frühstückspause durchaus verselbstständigt. Abwarten. Aber Gemach, Gemach &#8211; immerhin suchen wir hier den Anglizismus des Jahres 2011 und nicht das Freie Morphem 2012.</p>
<p>#kürchnergate ist seit Stunden Toptrend bei Twitter. Das ist nicht überraschend &#8211; und illustriert die Bedeutungsverschiebung von -<em>gate</em> in die Richtung, dass sich bei dem entsprechenden Ereignis eben noch nicht mal um einen Skandal handeln muss, um ein <em>Gate</em> zu sein.</p>
<h3>Produktivität?</h3>
<p>Diese Einschätzung wird von einem Beitrag in der <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/noetigungsvorwuerfe-gegen-parteimitglied-piraten-im-privaten-11617778.html" target="_blank">Frankfurter Allgemeinen </a>(21.01.2012) gestützt:</p>
<blockquote><p>Aber man kann Lauer, der einer von 15 Abgeordneten der Piratenpartei im Berliner Abgeordnetenhaus ist, auch sehr schnell zum Ausrasten bringen. Man muss nur „Partnergate“ sagen, „Salzgate“ oder „Esogate“. Es sind die auf Twitter benutzten Codewörter der <strong>Skandälchen</strong>, mit denen die Berliner Piraten es in letzter Zeit regelmäßig in die Hauptstadtboulevardpresse geschafft haben.</p></blockquote>
<p>Also davon abgesehen, dass wir vermutlich Probleme mit der Aktualität bekommen, finde ich diese Bedeutungsverschiebung eigentlich ziemlich relevant für die Wahl. Die Suche im Cosmas II bleibt hier oberflächlich, aber ein gewisses Muster zeichnet sich ab:</p>
<blockquote><p><span>Waterkantgate&#8221;</span> nennen spitze Zungen die kaum glaublichen Wahlkampfvorgänge, die bewirkten, daß laut und in allen Lagern von Politik und Gesellschaft die Frage nach der Moral der Macht gestellt wird.<br />
1987, <em>Mannheimer Morgen</em>, 3. Dezember [H87/KM6.09413]</p>
<p>Welchen Song müßte er heute spielen, um sein durch &#8220;Monicagate&#8221; ramponiertes Image aufzupolieren?<br />
1998, <em>Frankfurter Rundschau</em>, 6. April [R98/APR.27953]</p>
<p>Die Lokalpresse fand einen griffigen Titel für den Abhörskandal im CDU-Haus: &#8220;Wesergate&#8221;.<br />
2003, <em>Rhein-Zeitung</em>, 1. Juli [RHZ03/JUL.00398]</p>
<p>Der Skandal hatte als »Nipplegate« für Schlagzeilen gesorgt.<br />
2004, <em>Nürnberger Nachrichten</em>, 24. April [NUN04/SEP.02343]</p>
<p>Die Medien sprechen schon vom „Karatschi-Gate“ mit dem Potenzial, Frankreichs neue Staatsaffäre zu werden.<br />
2010, Nürnberger Nachrichten, 23. November [NUN10/NOV.02267]</p>
<p>Auch ein Kabinettsmitglied gestand, dass ein Krawattenverzicht erheblichen häuslichen Ärger ausgelöst hätte. Krawatten-Befürworter sehen in Seehofers Vorstoß ein bedauerliches Krawatten-Gate: „Stillos“ und eine „Missachtung des Parlaments“, schimpfte ein auf Tradition bedachter CSU-Abgeordneter.<br />
NUZ11/JUL.01355 <em>Nürnberger Zeitung</em>, 14.07.2011</p></blockquote>
<p>Es ist nur eine Stichprobe &#8211; aber wir sind im Deutschen offenbar von der großen Staatsaffäre zum kleinen Kantinenwitz gewandert. Von <em>Watergate</em> zu bajuwarischen Empörung über Krawatten? Also da gehört schon eine gehörige Portion Dramaqueengequengel, aus Letzterem sowas wie Ernsthaftigkeit rauszulesen. Außerdem fehlt der heutigen Verwendung der Aspekt der Ursprungsbedeutung bzw. der, die noch in den 2000er Jahren vorherrschend war, nämlich das des Staatsskandals und des die Öffentlichkeit täuschenden Vertuschens.</p>
<h3>Fazit?</h3>
<p>Ich bin mir nicht sicher, ob all diese Argumente -<em>gate</em> wirklich für einen der Topplätze qualifizieren. Was aber interessant ist, in Ermangelung der sonst eher dürftigen Erfüllung der Nominierungskriterien: Wir haben eine Bedeutungsverschiebung zum kleinen, amüsanten Skandal für zwischendurch. Erneut ist für diese Einschätzung natürlich der Sog von Twitter mitverantwortlich. Und in der Kürze der Zeit dann trotzdem eine spannende und unterhaltsame Entdeckung, auch für mich. So ist -<em>gate</em> dann doch irgendwie ein putziger Kandidat &#8211; vielleicht mit Außenseiterchancen, weil wir jetzt verallgemeinert und ungehemmt produktiv auf alles anwendbar die <em>Gates</em> belächeln dürfen.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>[AdJ 2011] Where&#8217;s my Masterand?</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/01/22/adj-2011-wheres-my-masterand/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 22:09:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Morphologie]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[-and]]></category>
		<category><![CDATA[-end]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomand]]></category>
		<category><![CDATA[Entlehnung]]></category>
		<category><![CDATA[Masterand]]></category>
		<category><![CDATA[Suffix]]></category>

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		<description><![CDATA[Nominiert wurde Masterand von Leser/in kww: Ich möchte das Wort “Masterand” vorschlagen. Es ist natürlich eine Analogiebildung zu Diplomand, d.h. es bezeichnet jemanden, der an seiner Masterarbeit arbeitet. Mir ist dieses Wort in diesem Jahr zum ersten Mal und bisher nur in mündlicher Form untergekommen. Nach der Umstellung von den Diplomstudiengängen zu Bachelor/Master-Studiengängen taucht diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nominiert wurde <em>Masterand </em>von Leser/in <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/comment-page-7/#comment-107" target="_blank">kww</a>:</p>
<div>
<blockquote><p>Ich möchte das Wort “Masterand” vorschlagen. Es ist natürlich eine Analogiebildung zu Diplomand, d.h. es bezeichnet jemanden, der an seiner Masterarbeit arbeitet.</p>
<p>Mir ist dieses Wort in diesem Jahr zum ersten Mal und bisher nur in mündlicher Form untergekommen. Nach der Umstellung von den Diplomstudiengängen zu Bachelor/Master-Studiengängen taucht diese Sorte Menschen jetzt zum ersten Mal auf (zumindest in meiner Umgebung). Google zeigt, dass es auch schriftlich vorkommt, vor allem in Stellenanzeigen und da meistens in der Kombination “Diplomand/Masterand”.</p></blockquote>
</div>
<p>Begeben wir uns auf Exkursion und beginnen ein wenig früher.</p>
<p>Der Begriff <em>Master</em>, genau wie der unter augenscheinlicher Verdrängung leidende <em>Magister</em>, geht &#8211; wenig überraschend &#8211; auf das Lateinische <em>magister</em> zurück (Kluge 1889; Grimmsches Wörterbuch [DWB]). In verkürzter Form wird <em>magister</em> meist als &#8216;Lehrer, Gelehrter, Meister&#8217; wiedergegeben. Es ist auch verwandt mit dem deutschen <em>Meister</em> und deshalb auch mit allen möglichen Ämtern (<em>Bürgermeister</em>, ursprünglich wohl antonymisch-analog gebildet:<em> Minister</em>); also irgendwie im Wortfeld der Gelehrten und Mächtigen. Der Duden erwähnt gar die morphologische Verwandtschaft zu <em><a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/Magister" target="_blank">Magnat</a></em> [s. 'Herkunft', da <em>magis</em> 'mehr', als adv. zu <em>magnus</em>, siehe auch <em>magna cum laude</em>, <em>Magna Carta</em> - alles irgendwie Große halt].</p>
<p><em>Magister</em> (lat.) erfuhr im Deutschen nach der schon in früheren Sprachstadien geklauten lateinischen Bedeutung und Entlehnung <em>Meister</em> im Mittelalter eine weitere, zweite Entlehnung unter Konservierung des lateinischen Begriffs, nämlich eine &#8220;von den universitäten seit dem 15. jahrh. ausgehende, mit beibehaltung der gelehrten lateinischen form: magister liberalium artium wurde der in der artisten- (philosophischen) facultät zum range der lehrerschaft erhobene genannt; auch doctoren der theologie hieszen magistri&#8221; (<a href="http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&amp;lemid=GM00337" target="_blank">DWB</a>).</p>
<p>Immer noch ein Gelehrter (und streitbar Mächtiger), aber eben mit der Bedeutungsschattierung im akademischen Rahmen.</p>
<p>Warum das alles? Weil es im Englischen ähnlich ablief. Also auch hier <em>magister</em> &gt; <em>maystr</em> (in diversen Schreibungen) &gt; <em>master</em>. Schauen wir uns dazu mal eine Auswahl der reichhaltigen Belegsammlung des <em>OED</em> unter dem Stichwort <em>master</em><sup class='footnote'><a href='#fn-3368-1' id='fnref-3368-1' onclick='return fdfootnote_show(3368)'>1</a></sup> an, wo allerdings die überwältigende Anzahl an Einträgen (Bedeutungen) meine Vorstellungskraft von Wortbedeutungsketten und -relationen auf eine herbe Probe stellt &#8211; deshalb wirklich <em>Auswahl</em>:</p>
<p>In der Bedeutung als erster Eintrag: &#8216;Herrscher, Mächtiger, Führer&#8217;</p>
<blockquote><p>Ðonne he gemette ða scylde ðe he stieran scolde, hrædlice he gecyðde ðæt he wæs <span style="text-decoration: underline;"><em>magister</em></span> &amp; ealdormonn.<br />
(10. Jhd., King Ælfred, <em>Pastoral Care</em>, Hatton xvii. 117; Übersetzung: van Gelderen 2010: 46)</p>
<p>witodlice he sette him weorca <span style="text-decoration: underline;"><em>mægstras</em></span>, þæt hy gehyndon hi mid hefigum byrþenum.<br />
(11. Jhd. <em>Old Eng. Hexateuch: Exod.</em> (Claud.) i. 11)</p>
<p>Heore aȝene pine neure nere þe lesse þah heo <em><span style="text-decoration: underline;">meistres</span></em> weren.<br />
(13. Jhd., <em>MS Lamb.</em> in R. Morris <em>Old Eng. Homilies</em> (1868) 1st Ser. 43)</p>
<p>A kingis prouost may haue na mare power na has his <span style="text-decoration: underline;"><em>maister</em></span>.<br />
(15. Jhd., G. Hay <em>Bk. Law of Armys</em> (2005) 103</p></blockquote>
<p>(Ich bitte um Entschuldigung &#8211; meine Altenglischkenntnisse reichen noch nicht aus, um mich in zeitlich vertretbarem Aufwand durch Kasuswindungen und Satzklammern zu friemeln.)</p>
<p>Es folgen 13 Haupteinträge mit einer scrollbalkenatomisierenden Zahl an unter Umständen obsoleten Unterbedeutungen: Manager, Aufseher, Haushaltsvorsteher, Militäroberer, Arbeitgeber, Jemanden-irgendwas-tuend-in-einer-Schule, irgendwas-technisches (<em>master slave</em>), Haustierbesitzer (obächtle! Herrchen!), Sieger einer Schlacht, Jemand-mit-Macht, Freier Mann, <em>être maître</em>, a woman&#8217;s huband, Schiffskapitän, Besitzer von irgendwas &#8211; vielleicht hätte ich mich auf <a href="http://www.etymonline.com/index.php?allowed_in_frame=0&amp;search=master&amp;searchmode=none">Online Etymology Dictionary</a> beschränken sollen &#8211; Bridgespielkarte, Hauptdokument, Gramophonteil &#8211; oha, ab Bedeutung 11: Lehrer, in Komposita auch als Schuldirektor, Lehrmeister, Stil- und Kunstikone &#8212; und wenn ich lange genug suchen würde, bestimmt auch noch im Wortfeld des Spaßvogels.</p>
<p>Dreißig Kilometer (es folgen dann noch 10 weitere Einträge und eine Latte an offenbar definitionswürdigen Komposita) später sind wir also bei:</p>
<blockquote>
<p id="eid37744377">A holder of a senior degree from a university or other academic institution, the degree being originally of a status which conveyed authority to teach at a university. Now usually: the holder of a postgraduate degree below the level of a doctorate.</p>
<p>&#8216;Person mit einem weiterführenden Abschluss einer Universität oder einer anderen akademischen Einrichtung; der Grad befähigte ursprünglich zur Lehre an einer Universität. Jetzt bezeichnet <em>master</em> üblicherweise den/die Träger/in eines postgraduierten Abschlusses unterhalb eines Doktorgrades.&#8217;</p></blockquote>
<p>Bis ins 19. Jahrhundert beschränkte sich <em>master</em> überwiegend auf die Geisteswissenschaften (als <em>Master of Arts</em> oder <em>magister artium</em>), das Doktorat war das Pendant in den anderen Fächern. In dieser Bedeutung ist <em>master</em> erstmals 1380 belegt:</p>
<blockquote><p>Heyr lyis Ingram of Kethenys prist <span style="text-decoration: underline;"><em>maystr in arit</em></span>.<br />
(1380, <em><a rel="0108617">Proc. Soc. Antiquaries Scotl.</a></em> (1896) <strong>30</strong> 42.)</p></blockquote>
<p>Nehmen wir die Orthografie als brauchbaren Indikator zur Aussprache, listet der OED eine beeindruckende Liste an Entwicklungsstadien von <em>magister</em> &gt; <em>master</em>:</p>
<blockquote><p><strong>Altenglisch</strong> (bis ca. 11. Jdh.): mægster, magester, magister, mægester, mægister<br />
Im Übergang zu <strong>Mittelenglisch</strong> (11. Jdh.): mestre, mæstere<br />
<strong>Mittelenglisch </strong>(12.-14. Jdh.): maȝȝstre, maistere, maistr, maistur, maistyr, maystere, maystir, maystur, maystyr, meister, meistir, meistre, mesteir, meyster, maistir, mayster, maystre, maister,<br />
Spätes <strong>Mittelenglisch</strong> (15-16 Jhd.): masster, mastur, mastir, mastyr, mastre, master, mastar, muster;<br />
Schottisch (17. Jhd.): maiester, maistere, maisterris (plural)<br />
Eng. Regional (18. Jhd.): maaster (north.), maasther (north.), maestur (west.), maister,  maisther (north.), marster (south-east.), mayster, measter, meeaster (north.), mester (north.), mesther (north.), mestur (north.);</p></blockquote>
<p>Was auffällt: Bereits im Mittelenglischen war das &lt;g&gt; und vermutlich lange davor auch das [ɡ] verschwunden. Außerdem war Mittelenglisch recht nahe am heutigen <em>Meister</em>. Durch Lautverschiebungen und einem intensiven Sprachkontakt mit dem Altnordischen und Französischen (OED), landen wir im Frühneuenglischen (etwa ab 1500) beim <em>master</em>. Man könnte fast sagen: Eine lautliche Entwicklung, die im Deutschen beim <em>Meister</em> und akademisch beim <em>Magister</em> stehengeblieben zu sein schein &#8211; die dann vom Bologna-Prozess aber hopplahopp vorangetrieben wurde.*</p>
<p>Kommen wir zum Wesentlichen, sonst steht nachher im Kommentarbereich: &#8220;Thema verfehlt!&#8221;. Immerhin ist <em>Masterand </em>nominiert und die Feststellung, dass die Englische Sprache im Sprachwandel mal wieder n Zacken flotter war, ist ja auch nicht so neu. Wie der/die Nominierende vermutete, ist <em>Masterand</em> eine analoge Bildung zu <em>Diplomand</em> und <em>Magistrand</em> &#8211; also als Bezeichnung für jemanden, der/die gerade kurz vor Erlangung des akademischen Grades steht, also hier dem des Masters. Mit Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse und dem Auslaufen der traditionellen Diplom- und Magisterabschlüsse fehlen uns offenbar auch die Gegenstücke zu <em>diplomieren</em> und <em>magistrieren</em>. Man könnte  einwenden, dass <em>magistrieren</em> gar nicht existiert &#8211; zugegeben, 255 Treffer sind im Vergleich zu über einer halben Million für <em>diplomieren</em> nicht gerade üppig.</p>
<p>Wozu <em>magistrieren</em> und <em>diplomieren</em>? Das Nominalsuffix -<em>and</em> ist ein Derivationssuffix, das aus Verben auf -<em>ieren</em> die entsprechenden Nomen macht: neben den <em>Diplomanden</em>, <em>Doktoranden</em> und <em>Habilitanden</em> gibt es auch die <em>Probanden</em>, <em>Konfirmanden</em> und <em>Rehabilitanden</em>, in der Mathematik (also unbelebte Entitäten) die <em>Summanden</em>, <em>Multiplikanden</em>, <em>Operanden</em> oder <em>Integranden</em>. Dieses Derivationssuffix gibt es auch in der selteneren Alternative -<em>end</em>: <em>Subtrahend</em> oder <em>Dividend</em> &#8211; und aus dem Reich der Akademie natürlich der <em>Promovend</em>.</p>
<p>Die deutlich produktivere Variante ist das Suffixpaar <em>-ant/-ent</em>: auch hier werden Nomen aus -<em>ieren</em>-Verben abgeleitet, allerdings mit einem subtilen semantischen Unterschied: <em>Absolvent</em>, <em>Ministrant</em>, <em>Dirigent</em>, <em>Emigrant</em>, <em>Emitent</em>, <em>Fabrikant</em>, <em>Korrespondent, Demonstrant, Kontrahent</em> oder <em>Querulant</em> bezeichnen Personen, die die Verbhandlung <em>selbst</em> ausführen.</p>
<p>Die <em>-and/-end</em>-Nomen hingegen bezeichnen Personen, die von der Verbhandlung <em>betroffen</em> sind (<a href="http://canoo.net/services/WordformationRules/Derivation/To-N/Suffixe-F/and.html" target="_blank">Canoo.net</a>, <a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/_and" target="_blank">Duden.de</a>). Manche qualifizieren sich also über den Ministranten zum Konfirmanden. Darin liegt vielleicht auch eine der Gründe der Konfusion, ob man (selbst) eigentlich promovieren kann oder ob man promoviert wird. (Dies ist mir bisher vor allem von Sprachpflegern vorgehalten worden, weil ich sage: man kann auch *hüstel* selbst promovieren; also sprachlich.) Ergoexkurs: Müsste man nicht sogar eine Unterscheidung zwischen <em>Promovent</em> und <em>Promovend</em> ziehen?</p>
<p>In einem Forumsartikel bei <a href="http://dict.leo.org/forum/viewUnsolvedquery.php?idThread=998163" target="_blank">leo.org </a>berichten einige Foristen von ihren Bauchschmerzen beim Wort <em>Masterand</em> (was analog aber auch für <em>Bachelorand</em> gilt): Warum nicht <em>Master-Student</em>? Weil es nicht ausreichend genau ist: Ein Master-Student bezeichnet allgemeiner jemanden, der in einem Masterstudiengang eingeschrieben ist. Der <em>Masterand</em> hingegen spezifiziert den Zeitpunkt des Studiums &#8211; kurz vor dem Abschluss.</p>
<p>So suchen bereits viele Unternehmen in Stellenbörsen und -anzeigen <em>Masteranden</em>, oft werden derzeit noch <em>Diplomanden </em>angesprochen. Die gesuchten Mitarbeiter werden meist aus technischen Studiengängen rekrutiert, weil sie ihre Abschlussarbeiten häufig als Werkstudierende in den Unternehmen schreiben können. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb <em>Masterand</em> eine recht stattliche Anzahl von <a href="http://www.google.de/search?q=masterand&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a#sclient=psy-ab&amp;hl=de&amp;client=firefox-a&amp;hs=276&amp;rls=org.mozilla:de%3Aofficial&amp;source=hp&amp;q=masterand+stellen+site:de&amp;pbx=1&amp;oq=masterand+stellen+site:de&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=e&amp;gs_upl=6785l8027l1l8174l8l7l0l0l0l0l123l672l4.3l7l0&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.,cf.osb&amp;fp=82cae9a25b8560c0&amp;biw=1440&amp;bih=790" target="_blank">Googletreffern</a> erzielt, aber in Trendlisten (z.B <a href="http://www.google.com/insights/search/#q=Masterand%2CDiplomand&amp;geo=DE&amp;date=1%2F2009%2037m&amp;cmpt=q" target="_blank">GoogleInsights</a>) oder Korpora so gut wie gar nicht auftaucht (weshalb die Nominierung in der Jury sehr skeptisch gesehen wurde) und wohl im allgemeinen Sprachgebrauch noch nicht angekommen zu sein scheint.</p>
<p>Einer der Leo-Foristen merkt an, dass <em>Masterand</em> unsinnig sei, weil &#8211; wenn sich <em>Doktorand</em> und <em>Diplomand</em> von Verben auf -<em>ieren</em> ableiten &#8211; es gar kein <em>masterieren</em> gäbe. Nun ja, das ist aber auch nicht das Entscheidende: Erstens kann man analog zu <em>diplomieren</em> oder <em>promovieren</em> natürlich <a href="http://zahnteufelchen.wordpress.com/2010/02/01/weit-mehrheitlich-jungere-zahnarzte-masterieren/" target="_blank"><em>masterieren</em> </a>verwenden, um die stressige Phase kurz vor dem akademischen Abschluss zu umschreiben. Zweitens ist auch <em>diplomieren</em> nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern ebenfalls eine Derivation, nämlich von <em>Diplom</em>, dem Abschlussgrad also. So ist der Derivationsprozess <em>Master &gt; masterieren &gt; Masterand</em> quasi implizit. Außerdem finde ich <em>diplomieren</em> persönlich auch nicht so nahe dran am <em>Diplomand</em>, wie beispielsweise <em>promovieren</em> am <em>Doktoranden/Promovenden</em> dran ist &#8211; weil bei der Doktorarbeit jeder normalerweise bereits mit dem Aufschlagen des ersten Buches promoviert, also während des gesamten Promotionsstudiums &#8211; und nicht erst in der heißen Endphase.</p>
<p>Drittens, und das ist entscheidend, ist die Betrachtung der Bildung von <em>Masterand</em> auf rein morphologisch-formalen Aspekten über die Ableitung <em>masterieren</em> eigentlich eher unspannend. Plausibler ist die Annahme, dass die Bildung auf der Analogie in einem fast identischen, semantischen und konzeptuellen Rahmen beruht, also auf dem Abschlussgrad an sich.</p>
<h4>Fazit</h4>
<p>Wer es bis hierhin geschafft hat: Herzlichen Glückwunsch! Denn eigentlich ist die vorweggenommene Schlussfolgerung: Kein besonders heißer Kandidat für den Anglizismus des Jahres.</p>
<p>Warum?</p>
<p>Erstens, und vielleicht etwas widersprüchlich für die Kriterien der Wahl, weil die Überlebenswahrscheinlichkeit von <em>Masterand</em> nahezu exorbitant hoch ist &#8211; zumindest bis wir Master namentlich durch einen anderen Abschluss ersetzt haben. <em>Masterand</em> wird <em>Diplomand</em> und <em>Magistrand</em> in wenigen Jahren komplett verdrängt haben und der Konventionalisierungseffekt wird auch die Bauchschmerzen heilen. (Die Berufsbezeichnungen Dipl-Ing oder Magister werden mit ihren Trägern/-innen noch etwas überdauern.)</p>
<p>Zweitens, und das finde ich im Endeffekt für einen Kandidaten für den Anglizismus des Jahres zu wenig: <em>Masterand</em> bezieht sich in der Bildung auf einen Abschluss, der jeden Namen tragen könnte (es hat fast Eigennamencharakter). Ergo: Es würde genauso schnell wieder verschwinden. Was noch dazu kommt: Es findet keine wirkliche semantische Differenzierung statt. Also abgesehen von der Tatsache, dass Diplomstudiengänge jetzt Masterstudiengänge sind &#8211; und es wirklich eine reine Analogie zu den bestehenden Begriffen ist (durch Austausch). Auch, dass dem Master ein Bachelorgrad vorgeschaltet wurde, ändert nichts an der Tatsache, dass die Qualen, Pusteln und Stresssituationen die gleichen bleiben.</p>
<p>Drittens: Die einzige wirkliche Bedeutungsdifferenzierung (siehe <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/" target="_blank">Nominierungskriterien</a>) befindet sich eigentlich im Wort <em>Master</em>, nicht notwendigerweise im <em>Masterand</em>. <em>Master</em> ist aber entschieden zu alt, um 2011 noch irgendjemanden anglizismentechnisch vom Hocker zu hauen. Deshalb war mein erster Reflex auch eher: Und wo ist der Anglizismus?<em> Master</em> differenziert aber nicht gegenüber Diplom, sondern gegenüber seinem etymologischen Verwandten <em>Meister</em>, also als Grau-Wieder-Re-Übersprungs-Import. Man hätte für <em>Master</em> den <em>Meister </em>im Bildungswesen aus naheliegenden Gründen aber nicht vorschlagen können. Wir vertragen jede Menge Polysemie &#8211; aber bei qualifizierenden Bildungs- und Berufsgraden hört die Polysemieverträglichkeit auf fachlicher Grundlage auf. Gut, die Nominierungskriterien lassen auch zu, wenn etwas bis dato umständlich umschrieben werden musste: so ersetzt <em>Masterand </em>die <em>Masterarbeitschreibenden </em>oder gar ganze Phrasen wie <em>die Studierenden, die ihre Masterarbeit schreiben</em>.</p>
<p>Ich finde aber: Das reicht nicht.</p>
<p>Eine letzte Bemerkung, der ich wirklich nicht widerstehen kann: Die Meisternörgler hinter dem <a href="http://www.vds-ev.de/index" target="_blank">Anglizismusindex</a> des VDS finden, dass <em>Master</em> in den Naturwissenschaften <em>ergänzend</em>, für die Geisteswissenschaften aber <em>verdrängend</em> ist &#8211; das verstehe im Ungleichschritt der Lexikonentwicklung im Deutschen und Englischen wer will: Gerade in den Geisteswissenschaften wäre der Master doch eine semantisch-verwandte Weiterentwicklung zu Magister. Na, was soll&#8217;s.</p>
<p>Oder aber ich hab trotzdem das Thema verfehlt und hätte eigentlich über die Entwicklung von -<em>and/-end</em> aus dem lateinischen Gerundivsuffix -<em>andus</em> sinnieren sollen. Ich setze es mal auf meine lange &#8220;irgenwann noch zu bloggen&#8221;-Liste.</p>
<p>Spaß gemacht hat&#8217;s trotzdem.</p>
<p>&#8211;</p>
<p>DWB: Grimm, Jakob und Wilhelm Grimm. 1854-1961. Deutsches Wörterbuch [DWB]. Leipzig 1971. [<a href="http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&amp;lemid=GM00337" target="_blank">Online</a>]</p>
<p>Kluge, Friedrich. 1889. <em>Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache</em>. Straßburg: Trübner. [<a href="http://www.archive.org/stream/etymologisches00klug#page/474/mode/2up/search/magister" target="_blank">Online</a>].</p>
<div class='footnotes' id='footnotes-3368'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-3368-1'>&#8220;master, n.1 and adj.&#8221;. OED Online. December 2011. Oxford University Press. 20 January 2012 &lt;http://www.oed.com/viewdictionaryentry/Entry/114751&gt;. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-3368-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<item>
		<title>Blogspektrogramm #9</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/01/19/blogspektrogramm-9/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 20:58:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogspektrogramm]]></category>
		<category><![CDATA[Fragen Sie Dr. Bopp]]></category>
		<category><![CDATA[lexikographieblog]]></category>
		<category><![CDATA[Schplock]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachlog]]></category>
		<category><![CDATA[Texttheater]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.extraflach.de/blog/?p=3364</guid>
		<description><![CDATA[Bevor es morgen mit dem Anglizismus des Jahres weitergeht, hier noch schnell der Hinweis auf die Januar-Ausgabe des Blogspektrogramms, das mit der Rundschau für den Dezember bei Kilian im Texttheater erschienen ist. Im Sprachlog stellt Initiator Anatol zur Diskussion, wie wir die traditionsreiche Tradition des deutschsprachigen Blogkarnevals in Zukunft ausgestalten können, damit sich der Dunstkreis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.extraflach.de/blog/wp-content/uploads/2011/07/blog-spektrogramm_150.png"><img class="size-full wp-image-3005 alignleft" title="Blogspektrogramm" src="http://www.extraflach.de/blog/wp-content/uploads/2011/07/blog-spektrogramm_150.png" alt="Blogspektrogramm" width="150" height="150" /></a>Bevor es morgen mit dem Anglizismus des Jahres weitergeht, hier noch schnell der Hinweis auf die Januar-Ausgabe des Blogspektrogramms, das mit der Rundschau für den Dezember bei Kilian im <a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-9" target="_blank">Texttheater </a>erschienen ist.</p>
<p>Im Sprachlog stellt Initiator Anatol <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachgebrauch/2012-01-17/blogspektrogramm-9" target="_blank">zur Diskussion</a>, wie wir die traditionsreiche Tradition des deutschsprachigen Blogkarnevals in Zukunft ausgestalten können, damit sich der Dunstkreis der traditionell üblichen Verdächten ausweiten lässt.</p>
<p>&#8211;</p>
<p>Bisher erschienene Ausgaben:<br />
<a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-05-16/blogspektrogramm-1">Blogspektrogramm #1</a> (im Sprachlog)<br />
<a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-06-15/blogspektrogramm-2">Blogspektrogramm #2</a> (im Sprachlog)<br />
<a href="http://blog.extraflach.de/2011/07/15/blogspektrogramm-3/">Blogspektrogramm #3</a> (bei */ˈdɪːkæf/)<br />
<a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-4">Blogspektrogramm #4</a> (im texttheater)<br />
<a href="http://schplock.wordpress.com/2011/09/15/blogspektrogramm-5/">Blogspektrogramm #5</a> (im [ʃplɔk])<br />
<a href="http://schplock.wordpress.com/2011/10/21/blogspektrogramm-6/">Blogspektrogramm #6</a> (im Sprachlog)<br />
<a href="http://lexikographieblog.wordpress.com/2011/11/15/blogspektrogramm-die-siebte-oktober-2011/">Blogspektrogramm #7</a> (im lexikographieblog)<br />
<a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/12/16/blogspektrogramm-8/" target="_blank">Blogspektrogramm #8</a> (*/ˈdɪːkæf/)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>[AdJ 2011] Der Shitstorm ist zurück!</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2012/01/16/adj-2011-der-shitstorm-ist-zuruck/</link>
		<comments>http://www.extraflach.de/blog/2012/01/16/adj-2011-der-shitstorm-ist-zuruck/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 23:05:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Morphologie]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachen & Dialekte]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Definition]]></category>
		<category><![CDATA[Shitstorm]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kandidaten für die Wahl zum Anglizismus des Jahres stehen fest &#8211; und werden von den Jurymitgliedern in den nächsten Wochen in Blogs und Foren diskutiert werden. Ich mache bei mir den kurzen Auftakt mit Shitstorm. Dieser Kandidat ist bereits zum zweiten Mal nach 2010 nominiert, wo er es in die Endrunde schaffte (war wenig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2012/01/die-kandidaten-fur-den-anglizismus-des-jahres-2011/" target="_blank">Kandidaten für die Wahl zum Anglizismus des Jahres </a>stehen fest &#8211; und werden von den Jurymitgliedern in den nächsten Wochen in Blogs und Foren diskutiert werden. Ich mache bei mir den kurzen Auftakt mit <em>Shitstorm</em>. Dieser Kandidat ist bereits zum zweiten Mal nach 2010 nominiert, wo er es in die Endrunde schaffte (war wenig aussichtsreich). Ich diskutierte <em>Shitstorm</em> bereits letztes Jahr in <a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/01/17/kandidat-ii-shitstorm/">diesem Beitrag</a>.</p>
<p>In die engere Auswahl schaffte es der Begriff also auch 2011. <em>Shitstorm</em> ist in einer schnellen Googlesuche 2011 etwa doppelt so häufig wie 2010. Grund genug, mal zurück und voraus zu blicken. Außerdem wenden wir uns der Frage zu, ob <em>Shitstorm</em> ein sogenannter Scheinanglizismus ist &#8211; das gehört auf den ersten Blick nicht hierher, aber irgendwie halt doch.</p>
<p>2010 schrieb ich:</p>
<blockquote><p><em>Shitstorm</em> lässt sich für das Deutsche allgemein definieren als ‘Sturm öffentlicher, massenhaft auftretender Entrüstung (im Web)’. Dabei bezieht sich <em>Shitstorm</em> aber nicht nur auf konstruktive Kritik oder erwartbaren Gegenwind, was ja die naheliegende Übersetzung <em>Proteststurm </em>bezeichnen würde, sondern es beinhaltet – mit den Worten des Bloggers Sascha Lobo – auch: &#8220;eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äußerungen [...], <strong>von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und [die] stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend</strong> geführt [werden].&#8221; (Sascha Lobo, <a href="http://saschalobo.com/2010/04/22/how-to-survive-a-shitstorm/"><em>How to survive a shit storm</em></a>, Vortrag auf der re:publica 2010)</p></blockquote>
<p>Daran scheint sich im Grunde nichts wesentliches geändert zu haben. Es könnte sich aber eine Bedeutungsausweitung auf Kontexte eines handelsüblichen öffentlichen Protests bemerkbar machen. <a href="http://www.welt.de/vermischtes/article13755859/Christen-entfachen-Shitstorm-gegen-Media-Markt.html" target="_blank">Die Welt</a> schreibt im Dezember von öffentlichem Widerstand auch, aber nicht nur, auf Facebook gegen die Weihnachtswerbung einer Elektronikkette. (Die Überschrift muss ein Segen für den Journalisten gewesen sein!) Ganz ähnlich sieht es das Businessmagazin <a href="http://t3n.de/news/shitstorms-2011-grosten-aufreger-354013/" target="_blank">t3n</a>, und kommt zu dem Schluss, dass Definitionen und Verwendungen uneinheitlich sind:</p>
<blockquote><p>Aus der PR-Sicht sind viele der allgemein als Shitstorm bezeichneten PR-Krisen eigentlich gar keine. Erst wenn der Anteil der unsachlichen, persönlichen Kritik die argumentative Kritik übertönt, sprechen sie von einem Shitstorm. Berechtigte Kritik von Kunden an einem Unternehmen oder einer Marke fällt demnach nicht darunter.<br />
Allgemein betrachtet wird der Begriff aber sehr viel weiter gefasst. Alles was die Reputation eines Unternehmens, einer Marke oder einer Person schadet und über das Social Web eine Eigendynamik entwickelt und eine kritische Masse überschreitet, wird schnell als Shitstorm bezeichnet. Ob das immer gerechtfertigt ist, ist die andere Frage.</p></blockquote>
<p>Ich bin mir nicht sicher, ob die <em>Aktion</em> des Protests gegen den Elektronikkonzern unter die oben skizzierte Definition von Shitstorm fällt oder ob wir aufgrund dieser Verwendung und unterschiedlicher Auffassungen, wann ein Protest ein Shitstorm ist, von einer Bedeutungsausweitung des Begriffs sprechen dürfen. Bliebe abzuwarten &#8211; es spräche aber dafür, dass sich hier ein Begriff vom reinen Social-Media-Kontext in den öffentlichen, allgemeinen Sprachgebrauch verschiebt. Ein vorsichtiges Herzlichen Glückwunsch!</p>
<p>Die Herkunftsbedeutung im Englischen ist im Gegensatz zur Verwendung im Deutschen auf den ersten Blick sehr viel allgemeiner &#8211; also meist ganz ohne Web2.0, Social Media und gerne auch ohne die Öffentlichkeit. Nach wie vor findet sich kein Eintrag im OED oder im Merriam. Lediglich in Einträgen im Urban Dictionary (oft zweifelhafte Quellen/Erklärungen) für <a href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=shitstorm" target="_blank">shitstorm</a> und <a href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=shit+storm" target="_blank">shit storm</a> oder bei <a href="http://en.wiktionary.org/wiki/shitstorm" target="_blank">Wiktionary</a> finden sich Definitionen.</p>
<p>Setzen wir mal auf die Definition im Wiktionary:</p>
<blockquote><p><em>shitstorm</em>, n.,</p>
<ol>
<li>(vulgar) A violent situation.</li>
<li>(idiomatic, vulgar) Considerable backlash from the public.</li>
</ol>
</blockquote>
<p>Aber kommen wir kurz zum Deutschen zurück: Für <em>Shitstorm</em> gibt es seit dem 08. Juni 2011 <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shitstorm" target="_blank">einen Eintrag in der deutschen Wikipedia</a>, der <em>Shitstorm</em> überraschenderweise zu den Scheinanglizismen zählt &#8211; vermutlich auch aufgrund des oberflächlich allgemeineren Verwendung/Definition. Scheinanglizismen sind Wörter, die sich zwar lautlich als Entlehnung aus dem Englischen tarnen, die aber entweder dort nicht existieren oder eine nicht-verwandte Bedeutung haben. (Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scheinanglizismus" target="_blank">Wikipedia</a>-Definition zu Scheinanglizismus muss hier mal fix herhalten. Wer Tips für eine gute, interessante wissenschaftliche Studie parat hat, ab in den Kommentarbereich! Wobei ich &#8220;Scheinanglizismus&#8221; ohnehin eher für ein begriffliches Konstrukt der Sprachkritik halte, das uns sagt, dass wir Anglizismen auch noch &#8220;falsch&#8221; erfinden. Aber gut, ich schweife ab.)</p>
<p><em>Shitstorm</em> (dt.) und <em>shitstorm</em> (engl.) haben aber sehr klar miteinander verwandte Bedeutungen. Das, was wir bei Entlehnungen ja sehr oft sehen, nämlich dass wir nur <em>eine</em> von mehreren Bedeutungsschattierungen importieren, ist auch bei <em>Shitstorm</em> passiert (das ist nix neues gegenüber 2010). Also wenn wir davon ausgehen, dass <em>Shitstorm</em> nicht gleich <em>shitstorm</em> ist. Und selbst wenn wir <em>Shitstorm</em> in einem anderen Kontext verwenden, so sind die bildlichen Beziehungen zwischen beiden Konzepten so deutlich zu erkennen, dass ich <em>Shitstorm</em> nicht in einen Topf mit sonst üblicherweise als Scheinanglizismen beispielhaft aufgeführten <em>Handy</em> oder <em>Beamer</em> würde werfen wollen.</p>
<p>Aber <em>shitstorm</em> wird in der englischsprachigen Netzwelt eben <em>doch</em> auch so benutzt, wie bei uns: Das zeigen diese Twittermeldungen der letzten Stunden und Tage aus einem 500km-Radius um New York (Ort willkürlich gewählt, Ortsangabe beruht auf den Biografieangaben der Twitterer):</p>
<blockquote><p>Thank you Novartis for not recalling percocet and endocet&#8230;us pharmers would surely be facing a pharmageddon <strong>shitstorm</strong> [...] [<a href="https://twitter.com/#!/_RxLauren/status/156616056272723969" target="_blank">Link</a>,@_RxLauren]</p>
<p>Interesting article in immigration and economics on <a title="#CiF" href="https://twitter.com/#%21/search?q=%23CiF" rel="nofollow"><s>#</s><strong>CiF</strong></a>: [...] followed by the usual <strong>shitstorm</strong> of idiots, unfortunately&#8230; [<a href="https://twitter.com/#!/acatcalledfrank/status/157444113631940608" target="_blank">Link</a>, @acatcalledfrank]</p>
<p>People give Tebow crap because of his (well-marketed) Christian beliefs. Imagine the <strong>shitstorm</strong> if he was vocally agnostic! [<a href="https://twitter.com/#!/SeanTheBaptiste/status/158382686858264576" target="_blank">Link</a>, @SeanTheBaptiste]</p>
<p>[...] Once the public at large becomes aware of <a title="#NDAA" href="https://twitter.com/#%21/search?q=%23NDAA" rel="nofollow"><s>#</s><strong>NDAA</strong></a>, Obama is going to learn what &#8220;political <strong>shitstorm</strong>&#8221; means. [<a href="https://twitter.com/#!/Kaveros/status/158576064539533312" target="_blank">Link</a>, @Kaveros]</p>
<p>And it was written by a con! RT @techweenie Prepare for conservative <strong>shitstorm</strong>@Newsweek: Presenting this week&#8217;s cover://t.co/Xlm26rgX <s></s>#p2 [<a href="https://twitter.com/#!/thejoshuablog/status/158671041743433730" target="_blank">Link</a>, @thejoshuablog]</p></blockquote>
<p>Halten wir einfach fest: <em>Shitstorm</em> ist kein Scheinanglizismus. Wir haben eben im ersten Schritt nur die eine Bedeutung eingeführt. Diese scheint sich auszuweiten &#8211; Kriterium der Bereicherung für den Sprachgebrauch erfüllt. Die Feststellung der Bedeutung aufgrund der Belegsammlung aus dem Englischen &#8211; obgleich in letzter Instanz irrelevant für unseren Sprachgebrauch &#8211; zeigt, dass es ein genuiner Anglizsmus ist.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Was <em>Shitstorm</em> trotz meiner Skepsis aus dem letzten Jahr in diesem Jahr sogar zu einem recht guten Kandidaten macht: Wir sind offenbar dabei, den Begriff aus den Facebook- und Twitter-Universen rauszuholen und dem allgemeinen Sprachgebrauch zu übergeben &#8211; inklusive einer Bedeutungs<em>erweiterung</em>. Wie Falk Hedemann bei t3n schreibt, wird der Begriff &#8220;inflationär&#8221; verwendet &#8211; was früher <em>Kritik</em> war, sei heute ein <em>Shitstorm</em>.</p>
<p>Ich sehe das anders: <em>Kritik</em> und <em>Shitstorm</em> mögen gemeinsam auf einem Protestkontinuum liegen; die Ausprägungen, Ausführungsorgane und Übermittlungskanäle sind aber unterschiedlich. Das wird auch daran liegen, dass mit steigenden Nutzerzahlen der sonst stammtischliche (hier: eben nicht aus traditionellen Medien abgefeuerter) Protest in den öffentlichen Raum getragen wird. <em>Shitstorm</em> fügt dem Kontinuum also einen Haltebereich hinzu &#8211; und gibt dem bisher ungehörten, aber neuerdings vokalisierbaren Unmut einen Namen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Blogspektrogramm #8</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2011/12/16/blogspektrogramm-8/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 14:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogspektrogramm]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus des Jahres]]></category>
		<category><![CDATA[Fragen Sie Dr. Bopp]]></category>
		<category><![CDATA[lexikographieblog]]></category>
		<category><![CDATA[Schplock]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachlog]]></category>
		<category><![CDATA[Texttheater]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Mal bin ich hier wieder Gastgeberin unseres Sprachblogkarnevals, der letzten Ausgabe für 2011. (Um noch schnell ein sinnloses &#8216;letzte/r/s X in diesem Jahr&#8217; loszuwerden.) Der Vorweihnachtsentspanntheit von Kleinbloggersdorf ist hiermit also wieder ein interessantes und buntes Allerlei aus der Welt der Sprachblogs hinzugefügt. Kilian Evang stellt im Texttheater eine Imagekampagne der Stadt Seoul vor: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.extraflach.de/blog/wp-content/uploads/2011/07/blog-spektrogramm_150.png"><img class="alignleft size-full wp-image-3005" title="Blogspektrogramm" src="http://www.extraflach.de/blog/wp-content/uploads/2011/07/blog-spektrogramm_150.png" alt="Blogspektrogramm" width="150" height="150" /></a>Dieses Mal bin ich hier wieder Gastgeberin unseres Sprachblogkarnevals, der letzten Ausgabe für 2011. (Um noch schnell ein sinnloses &#8216;letzte/r/s X in diesem Jahr&#8217; loszuwerden.) Der Vorweihnachtsentspanntheit von Kleinbloggersdorf ist hiermit also wieder ein interessantes und buntes Allerlei aus der Welt der Sprachblogs hinzugefügt.</p>
<p>Kilian Evang stellt im Texttheater eine Imagekampagne der Stadt Seoul vor: Weil sich die koreanischen Hauptstadt als weltoffene Metropole versteht, haben die Grafiker zum Spiel mit den großen internationalen Schriftsystemen eingeladen: Gastfreundschaft auf Koreanisch &#8211; aber in lateinischen, arabischen und japanischen Schriftzeichen &#8211; den <a href="http://texttheater.net/hangulimitate">Hangulimitaten</a>. Kilian zeichnet eine linguistische Analyse des Spiels mit der Schrift nach.</p>
<p>Haben Sie sich schon mal dem Zweifel gegenüber gesehen, ob Sie für die nächtliche Heißhungerattacke <a href="http://canoo.net/blog/2011/11/30/die-naechste-tankstelle/"><em>die nächste Tankstelle </em>oder </a><em><a href="http://canoo.net/blog/2011/11/30/die-naechste-tankstelle/">die näheste Tankstelle</a> </em>brauchen? Stephan Bopp erklärt den Zweifelsfall &#8211; und dass zwar nur ein Ausdruck standardsprachlich als korrekt gilt, warum aber beide Ausdrücke ihre ganz eigene, nicht-synonyme Funktion (und Berechtigung) haben.</p>
<p>Was ist eine lexikalische Lücke? Und wie füllen wir sie? Jaja, meckern über falschen Wortgebrauch, störende Fremdwörter und Oder kann ja jeder. In einer Buchbesprechung zum Thema <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-11-24/wortschatzerweiterungen">Wortschatzerweiterungen</a> rezensiert Anatol Stefanowitsch das neue Werk von Sascha Lobo &#8211; und zeigt, dass kreative, nicht-nölende Sprachgestaltung informativ, spannend und unterhaltsam sein kann.</p>
<p>Vielleicht bin ich befangen &#8211; und auch ein wenig traurig, dass ich dem Einfluss dieser Inspiration nicht beiwohnen durfte: Kristin Kopf stellt im Schplock eine Hinweisschildersammlung vor, die von Mehmet Aydın nach vermutlich sehr lustigen Gruppentherapien für Jung-Linguisten während der letzten StuTS in Göttingen für die Nachwelt festgehalten wurden, natürlich nicht ohne ein kleinere Anspielungen:<a href="http://schplock.wordpress.com/2011/11/27/caution-this-language-is-under-construction/"> Caution! This language is under construction!</a></p>
<p>Etwas weniger sprachlich sieht Michael Mann im lexikographieblog den November und beschäftigt sich mit der Frage, ob, wann und wie Wikipedia zitierfähig ist. Er kommt zum Schluss: <a href="http://lexikographieblog.wordpress.com/2011/11/16/zu-schon-um-falsch-zu-sein/">zu schön, um falsch zu sein</a> und liefert noch einen lustigen xkcd-Comic nach, der die Frage nach der Zitierfähigkeit der Wikipedia im universitären Kontext aufrollt.</p>
<p>Ich selbst habe im November den ersten Teil einer Reihe veröffentlicht, der sich mit der Frage beschäftigt, ob Muttersprachlerdasein ausreicht, über den Gebrauch und die (Un)Richtigkeit von Lehnwörtern der eigenen Sprache in einer anderen zu urteilen. <a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/11/30/frische-beulen-im-denglisch-wahn/">Frische Beulen im Denglisch-Wahn</a> überführt ein altes Sprachnörglervirus: Wir machen uns vor Mutterspachlern lächerlich. <em>Stay tuned, it&#8217;s ongoing</em>.</p>
<div id="attachment_3224" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://www.extraflach.de/blog/wp-content/uploads/2011/11/adj-button-n.png"><img class="size-full wp-image-3224" title="adj-button-n" src="http://www.extraflach.de/blog/wp-content/uploads/2011/11/adj-button-n.png" alt="Anglizismus des Jahres 2011" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Anglizismus des Jahres 2011</p></div>
<p>Und zuguterletzt nochmal der Hinweis auf die Wahl zum Anglizismus des Jahres 2011. Dort wurde in den letzten Wochen die Jury vorgestellt &#8211; <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2011/12/vorstellung-der-jury-teil-4/">Kristin Kopf</a>, <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2011/12/vorstellung-der-jury-teil-3/">Michael Mann</a>, <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2011/11/vorstellung-der-jury-teil-2/">Jan Wohlgemuth</a> und <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2011/11/vorstellung-der-jury-teil-1/">the suz</a>. Es sind schon einige Vorschläge eingegangen &#8211; das Feld ist dieses Mal recht breit. Weitere <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/nominierungen-2011/">Nominierungen </a>können noch bis zum 31. Dezember abgegeben werden; demnächst beginnt die heiße Blogphase zu den Vorschlägen.</p>
<p>&#8211;</p>
<p>Bisher erschienene Ausgaben:<br />
<a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-05-16/blogspektrogramm-1">Blogspektrogramm #1</a> (im Sprachlog)<br />
<a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/allgemein/2011-06-15/blogspektrogramm-2">Blogspektrogramm #2</a> (im Sprachlog)<br />
<a href="../2011/07/15/blogspektrogramm-3/">Blogspektrogramm #3</a> (bei */ˈdɪːkæf/)<br />
<a href="http://texttheater.net/blogspektrogramm-4">Blogspektrogramm #4</a> (im texttheater)<br />
<a href="http://schplock.wordpress.com/2011/09/15/blogspektrogramm-5/">Blogspektrogramm #5</a> (im [ʃplɔk])<br />
<a href="http://schplock.wordpress.com/2011/10/21/blogspektrogramm-6/">Blogspektrogramm #6</a> (im Sprachlog)<br />
<a href="http://lexikographieblog.wordpress.com/2011/11/15/blogspektrogramm-die-siebte-oktober-2011/">Blogspektrogramm #7</a> (im lexikographieblog)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Noch mehr Beulen für Athen</title>
		<link>http://www.extraflach.de/blog/2011/12/05/noch-mehr-beulen-fur-athen/</link>
		<comments>http://www.extraflach.de/blog/2011/12/05/noch-mehr-beulen-fur-athen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 21:19:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>suz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Morphologie]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Anglizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Denglisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kannibalismus]]></category>
		<category><![CDATA[live cooking]]></category>
		<category><![CDATA[Werbesprache]]></category>

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		<description><![CDATA[Letzte Woche ging&#8217;s um Zähne und Beulen - und um die Schlussfolgerung, dass nicht alles, was der Muttersprachler für nicht-existent hält, in seiner Sprache auch tatsächlich nicht-existent ist. Teil II: LIVE COOKING In eine ganz ähnliche Kategorie fällt live cooking. Illustriert ist das (von Tonks?) durch einen Cartoon mit einem Kochtopf, aus dem Hände ragen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letzte Woche ging&#8217;s um <a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/11/30/frische-beulen-im-denglisch-wahn/">Zähne und Beulen </a>- und um die Schlussfolgerung, dass nicht alles, was der Muttersprachler für nicht-existent hält, in seiner Sprache auch tatsächlich nicht-existent ist.</p>
<p><strong>Teil II: LIVE COOKING</strong></p>
<p>In eine ganz ähnliche Kategorie fällt <em>live cooking</em>. <a href="http://www.derwesten.de/img/incoming/origs5183410/4845529627-w300-bf6f6f6-st/Robert-Tonks-stellt-sein-Buch-0-198x148.jpg">Illustriert </a>ist das (von Tonks?) durch einen Cartoon mit einem Kochtopf, aus dem Hände ragen &#8211; was angeblich zeigen soll, woran &#8220;Engländer [...] bei &#8216;Live Cooking&#8217; denken&#8221;. Mit der Verwendung und der Anwendung von Live Cooking machen wir uns in den Ohren eines Muttersprachlers des Englischen also des Kannibalismus schuldig.</p>
<p><span id="more-3293"></span></p>
<p>Live Cooking ist im Post-Mc-Donald&#8217;s-Zeitalter ein Element einer neuen Generation der Erlebnisgastronomie, bei dem sich Köche bei der Arbeit über die Schulter kucken lassen. Kochen vor den Augen der Gäste. <a href="http://www.groupon.co.uk/vouchers/restaurant/experience-restaurants/live-cooking">Und </a><a href="http://tewkesburyfoodfestival.co.uk/monday_livecookingtheatre-2/">natürlich </a><a href="http://www.tripadvisor.co.uk/ShowUserReviews-g671541-d1420454-r106115613-Boudreau_Restaurant-Marigot_Bay_St_Lucia.html">gibt </a><a href="http://datamission.co.uk/articles/one-of-the-biggest-advantages-of-live-cooking-classes-is-that-they-save-time-176.html">es </a><a href="http://www.yourhealthyliving.co.uk/livecooking">das </a><a href="http://www.newburytoday.co.uk/news/Article.aspx?articleID=16978">auch </a><a href="http://chefegg.eventbrite.co.uk/">im </a><a href="http://www.shopping-centre.co.uk/news/fullstory.php/aid/4346/Flora_brings_live_cooking_to_malls.html">Land </a><a href="http://www.britainsgotgreatfood.co.uk/live.html">von </a><a href="http://www.miele.co.uk/events/">Jamie </a><a href="http://www.peachykeens.co.uk/you-choose-we-cook/">Oliver </a>- spätestens bei <a href="http://www.vegetarianexpress.co.uk/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=126:aramark-live-cooking-demo&amp;catid=45:ve-news&amp;Itemid=78">Vegetarianexpress</a> dürfte auch klar sein, dass man weder kreischende Südseeinsulaner, ja, noch nicht mal zuckende Hummer in den Kochtopf wirft.</p>
<p>Schon im Beitrag über Perlen und Beulen (und Zähne) fragte ich mich, ob Tonks nicht einfach schon zu lange in Deutschland ist, um zu wissen, was in seinem Heimatland werbetechnisch so los ist. Natürlich <em>kann </em>man Live Cooking auch im kannibalistischen Sinne verstehen. Im Corpus of Contemporary American English (COCA) gibt es zu <em>live cooking </em>glücklicherweise auch diese beiden Bedeutungen in insgesamt nur zwei Belegen:</p>
<blockquote><p>I support a ban on the sale and unnecessarily cruel <strong>live</strong> <strong>cooking</strong> techniques used by any ethnic community in the U.S.<br />
[Aus einem Leserbrief an den <em>San Francisco Chronicle</em>, 1998]</p>
<p><strong>Live</strong> <strong>cooking</strong> classes and consumer seminars offered throughout the year. Three-chef  panel discussion on &#8221; matching your cooking style with the right  equipment, &#8221;<br />
[Aus dem Annual School Cooking Guide, <em>Chicago Sun-Times</em>, 2004]</p></blockquote>
<p>Man achte auf das Jahr: Die neuere, zusätzliche Bedeutung dürfte auch damit zusammenhängen, dass das Event an sich eine recht neue kulturelle Errungenschaft ist. Die sprachliche Bildung von <em>live cooking </em>hat aber sehr wenig mit der kulturellen oder ethnischen Grausamkeit des Kochens lebender Tiere (<em>Lebendkochen</em>) zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Analogiebildung nach dem Muster <em>live </em>+ V<em>ing</em>: <em>live recording</em>, <em>live broadcasting</em>, <em>live mixing</em>, <em>live boxing</em>, <em>live story-telling</em>, <em>live screening</em>, <em>live shooting </em>(of a movie), <em>live writing </em>oder <em>live playing</em>. Alles, was also vor Publikum passiert.</p>
<p>(Dieser Bildung ist möglicherweise eine Reanalyse von ähnlichen Konstruktionen wie etwa in <a href="http://"><em></em></a></p>
<ul>
<li><em>Celebritiy chef Brian Turner gave a <strong>live cooking</strong> <strong>demonstration </strong>for a crowd of 250 </em>[<a href="http://www.thisiskent.co.uk/Star-cooks-live/story-12009148-detail/story.html">Quelle</a>]<em><br />
</em></li>
<li><em>You won&#8217;t have enough eyes for all the <strong><em>live cooking</em> action</strong> </em>[<a href="http://www.theupcoming.co.uk/2011/11/12/how-to-enjoy-masterchef-live-2011/">Quelle</a>] oder</li>
<li><em></em><em>My next <strong>live cooking</strong> <strong>demonstration</strong></em><strong> </strong>[<a href="http://wannabetvchef.blog.co.uk/2007/04/28/my_next_live_cooking_demonstration~2173680/">Quelle</a>]</li>
</ul>
<p>vorausgegangen, wo <em>live </em>nicht unbedingt als adjektivischer Teil eines ADJ-N-Kompositums <em>live cooking</em> interpretiert werden muss, sondern unter Umständen auch als Adjektiv in der Phrase [ADJ [<em>cooking +</em> N]] gemeint ist. Englisch ist wegen seines Minimalstinventars an Flexion für diese strukturelle Ambiguität besonders anfällig.)</p>
<p>Es wird in diesem Blog ab Januar während des Juryentscheids zum <a href="http://www.anglizismusdesjahres.de/2011/11/nominierungen-zweite-zwischenmeldung/">Anglizismus des Jahres</a> viel um Bedeutungsdifferenzierung und das Füllen lexikalischer Lücken gehen. Mit Live Cooking haben wir beides: es gab ein neues Konzept (&#8216;Koch bei der Arbeit zugucken, gerne mit Eventcharakter&#8217;), das man bennenen wollte, meinetwegen aus marketingstrategischen Gründen. Außerdem haben wir die Möglichkeit, dort, wo es im Englischen potentiell Missverständnisse gibt, im Deutschen mit zwei Begriffen ziemlich deutlich zu differenzieren: Live Cooking vs. Lebendkochen.</p>
<p>Die Ambiguität zwischen den beiden Lesarten von <em>live cooking </em>im Englischen liegt an der Polysemie des Wortes <em>live</em>. Solange wir im Deutschen <em>live </em>nur für &#8216;in realer Anwesenheit&#8217; (<a href="http://www.duden.de/rechtschreibung/live">Duden.de</a>) nutzen, brauchen wir uns um unseren Sprachgebrauch sowieso keine Sorgen machen, nur weil Robert Tonks auch hier Beulen nach Athen trägt.</p>
<p>&#8211;</p>
<p><strong>Aus dieser Reihe:</strong><br />
<a href="http://www.extraflach.de/blog/2011/11/30/frische-beulen-im-denglisch-wahn/">Frische Beulen im Denglisch-Wahn</a> (Teil I: Pearls &amp; Dents)</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Edit: Ich habe den Namen des Autors mehrfach falsch geschrieben. Danke für den Hinweis, ich habe es berichtigt und: es tut mir ehrlich leid. Beim Rest haben wir gänzlich unterschiedliche Auffassungen zu &#8220;Humor&#8221; und divergierende Interpretationen zum Begriff &#8220;Polemik&#8221;. Im Übrigen möchte ich den/die KommentatorIn(nen) darauf aufmerksam machen, dass ich schizophrenes Kommentieren irgendwie ungeil finde.</p>
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