Feiertag?

Ich bin normalerweise kein Anglizismenjäger. Im Gegenteil: meine Grundmeinung ist, dass die meisten der vielgescholtenen Lehnwörter unser Lexikon bereichern, weil sie in vielen Fällen eben keine direkten Synonyme ihrer deutschen “Entsprechungen” sind. So ist ein Loser nicht immer ein Verlierer und shoppen ist nicht gleich einkaufen. In anderen Fällen wirkt das “alte” deutsche Wort doch arg holprig oder antiquiert: Verabredung für Date (welche auch wiederum nicht komplett synonym sind, aber gut) oder E-Post für E-Mail. Das bedeutet nicht, dass mein Wortschatz mit “Fremd”wörtern durchsetzt ist – ich nutze überwiegend Rechner statt Computer, Lied statt Song oder Besprechung für Meeting. Das ist aber meine persönliche Wortwahl – und es muss schon viel passieren, bevor ich Anglizismen für unerträglich halte.

Gestern war’s dann doch mal soweit.

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Komentare (9)

Gleich geht’s weiter…

Liebe tráchtas-Freunde,

es tut mir in der Seele weh, nach dem neuen Ansturm potentieller Leser hier erst mal eine kleine Pause einlegen zu müssen. Ich war zehn Tage im Urlaub, oder – wie meine Mutter meinte – auf “Lesereise” (die erste Konferenz). Es waren tolle Tage in Mainz, überschattet nur von meiner zwölfstündigen Stipvisite in der Notaufnahme der dortigen Uniklinik (alles [wieder] in Ordnung!).

Die Vorträge, bzw. welche ich davon noch mitbekam, waren großartig – darauf werde ich die Tage auch noch im Einzelnen eingehen: der (zeitliche) Spannungsbogen zwischen sexistischer Darstellung von Frauen in Wörterbüchern und der wenig politisch-korrekten, da ikonischen Wortbildung in Gebärdensprachen. Und was passiert, wenn man sich auf eine streitbare These über Menschenrechte und die europäischen Sprachencharta freut und eine “Leichtlernsprache” serviert bekommt. Außerdem sind in den letzten Tagen auffällig viele Freunde einer Facebook-Gruppe “Don’t bring me on the palm, with me is not good cherry eating” beigetreten. Das muss natürlich auch noch kommentiert werden.

Letzte Woche habe ich – ENDLICH – einen neuen Job bekommen (finanziell bin ich eh schon erledigt, gerade glotzt mich die zweite Mahnung meines Vermieters an). Die Planung dort und die zusätzliche Belastung wird meinen sehr ambitionierten Magisterpfrüfungszeitplan vermutlich wie einen Südseeurlaub aussehen lassen. Immerhin habe ich mir vorgenommen, die Prüfungen, für die ich theoretisch noch bis Januar 2011 Zeit habe, in den nächsten acht Wochen durchzuhauen, beginnend mit zwei Klausuren am 18. und 19. Juni. Ausreichend Zeit einplanen ist was für Anfänger.

Aber hier geht’s auch bald weiter. Für die kleine Auszeit vom Südseeurlaub.

Komentare (9)

(Un)mögliche Sätze

Ich mag ja den subtilen Humor der Linguistik. Im Prinzip geht es im folgenden Zitat um den Unterschied zwischen möglichen und wahrscheinlichen bzw. attestierten Konstruktionen.

Syntacticians discuss sentences which are possible but not necessarily occurrent. Only in rare cases do they limit themselves to actually attested sentences. Most syntacticians would find the following example to be a perfectly well-formed sentence, even though it has, I take it, never occurred in language use and is unlikely to. [...] The Minister of Education announced that a sum of forty million dollars per year was being set aside to boost research in Linguistics, particularly Morphology, over the next ten-year period. (meine Hervorhebung) (Bauer 2003: 77)

Übrigens rechne ich mich der hier quasi unterschlagenen Fraktion zu. Ich halte viel von Korpuslinguistik, also der Diskussion von Wörtern oder Sätzen, die auch tatsächlich dokumentiert sind. Der Beschreibung und Analyse der gesprochenen oder geschriebenen Sprache geht natürlich immer auch erst eine Betrachtung der Möglichkeit bzw. Grammatikalität voraus: so gesehen ist der hervorgehobene Satz vollkommen korrekt, er wird nur vermutlich nie gefallen sein (oder fallen).

Aber schön wär’s. Also das mit den 40 Millionen.

Bauer, Laurie. 2003. Introducing Linguistic Morphology. 2nd Edition. Edinburgh University Press.

Kommentar

Nachtrag: Vergängliche Berühmtheit

Einige Kommentatoren im Bestatterweblog wollten ja wissen, wie sich die Verlinkung auf meine Zugriffstatistik ausgewirkt hat. Und ich versprach, hier einen kleinen Nachtrag zu liefern. Offenbar habe ich meine Leser seit dem Umzug von wordpress.com auf den Host von extraflach.de im letzten Juli unterschätzt. Verabschiedet hatte ich mich von Wordpress und seinem eingebauten Zugriffszähler beim Stand von etwa 15-30 täglichen Lesern. (So wenig interessiere ich mich übrigens für diese Art der Statistik.)

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Komentare (2)

Von der Natürlichkeit der Katastrophe

Derzeit bedroht Öl die amerikanische Golfregion. Dieses Bild ist in Wahrheit noch zynischer, als es klinkt. Womit wir beim Thema wären. Verschiedene Medien, darunter Spiegel Online, Focus und die Zeit, sprechen von einer Naturkatastrophe*.

Moment. Der Tsunami 2004 war eine Naturkatastrophe. Sichuan und Haiti waren Naturkatastrophen. Es wäre vermutlich streitbar, ob der Ausbruch des Eyjafjallajökull eine Naturkatastrophe im eigentlichen Sinne war – er war es immerhin für die Angehörigen der audiovisuellen Medienlandschaft.

Und auch wenn die Menschheit dem schwarzen Gold wie einem Gott huldigt, ist eine Ölpest nichts Natürliches. Die Explosion auf der Deepwater Horizon und seine Folgen ergeben eine Umweltkatastrophe, eine vom Menschen verursachte, also nicht-natürliche Katastrophe. Wie jede Ölpest. Für die Finanzwelt ausgedrückt: wenn Obama sagt, dass BP für die Katastrophe bezahlen wird, dann gibt es einen Schuldigen. Bei Naturkatastrophen gibt es den nicht.

Linguistisch sind beide Wörter sogenannte Komposita, in diesem Fall zusammengesetzte Substantive. Aber sie unterscheiden sich in ihrer Kopf-Kern-Struktur:

  • Naturkatastrophe = ‘natürliche Katastrophe’ (siehe auch engl. natural disaster -> Adjektiv (natural) + Substantiv)
  • Umweltkatastrophe = ‘Katastrophe für die Umwelt’

In beiden Fällen ergeben sich zwar Auswirkungen für Natur und Umwelt – in der Umweltkatastrophe sind diese auch semantisch zugänglicher. Im Fall der Naturkatastrophe werden die verheerenden Auswirkungen aber nicht vom Substantiv ‘Natur’ getragen – dieses sagt lediglich aus, dass es sich um eine natürlich Ursache handelt, z.B. bei Erdbeben, Flutereignissen, Vulkanausbrüchen. Die Ursache der Katastrophe ist wiederrum in Umweltkatastrophe nicht sofort ersichtlich (wobei es sich grundsätzlich um vom Menschen verursache Ereignisse handelt). Es ist auch eine Frage der Konvention: und die ist (noch), dass Umwelt- und Naturkatastrophen zwei Paar Schuhe sind. So gesehen dürften Journalisten das Isländische für die Komposition Eyjafjallajökull verantwortlich machen (genau genommen finden sich in Eyjafjallajökull auch Elemente von Derivation und Flektion, aber belassen wir es mal dabei).

Aber menschliches Gewinnstreben bleibt eine Umweltkatastrophe.

*Im Zuge von Recherchen scheint zumindest SpOn den Lapsus bemerkt zu haben und hat Naturkatastrophe durch Umweltkatastrophe ersetzt. Der Verdacht liegt übrigens nahe, dass die fraglichen Medien eine Agenturmeldung übernommen haben. Wäre wohl ein Fall für die Jungs hier.

Komentare (6)

Moin

Ich begrüße die Besucher des Bestatterweblogs, die aufgrund eines aus einem Scherz hervorgegangenen Links von Tom hier herüber gespült wurden.

Da ich gerade mit Dingen beschäftigt bin, damit ich “Magisterarbeit” im Titel dieses Blogs durch “Doktorarbeit” ersetzen kann, geht es hier heute abend weiter: und dann versuche ich auch, all jenen Bestatterwebloglesern einen kleinen Einblick in dieses Blog zu geben, die vermutlich durch kurzes Überfliegen eher abgeschreckt wurden.

Und ich füge auch die mehrfach geforderte Zugriffsstatistik bei.

Komentare (13)

Tatort Barmbek

Nach sechs Monaten Schreibtischdienst ohne nennenswertes Sozialleben und kurz vor dem Gang in den Copyshop weißt du, dass du urlaubsreif bist, wenn du beim Anblick deiner Straße voller Löschzüge, Polizei, Krankenwagen und mit Gasmasken bestückten Feuerwehrleute nur daran denkst, wo der USB-Stick mit der PDF der Magisterarbeit liegt. Andere raffen Photos, Ausweisdokumente oder Bargeldbestände zusammen.

Der Genny bläst vermutlich gerade die Sprungburg auf, das kann ich aber nicht einsehen, weil ich über/hinter der Regenrinne im Dachgeschoss wohne. Aber die Blickrichtung der Passanten verrät nichts Gutes: die gucken alle in meine Richtung. Ich rufe mal eben nach unten: “Huhu! Ob mir einer der Herren mal sagen könnte, ob ich gleich sterbe? Ich meine, falls einer gerade Zeit hat.” Niemand antwortet, weil sich’s mit so Gasmasken natürlich auch nicht besonders gut hören lässt.

Weil das Spektakel genauso schnell zu Ende ist, wie’s aufgezogen war, schiebe ich es mal auf einen unglücklichen Nachbarn, dessen äußerst sensiblen Rauchmelder ausgerechnet dann den Realitätscheck machen, wie er nicht zu Hause ist. Das wird teuer! Aber es war vermutlich absehbar, dass das mal passiert, weil bei uns im Haus fast täglich irgendwo ein Sensibelchen jault, wenn man Fischstäbchen brät. (Schade eigentlich nur, dass der fette Benz, der seit Tagen in der Feuerwehrzufahr im Halteverbot parkt, außer Haus war – das wäre schon ein nettes Schauspiel gewesen, da ein Löschzug so ein Störelement relativ schnell einfach zur Seite schiebt.)

Und alles zur besten Tatortsendezeit.

Komentare (8)

Meine erste (aktive) Konferenz

Jetzt steht der akademischen Karriere ja nu nichts mehr im Weg. Für die 47. Studentischen Tagung Sprachwissenschaft (StuTS) in Mainz habe ich mein Magisterarbeitsthema als Vortrag eingereicht. Das wird spannend und lustig. Eventuelles Feedback wird zwar zu spät kommen, aber zum “warm machen” wird das ganz famos. Und…

…ich freu mich riesig drauf.

Komentare (10)

Die Birne ist hinfällig

Altbundeskanzler Helmut Kohl feierte gestern seinen 80. Geburtstag. Der einzige Grund, ihn dafür nicht an seinem Geburtstag zu würdigen, liegt im gestrigen Artikel, den ich persönlich zu schön fand, ihm auch gleich eine ebenbürtige Konkurrenz aufzuhalsen.

Aber widmen wir uns einem Beitrag auf NDR2, der gestern einen Nachruf, pardon, einen Beitrag über die Geburtstagsnichtfeierlichkeiten Helmut Kohls sendete:

[Helmut Kohl] ist ein bißchen hinfällig geworden, aber er ist voll präsent. Ihm kann keiner was vormachen; er nimmt am politischen Leben insofern teil, als dass er sich über alles noch informieren lässt. Helmut Kohl ist geistig voll da, aber er ist körperlich eben hinfällig.
(Dietmar Riemer, ARD-Hauptstadtstudio Berlin,”Kurier um 12“, NDR2, 3. April 2010)

Ich stutzte sofort beim Adjektiv hinfällig.

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Komentare (8)

Morphologie für Anfänger

Ich beschäftige mich momentan aus verschiedenen Gründen mit Morphologie. Morphologie ist die Beschreibung und Analyse von Wörtern, Wortstrukturen und Wortteilen, deren Bildung, Ableitung, Flektion und Bedeutung. Kurz gesagt. Aber beginnen wir mit einer kleinen Anekdote.

Im letzten Jahr machte ich ja eher zum Spaß ein Praktikum bei Studio Hamburg, was zumindest meinem Hinterkopf zu kurzer Berühmtheit verhalf (in der zweiten Folge war ich auch von vorne im Hintergrund zu sehen). Ich knechtete in einem sehr netten Team in der Set-Aufnahmeleitung, also als “Arsch für alle(s)”; das sind die, die immer sehr wichtig und mit Headset durch die Gegend laufen.

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Komentare (2)

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