21. März 2011 von suz
Manchmal glaube ich, dass nicht wir als Gesellschaft andere Probleme hätten, sondern dass Nachrichtenredaktionen die Masse an Praktikanten irgendwie beschäftigen müssen. Und so schaffte es eine abkömmliche Meldung auf die Startseiten der Onlinemedien, die eigentlich mit Libyen, Fukushima und Knut in diesen Tagen genug zu tun haben dürften.
In der letzten Woche besuchten Prinz William und Kate Middleton die Hochwassergebiete im australischen Queensland und die Erdbebenregion in Neuseeland. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Besuch des Prinzen und seiner Zukünftigen wird den dortigen Menschen viel bedeuten. Aufhänger für die Nachricht war in den allermeisten Medien allerdings die Frage, ob das Bald-Prinzenpaar seine Flitterwochen im Sonnenstaat Queensland verbringt. Damit ist die Meldung eigentlich doch recht überflüssig bis zynisch.
Aber zur sprachlichen Seite. Heute: Idiomatische Sprachverwendung.
Weiterlesen »
Veröffentlicht in Semantik, Sprachen & Dialekte, Zitate | 4 Kommentare »
21. Februar 2011 von suz
Da ich in meinem Texterleben unter anderem gerade knapp 40.000 Wörter – also im textlichen Umfang einer Magisterarbeit – über Lifestyleprodukte schreiben muss, ist es hier in den letzten Tagen und Wochen so ruhig geworden, dass ich darüber fast mein Passwort für den Login vergessen hätte. In Ghost- und Copywriter-Kreisen nennt man Projekte wie das (meinige) übrigens das Verfassen von Unique Content.*
Eigentlich hätte ich einen guten Berg an Themen abzuarbeiten. Für das Aktuelle konnte ich mich aber nicht zwischen Zynismus, Satire und ehrenwörtlicher Entrüstung entscheiden. Außerdem wäre jegliche Stellungnahme nach dem Gagfeuerwerk, das in den letzten Tagen aus allen Rohren auf das freiherrliche Plagiatsexamen abgefeuert wurde, das dreiste Schmücken mit fremden Federn. Nach der gestrigen Hohlmeierei bei Anne Will, als das Straußenei als Ablenkungsmanöver vom ‘Ablenkungsmanöver’ meinte, ‘Fehler’ wie diese machen ihn ‘menschlich’, war ich der Meinung, die Spitze der bewussten Täuschung sei erreicht. Heute weiß ich (“Hier steht das Original, kein Plagiat”), warum ich froh bin, dass bei uns keiner den Überblick über Atomwaffen verlieren kann.
Es wird hier im Blog vorerst leider weiter ruhig bleiben, zumindest bis zum Wochenende. Ich gelobe Besserung. Bis Freitag bin ich auf einer Konferenz in Göttingen. Vielleicht hat Dr. Xerox bis dahin seinen Helm genommen (für die Fußnote in der Geschichte) und ich kann mich wieder den wichtigen Themen widmen, von denen alle reden.
Thema der Tagung ist übrigens… Text: Strukturen und Verarbeitung.
P.S.: “Flädlesupp” ist die Satire-, Müll- und Kommentarkategorie bei */ˈdɪːkæf/.
*Disclaimer: Ich arbeite als (Werbe-)Texterin, der englische Fachausdruck dafür ist Copywriter. An summa cum fraude bin ich nicht beteiligt.
**Ich melde Gagschutz für Hohlmeierei und Straußenei an.
Veröffentlicht in Flädlesupp | 2 Kommentare »
3. Februar 2011 von suz
Wer die letzten Tage nicht in völliger medialer Dunkelheit verbracht hat, wird es bereits wissen: leaken ist der Anglizismus des Jahres 2010. Anatol Stefanowitsch hat es am Dienstag Nachmittag unter anderem auf seinem Blog bekannt gegeben.
Das Presseecho: Immerhin fand die Wahl außer auf vielen Blogs und Twittermeldungen im Tagesspiegel und im britischen Guardian sowie als Guardian-Nachdruck in The Age aus Melbourne Erwähnung. Außerdem – obächtle! – erschein ein Kommentar in der Badischen Zeitung.
Die Reaktion eines Freundes, als er mir das zweite Tannenzäpfle auf den Tisch stellte: „Ja, woran das wohl liegt?“
Ich stelle fest: damit habe ich nichts zu tun.
Zum Wochenende bringe ich eine kleine Presse(rück)schau.
Veröffentlicht in In eigener Sache, Sprachen & Dialekte | 1 Kommentar »
24. Januar 2011 von suz
Es ist schwer, aus dem Wirrwarr der Diskussionen und Streitgespräche über die “(Kein) Deutsch ins Grundgesetz”-Petitionen einigermaßen diskussionfähige Argumente für oder wider herauszulesen. Mir war irgendwie danach, mal meine Highlights an Argumenten der Befürworter zusammenzutragen.
Der Einfachheit halber nenne ich die Befürworter der Aufnahme von Deutsch ins Grundgesetz “Befürworter” und die Gegner “Gegner”. Das klingt auf den ersten Blick paradox. Es ist aber übersichtlicher, als – von einer der beiden Petitionen aus betrachtet – die Menschen, die dafür sind, als “Gegner” (der Petition von Anatol Stefanowitsch) zu nennen und die, die dagegen sind als “Befürworter” zu bezeichnen oder andersrum. Wenn also alle Klarheiten beseitigt sind, kann es losgehen.
Argument 1: “19 Länder in Europa haben ihre Sprache in ihrer Verfassung verankert – und haben damit kein Problem.”
Weiterlesen »
Veröffentlicht in Sprachen & Dialekte | 19 Kommentare »
21. Januar 2011 von suz
Art. 22, Abs. 3 GG gibt es nicht.
Der VDS möchte, dass Deutsch besser geschützt und deshalb als Zusatz zu Artikel 22 ins Grundgesetz aufgenommen wird. Dafür hat der Verein Ende des vergangenen Jahres die BILD-Zeitung gewinnen können. Mit der Sache beschäftigten sich im November das BILDblog (hier und hier), sowie Sprachlogger Anatol Stefanowitsch. Im Dezember dann startete der VDS eine E-Petition, in der der Bundestag aufgefordert wird, Deutsch im Grundgesetz festzuschreiben. Diese Petition ist bei Ablauf in dieser Woche von etwa 5000 Menschen gezeichnet worden.
Stefanowitsch kündigte bereits im November an, eine entsprechende Gegenaktion zu starten. Es ist soweit. Die Petition findet sich hier. Zum Willensbildungsprozess gehört natürlich auch die Information über ein Thema und wer sich die Hintergründe dazu aneignen möchte und wissen möchte, warum, der sei auf die Bekanntmachung (inklusive der Links zu früheren Beiträgen) im Sprachlog hingewiesen. Heute hat auch Stefan Niggemeier auf die Aktion aufmerksam gemacht.
Da frage ich mich natürlich, was die Reichweite meiner Wenigkeit noch ausrichten kann. Aber mir ist im Laufe der Diskussionen klar geworden (ähnlich wie Kristin), dass ich auch als kleines Licht den geistigen Dünnpfiffterror nicht unkommentiert stehen lassen will. Wenn man als Feind der deutschen Sprache diffamiert wird, weil man sich der Petition anschließt oder der Doppelmoral bezichtigt wird, weil man dann trotzdem in Deutschland lebt – dann ist jede erdenkliche Motivation legitim, mit der diese Petition gezeichnet wird. Bisher hielt ich billigen Populismus für den schlechtesten aller Gründe – (zumindest) für heute sehe ich das anders. Ich lebe gerne hier, ich liebe Deutsch – und das trotz der unreflektierten Pöbelei, die uns entgegen weht.
Mein Demokratieverständnis hält das aber aus.
Veröffentlicht in Sprachen & Dialekte | Keine Kommentare »
17. Januar 2011 von suz
Die Jury bloggt ja ganz fleißig zu den Begriffen und so langsam erscheinen auch Beiträge über Außenseiterkandidaten. Das Stimmungsbild mag sich zwar auf ein paar wenige Begriffe konzentrieren – aber das Schöne an unserer Wahl ist ja, dass die Entscheidungsfindung so transparent ist. Deshalb möchte ich mich heute einem weniger aussichtsreichen Kandidaten widmen. Die Diskussion um solche Außenseiter sollte ja auch zeigen, warum diese vermutlich nur Außenseiter bleiben.
Nun denn, heute: Shitstorm. Weiterlesen »
Veröffentlicht in Semantik, Sprachen & Dialekte | 5 Kommentare »
14. Januar 2011 von suz
Kristin hat nebenan im Schplock bereits einen ganz heißen Kandidaten für den Titel “Anglizismus des Jahres 2010″ vorgestellt, die/das App. Mit ihrem ausführlichen Artikel hat sie die Messlatte für die bloggende Jury hoch angesetzt. Dann will ich mich heute dem zweiten Favouriten der Publikumsgunst widmen: leaken.
[Kristin und ich haben unsere Gedanken zu leaken zeitgleich veröffentlicht. Update 0 Uhr 21: Kristins Beitrag findet sich hier.]
Die Gedanken zu leaken – auch für alle folgenden Kandidaten – werden sich im Wesentlichen an den für die Wahl aufgestellten Hauptkriterien orientieren: Aktualität für eine breite Öffentlichkeit und dem Füllen einer lexikalischen Lücke in der deutschen Sprache. Darüber hinaus soll die Sprache und weniger die Gesellschaftskritik im Vordergrund stehen.
Packen wir’s an.
Weiterlesen »
Veröffentlicht in Morphologie, Sprachen & Dialekte | 15 Kommentare »
13. Januar 2011 von suz
Morgen werde ich ein paar Gedanken zu einem bzw. mehreren der Vorschläge zu Bildschirm bringen. Fürs erste sind unsere Leser aufgerufen, an der Publikumswahl zum Anglizismus des Jahres teilzunehmen. Sozusagen ein Public Vote zusätzlich zur – letztendlich offiziellen – Jurywahl.
Weitere Blogbeiträge von Jurykollegen zur Wahl:
Kristin Kopf: [Anglizismus des Jahres] Die App?
Michael Mann: Die Qual der Anglizismenwahl / Google als Datenlieferant
Anatol Stefanowitsch: Anglizismus des Jahres: Zwischenmeldung
Veröffentlicht in Morphologie, Sprachen & Dialekte | 6 Kommentare »
28. Dezember 2010 von suz
Sprachlogger Anatol Stefanowitsch sucht nebenan im Sprachlog den Anglizismus des Jahres 2010. Unter Anatols Vorsitz wird eine Jury aus bloggenden Germanisten und Anglisten im Januar aus Vorschlägen der Öffentlichkeit das Gewinnerwort (und den Gewinner) wählen. In der Jury sitzen neben Anatol die BloggerInnen Juliana Goschler, Kristin Kopf, Michael Mann und meine Wenigkeit.
Die Modalitäten werden hier und hier gesondert aufgeführt, zusammenfassend schreibt Anatol in seinem Wahlaufruf:
Nominierte Wörter sollten (ganz oder in Teilen) aus dem Englischen stammen, sie sollten neu sein, d.h. im Jahr 2010 zum ersten Mal verwendet worden oder wenigstens zum ersten Mal in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gelangt sein. Sie sollten eine interessante Lücke im deutschen Wortschatz füllen, entweder, indem sie eine vorhandene Wortbedeutung weiter ausdifferenzieren oder, indem sie ein Wort für etwas bereitstellen, was es vorher nicht gab oder was vorher nur mühsam umschrieben werden konnte.
Nominierungen dürfen bis zum 7. Januar in den Kommentaren des ersten Wahlaufrufs (und nur da!) mit Quelle und Begründung hinterlassen werden. Diese Wahl ist die erste seiner Art, der aber in Zukunft weitere folgen sollen.
Warum?
Bleibt eine Frage: Wie kann man erst auf Wörterwahlen schimpfen und dann selbst eine veranstalten? Nun, ich will versuchen, ob man nicht doch eine Wörterwahl hinbekommt, bei der es tatsächlich um Sprache geht, und nicht um Gesellschaftskritik. Es wird viel und unqualifiziert auf die englische Sprache und ihren Einfluss auf das Deutsche geschimpft, und dabei wird übersehen, dass die Entlehnung von Wörtern aus anderen Sprachen erstens völlig normal und zweitens ein Prozess der sprachlichen Bereicherung ist. [Hervorhebung von mir.]
Oder: “Alle hassen englische Lehnwörter. Wir nicht.”
Veröffentlicht in Morphologie, Sprachen & Dialekte | 1 Kommentar »
12. Dezember 2010 von suz
Ist Max eigentlich der einzige, der hier ziemlich oft Probleme mit der Erreichbarkeit der Seite hat? Falls nicht, wäre eine kurze E-Mail oder ein Kommentar vermutlich viel wert. (Evtl. mit Fehlermeldung und/oder Uhrzeit.)
Bei den stolzen Preisen, die ich meinem Provider zahle, darf ich bei aller Bescheidenheit und geringem Bekanntheitsgrad ja trotzdem erwarten, dass das hier störungsfrei läuft. Mir selbst fällt es gar nicht auf; ich werde nur ab und an aus dem Admin-Bereich geworfen.
Danke.
Veröffentlicht in In eigener Sache | 2 Kommentare »