Dieses Mal bin ich hier wieder Gastgeberin unseres Sprachblogkarnevals, der letzten Ausgabe für 2011. (Um noch schnell ein sinnloses ›letzte/r/s X in diesem Jahr‹ loszuwerden.) Der Vorweihnachtsentspanntheit von Kleinbloggersdorf ist hiermit also wieder ein interessantes und buntes Allerlei aus der Welt der Sprachblogs hinzugefügt.
Kilian Evang stellt im Texttheater eine Imagekampagne der Stadt Seoul vor: Weil sich die koreanischen Hauptstadt als weltoffene Metropole versteht, haben die Grafiker zum Spiel mit den großen internationalen Schriftsystemen eingeladen: Gastfreundschaft auf Koreanisch - aber in lateinischen, arabischen und japanischen Schriftzeichen - den Hangulimitaten. Kilian zeichnet eine linguistische Analyse des Spiels mit der Schrift nach.
Haben Sie sich schon mal dem Zweifel gegenüber gesehen, ob Sie für die nächtliche Heißhungerattacke die nächste Tankstelle oder die näheste Tankstelle brauchen? Stephan Bopp erklärt den Zweifelsfall - und dass zwar nur ein Ausdruck standardsprachlich als korrekt gilt, warum aber beide Ausdrücke ihre ganz eigene, nicht-synonyme Funktion (und Berechtigung) haben.
Was ist eine lexikalische Lücke? Und wie füllen wir sie? Jaja, meckern über falschen Wortgebrauch, störende Fremdwörter und Oder kann ja jeder. In einer Buchbesprechung zum Thema Wortschatzerweiterungen rezensiert Anatol Stefanowitsch das neue Werk von Sascha Lobo - und zeigt, dass kreative, nicht-nölende Sprachgestaltung informativ, spannend und unterhaltsam sein kann.
Vielleicht bin ich befangen - und auch ein wenig traurig, dass ich dem Einfluss dieser Inspiration nicht beiwohnen durfte: Kristin Kopf stellt im Schplock eine Hinweisschildersammlung vor, die von Mehmet Aydın nach vermutlich sehr lustigen Gruppentherapien für Jung-Linguisten während der letzten StuTS in Göttingen für die Nachwelt festgehalten wurden, natürlich nicht ohne ein kleinere Anspielungen: Caution! This language is under construction!
Etwas weniger sprachlich sieht Michael Mann im lexikographieblog den November und beschäftigt sich mit der Frage, ob, wann und wie Wikipedia zitierfähig ist. Er kommt zum Schluss: zu schön, um falsch zu sein und liefert noch einen lustigen xkcd-Comic nach, der die Frage nach der Zitierfähigkeit der Wikipedia im universitären Kontext aufrollt.
Ich selbst habe im November den ersten Teil einer Reihe veröffentlicht, der sich mit der Frage beschäftigt, ob Muttersprachlerdasein ausreicht, über den Gebrauch und die (Un)Richtigkeit von Lehnwörtern der eigenen Sprache in einer anderen zu urteilen. Frische Beulen im Denglisch-Wahn überführt ein altes Sprachnörglervirus: Wir machen uns vor Mutterspachlern lächerlich. Stay tuned, it’s ongoing.

Anglizismus des Jahres 2011
Und zuguterletzt nochmal der Hinweis auf die Wahl zum Anglizismus des Jahres 2011. Dort wurde in den letzten Wochen die Jury vorgestellt - Kristin Kopf, Michael Mann, Jan Wohlgemuth und the suz. Es sind schon einige Vorschläge eingegangen - das Feld ist dieses Mal recht breit. Weitere Nominierungen können noch bis zum 31. Dezember abgegeben werden; demnächst beginnt die heiße Blogphase zu den Vorschlägen.
--
Bisher erschienene Ausgaben:
Blogspektrogramm #1 (im Sprachlog)
Blogspektrogramm #2 (im Sprachlog)
Blogspektrogramm #3 (bei */ˈdɪːkæf/)
Blogspektrogramm #4 (im texttheater)
Blogspektrogramm #5 (im [ʃplɔk])
Blogspektrogramm #6 (im Sprachlog)
Blogspektrogramm #7 (im lexikographieblog)